{"id":129398,"date":"2023-07-20T07:33:00","date_gmt":"2023-07-20T05:33:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=129398"},"modified":"2023-07-19T12:36:18","modified_gmt":"2023-07-19T10:36:18","slug":"wer-biookonomie-einfuhren-will-muss-menschen-mitnehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wer-biookonomie-einfuhren-will-muss-menschen-mitnehmen\/","title":{"rendered":"Wer Bio\u00f6konomie einf\u00fchren will, muss Menschen mitnehmen"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p><strong>Um globale Herausforderungen wie den Klimawandel, die wachsende Weltbev\u00f6lkerung und den Verlust von \u00d6kosystemen zu bew\u00e4ltigen, sind innovative Wege der Produktion gefragt. In diesem Zusammenhang sind Strategien f\u00fcr eine nachhaltige Bio\u00f6konomie, die verst\u00e4rkt auf den Einsatz regenerativer Rohstoffe setzen, in Europa und auch weltweit auf der politischen Agenda. Bei der Umsetzung solcher Strategien ist es wichtig, die betroffene Bev\u00f6lkerung \u201emitzunehmen\u201c. Das ist Ergebnis einer Studie, die jetzt drei Forscherinnen vom Institut f\u00fcr Lebensmittel- und Ressourcen\u00f6konomik der Universit\u00e4t Bonn im Fachjournal &#8220;Technology in Science&#8221; ver\u00f6ffentlicht haben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/07\/image-45.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-129400\" width=\"330\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/07\/image-45.jpeg 1620w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/07\/image-45-300x200.jpeg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/07\/image-45-1024x683.jpeg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/07\/image-45-150x100.jpeg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/07\/image-45-768x512.jpeg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/07\/image-45-1536x1024.jpeg 1536w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/07\/image-45-400x267.jpeg 400w\" sizes=\"(max-width: 1620px) 100vw, 1620px\" \/><figcaption>Drei Forscherinnen &#8211; (v.l.) Prof. Dr. Monika Hartmann, Janine Macht und Jeanette Klink-Lehmann \u00a9 Volker Lannert\/Uni Bonn<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>In ihrer Studie \u201eVergessen Sie die Menschen vor Ort nicht: Erkenntnisse zur Akzeptanz der B\u00fcrger f\u00fcr biobasierte Technologien\u201c haben die drei Bonner Forscherinnen untersucht, wie hoch die Akzeptanz der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr zwei bio-basierte Technologien, Bioraffinerien und Aquaponik-Anlagen, ist, und welche Faktoren diese Akzeptanz beeinflussen. Es ging darum herauszufinden, wie die Menschen diese Technologien im Allgemeinen beurteilen und wie sich das Urteil \u00e4ndert, wenn entsprechende Technologien in der \u201eNachbarschaft\u201c angesiedelt werden. Auch wurde untersucht, inwiefern es f\u00fcr die Akzeptanz dieser Technologien einen Unterschied macht, ob Menschen aus einer Region kommen, die wie das Rheinische Revier vom Strukturwandel betroffen ist, oder nicht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcne Alternativen zum Verbrauch fossiler Rohstoffe<\/h3>\n\n\n\n<p>Aquaponik ist ein Verfahren, das die Aufzucht von Wassertieren wie Fischen, Krebsen oder Garnelen in einem Becken (\u201eAquakultur\u201c) mit der Kultivierung von Nutzpflanzen wie Tomaten oder Kr\u00e4uter im Wasser (\u201eHydroponik\u201c) verbindet. Wichtig sind dabei Bakterien, die das von den Fischen ausgeschiedene Ammoniak in Nitrate umwandeln k\u00f6nnen, die den Pflanzen wiederum als N\u00e4hrstoff dienen. Exkremente aus der Fischzucht werden so zu D\u00fcnger f\u00fcr Pflanzen \u2013 es entsteht ein Kreislauf. Eine Bioraffinerie ist eine Anlage, in der Biomasse m\u00f6glichst vollst\u00e4ndig zu verschiedenen Produkten wie Chemikalien, Werkstoffen oder (Bio-) Energie verarbeitet wird. Das Prinzip ist mit einer Erd\u00f6lraffinerie vergleichbar, die Erd\u00f6l in seine einzelnen Bestandteile aufteilt und diese so nutzbar macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Fast 2.000 Menschen nahmen f\u00fcr die Studie an einer Online-Umfrage teil, darunter kam die H\u00e4lfte, aus dem Rheinischen Revier, eines der gr\u00f6\u00dften Braunkohlegebiete Europas, das derzeit im Zuge des Kohleausstiegs mit F\u00f6rdermitteln der Bundesregierung zu einer Modellregion f\u00fcr Bio\u00f6konomie und nachhaltiges Wirtschaften umgebaut wird. Hier sind Bonner Forschende seit geraumer Zeit in verschiedenen Forschungsverb\u00fcnden aktiv, die diesen Wandel begleiten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sankt-Florians-Prinzip<\/h3>\n\n\n\n<p>Verglichen wurden die Antworten der Menschen zur Akzeptanz der Etablierung entsprechender Technologien im allgemeinen in Deutschland und im n\u00e4chsten Industriegebiet. Dabei zeigte sich schnell, dass das \u201eSankt-Florians-Prinzip\u201c auch f\u00fcr Biotechnologien gilt: Viele Menschen sind zwar grunds\u00e4tzlich offen f\u00fcr \u201egr\u00fcne\u201c Industrie, m\u00f6chten sie aber weniger gern in der eigenen Nachbarschaft haben. Entgegen den Erwartungen der Forscherinnen war die Akzeptanz beider Technologien in der Nachbarschaft dabei geringer im Rheinischen Revier im Vergleich zum restlichen NRW. Dieses Ergebnis k\u00f6nnte dadurch erkl\u00e4rt werden, dass die durch jahrzehntelangen Braunkohlabbau gepr\u00e4gte Bev\u00f6lkerung im Rheinischen Revier sensibler auf neue Entwicklungen reagiert und der anstehende Strukturwandel hin zu einer Bio\u00f6konomie greifbarer f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung im Rheinischen Revier ist, wo bereits konkrete Pl\u00e4ne f\u00fcr eine Modellregion vorliegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob Menschen neue Technologien, \u00fcber die sie wenig wissen \u2013 wie das bei Bioraffinerien und Aquaponik-Anlagen der Fall ist \u2013, akzeptieren, h\u00e4ngt vor allem davon ab, welche Gef\u00fchle sie mit diesen Technologien verbinden und welche Emotionen ausgel\u00f6st werden, fanden die Forscherinnen. W\u00e4hrend die Akzeptanz von Aquaponik-Anlagen am st\u00e4rksten von positiven Gef\u00fchlen wie Freude und Hoffnung beeinflusst wurde, spielten bei Bioraffinerien negative Gef\u00fchle wie Sorge und Angst eine gr\u00f6\u00dfere Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist es entscheidend, wie Vor- und Nachteile wahrgenommen werden, die mit diesen Technologien einhergehen. Hier zeigt sich, dass die Vorteile oft untersch\u00e4tzt, die Nachteile jedoch \u00fcberbewertet werden. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Doktorandin Janine Macht sagt: \u201eViele Befragte bef\u00fcrchten, dass Bioraffinerien riesige Anlagen sind, wie man sie von Erd\u00f6lraffinerien kennt und verbinden diese Anlagen mit Gestank. Tats\u00e4chlich k\u00f6nnen Bioraffinerien aber auch viel kompakter als Gro\u00dfraffinerien sein und die Geruchsemissionen sind dank modernster Filtertechnologien praktisch gleich Null. Aber das muss man eben herausstellen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig, sagt Studienleiterin Prof. Dr. Monika Hartmann, gelte es, die Vorteile der Technologien, wie etwa der Nutzen f\u00fcr die heimische Wirtschaft, Entstehung qualifizierter Arbeitspl\u00e4tze und Ausweitung der lokalen Lebensmittelversorgung deutlicher herauszustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kommunikation von Vorteilen und Risiken geplanter Technologien sowie eine fr\u00fchzeitige Beteiligung der \u00d6ffentlichkeit k\u00f6nnte daher dazu beitragen, negative Emotionen und Risikowahrnehmung abzubauen und mehr Objektivit\u00e4t in kontroverse Debatten bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Prof. Hartmann, Janine Macht und ihre Co-Autorin Jeanette Klink-Lehmann sind Mitglieder des Transdisziplin\u00e4ren Forschungsbereichs (TRA) \u201eSustainable Futures\u201c, der Forschende aus unterschiedlichen Disziplinen und Fakult\u00e4ten zusammenbringt, um gemeinsam zur Nachhaltigkeit zu forschen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Publikation<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Janine Macht, Jeanette Klink-Lehmann, Monika Hartmann: Don&#8217;t forget the locals: Understanding citizens&#8217; acceptance of bio-based technologies. <br>DOI:&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.techsoc.2023.102318\" target=\"_blank\">https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.techsoc.2023.102318<\/a><br><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0160791X23001239\" target=\"_blank\">https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0160791X23001239<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um globale Herausforderungen wie den Klimawandel, die wachsende Weltbev\u00f6lkerung und den Verlust von \u00d6kosystemen zu bew\u00e4ltigen, sind innovative Wege der Produktion gefragt. 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