{"id":13175,"date":"2012-10-18T00:00:00","date_gmt":"2012-10-17T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20121018-02n"},"modified":"2012-10-18T00:00:00","modified_gmt":"2012-10-17T22:00:00","slug":"teller-oder-tank-gibt-es-ueberschuessige-flaechen-fuer-bioenergie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/teller-oder-tank-gibt-es-ueberschuessige-flaechen-fuer-bioenergie\/","title":{"rendered":"Teller oder Tank: Gibt es \u00fcbersch\u00fcssige Fl\u00e4chen f\u00fcr Bioenergie?"},"content":{"rendered":"<p><b> In der aktuellen Diskussion um Bioenergie wird verschiedentlich vorgeschlagen, \u00fcbersch\u00fcssige Landfl\u00e4chen oder Restfl\u00e4chen verst\u00e4rkt f\u00fcr den Anbau von Energiepflanzen zu nutzen, um dadurch die Landnutzungskonkurrenz mit der Produktion von Nahrungsmitteln abzumildern. Sind solche Vorschl\u00e4ge schl\u00fcssig und stehen die dazu entwickelten nationalen und globalen Konzepte auf wissenschaftlich gesicherten Fundamenten? Mit dieser Frage haben sich elf Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen aus Europa und den USA befasst und dazu insgesamt \u00fcber 170 Studien und Publikationen ausgewertet. Ihre Einsch\u00e4tzung: Zwar gebe es M\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine effiziente Nutzung solcher Fl\u00e4chen, allerdings d\u00fcrften dabei \u00f6kologische, \u00f6konomische und soziale Gesichtspunkte nicht aus den Augen verloren werden. Die Wissenschaftler f\u00fchren wichtige Kriterien auf, um die Eignung und das Potenzial entsprechender Fl\u00e4chen bewerten zu k\u00f6nnen. Ihre Ergebnisse haben sie jetzt in dem Open-Access-Journal &#8220;BioRisk&#8221; ver\u00f6ffentlicht. Damit ist die 46-seitige Studie frei im Internet verf\u00fcgbar<\/b><\/p>\n<p>&#8220;Teller oder Tank\u201d ist die griffige Formulierung, mit der sich Konflikte um die Nutzung landwirtschaftlicher Fl\u00e4chen auf den Punkt bringen lassen. Wenn auf Ackerland Energiepflanzen wie Mais, Raps oder auch Hirse angebaut werden, stehen diese Fl\u00e4chen nicht mehr f\u00fcr die Produktion von Lebens- und Futtermitteln zur Verf\u00fcgung. In dem Ma\u00dfe, wie die Nachfrage nach Bioenergie w\u00e4chst, versch\u00e4rft sich dieser Nutzungskonflikt. Davon betroffen sind auch indirekte Landnutzungs\u00e4nderungen, etwa wenn agrarisch nicht genutzte Fl\u00e4chen unter den Pflug genommen oder Urw\u00e4lder in Palm\u00f6lplantagen umgewandelt werden, um dem steigenden Fl\u00e4chenbedarf Rechnung zu tragen. Konzepte zur L\u00f6sung dieser Konflikte bringen unter anderem eine r\u00e4umliche Trennung beider Produktionslinien ins Spiel: Auf etablierten Agrarstandorten sollen weiter Lebens- und Futtermittel produziert werden, w\u00e4hrend Energiepflanzen auf sogenannten Restfl\u00e4chen angebaut werden sollten. Darunter werden vor allem Fl\u00e4chen verstanden, die derzeit aus sozio-\u00f6konomischen oder politischen Gr\u00fcnden oder aber wegen ung\u00fcnstiger Standortbedingungen (Klima, Boden) nicht f\u00fcr Ackerbau oder Forstproduktion genutzt werden. <\/p>\n<p>So bestechend dies zun\u00e4chst klingen mag \u2013 in der Praxis gibt es bislang weder eine einheitliche Definition von &#8220;\u00fcbersch\u00fcssigen&#8221; Brachfl\u00e4chen (&#8220;surplus&#8221; land), noch ist klar, wie viel Landfl\u00e4chen mit welchen Ertragspotenzialen \u00fcberhaupt verf\u00fcgbar sind. In der Fachliteratur finden sich Annahmen von 250 Mio. bis 1.580 Mio. Hektar. Diese enorme Bandbreite entsteht dadurch, dass unterschiedliche Typen von Restfl\u00e4chen einbezogen werden, mit unterschiedlichen Potenzialen gerechnet wird und oft auch soziale Hemmnisse f\u00fcr die Nutzbarmachung entsprechender Fl\u00e4chen nur unzureichend in Betracht gezogen werden. &#8220;Solange wir nicht wissen, wie viel Land wirklich als Restfl\u00e4che zur Verf\u00fcgung steht und auch f\u00fcr den Anbau von Energiepflanzen geeignet ist, f\u00e4llt es schwer, belastbare Konzepte zu entwickeln&#8221;, sagt Dr. Jens Dauber, Biologe am Braunschweiger Th\u00fcnen-Institut und Erstautor der Studie. &#8220;Zudem m\u00fcssen Umwelt- und sozio\u00f6konomische Gesichtspunkte in die Fl\u00e4chenabsch\u00e4tzungen mit einbezogen werden.&#8221;<\/p>\n<p>Die Autoren der Studie schlagen daher vor, den Begriff &#8220;\u00fcbersch\u00fcssige Fl\u00e4chen&#8221; klarer zu definieren und sowohl Einschr\u00e4nkungen und als auch Chancen f\u00fcr eine nachhaltige Bioenergie-Landnutzung zu ber\u00fccksichtigen. Zudem m\u00fcsse eine globale, hochaufl\u00f6sende Datenbank f\u00fcr die nachhaltige Nutzung von Fl\u00e4chen entwickelt werden, da die derzeitigen Daten zu Landnutzung, Besitzverh\u00e4ltnissen, Klima und Boden oft zu grob sind, um in der lokalen oder regionalen Raumplanung angewendet werden zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Konkret listet die Studie eine Reihe von Kriterien auf, die bei der Potenzialabsch\u00e4tzung von Restfl\u00e4chen einbezogen werden m\u00fcssen: Geringe Ertr\u00e4ge auf Marginalstandorten, Naturschutzbelange, F\u00f6rderung des indirekten Landnutzungswandels, Wasserverbrauch, Klimawirkung sowie Ver\u00e4nderungen im sozialen Gef\u00fcge lokaler Gemeinschaften durch Ver\u00e4nderungen der Arbeitsmarktstrukturen. Gleichzeitig zeigt die Studie aber auch, wie einige dieser eher hemmenden Faktoren durch einen geschickten Energiepflanzenanbau gemindert oder sogar ins Positive gekehrt werden k\u00f6nnten. Hier spielt die Wahl der jeweils regional geeignetsten Energiepflanzen, gekoppelt mit der geeignetsten Umwandlungstechnologie in Biomasse bzw. Bioenergie, und eine aktive Landnutzungs- und Landschaftsplanung eine entscheidende Rolle. &#8220;Wenn die Bereitstellung von Bioenergie dauerhaft zur Energiesicherheit und zur L\u00f6sung der Probleme rund um den Klimawandel beitragen soll, dann m\u00fcssen wir Empfehlungen geben, welche Anbausysteme am besten f\u00fcr die jeweiligen Typen von \u00fcbersch\u00fcssigem Land geeignet sind. Dabei m\u00fcssen wir Fruchtfolge, Ertr\u00e4ge, N\u00e4hrstoffeintr\u00e4ge und Kosten abw\u00e4gen sowie m\u00f6gliche \u00f6kologische und sozio-\u00f6konomische Auswirkungen ber\u00fccksichtigen&#8221;, sagt Prof. Dr. Daniela Thr\u00e4n vom Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Umweltforschung (UFZ) und Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ), die an der Studie mitgewirkt hat. <\/p>\n<p>Eine starke Nachfrage nach Bioenergie, ausgel\u00f6st durch Subventionen oder die Marktmechanismen, k\u00f6nnte zu wahllosen Massenanpflanzungen oder steigenden Importen nicht nachhaltig erzeugter Biomasse f\u00fchren, die dem Klimaschutzgedanken zuwiderlaufen. Um solche Fehlentwicklungen zu vermeiden, ist die Politik gefordert, auf nationaler und internationaler Ebene Rahmenbedingungen f\u00fcr den Anbau von Bioenergie-Rohstoffen zu setzen und Planungen auf Landschaftsebene anzuregen.<\/p>\n<p><b><\/p>\n<ul>\n<li>Weitere Informationen<\/li>\n<\/ul>\n<p><\/b><br \/>BioRisk-Studie <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20121018-02\/12-10-30%20BioRisk_Bioenergy%20from%20Surplus%20land.pdf\" >Bioenergy from &#8216;surplus&#8217; land: environmental and socio-economic implications<\/a> (PDF-Download)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b> In der aktuellen Diskussion um Bioenergie wird verschiedentlich vorgeschlagen, &uuml;bersch&uuml;ssige Landfl&auml;chen oder Restfl&auml;chen verst&auml;rkt f&uuml;r den Anbau von Energiepflanzen zu nutzen, um dadurch die<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[112,12258,64],"class_list":["post-13175","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-deutsches-biomasseforschungszentrum-gmbh-dbfz","supplier-helmholtz-zentrum-fuer-umweltforschung-ufz","supplier-johann-heinrich-von-thuenen-institut-vti"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13175","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13175"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13175\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13175"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13175"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13175"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=13175"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}