{"id":12961,"date":"2012-04-12T00:00:00","date_gmt":"2012-04-11T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20120412-05n"},"modified":"2012-04-12T00:00:00","modified_gmt":"2012-04-11T22:00:00","slug":"duh-einkaufstueten-aus-biokunststoffen-in-der-kritik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/duh-einkaufstueten-aus-biokunststoffen-in-der-kritik\/","title":{"rendered":"DUH: Einkaufst\u00fcten aus Biokunststoffen in der Kritik"},"content":{"rendered":"<p><b>Mit ihren angeblich kompostierbaren Einkaufst\u00fcten geben die Handelsunternehmen Aldi und Rewe aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH) ihren Kunden das Gef\u00fchl, einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Recherchen der DUH haben nach Angaben der Umweltschutzorganisation jetzt ergeben, dass die als \u00f6kologisch beworbenen Kunststofft\u00fcten weder umweltfreundlich seien noch kompostiert werden w\u00fcrden. Im Rahmen einer Pressekonferenz am 11.4.2012 in Berlin warf die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation den beiden Supermarktketten Greenwashing und Verbrauchert\u00e4uschung vor und forderte sie auf, die bewusste Irref\u00fchrung sofort zu beenden.<\/b><\/p>\n<p>Aldi und Rewe bieten demnach in ihren Filialen T\u00fcten aus so genanntem Bioplastik an und w\u00fcrden mit deren angeblichen Umweltvorteilen werben. So seien die Tragetaschen &#8220;so weit wie m\u00f6glich aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt&#8221; und &#8220;100% kompostierbar&#8221;. W\u00e4hrend Rewe seinen Kunden verspreche, mit dem Kauf der Einwegt\u00fcte &#8220;gemeinsam Gutes&#8221; zu tun, appelliere Aldi S\u00fcd \u00fcber den Aufdruck &#8220;Zeig der Umwelt ein L\u00e4cheln&#8221; direkt an das Gewissen der Konsumenten. Alle T\u00fcten seien mit Motiven von Blumen, Tieren und gr\u00fcnen Feldern bedruckt und w\u00fcrden so den Eindruck erwecken, dass es sich bei den T\u00fcten um ein \u00f6kologisch vorteilhaftes Produkt handeln w\u00fcrde. Ein gr\u00fcnes Keimling-Zeichen solle den Tragetaschen von offizieller Seite die Kompostierbarkeit bescheinigen.<\/p>\n<p>&#8220;Aldi und Rewe versuchen den Verbraucher f\u00fcr dumm zu verkaufen, indem man ihn glauben l\u00e4sst, durch den Kauf der T\u00fcten Gutes zu tun. Doch die angeblich \u201agr\u00fcnen\u2018 Plastikt\u00fcten helfen der Umwelt nicht, im Gegenteil. Sie werden nicht kompostiert, lassen sich auch nicht recyceln und bestehen haupts\u00e4chlich aus Erd\u00f6l&#8221;, kritisiert J\u00fcrgen Resch, Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der DUH. Resch fordert deshalb von Aldi und Rewe, die Verbrauchert\u00e4uschung unverz\u00fcglich zu beenden und auf umweltfreundlichere Alternativen umzustellen.<\/p>\n<p>Im Rahmen einer umfassenden Abfrage bei der chemischen Industrie, Kunststofft\u00fctenherstellern, Handelsunternehmen, Kompostierern und Entsorgern hat die DUH nach eigenen Angaben recherchiert, was die scheinbar \u00f6kologisch vorteilhaften Kunststofft\u00fcten wirklich leisten w\u00fcrden. Besonders interessant sei, dass sie laut Herstellerangaben \u00fcberhaupt nicht f\u00fcr die Eigenkompostierung geeignet seien. In industriellen Kompostierungsanlagen w\u00fcrden sie gemeinsam mit herk\u00f6mmlichen Kunststofft\u00fcten als St\u00f6rstoffe aussortiert, um Kunststoffreste im Kompost zu vermeiden. Eine Umfrage unter mehr als 80 deutschen Kompostierungsanlagen habe zudem belegt, dass eine Kompostierung biologisch abbaubarer Kunststoffe \u2013 darunter auch die vermeintlich zu 100 Prozent kompostierbaren Tragetaschen von Aldi und Rewe \u2013 praktisch nicht stattfinde. &#8220;Die gebr\u00e4uchlichen biologisch abbaubaren Kunststoffe bauen sich viel langsamer als herk\u00f6mmliche Bioabf\u00e4lle ab, und f\u00fchren dadurch zu hohen St\u00f6rstoffanteilen im Kompost. Auf diese Weise verunreinigter Kompost l\u00e4sst sich kaum noch vermarkten&#8221;, erkl\u00e4rt Herbert Probst, Vorstandsmitglied des Verbandes der Humus- und Erdenwirtschaft Region Nord e.V.<\/p>\n<p>Zwar seien die Aldi- und Rewe-T\u00fcten nach der (\u00f6ffentlich nicht zug\u00e4nglichen) Norm DIN EN 13432 biologisch abbaubar. Jedoch offenbare diese bei genauerer Betrachtung eine gro\u00dfe Schw\u00e4che. Denn nach ihrer Vorgabe m\u00fcssten die Kunststofft\u00fcten erst innerhalb von zw\u00f6lf Wochen unter bestimmten Vorgaben und Faktoren wie Feuchtigkeit, Temperatur und Sauerstoff in industriellen Kompostierungsanlagen zu mindestens 90 Prozent zersetzt sein. Deutsche Kompostierungsanlagen w\u00fcrden in der Regel mit deutlich k\u00fcrzeren Verweilzeiten zwischen ein bis acht Wochen arbeiten. Gleichzeitig reiche der nach der DIN Norm EN 13432 auch nach knapp drei Monaten zugelassene Kunststoffanteil von zehn Prozent im Kompost aus, um dessen Qualit\u00e4t erheblich herabzusetzen. Viele deutsche Kommunen h\u00e4tten deshalb die Entsorgung von Bioplastikt\u00fcten und anderen Biokunststoffen \u00fcber die Biotonne verboten.<\/p>\n<p>Selbst wenn man theoretisch von einem vollst\u00e4ndigen biologischen Abbau der Kunststofft\u00fcten ausgehen w\u00fcrde, erg\u00e4be sich daraus kein \u00f6kologischer Nutzen. Der Kunststoff lie\u00dfe sich durch den Prozess zwar entsorgen. Jedoch w\u00fcrden keine N\u00e4hrstoffe freigesetzt und kein Humus aufgebaut. &#8220;Auf diese Weise w\u00fcrden energieintensiv hergestellte Rohstoffe vernichtet statt sie durch ein Recycling im Kreislauf zu halten&#8221;, erkl\u00e4rt die DUH-Bereichsleiterin f\u00fcr Kreislaufwirtschaft, Maria Elander. &#8220;Das Recycling biologisch abbaubarer Kunststoffmischprodukte, wie die Aldi- und Rewe-T\u00fcten, bleibt in der Realit\u00e4t ebenfalls eine Fantasie. Denn als biologisch abbaubar bezeichnete Biokunststoffe aus Haushalten lassen sich nicht werkstofflich recyceln.&#8221; Verantwortlich daf\u00fcr sind laut Herstellerangaben die unterschiedlichen Materialeigenschaften der Kunststoffe, die zu 30 Prozent aus maisbasierter Polymilchs\u00e4ure (PLA) und zu 70 Prozent aus dem erd\u00f6lbasierten BASF-Kunststoff Ecoflex bestehen, hei\u00dft es weiter.<\/p>\n<p>Nach Einsch\u00e4tzung der DUH gibt es, unabh\u00e4ngig von den verwendeten Rohstoffen, keine umweltfreundlichen Einweg-Kunststofft\u00fcten. Eine &#8220;gute Kunststofft\u00fcte&#8221; entstehe erst gar nicht. Deshalb w\u00fcrden Mehrwegbeutel und -taschen eine umweltfreundliche Variante bieten. F\u00fcr nicht vermeidbare Einwegkonzepte fordert die Umweltschutzorganisation recyclingf\u00e4hige Materialien, ein optimiertes Recyclingverfahren und hohe Anteile an Recyclingmaterialien.<\/p>\n<p><b>&#8220;Biokunststoffe sorgen f\u00fcr gro\u00dfe Probleme bei Kunststoffrecycling&#8221;<\/b><\/p>\n<p>Im Zusammenhang mit der Kritik der Deutschen Umwelthilfe an Einkaufst\u00fcten aus sogenanntem Bioplastik erkl\u00e4rt Dr. Thomas Probst, Kunststoffexperte beim bvse-Bundesverband Sekund\u00e4rrohstoffe und Entsorgung: &#8220;Bioplastik sorgt f\u00fcr gro\u00dfe Probleme beim Kunststoffrecycling. Die Biokunststoffe mindern aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung die Qualit\u00e4t der Recyclate.<\/p>\n<p>So f\u00fchrt der Eintrag von Biokunststoffen beim Kunststoffrecycling zu deutlichen Nachteilen. Das Waschwasser verschmutzt erheblich, da die Biokunststoffe hier zerfallen und einen idealen N\u00e4hrboden f\u00fcr Mikroorganismen bilden. Das Waschwasser muss dann \u00f6fter ausgetauscht oder mit einem deutlich gr\u00f6\u00dferen Aufwand gereinigt werden.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen beim Waschen die herk\u00f6mmlichen Kunststoffe mit einem Film aus Biokunststoffen \u00fcberzogen werden, der dann bei den weiteren thermischen Umsetzungsprozessen in die Kunststoffe einbrennt. Die Recyclate werden schwarz und k\u00f6nnen kaum noch verkauft werden.<\/p>\n<p>Gelangen die Biokunststoffe in Kunststoffbauteile, die beim Recycling hergestellt werden, wie beispielsweise Rasengittersteine, Kunststoffpf\u00e4hle und Kunststoffpaneele oder \u2013bretter, so ver\u00e4ndern sie deren Stabilit\u00e4t nachteilig! Wenn vermehrt Bioplastik in Umlauf gebracht wird, m\u00fcssten diese daher ausgeschleust werden. Das aber w\u00fcrde zu erheblich erh\u00f6hten Anlagen- und Verfahrenskosten f\u00fchren. <\/p>\n<p>Am Ende bleibt dann oft nur noch der Weg in die M\u00fcllverbrennung und das ist sicher nicht im Sinne des Umweltschutzes. Um es ganz klar zu sagen: Wir sperren uns nicht gegen Biokunststoffe, aber sind strikt gegen Etikettenschwindel. F\u00fcr alle Kunststoffarten muss die gleiche Messlatte gelten: Das Recycling, nicht die Verbrennung, muss die erste Verwertungsoption sein.&#8221;<\/p>\n<p><b>&#8220;Nicht zutreffendes Pauschalurteil&#8221;<\/b><\/p>\n<p>European Bioplastics hingegen sieht die Kritik der Deutschen Umwelthilfe als nicht zutreffendes Pauschalurteil \u00fcber die Tragetaschen und die dazugeh\u00f6rige Produktkommunikation an. Nicht ber\u00fccksichtigt werde ein entscheidender Vorteil kompostierbarer Tragetaschen: die Menge von sauber getrenntem Bioabfall k\u00f6nne deutlich gesteigert werden.<\/p>\n<p>Immer mehr Kunststoffprodukte in Deutschland werden teils oder vollst\u00e4ndig aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt. Im Zuge von Umwelt- und Klimaschutz sowie vor dem Hintergrund schwindender Erd\u00f6lvorr\u00e4te ist dies aus Sicht von European Bioplastics eine notwendige \u00f6konomische und \u00f6kologische Umstellung.<\/p>\n<p>Bei den im Handel erh\u00e4ltlichen kompostierbaren T\u00fcten bel\u00e4uft sich der Anteil erneuerbarer Rohstoffe momentan auf mindestens 30 Prozent, in Einzelf\u00e4llen auf \u00fcber 50 Prozent, erl\u00e4utert der Biokunststoff-Verband weiter. Dieses Mischverh\u00e4ltnis garantiere eine gute Funktionalit\u00e4t der T\u00fcte sowie die M\u00f6glichkeit zur mehrfachen Verwendung. Die Industrie arbeite daran, den erneuerbaren Anteil des Materials stetig zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Zudem seien eindeutige Hinweise auf eine korrekte industrielle Kompostierung gem\u00e4\u00df europaweit harmonisierter Norm EN 13432 gegeben. Die Norm mache klare Vorgaben f\u00fcr beispielsweise Rottezeiten, Ort oder auch Schwellenwerte f\u00fcr \u00d6kotoxizit\u00e4t, die die Tragetaschen einhalten m\u00fcssen. Tragetaschen, die diese Bedingungen erf\u00fcllen und durch anerkannte, unabh\u00e4ngige Institutionen zertifiziert wurden, tragen das Keimling Logo. Die so gekennzeichneten Tragetaschen w\u00fcrden in der \u00fcberwiegenden Mehrheit, der in Deutschland vorhandenen Kompostierungsanlagen vollst\u00e4ndig abbauen, hei\u00dft es weiter. &#8220;Wie man die Kompostierung von Tragetaschen k\u00fcnftig weiter auf die Bed\u00fcrfnisse der Entsorgungswirtschaft abstimmen kann, ist bereits Gegenstand des Dialogs unserer Branche mit der Verwertungsindustrie&#8221;, erkl\u00e4rt Andy Sweetman, Vorstandsvorsitzender von European Bioplastics.<\/p>\n<p>&#8220;Biokunststoffe sind dabei aus der Nische zu treten, und werden zunehmend sichtbarer f\u00fcr den Verbraucher. Wie in jedem innovativen Feld, entwickeln wir unsere Materialien und Produkte stetig weiter und speziell bei Biokunststoffen gibt es ein gro\u00dfes, ungenutztes Potential. Zahlreiche der heute offenen Fragen werden wir in den n\u00e4chsten Jahren beantworten k\u00f6nnen&#8221;, schlie\u00dft Sweetman zuversichtlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Mit ihren angeblich kompostierbaren Einkaufst&uuml;ten geben die Handelsunternehmen Aldi und Rewe aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe e.V. 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