{"id":129815,"date":"2023-08-02T07:20:00","date_gmt":"2023-08-02T05:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=129815"},"modified":"2023-07-27T10:38:37","modified_gmt":"2023-07-27T08:38:37","slug":"chemisches-recycling-braucht-vertrauensvorschuss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/chemisches-recycling-braucht-vertrauensvorschuss\/","title":{"rendered":"\u201eChemisches Recycling braucht Vertrauensvorschuss\u201c"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>In seiner Reihe \u201eLet&#8217;s talk about Chemical Recycling\u201c spricht der Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen im VDMA mit Experten aus dem Bereich des chemischen Recyclings. An dieser Stelle erl\u00e4utert Dr. Matthias Scheibitz, Head of Sustainability Strategy Performance Materials bei BASF, seine Sicht \u00fcber die Potenziale und H\u00fcrden beim chemischen Recycling, das bislang kaum eine Rolle in der Kreislaufwirtschaft spielt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/07\/image-58.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-129817\" width=\"330\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/07\/image-58.png 820w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/07\/image-58-300x188.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/07\/image-58-150x94.png 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/07\/image-58-768x480.png 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/07\/image-58-400x250.png 400w\" sizes=\"(max-width: 820px) 100vw, 820px\" \/><figcaption>Dr. Matthias Scheibitz, Head of Sustainability Strategy Performance Materials bei BASF: \u201eEs wird fr\u00fcher oder sp\u00e4ter so kommen, dass sich die Automobilindustrie um das Recycling ihrer Kunststoffe k\u00fcmmern muss.\u201c <strong>\u00a9<\/strong> BASF<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Herr Dr. Scheibitz, von allen in der EU anfallenden Kunststoffabf\u00e4llen werden heute nur 0,1 Prozent chemisch recycelt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Matthias Scheibitz: Das Joint Research Center der EU kommt nach der Betrachtung der Mengenfl\u00fcsse des Kunststoffabfalls in Europa zu dem Schluss, dass das chemische Recycling bis 2030 seinen Recyclinganteil auf bis zu 15 Prozent steigern kann. Der mechanische Anteil k\u00f6nnte demnach auf 45 Prozent wachsen. Das mechanische Recycling w\u00e4re dann immer noch drei Mal so gro\u00df wie das chemische.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist ganz in unserem Sinne als BASF. Alles, was mechanisch recycelt werden kann, sollte auch mechanisch recycelt werden. In Europa wandern aktuell 23 Prozent der Kunststoffabf\u00e4lle auf die Deponie, 42 Prozent werden energetisch verwendet und rund 35 Prozent werden mechanisch recycelt. Aus unserer Sicht muss das Ziel sein, mehr Kunststoffe zu recyceln, weniger zu verbrennen und weniger zu deponieren. Das optimale Ergebnis hierf\u00fcr l\u00e4sst sich aus der Kombination beider Recycling-Verfahren erzielen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>F\u00fcr das chemische Recycling im industriellen Ma\u00dfstab sind hohe Investitionen n\u00f6tig. Welche Rahmenbedingungen sind n\u00f6tig, damit diese auch get\u00e4tigt werden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Scheibitz: Die chemische Industrie plant nach Zahlen von Plastics Europe bis 2030 etwas mehr als 7 Mrd. EUR in das chemische Recycling zu investieren. Wichtig ist f\u00fcr unsere Industrie vor allem, dass es verl\u00e4ssliche rechtliche Rahmenbedingungen gibt, denn aus eigenen St\u00fccken schaffen wir das nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>So muss in der Regulatorik auch das chemische Recycling f\u00fcr die werkstoffliche Verwertungsquote Anerkennung finden \u2013 etwa beim Einsatz in Verpackungen, bei denen ein k\u00fcnftig ein recycelter Anteil von 30 Prozent gefordert wird. Das gibt uns die Sicherheit, dass unsere Kunden chemische Rezyklate zu ihrem eigenen Vorteil nutzen d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hilfreich w\u00e4re auch die Einf\u00fchrung einer erweiterten Herstellerverantwortung. Das hei\u00dft, die Hersteller, zum Beispiel eines Autos oder eines K\u00fchlschranks, m\u00fcssen einen gewissen Betrag in einen Fonds einzahlen, aus dem dann die R\u00fcckf\u00fchrung der Rohstoffe finanziert wird. Das ist speziell f\u00fcr uns als BASF wichtig, weil so etwas bei den technischen Kunststoffen, die wir in unsere Kernindustrien liefern \u2013 also in die Automobilindustrie und in den Bausektor \u2013 noch nicht existiert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Rolle spielt das Massenbilanzverfahren, dass derzeit noch skeptisch von der Politik gesehen wird?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Scheibitz: Wenn das Verfahren nicht zugelassen wird, wird&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.k-zeitung.de\/mehr-tempo-bei-der-transformation\">die Transformation zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft<\/a>&nbsp;so teuer, dass sie wahrscheinlich gar nicht kommen wird. Wir als chemische Industrie \u2013 mit unserer Kernkompetenz bei der Stoffumwandlung \u2013 k\u00f6nnten einen gro\u00dfen Beitrag zu dieser Transformation leisten. Aber es braucht Zeit, bis die Verfahren entwickelt sind und es sind, wie gesagt, hohe Investitionen n\u00f6tig.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wir wollen jetzt schon etwas tun. Dabei hilft uns die Massenbilanz. Ein gro\u00dfer Vorteil ist, dass wir dabei existierende Anlagen nutzen k\u00f6nnen. Wir substituieren sehr fr\u00fch in der Wertsch\u00f6pfungskette fossile durch zirkul\u00e4re Rohstoffe, also Roh\u00f6l durch Pyrolyse\u00f6l, und ordnen diese dann bestimmten Produkten zu, die wir als Rezyklate vermarkten k\u00f6nnen. Diesen Prozess und jedes einzelne Produkt lassen wir von unabh\u00e4ngiger Stelle zertifizieren. Das ist genauso wie beim \u00d6kostrom.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warum m\u00fcssen die chemischen Recycler so sehr f\u00fcr die Anerkennung der Massenbilanz k\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Scheibitz: Es hat etwas mit Vertrauen zu tun. Die neuen, chemischen Recyclingverfahren gibt es noch nicht so lange, die mechanischen Verfahren sind schon etabliert. Die Politik sieht das so: Auf der einen Seite existiert tats\u00e4chlich schon etwas, w\u00e4hrend auf der anderen etwas versprochen wird, aber noch nicht in gleichem Ma\u00dfe vorgezeigt werden kann. Wir brauchen einen Vertrauensvorschuss.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was sagen sie zu dem Vorwurf, als Hersteller hochwertiger technischer Kunststoffe nehmen sie beim chemischen Recycling von einfachen Polyolefinen den mechanischen Recyclern den Material-Input weg?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Scheibitz: Damit m\u00fcssen wir uns auseinandersetzen. F\u00fcr uns w\u00e4re es vorstellbar, sektorspezifische Ziele zu schaffen: Verpackungen m\u00fcssen sich um Verpackungen k\u00fcmmern, Textilien um Textilien. Und es wird fr\u00fcher oder sp\u00e4ter so kommen, dass sich die Automobilindustrie um ihre Kunststoffe k\u00fcmmern muss. Wir bei der BASF besch\u00e4ftigen uns bereits mit der Frage, wie auch wir uns um unsere eigenen Werkstoffe k\u00fcmmern k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Gegenargument zum Vorwurf der Konkurrenz um verwertbare Abfallrohstoffe w\u00fcrde ich aber immer sagen, dass der M\u00fcllberg aus Kunststoffverpackungen so riesig ist, dass ausreichend Rohstoffe f\u00fcr alle da sein sollten. Und ich m\u00f6chte nochmals betonen, dass das chemische Recycling das mechanische erg\u00e4nzt und nicht ersetzen soll.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wird sich die Energiebilanz des chemischen Recyclings absehbar verbessern?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Scheibitz: Der Energieeinsatz beim mechanischen Recycling ist kleiner als beim chemischen. Aber man darf hier nicht \u00c4pfel mit Birnen vergleichen. Das mechanische Recycling braucht saubere Stoffstr\u00f6me, um diese zu gewinnen, ist zuvor ein gro\u00dfer Aufwand f\u00fcr Sortierung und Reinigung n\u00f6tig. Dagegen nutzt zum Beispiel die&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.basf.com\/global\/de\/who-we-are\/sustainability\/we-drive-sustainable-solutions\/circular-economy\/mass-balance-approach\/chemcycling\/FAQ_ChemCycling.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Pyrolyse<\/a>&nbsp;einen Teil des Abfalls zur Erzeugung der erforderlichen Prozessenergie \u2013 und zwar genau den Teil, der nicht zu Polysel\u00f6l umgewandelt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz wichtig ist aber, dass wir die Pyrolysetechnik weiterentwickeln. So gibt es bereits Technologien, die mit Mikrowellen zum Heizen des Prozesses arbeiten. Wenn man diesen Prozess dann mit Gr\u00fcnstrom betreibt, entstehen an dieser Stelle gar keine Emissionen mehr. mg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seiner Reihe \u201eLet&#8217;s talk about Chemical Recycling\u201c spricht der Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen im VDMA mit Experten aus dem Bereich des chemischen Recyclings. 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