{"id":12966,"date":"2012-04-11T00:00:00","date_gmt":"2012-04-10T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20120411-07n"},"modified":"2012-04-11T00:00:00","modified_gmt":"2012-04-10T22:00:00","slug":"verbrauchertaeuschung-von-aldi-und-rewe-mit-angeblich-kompostierbaren-einkaufstueten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/verbrauchertaeuschung-von-aldi-und-rewe-mit-angeblich-kompostierbaren-einkaufstueten\/","title":{"rendered":"Verbrauchert\u00e4uschung von Aldi und Rewe mit angeblich kompostierbaren Einkaufst\u00fcten"},"content":{"rendered":"<p><b>Die als kompostierbar beworbenen Tragetaschen aus Bioplastik bestehen zu mehr als zwei Dritteln aus Erd\u00f6l und werden \u00fcblicherweise nicht kompostiert oder recycelt \u2013 Deutsche Umwelthilfe fordert sofortiges Ende der Werbel\u00fcge und Umstellung auf umweltfreundlichere Alternativen<\/b><\/p>\n<p>Mit ihren kompostierbaren Einkaufst\u00fcten geben die Handelsunternehmen Aldi und Rewe ihren Kunden das Gef\u00fchl, einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Recherchen der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH) ergaben jetzt, dass die als \u00f6kologisch beworbenen Plastikt\u00fcten nicht umweltfreundlich sind und \u00fcblicherweise auch nicht kompostiert werden. Im Rahmen einer Pressekonferenz am heutigen Tag (11.4.2012) in Berlin warf die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation den beiden Supermarktketten Greenwashing und Verbrauchert\u00e4uschung vor und forderte sie auf, die bewusste Irref\u00fchrung sofort zu beenden.<\/p>\n<p>Aldi und Rewe bieten in ihren Filialen T\u00fcten aus so genanntem Bioplastik an und werben mit deren angeblichen Umweltvorteilen. So seien die Tragetaschen &#8220;so weit wie m\u00f6glich aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt&#8221; und &#8220;100% kompostierbar&#8221;. W\u00e4hrend Rewe seinen Kunden verspricht, mit dem Kauf der Einwegt\u00fcte &#8220;gemeinsam Gutes&#8221; zu tun, appelliert Aldi S\u00fcd \u00fcber den Aufdruck &#8220;Zeig der Umwelt ein L\u00e4cheln&#8221; direkt an das Gewissen der Konsumenten. Alle T\u00fcten sind mit Motiven von Blumen, Tieren und gr\u00fcnen Feldern bedruckt und erwecken so den Eindruck, dass es sich bei den Plastikt\u00fcten um ein \u00f6kologisch vorteilhaftes Produkt handelt. Ein gr\u00fcnes Keimling-Zeichen soll den Tragetaschen von offizieller Seite die Kompostierbarkeit bescheinigen.<\/p>\n<p>&#8220;Aldi und Rewe versuchen den Verbraucher f\u00fcr dumm zu verkaufen, indem man ihn glauben l\u00e4sst, durch den Kauf der T\u00fcten Gutes zu tun. Doch die angeblich \u201agr\u00fcnen\u2018 Plastikt\u00fcten helfen der Umwelt nicht, im Gegenteil. Sie werden \u00fcblicherweise nicht kompostiert, lassen sich auch nicht recyceln und bestehen haupts\u00e4chlich aus Erd\u00f6l&#8221;, kritisiert J\u00fcrgen Resch, Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der DUH. Resch fordert deshalb von Aldi und Rewe, die Verbrauchert\u00e4uschung unverz\u00fcglich zu beenden und auf umweltfreundlichere Alternativen umzustellen.<\/p>\n<p>Im Rahmen einer umfassenden Abfrage bei der chemischen Industrie, Plastikt\u00fctenherstellern, Handelsunternehmen, Kompostierern und Entsorgern hat die DUH recherchiert, was die scheinbar \u00f6kologisch vorteilhaften Kunststofft\u00fcten wirklich leisten. Besonders interessant ist, dass sie laut Herstellerangaben \u00fcberhaupt nicht f\u00fcr die Eigenkompostierung geeignet sind. In industriellen Kompostierungsanlagen werden sie in der Regel gemeinsam mit herk\u00f6mmlichen Plastikt\u00fcten als St\u00f6rstoffe aussortiert, um Plastikreste im Kompost zu vermeiden. Eine Umfrage unter mehr als 80 deutschen Kompostierungsanlagen belegt zudem, dass eine Kompostierung biologisch abbaubarer Kunststoffe \u2013 darunter auch die vermeintlich zu 100 Prozent kompostierbaren Tragetaschen von Aldi und Rewe \u2013 regelm\u00e4\u00dfig nicht stattfindet. &#8220;Die gebr\u00e4uchlichen biologisch abbaubaren Kunststoffe bauen sich viel langsamer als herk\u00f6mmliche Bioabf\u00e4lle ab, und f\u00fchren dadurch zu hohen St\u00f6rstoffanteilen im Kompost. Auf diese Weise verunreinigter Kompost l\u00e4sst sich kaum noch vermarkten&#8221;, erkl\u00e4rt Herbert Probst, Vorstandsmitglied des Verbandes der Humus- und Erdenwirtschaft Region Nord e.V.<\/p>\n<p>Zwar sind die Aldi- und Rewe-T\u00fcten nach der (\u00f6ffentlich nicht zug\u00e4nglichen) Norm DIN EN 13432 biologisch abbaubar. Jedoch offenbart diese bei genauerer Betrachtung eine gro\u00dfe Schw\u00e4che. Denn nach ihrer Vorgabe m\u00fcssen die Plastikt\u00fcten erst innerhalb von zw\u00f6lf Wochen unter bestimmten Vorgaben und Faktoren wie Feuchtigkeit, Temperatur und Sauerstoff in industriellen Kompostierungsanlagen zu mindestens 90 Prozent zersetzt sein. Deutsche Kompostierungsanlagen arbeiten in der Regel mit deutlich k\u00fcrzeren Verweilzeiten zwischen ein bis acht Wochen. Gleichzeitig reicht der nach der DIN Norm EN 13432 auch nach knapp drei Monaten zugelassene Plastikanteil von zehn Prozent im Kompost aus, um dessen Qualit\u00e4t erheblich herabzusetzen. Viele deutsche Kommunen haben deshalb die Entsorgung von Bioplastikt\u00fcten und anderen Biokunststoffen \u00fcber die Biotonne verboten.<\/p>\n<p>Selbst wenn man von einem vollst\u00e4ndigen biologischen Abbau der Plastikt\u00fcten ausgehen w\u00fcrde, erg\u00e4be sich daraus kein \u00f6kologischer Nutzen. Das Plastik lie\u00dfe sich durch den Prozess zwar entsorgen. Jedoch w\u00fcrden keine N\u00e4hrstoffe freigesetzt und kein Humus aufgebaut. &#8220;Auf diese Weise w\u00fcrden energieintensiv hergestellte Rohstoffe vernichtet statt sie durch ein Recycling im Kreislauf zu halten&#8221;, erkl\u00e4rt die DUH-Bereichsleiterin f\u00fcr Kreislaufwirtschaft  Maria Elander. &#8220;Das Recycling biologisch abbaubarer Kunststoffmischprodukte, wie die Aldi- und Rewe-T\u00fcten, bleibt in der Realit\u00e4t ebenfalls eine Fantasie. Denn als biologisch abbaubar bezeichnete Biokunststoffe aus Haushalten lassen sich nicht werkstofflich recyceln.&#8221; Verantwortlich daf\u00fcr sind laut Herstellerangaben die unterschiedlichen Materialeigenschaften der Kunststoffe, die zu 30 Prozent aus maisbasierter Polymilchs\u00e4ure (PLA) und zu 70 Prozent aus dem erd\u00f6lbasierten BASF-Kunststoff Ecoflex bestehen.<\/p>\n<p>Nach Einsch\u00e4tzung der DUH gibt es, unabh\u00e4ngig von den verwendeten Rohstoffen, keine umweltfreundlichen Einweg-Plastikt\u00fcten. Eine gute Plastikt\u00fcte entsteht erst gar nicht. Deshalb bieten Mehrwegbeutel und -taschen eine umweltfreundliche Variante. F\u00fcr nicht vermeidbare Einwegkonzepte fordert die Umweltschutzorganisation recyclingf\u00e4hige Materialien, ein optimiertes Recyclingverfahren und hohe Anteile an Recyclingmaterialien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Die als kompostierbar beworbenen Tragetaschen aus Bioplastik bestehen zu mehr als zwei Dritteln aus Erd&ouml;l und werden &uuml;blicherweise nicht kompostiert oder recycelt &ndash; Deutsche Umwelthilfe<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[1776,2464,2936,2466],"class_list":["post-12966","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-aldi","supplier-deutsche-umwelthilfe-ev-duh","supplier-rewe-group","supplier-verbaende-der-humus-und-erdenwirtschaft-vhe"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12966","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12966"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12966\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12966"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12966"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12966"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=12966"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}