{"id":131105,"date":"2023-09-04T07:20:00","date_gmt":"2023-09-04T05:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=131105"},"modified":"2023-08-29T11:36:45","modified_gmt":"2023-08-29T09:36:45","slug":"kannibalisierung-durch-chemisches-recycling-ausschliesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kannibalisierung-durch-chemisches-recycling-ausschliesen\/","title":{"rendered":"Kannibalisierung durch chemisches Recycling ausschlie\u00dfen"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Im Rahmen der VDMA-Initiative \u201eLet\u00b4s talk about Chemical Recycling\u201c beantwortete Michael Ludden, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Sutco Recycling GmbH, die Fragen der Redaktion zu Potenzial, Wirtschaftlichkeit und sinnvollem Einsatzbereich des chemischen Recyclings.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Herr Ludden, welches Potenzial hat aus Ihrer Sicht das chemische Recycling?<\/h3>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/08\/Bildschirmfoto-2023-08-29-um-11.32.44.png\" alt=\"Michael Ludden, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Sutco Recycling GmbH: \u201e F\u00fcr mich macht chemisches Recycling dort Sinn, wo es im mechanischen Recycling schwierig wird&quot;\" class=\"wp-image-131128\" width=\"195\" height=\"223\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/08\/Bildschirmfoto-2023-08-29-um-11.32.44.png 253w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/08\/Bildschirmfoto-2023-08-29-um-11.32.44-131x150.png 131w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/08\/Bildschirmfoto-2023-08-29-um-11.32.44-236x270.png 236w\" sizes=\"auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px\" \/><figcaption>Michael Ludden, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Sutco Recycling GmbH: \u201e F\u00fcr mich macht chemisches Recycling dort Sinn, wo es im mechanischen Recycling schwierig wird.\u201c Foto: Sutco Recycling<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Michael Ludden: Das Potenzial liegt ganz klar zwischen der mechanischen Aufbereitung und der energetischen Verwertung. Beim Verbrennen wird nur noch die Energie des Kunststoffabfalls genutzt, das Material selbst geht verloren. Es muss also neues Material gewonnen werden, aus fossilen Ressourcen. Anders als das mechanische Recycling nutzt das chemische Recycling die bestehenden Polymere aber nicht als Werkstoff, sondern spaltet diese Verbindungen auf.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wo macht es konkret Sinn?<\/h3>\n\n\n\n<p>Ludden: F\u00fcr mich macht chemisches Recycling dort Sinn, wo es im mechanischen Recycling schwierig wird. Da bietet es sich an, die Kohlenstoffverbindungen aufzubrechen, zu reinigen und neu zu polymerisieren. Das passiert gegenw\u00e4rtig aber nicht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Crux liegt leider darin, dass sich das chemische Recycling im Moment nur mit der Aufbereitung von Polyolefinen, wie etwa Polypropylen und Polyethylen befasst. Diese Kunststoffe bestehen nur aus Verkettungen von Kohlenstoff und Wasserstoff. Die gro\u00dfe Menge anderer Kunststoffe, die auch noch Stickstoff, Schwefel oder Sauerstoff enthalten, steht bei den chemischen Recyclern nicht im Fokus, denn diese Stoffe st\u00f6ren die Pyrolyse.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun ist es aber so, dass Polyolefine sehr gut im mechanischen Recycling verarbeitet werden k\u00f6nnen. Diese Art des Recyclings ist \u00f6kologisch viel sinnvoller, weil die Kunststoffe dabei in ihrer Vernetzung intakt bleiben. Man vernichtet also erstens kein Material und zweitens sind f\u00fcr die Aufarbeitung weniger Ressourcen, weniger Energie und weniger Wasser n\u00f6tig.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn jetzt auch die chemischen Recycler das Material verwenden, das die mechanischen Recycler sehr gut verarbeiten k\u00f6nnen, kommt es zu einer Kannibalisierung der Stoffstr\u00f6me. Das muss unbedingt verhindert werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Und wie?<\/h3>\n\n\n\n<p>Ludden: Es ist die Aufgabe der Politik, das zu verhindern. Im Prinzip gibt es eine gesetzlich festgelegte f\u00fcnfstufige Abfallhierarchie. Da ist das mechanische Recycling h\u00f6herwertiger als das chemische. Dieses Prinzip darf nicht aufgebrochen werden. Die Bestrebungen der Gleichschaltung von mechanischem und chemischem Recycling sind ja schon im Gange. Das sehe ich als sehr gef\u00e4hrlich an. Denn dann w\u00fcrde die \u00d6kologie erheblich leiden. Die \u00d6kologie muss aber immer im Vordergrund stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bremst die fehlende Wirtschaftlichkeit die Entwicklung des chemischen Recyclings nicht aus?<\/p>\n\n\n\n<p>Ludden: Aus heutiger Sicht ist das chemische Recycling im gro\u00dfen Ma\u00dfstab vielleicht nicht wirtschaftlich. Aber wer wei\u00df, ob sich das nicht mit den Jahren \u00e4ndert. Vor zehn Jahren h\u00e4tte man auch nicht gedacht, dass man f\u00fcr Rezyklate mehr Geld bekommt als f\u00fcr Neuware. Was wir heute als nicht wirtschaftlich bezeichnen, kann ja in Zukunft mit anderen politischen Rahmenbedingungen durchaus wirtschaftlich sein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wichtig ist, dass die Politik die Entwicklung so treibt, dass es k\u00fcnftig einen dauerhaft sinnvollen Einsatz von chemischem Recycling gibt. Sie muss gew\u00e4hrleisten, dass sich mechanisches und chemisches Recycling optimal erg\u00e4nzen. Das w\u00fcrde etwa bedeuten, dass Polyolefine nicht chemisch recycelt werden. Noch einmal: Eine Kannibalisierung w\u00e4re die schlechteste L\u00f6sung, denn sie f\u00fchrte zu \u00f6kologischem Schaden.<a rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/adfarm1.adition.com\/redi?lid=7272363428749640910&amp;ipt=0&amp;gdpr=0&amp;gdpr_consent=&amp;gdpr_pd=0&amp;userid=7272363428749575374&amp;sid=4753999&amp;kid=5975518&amp;bid=18091737&amp;c=62218&amp;keyword=&amp;sr=184&amp;clickurl=\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.k-zeitung.de\/drimage\/820\/0\/14401\/-\/sites\/default\/files\/ww\/2023-08\/sutco_recyclinganlage_stockholm.jpeg\" alt=\"Die Sortieranlagen von Sutco Recycling k\u00f6nnen sowohl beim mechanischen als auch beim chemischem Recycling eingesetzt werden.\" width=\"732\" height=\"487\"\/><figcaption>Die Sortieranlagen von Sutco Recycling k\u00f6nnen sowohl beim mechanischen als auch beim chemischem Recycling eingesetzt werden.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Inwieweit ber\u00fchrt chemisches Recycling das Gesch\u00e4ft von Sutco?<\/h3>\n\n\n\n<p>Ludden: Unser Gesch\u00e4ftsmodell ist dadurch nicht belastet. Im Gegenteil. Sutco baut&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sutco.com\/de\/produkte\">Sortieranlagen<\/a>. Die sind im mechanischen Recycling zwingend n\u00f6tig vor der eigentlichen Aufbereitung des Materials. Aber sie sind auch f\u00fcr das chemische Recycling unverzichtbar. Wir haben auch schon einige Anfragen bekommen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wie wird sich das chemische Recycling entwickeln?<\/h3>\n\n\n\n<p>Ludden: Die chemischen Recycler befinden sich derzeit in einer Pilotphase. Die Verfahren laufen alle erst in kleinem Ma\u00dfstab. Manche Anlagen haben eine Kapazit\u00e4t von vielleicht 10.000 Tonnen im Jahr. Zum Vergleich: Wir bauen heute Sortieranlagen f\u00fcr 100.000 Tonnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es werden Probleme auf die chemischen Recycler zukommen, die viele noch gar nicht sehen. Im kleinen Ma\u00dfstab tauchen sie oft auch gar nicht auf. Ein Beispiel ist die Behandlung von Fremdelementen wie Schwefel oder Stickstoff. Bei 5.000 Tonnen im Jahr, ist das Produkt am Ende noch in Ordnung. Bei 100.000 Tonnen hat man auf einmal einen gro\u00dfen Abfallstrom, der behandelt werden muss. Dann muss man Entschwefelungsanlagen und vieles mehr bauen. Das wird sehr teuer.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und das ist einer der Gr\u00fcnde, warum ich davon \u00fcberzeugt bin, dass mechanisches Recycling immer g\u00fcnstiger sein wird als chemisches. Deshalb werden die Hauptstoffstr\u00f6me ins mechanische Recycling gehen. Trotzdem muss die Politik aufpassen, dass sie hier keine Fehler macht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was halten Sie von Quoten f\u00fcr den Rezyklateinsatz?<\/h3>\n\n\n\n<p>Ludden: Ich bin unbedingt f\u00fcr eine produktbezogene Rezyklateinsatzquote. Sie wird den Markt f\u00fcr Rezyklate enorm ankurbeln und damit auch daf\u00fcr sorgen, dass die Stoffstr\u00f6me gr\u00f6\u00dfer werden. Dann muss jeder, der zum Beispiel ein Haarshampoo herstellt, daf\u00fcr sorgen, dass seine Verpackungsflasche den vorgegebenen Rezyklatanteil hat. Daf\u00fcr muss er dem Anbieter den geforderten Preis bezahlen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn das Angebot knapp wird, steigen die Preise. Dar\u00fcber entsteht der Zug vom Markt in die Recyclingkunststoffe. Und dann wird mehr in Recyclinganlagen investiert. Wenn man heute eine Sortieranlage und ein Aufbereitungsanlage plant, muss man einen kontinuierlichen Input \u00fcber mehrere Jahre erwarten k\u00f6nnen und einen kontinuierlichen Output zu einem einigerma\u00dfen konstanten Preis. Dann steigen auch die Stoffmengen. Deshalb sind Rezyklatquoten so wichtig.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber gleichzeitig muss die Politik aufpassen, dass das chemische Recycling diese Stoffmengen nicht absorbiert. Das sind ihre beiden Hauptaufgaben. Wenn sie das hinkriegen, dann ist vieles machbar.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Thorsten K\u00fchmann, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Fachverbandes Kunststoff- und Gummimaschinen im VDMA sprach im Rahmen der K2022 mit Ulrich Reifenh\u00e4user als Vorstandsvorsitzender dieses Fachverbands und Michael Ludden als Vorstandsvorsitzender des VDMA-Fachverbands Abfall- und Recyclingtechnik \u00fcber die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen und den richtigen Umgang mit Kunststoffabfall. Das komplette Interview finden Sie&nbsp;<\/em><a href=\"https:\/\/www.k-zeitung.de\/recycler-und-kunststoffverarbeiter-ruecken-zusammen\"><em>hier<\/em><\/a><em>.&nbsp;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen der VDMA-Initiative \u201eLet\u00b4s talk about Chemical Recycling\u201c beantwortete Michael Ludden, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Sutco Recycling GmbH, die Fragen der Redaktion zu Potenzial, Wirtschaftlichkeit und sinnvollem Einsatzbereich des chemischen Recyclings. 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