{"id":129769,"date":"2023-08-01T07:32:00","date_gmt":"2023-08-01T05:32:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=129769"},"modified":"2023-07-27T09:38:59","modified_gmt":"2023-07-27T07:38:59","slug":"umweltfreundlichere-bekampfung-von-olkatastrophen-mit-biotensiden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/umweltfreundlichere-bekampfung-von-olkatastrophen-mit-biotensiden\/","title":{"rendered":"Umweltfreundlichere Bek\u00e4mpfung von \u00d6lkatastrophen mit Biotensiden"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p><strong>Das hat ein internationales Forschungsteam der Universit\u00e4ten Stuttgart und T\u00fcbingen sowie der China West Normal University und der University of Georgia untersucht \u2013 und sieht Potenzial f\u00fcr eine effektivere und umweltfreundlichere Bek\u00e4mpfung von \u00d6lkatastrophen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00e4tzungsweise 1500 Millionen Liter \u00d6l flie\u00dfen pro Jahr in die Ozeane. Das f\u00fchrt zu einer Umweltverschmutzung von globaler Bedeutung, da \u00d6l gef\u00e4hrliche Verbindungen wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe enth\u00e4lt, die giftig auf Lebewesen wirken oder deren Erbgut ver\u00e4ndern k\u00f6nnen. Besonders verheerend sind \u00d6lkatastrophen, bei denen in relativ kurzer Zeit gro\u00dfe Mengen an \u00d6l in die Meere austreten, etwa Unf\u00e4lle von Tankern oder an \u00d6lbohrplattformen wie 2010 bei Deepwater Horizon.<\/p>\n\n\n\n<p>In solchen Katastrophenf\u00e4llen werden routinem\u00e4\u00dfig, je nach \u00d6lmenge, bis zu mehrere Millionen Liter chemische Dispersionsmittel ausgebracht, um \u00d6lklumpen aufzul\u00f6sen, \u00d6lanschwemmung an K\u00fcsten zu verhindern und die \u00d6ldispersion im Wasser zu steigern. Dadurch soll der mikrobielle \u00d6labbau erh\u00f6ht werden. Spezielle Mikroorganismen, die weitverbreitet in der Natur vorkommen, k\u00f6nnen sich n\u00e4mlich von Roh\u00f6lbestandteilen ern\u00e4hren und bauen diese zu harmlosen Stoffen ab. Durch diese besondere F\u00e4higkeit der Mikroben werden \u00f6lkontaminierte Gebiete nat\u00fcrlich gereinigt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/07\/image-88.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-129771\" width=\"330\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/07\/image-88.jpeg 720w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/07\/image-88-300x225.jpeg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/07\/image-88-150x113.jpeg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/07\/image-88-360x270.jpeg 360w\" sizes=\"(max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><figcaption>Beprobung auf dem Schiff, um Meerwasser aus der Nordsee zu erforschen. Das Meerwasser wird in gro\u00dfe Kanister gef\u00fcllt und gek\u00fchlt zur\u00fcck ins Labor gebracht, wo die Mikrokosmenexperimente durchgef\u00fchrt werden. <strong>\u00a9<\/strong> Saskia Rugh\u00f6ft<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>In einer im Jahr 2015 ver\u00f6ffentlichten Studie aus den USA haben wir jedoch gezeigt, dass \u2013 anders als erhofft \u2013 chemische Dispersionsmittel im Tiefseewasser aus dem Golf von Mexiko den mikrobiellen \u00d6labbau verlangsamen k\u00f6nnen\u201c, sagt Professorin Sara Kleindienst, bis Juni 2022 an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen und jetzt an der Universit\u00e4t Stuttgart. \u201eSeitdem wird das Thema kontrovers diskutiert und es gibt bislang keine einfache Antwort darauf, wie \u00d6lkatastrophen am besten zu bek\u00e4mpfen w\u00e4ren.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Auf der Suche nach umweltfreundlicheren Methoden zur Bew\u00e4ltigung von \u00d6lkatastrophen k\u00f6nnten Biotenside eine vielversprechende Alternative zu chemischen Dispersionsmitteln sein. Biotenside werden durch Mikroorganismen gebildet und k\u00f6nnen bewirken, dass \u00d6lkomponenten leichter f\u00fcr den Abbau zug\u00e4nglich werden. Der mikrobielle \u00d6labbau, der ma\u00dfgeblich f\u00fcr die Aufreinigung verantwortlich ist, kann dadurch gesteigert werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"id-8222398c-head5\">Experimente mit Meerwasser aus der Nordsee<\/h3>\n\n\n\n<p>Ein internationales Forschungsteam um die Umweltmikrobiologin Professorin Sara Kleindienst mit dem Geomikrobiologen Professor Andreas Kappler (Universit\u00e4t T\u00fcbingen) und der Biogeochemikerin Professorin Samantha Joye (University of Georgia) testete die Wirkung von Biotensiden und chemischen Dispersionsmitteln im Vergleich. Im Labor an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen simulierten die Forschenden eine \u00d6lverschmutzung. F\u00fcr ihre Experimente entnahmen sie mehr als 100 Liter Oberfl\u00e4chenwasser aus der Nordsee, in der N\u00e4he der Insel Helgoland. Das Meerwasser wurde entweder mit einem Biotensid Rhamnolipid oder einem Dispersionsmittel (entweder Corexit 9500 oder Slickgone NS), jeweils in Anwesenheit und Abwesenheit von \u00d6l, behandelt. Um den Abbau des \u00d6ls durch die Mikroorganismen im Detail verfolgen zu k\u00f6nnen, setzte das Forschungsteam radioaktive Markierungen ein. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/07\/image-90.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-129773\" width=\"250\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/07\/image-90.jpeg 720w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/07\/image-90-225x300.jpeg 225w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/07\/image-90-113x150.jpeg 113w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/07\/image-90-203x270.jpeg 203w\" sizes=\"(max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><figcaption>Mikrobieller \u00d6lschnee (engl. microbial oil snow), siehe braune flocken\u00e4hnliche kleine Strukturen, in Mikrokosmen mit Nordseewasser. Mikrobieller \u00d6lschnee ist ein Ph\u00e4nomen, bei dem mikrobielle \u00f6labbauende Bakterien im Wasser feste Aggregate bilden. Diese Aggregate sehen aus wie Schneeflocken oder Schneeb\u00e4lle, daher der Name \u00d6lschnee.<strong> \u00a9<\/strong> Lu Lu<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eUnsere Untersuchungen mit radioaktiv markierten Kohlenwasserstoffen oder einer radioaktiv markierten Aminos\u00e4ure zeigten, dass die h\u00f6chsten mikrobiellen Raten der Kohlenwasserstoffoxidation und der Proteinbiosynthese in den mit Rhamnolipid behandelten \u00d6l-Mikrokosmen auftraten\u201c, sagt <strong>Professorin Lu Lu<\/strong>, ehemals an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen und jetzt an der China West Normal University.<\/p><p>Auch die Auswirkungen auf die Zusammensetzung der mikrobiellen Gemeinschaften unterschied sich stark zwischen den Ans\u00e4tzen mit Biotensiden im Vergleich zu jenen mit chemischen Dispersionsmitteln. \u201eDieses Ergebnis weist darauf hin, dass der Einsatz von Biotensiden gegen\u00fcber chemischen Dispersionsmitteln andere mikrobielle \u00d6labbauer stimulieren kann, sowohl im Wachstum als auch in den Aktivit\u00e4ten \u2013 und dies kann sich wiederrum auf den Reinigungsprozess nach \u00d6lkatastrophen auswirken\u201c, sagt Lu.<\/p><p>\u201eUnsere Erkenntnisse legen nahe, dass Biotenside ein gro\u00dfes Potenzial f\u00fcr den Einsatz bei zuk\u00fcnftigen \u00d6lkatastrophen in der Nordsee oder in \u00e4hnlichen n\u00e4hrstoffreichen Habitaten im Ozean haben k\u00f6nnten\u201c, f\u00fcgt Kleindienst hinzu. \u201eEine vision\u00e4re Weiterf\u00fchrung unserer Arbeit w\u00e4re die Entwicklung von Produkten, die auf Biotensiden basieren und die eine effektive und umweltfreundliche Bek\u00e4mpfung von \u00d6lkatastrophen leisten k\u00f6nnen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"id-8222398c-head8\">Originalpublikation<\/h3>\n\n\n\n<p>Lu Lu, Saskia Rugh\u00f6ft, Daniel Straub, Samantha B. Joye, Andreas Kappler, Sara Kleindienst (2023):&nbsp;<a href=\"https:\/\/pubs.acs.org\/doi\/full\/10.1021\/acsestwater.3c00048\">Rhamnolipid biosurfactants enhance microbial oil biodegradation in surface seawater from the North Sea<\/a>. In: ACS Environmental Science &amp; Technology Water, 19. Juli 2023.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das hat ein internationales Forschungsteam der Universit\u00e4ten Stuttgart und T\u00fcbingen sowie der China West Normal University und der University of Georgia untersucht \u2013 und sieht Potenzial f\u00fcr eine effektivere und umweltfreundlichere Bek\u00e4mpfung von \u00d6lkatastrophen. Sch\u00e4tzungsweise 1500 Millionen Liter \u00d6l flie\u00dfen pro Jahr in die Ozeane. 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