{"id":130743,"date":"2023-08-24T07:20:00","date_gmt":"2023-08-24T05:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=130743"},"modified":"2023-08-21T11:29:31","modified_gmt":"2023-08-21T09:29:31","slug":"ccu-ccs-echte-transformation-statt-falscher-technologieversprechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/ccu-ccs-echte-transformation-statt-falscher-technologieversprechen\/","title":{"rendered":"CCU\/CCS: Echte Transformation statt falscher Technologieversprechen"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Die Bundesregierung erarbeitet gerade eine Carbon Management Strategie zur Anwendung von CCS und CCU. Bei der Nutzung und Speicherung von abgeschiedenem CO2 gilt es, fossile Gesch\u00e4ftsmodelle nicht zu verl\u00e4ngern und Lock-ins zu vermeiden, meint die gr\u00fcne Bundestagsabgeordnete Lisa Badum. Andernfalls schade die Strategie dem Klimaschutz.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein merkw\u00fcrdiges Merkmal klimapolitischer Diskussionen ist, dass ausgerechnet die Akteure, die h\u00e4ufig auf&nbsp;<strong>Ideologiefreiheit<\/strong>&nbsp;pochen,&nbsp;<strong>sehr emotional werden<\/strong>, wenn es um die Zustimmung zu (oder Ablehnung von) ganz bestimmten Technologien geht. Ein Beispiel daf\u00fcr ist die CCUS-Technologie (also die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid), bei der Menschen, die sich bis vor Kurzem kaum f\u00fcr Klimaschutz interessiert haben, pl\u00f6tzlich zu Verfechter*innen der Dekarbonisierung werden. CCS ist ihnen eine echte Herzensangelegenheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn das&nbsp;<strong>BMWK<\/strong>&nbsp;jetzt an einer&nbsp;<strong>Strategie<\/strong>&nbsp;zur Anwendung von CCS und CCU arbeitet, muss das Ziel unserer Klimapolitik aber eine Transformation der Wirtschaft sein, bei der allenfalls die&nbsp;<strong>schwer vermeidbaren Restemissionen<\/strong>&nbsp;unter der Erde deponiert oder in langlebigen Produkten genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>CCS nur f\u00fcr Restemissionen einsetzen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Zu betonen ist also der Satz, der zwar in der Diskussion um die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (Carbon Capture and Storage, kurz CCS) immer wieder f\u00e4llt, aber doch nicht immer ernst gemeint wird:&nbsp;<strong>Oberste Priorit\u00e4t hat die Vermeidung von CO2-Emissionen<\/strong>. CCS darf allenfalls als Technologie f\u00fcr jene&nbsp;<strong>f\u00fcnf Prozent unserer Restemissionen<\/strong>&nbsp;infrage kommen, die sich durch auch noch so ehrgeizige Reduktionsstrategien nicht vermeiden lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssen bedenken, dass auch CCS&nbsp;<strong>nicht klimaneutral&nbsp;<\/strong>ist. Abscheideraten an Punktquellen liegen zwar in Bereichen \u00fcber 95 Prozent. Eine vollst\u00e4ndige Abscheidung findet aber eben nicht statt. Auch bei Transport und Speicherung kommt es zu&nbsp;<strong>Leckagen<\/strong>. Eine im Untergrund gespeicherte Tonne CO2 ist also nicht das Gleiche wie eine von vornherein eingesparte Tonne CO2!<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die vier entscheidenden Punkte der CCS-Strategie<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die&nbsp;<strong>anstehende CCS-Strategie<\/strong>&nbsp;kommt es dann auf den richtigen Rahmen an. Dabei sind die folgenden Punkte entscheidend:<\/p>\n\n\n\n<p>Erstens: Zuerst braucht es eine&nbsp;<strong>Kreislaufwirtschafts- und eine Biomassestrategie<\/strong>. Erst auf deren Grundlage macht eine Strategie f\u00fcr CCS Sinn. Die Technik mag in der M\u00fcllverbrennung eine L\u00f6sung sein. Aber bevor wir die Menge des verbrannten M\u00fclls in Deutschland nicht um die H\u00e4lfte reduziert haben, brauchen wir hier eigentlich nicht \u00fcber CO2-Abscheidung nachzudenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens: Die CCS-Nutzung darf&nbsp;<strong>nicht dem Markt \u00fcberlassen werden<\/strong>. Wenn individuelle Marktakteure frei zwischen der absehbar stark subventionierten CCS-Technologie und dem vielleicht bald teureren ETS-Zertifikat w\u00e4hlen k\u00f6nnen, wird die Entscheidung h\u00e4ufig nicht zugunsten des Klimaschutzes ausfallen. Heute kommen die gr\u00f6\u00dften Investitionen in CCS-Projekte von \u00d6l- und Gasunternehmen. Diese sehen darin mitunter eine lebenserhaltende Ma\u00dfnahme f\u00fcr ihre schmutzigen fossilen Energien und eine M\u00f6glichkeit, die dringend notwendige Dekarbonisierung der Energiewirtschaft zu verz\u00f6gern.<\/p>\n\n\n\n<p>CCS darf aber eben&nbsp;<strong>keine lebenserhaltende Ma\u00dfnahme f\u00fcr fossile Energien<\/strong>&nbsp;sein, sondern muss auf die Bereiche begrenzt werden, in denen wir noch keine klimaneutralen Alternativen gefunden haben. Nach aktuellem Stand sind das vorwiegend Prozessemissionen, etwa in der&nbsp;<strong>Zement- und Kalkindustrie<\/strong>. Die Produktion von blauem Wasserstoff in Deutschland geh\u00f6rt dagegen nicht dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>Drittens: CCS mag keine Hochrisikotechnologie sein, umweltfreundlich ist sie aber trotzdem nicht. Die&nbsp;<strong>l\u00fcckenlose \u00dcberwachung von Leckagen<\/strong>&nbsp;bleibt eine Herausforderung. Die Abscheidung ist energieintensiv, Abscheideanlagen arbeiten mit umweltsch\u00e4dlichen Prozesschemikalien, die austreten k\u00f6nnen, und die Nutzungskonflikte in den von vielen favorisierten Gebieten der Nordsee bestehen schon heute und setzen dort die Biodiversit\u00e4t massiv unter Druck! Um die&nbsp;<strong>Umweltauswirkungen<\/strong>&nbsp;gering zu halten, m\u00fcssen wir eine ausufernde Nutzung der Technologie verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Viertens und letztens: Auch wenn Branchen CCS k\u00fcnftig nutzen d\u00fcrfen, hei\u00dft das nicht, dass sie sich nicht&nbsp;<strong>weiterentwickeln<\/strong>&nbsp;m\u00fcssen. Wir m\u00fcssen sicherstellen, dass die Menge CO2, die abgeschieden wird, nach und nach geringer wird. Mit einem&nbsp;<strong>degressiven Deckel<\/strong>&nbsp;k\u00f6nnten wir das Volumen des abzuscheidenden CO2 festlegen. Die festgelegte Menge w\u00fcrde dann mit der Zeit sinken.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die emotionalen CCS-Bef\u00fcrworter sehen in der Technologie ein&nbsp;<strong>Wundermittel<\/strong>, das gleichzeitig Wettbewerbsvorteile f\u00fcr die Industrie und den Klimaschutz voranbringt. Eine vermeintliche win-win-Situation.&nbsp;<strong>Das Gegenteil ist leider der Fall<\/strong>: Mit CCS wird Klimaschutz schwieriger. Denn die Technik ist teuer, aufwendig und bindet Ressourcen, die uns f\u00fcr die Transformation an anderer Stelle fehlen. G\u00e4be es bei allen politischen Akteuren mehr Leidenschaft f\u00fcr echte Dekarbonisierung, k\u00f6nnten wir Klimapolitiker*innen den<strong>&nbsp;CCS-W\u00fcnschen der fossilen Industrie<\/strong>&nbsp;auch gelassener entgegensehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bundesregierung erarbeitet gerade eine Carbon Management Strategie zur Anwendung von CCS und CCU. 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