{"id":13253,"date":"2013-03-01T00:00:00","date_gmt":"2013-02-28T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20130301-02n"},"modified":"2013-03-01T00:00:00","modified_gmt":"2013-02-28T22:00:00","slug":"seegras-im-dachstuhl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/seegras-im-dachstuhl\/","title":{"rendered":"Seegras im Dachstuhl"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin-left:10px;\">\n<table border=\"0\">\n<tr>\n<td><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20130301-02\/Neptunballe.jpg\" align=\"left\" BORDER=\"0\" ALT=\"Seegraskugeln lassen sich ohne chemische Zus\u00e4tze als<br \/>D\u00e4mmwerkstoff nutzen.\u00a9 Fraunhofer ICT&#8221;><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"font-size:10px;\" align=\"left\">Seegraskugeln lassen sich ohne chemische Zus\u00e4tze als<br \/>D\u00e4mmwerkstoff nutzen.\u00a9 Fraunhofer ICT<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p><b>Angeschwemmtes Seegras ist f\u00fcr viele K\u00fcstenbewohner eine Plage. Doch der Rohstoff eignet sich sehr gut zum D\u00e4mmen von Geb\u00e4uden. Gemeinsam mit Industriepartnern ist es Forschern gelungen, die schadstofffreien Fasern zu D\u00e4mmwolle zu verarbeiten.<\/b><\/p>\n<p>Im Herbst, Winter und Fr\u00fchling pr\u00e4gen sie das Bild der Mittelmeerstr\u00e4nde \u2013 Seegraskugeln der Pflanze <i>Posidonia oceanica<\/i>, die auch als Neptunb\u00e4lle bekannt sind. Das Naturmaterial gilt als Abfallprodukt und wird in der Regel auf Deponien entsorgt. Dabei ist der in gro\u00dfen Mengen vorkommende nachwachsende Rohstoff viel zu wertvoll, um auf der M\u00fcllkippe zu landen. Er zeichnet sich durch eine Reihe von Eigenschaften aus, die ihn f\u00fcr das Baugewerbe interessant machen: Seegrasfasern sind schwer entflammbar, schimmelresistent und lassen sich ohne chemische Zus\u00e4tze als D\u00e4mmwerkstoff nutzen \u2013 etwa zur Zwischensparrend\u00e4mmung in Steild\u00e4chern, zum Isolieren von Innenw\u00e4nden oder um W\u00e4rmeverluste an der Geb\u00e4udeh\u00fclle zu verringern. Die Fasern nehmen Wasserdampf auf, puffern ihn und geben ihn wieder ab, ohne dass die W\u00e4rmed\u00e4mmf\u00e4higkeit beeintr\u00e4chtigt wird. Da Neptunb\u00e4lle lediglich einen Salzgehalt von 0,5 bis 2 Prozent haben, verrottet der D\u00e4mmstoff nicht.<\/p>\n<p>Doch wie l\u00e4sst sich das Seegras zu Baumaterial verarbeiten? Eine schwierige Aufgabe, schlie\u00dflich m\u00fcssen die Neptunb\u00e4lle vom anhaftenden Sand befreit werden. Hinzu kommt, dass sich die einzelnen Fasern leicht verhaken und sich sowohl beim Aufbereitungs- als auch beim sp\u00e4teren Einblasprozess schnell neue Agglomerate bilden. Geeignete Verfahren, um aus den Neptunb\u00e4llen D\u00e4mmwolle zu produzieren, hat das Fraunhofer-Institut f\u00fcr Chemische Technologie ICT in Pfinztal in Kooperation mit den Industriepartnern NeptuTherm e.K., X-Floc D\u00e4mmtechnik-Maschinen GmbH, Fiber Engineering GmbH und RMC GmbH entwickelt. Ziel der Projektpartner war es, ein stopf- und einblasf\u00e4higes Material herzustellen. \u00bbUm m\u00f6glichst lange, sandfreie Fasern zu erhalten, erwies sich das Abr\u00fctteln des Sandes als beste L\u00f6sung\u00ab, sagt Dr. Gudrun Gr\u00e4be, Wissenschaftlerin am ICT. Durch einen schonenden Aufschluss der Agglomerate konnten die Ingenieurin und ihr Team die Fasergewinnung optimieren. Nach dem Abr\u00fctteln des Sandes gleiten die Neptunb\u00e4lle \u00fcber ein Laufband in die Schneidm\u00fchlen und fallen dann unbesch\u00e4digt als 1,5 bis 2 Zentimeter lange Fasern in Plastiks\u00e4cke.<\/p>\n<p><b>Posidonia-Faser k\u00fchlt bei Hitze<\/b><br \/>Der so produzierte lose D\u00e4mmstoff besitzt eine hohe W\u00e4rmespeicherkapazit\u00e4t. Der ermittelte Wert von 2,502 Joule pro Kilogramm Kelvin (J\/kgK) liegt etwa 20 Prozent h\u00f6her als bei Holz und Holzwerkstoffen, wie eine Studie vom Fraunhofer-Institut f\u00fcr Bauphysik IBP in Holzkirchen ergab. An hei\u00dfen Tagen h\u00e4lt er das Geb\u00e4ude daher k\u00fchl und sch\u00fctzt vor Hitze. Auch in der W\u00e4rmed\u00e4mmwirkung \u00fcberzeugen die Posidoniafasern. \u00bbDas Material wird mit der Dichte eingebaut, bei der es nicht zusammensackt. Die notwendige Einbaudichte hat die Materialpr\u00fcfanstalt MPA in Dortmund ermittelt\u00ab, so Gr\u00e4be.<\/p>\n<p>Nach Angaben des ECO-Instituts in K\u00f6ln ist das Seegras zu 100 Prozent biologisch und enth\u00e4lt keinerlei Fremd- oder Schadstoffe. Es eignet sich daher auch f\u00fcr Allergiker. Die Neptunb\u00e4lle zeichnen sich dar\u00fcber hinaus durch ihre g\u00fcnstige \u00d6kobilanz aus, die die Wissenschaftlerin und ihre Kollegen vom ICT erstellt haben. F\u00fcr den kompletten Herstellungsprozess inklusive Transport wird sehr wenig Energie ben\u00f6tigt. Die Neptunb\u00e4lle werden von Hand gesammelt und aus Tunesien per Schiff, aus Albanien per Lkw nach Deutschland geliefert.<\/p>\n<p><b>Stopfen oder einblasen<\/b><br \/>Das Einf\u00fcllen der D\u00e4mmung selbst ist unproblematisch. In der Regel wird das von Fachbetrieben durchgef\u00fchrt, man kann es aber auch in Eigenregie \u00fcbernehmen. Der Faserstoff wird in die Hohlr\u00e4ume von D\u00e4chern, W\u00e4nden und Decken gesch\u00fcttet und anschlie\u00dfend von Hand gestopft. Bei schlecht zug\u00e4nglichen Hohlr\u00e4umen empfiehlt sich jedoch das Einblasen. Hier sorgt eine spezielle, ebenfalls im Projekt konstruierte Einblasmaschine daf\u00fcr, dass selbst die hintersten Ecken und Winkel gef\u00fcllt werden.<\/p>\n<p>Der D\u00e4mmstoff aus dem Meer wird von der Firma NeptuTherm e.K. unter diesem Namen bereits vermarktet und vertrieben. In einer Reihe von Neubauprojekten und Altbausanierungen haben sich die Posidonia-Fasern schon bew\u00e4hrt. Geplant ist, eine feste, \u00f6kologisch einwandfreie Platte zu entwickeln, um komplette Systeme f\u00fcr die Dach-, Fassaden-, Innen- und Kellerdeckend\u00e4mmung aus dem Fasermaterial anbieten zu k\u00f6nnen. In Tests konnten die Forscher vom ICT die Machbarkeit solcher Matten zeigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Angeschwemmtes Seegras ist f&uuml;r viele K&uuml;stenbewohner eine Plage. Doch der Rohstoff eignet sich sehr gut zum D&auml;mmen von Geb&auml;uden. Gemeinsam mit Industriepartnern ist es Forschern<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[1727,4589,201,4318,4587,4590,4588],"class_list":["post-13253","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-eco-institut-gmbh","supplier-fiber-engineering-gmbh","supplier-fraunhofer-institut-fuer-chemische-technologie-ict","supplier-mpa-bau","supplier-neptutherm-ek","supplier-rmc-gmbh","supplier-x-floc-daemmtechnik-maschinen-gmbh"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13253","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13253"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13253\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13253"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13253"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13253"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=13253"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}