{"id":13053,"date":"2012-07-16T00:00:00","date_gmt":"2012-07-15T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20120716-05n"},"modified":"2012-07-16T00:00:00","modified_gmt":"2012-07-15T22:00:00","slug":"jena-experiment-pflanzenvielfalt-fuehrt-zu-hohem-energieertrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/jena-experiment-pflanzenvielfalt-fuehrt-zu-hohem-energieertrag\/","title":{"rendered":"Jena-Experiment: Pflanzenvielfalt f\u00fchrt zu hohem Energieertrag"},"content":{"rendered":"<p><b>Pflanzliche Monokulturen gelten als \u00f6kologisch bedenklich, aber hoch effizient. Forscher aus Kassel, Leipzig und M\u00fcnchen haben nun gezeigt, dass bei einer energetischen Nutzung von Gr\u00fcnlandfl\u00e4chen der Ertrag mit zunehmender Artenvielfalt steigt.<\/b><\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20120716-05\/Frischwiese.jpg\" align=\"right\" style=\"margin-left:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Frischwiese.jpg\"\/>Meist wird Gr\u00fcnlandschnitt zur Energiegewinnung als Co-Substrat in Biogasanlagen genutzt oder aber die Biomasse wird getrocknet und als Heu-Pellets in modernen Verbrennungsanlagen verwertet. Die Biomasse von extensivem Gr\u00fcnland ist allerdings sehr heterogen und die Beziehungen zwischen der Diversit\u00e4t des Gr\u00fcnlands und dessen energetischen Eigenschaften sind bislang noch weitgehend unbekannt.<\/p>\n<p>Im Rahmen des Jena-Experimentes, einem der derzeit gr\u00f6\u00dften Biodiversit\u00e4tsexperimente in Europa, wurden im Jahr 2002 auf insgesamt zehn Hektar Gr\u00fcnlandparzellen angelegt, die zwischen einer Pflanzenart (Monokultur) und 60 Pflanzenarten enthalten. Das Experiment erlaubt es, die Bedeutung von Biodiversit\u00e4t f\u00fcr das Funktionieren von \u00d6kosystemen zu untersuchen. In den Jahren 2008 und 2009 wurden gezielt die Effekte der Artenzahl auf die energetischen Eigenschaften der Biomasse untersucht. Ihre Ergebnisse ver\u00f6ffentlichten die Wissenschaftler k\u00fcrzlich in der Zeitschrift Grass and Forage Science.<\/p>\n<p>&#8220;Eines der wichtigsten Resultate dieser Studie war der mit zunehmender Diversit\u00e4t ansteigende Bruttoenergieertrag bei einer thermischen Verwertung&#8221;, erkl\u00e4rt Prof. Dr. Michael Wachendorf, Leiter des Fachgebiets Gr\u00fcnlandwissenschaft und Nachwachsende Rohstoffe an der Universit\u00e4t Kassel. Ein stetiger Anstieg der Biomasse mit steigender Artenzahl und ein relativ gleichbleibender Brennwert f\u00fchrten insgesamt zu einer positiven Biodiversit\u00e4ts-Energie-Beziehung. &#8220;So kann auf einem Hektar extensiv bewirtschaftetem Gr\u00fcnland mit einer Artenvielfalt von rund 60 Arten pro Jahr ein Bruttoenergieertrag von etwa 42 MWh erzielt werden&#8221;, sagt Wachendorf. Damit sei der Energieertrag etwa doppelt so hoch wie auf der gleichen Fl\u00e4che mit einem Bestand von nur vier Arten.<\/p>\n<p>&#8220;Urs\u00e4chlich f\u00fcr diesen erstaunlich hohen Energiezuwachs auf gleicher Fl\u00e4che sind Komplement\u00e4reffekte&#8221;, sagt Wachendorf: &#8220;Die Mischung vieler Arten n\u00fctzt die vorhandenen Ressourcen wie Bodenn\u00e4hrstoffe, Licht oder Wasser deutlich besser aus als eine Mischung von nur einer Handvoll Arten.&#8221; So w\u00fcrden Gr\u00e4ser meist eine h\u00f6here Bodenschicht mit ihren Wurzeln durchdringen als viele Kr\u00e4uter, die mithilfe von Pfahlwurzeln viel tiefer in die Erde eindringen k\u00f6nnten. W\u00fcchsen auf der gleichen Fl\u00e4che auch Leguminosen, verbessere sich durch den von diesen Pflanzen gebundenen Stickstoff zus\u00e4tzlich die N\u00e4hrstoffversorgung im Boden und der Energieertrag der bewirtschafteten Gr\u00fcnlandfl\u00e4che insgesamt. Die unterschiedlichen Pflanzenarten n\u00fctzten die verschiedenen \u00f6kologischen Potenziale und Nischen einer Gr\u00fcnlandfl\u00e4che deutlich besser aus. <\/p>\n<p>&#8220;Man geht davon aus, dass in Mitteleuropa langfristig ein Viertel des Dauergr\u00fcnlandfl\u00e4chen verschwindet, weil es entweder in Acker umgewandelt wird oder brachliegt&#8221;, stellt Prof. Wolfgang W. Weisser fest, der an der Technischen Universit\u00e4t den Lehrstuhl f\u00fcr Terrestrische \u00d6kologie innehat. &#8220;Damit gehen auch wichtige \u00d6kosystem-Dienstleistungen verloren, wie der Schutz des Grundwassers oder des Bodens vor Erosion.&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Es besteht die M\u00f6glichkeit, diese extensiven Gr\u00fcnlandfl\u00e4chen weiterhin zu nutzen und damit all ihre positiven Eigenschaften zu erhalten&#8221;, erg\u00e4nzt Dr. Alexandra Weigelt von der Arbeitsgruppe Spezielle Botanik und funktionelle Biodiversit\u00e4t der Universit\u00e4t Leipzig. Denn eine energetische Verwertung der auf den Gr\u00fcnlandfl\u00e4chen geernteten Biomasse schaffe \u00f6konomische Anreize f\u00fcr den Landwirt und k\u00f6nne, wie das Jena-Experiment zeige, den Artenreichtum dieser Fl\u00e4chen erhalten und sogar weiter steigern.<\/p>\n<p>Vor einer breiten Nutzung m\u00fcssen allerdings noch technische Probleme gel\u00f6st werden. So besteht die Gefahr, dass das simple Verbrennen von getrocknetem Gr\u00fcnschnitt nicht allein \u00d6fen, sondern auch die Umwelt sch\u00e4digt. &#8220;Gr\u00fcne Pflanzenbestandteile enthalten einen nicht unerheblichen Anteil Chlor und Kalium, die beim Verbrennen in problematische Verbindungen umgewandelt werden&#8221;, erkl\u00e4rt Wachendorf. Es sei daher notwendig, das Pflanzenmaterial vor dem Trocknen und Pelletieren so zu behandeln, dass problematische Stoffe weitgehend eliminiert werden. Entsprechende Forschungsarbeiten hierzu sind im Jena-Experiment bereits im Gange. <\/p>\n<p>&#8220;F\u00fcr die Energieversorgung von ganz Deutschland wird die energetische Nutzung von Gr\u00fcnland auch in Zukunft nur eine Nebenrolle spielen&#8221;, sagte Wachendorf: &#8220;Betrachtet man dagegen bestimmte l\u00e4ndliche Regionen, ver\u00e4ndert sich das Bild deutlich.&#8221; So mache es in Mittelgebirgsregionen wie dem Vogelsberg in Hessen durchaus Sinn, Gr\u00fcnschnitt zu trocknen und als Energiequelle einzusetzen: &#8220;In diesen Regionen ist Gr\u00fcnschnitt als Heizmaterial eine ernstzunehmende Alternative zum \u00d6l.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Pflanzliche Monokulturen gelten als &ouml;kologisch bedenklich, aber hoch effizient. 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