{"id":12927,"date":"2012-05-04T00:00:00","date_gmt":"2012-05-03T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20120504-04n"},"modified":"2012-05-04T00:00:00","modified_gmt":"2012-05-03T22:00:00","slug":"deutsche-biotech-branche-auf-stabilem-wachstumskurs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/deutsche-biotech-branche-auf-stabilem-wachstumskurs\/","title":{"rendered":"Deutsche Biotech-Branche auf stabilem Wachstumskurs"},"content":{"rendered":"<p><b>Im Jahr 2011 konnte das so genannte Kernsegment, also Biotech-Unternehmen, die ihren Stammsitz in Deutschland haben, den Umsatz um 10 Prozent auf 1,09 Milliarden Euro Umsatz steigern. Auch die Zahl der Besch\u00e4ftigten stieg \u2013 um vier Prozent auf gut 10.000 \u2013 w\u00e4hrend die Anzahl der Unternehmen mit 397 leicht unter dem Niveau des Vorjahres (403) lag. Dieser stabile Aufw\u00e4rtstrend ist trotz deutlich verschlechterter Finanzierungszahlen zu beobachten: Der Zufluss von Kapital verringerte sich um 71 Prozent von 441 auf 130 Millionen Euro. Zu diesen Ergebnissen kommt der 13. deutsche Biotechnologie-Report der Pr\u00fcfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst &#038; Young.<\/b><\/p>\n<p>Im Vergleich zum Jahr 2010 stiegen die Ausgaben f\u00fcr Forschung und Entwicklung (F&#038;E) um vier Prozent auf 783 Millionen Euro. &#8220;Die deutsche Biotech-Branche hat sich 2011 in einem insgesamt g\u00fcnstigen wirtschaftlichen Umfeld stabil positiv entwickelt. Alle wichtigen Kennziffern zeigen in die richtige Richtung&#8221;. Positiv wertet Siegfried Bialojan, Leiter des Life Science Industriezentrums bei Ernst &#038; Young und Autor der Studie, vor allem, dass die Verluste um f\u00fcnf Prozent auf 437 Millionen Euro reduziert werden konnten, w\u00e4hrend gleichzeitig die F&#038;E-Investitionen erh\u00f6ht wurden. &#8220;Die Biotech-Branche nimmt als Innovationsmotor weiter Fahrt auf \u2013 und diese Innovationen werden zunehmend aus dem operativen Cash Flow bezahlt&#8221;, stellt Bialojan fest.<\/p>\n<p>Der Ernst &#038; Young Biotechnologie-Report wird von der Branche stets mit gro\u00dfer Spannung erwartet, denn die j\u00e4hrlichen Untersuchungen liefern nicht nur Zahlen und Fakten \u00fcber die deutsche Biotech-Industrie. &#8220;Die deutsche Biotech-Branche leidet zwar nach wie vor unter erheblichen Finanzierungsproblemen&#8221;, betonte Dr. Siegfried Bialojan, Ernst &#038; Young AG, in Stuttgart. Allerdings gelinge es den Unternehmen zunehmend, trotz eines schwachen Kapitalzuflusses operativ gute Ergebnisse vorzuweisen: &#8220;Die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen zeigen eine gesunde und stabile Entwicklung der Branche&#8221;.<\/p>\n<p>Die Pr\u00fcfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst &#038; Young pr\u00e4sentierte am 25. April in der B\u00f6rse Stuttgart den Deutschen Biotechnologie-Report 2012. Die Zuh\u00f6rer aus Wirtschaft und Politik diskutierten angeregt mit den Referenten, unter anderem mit einem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und einem Vorstand von Life-Sciences-Unternehmen aus der Region. Dr. Lars Lehner erl\u00e4uterte seine Innovation: Mit Hilfe modernster Sensortechnik k\u00f6nnen st\u00f6rende Umwelteinfl\u00fcsse wie Trockenstress oder Parasitenbefall bei Pflanzen umgehend erkannt werden. F\u00fcr Dr. Stephan Rapp ist die Devise &#8220;Heilen von innen heraus&#8221; keine Zukunftsmusik: Die TETEC AG entwickelt aus k\u00f6rpereigenen Zellen beispielsweise neue Gelenkknorpel, die dem Patienten anschlie\u00dfend retransplantiert werden.<\/p>\n<p><b>Klassische Finanzierungsmodelle gescheitert<\/b><\/p>\n<p>Gemessen am Investitionsvolumen publizierter Finanzierungsrunden hat sich die Kapitalausstattung der deutschen Biotech-Branche im Jahr 2011 signifikant verschlechtert. Flossen im Jahr 2010 noch 441 Millionen Euro in die Branche, waren es im vergangenen Jahr nur noch 130 Millionen Euro \u2013 ein R\u00fcckgang um 71 Prozent. Sogar im Krisenjahr 2009 investierten Kapitalgeber mit 153 Millionen Euro mehr Geld in die junge Branche. Risikokapitalgeber investierten nur noch 87 Millionen Euro in diesen Sektor (Vorjahr: 281 Millionen Euro). &#8220;Allerdings&#8221;, betont Bialojan, &#8220;demonstriert diese Statistik mehr und mehr das Scheitern des klassischen Venture Capital-Modells und l\u00e4sst eine Vielzahl alternativer, leider meist nicht publizierter, Finanzierungen au\u00dfer Betracht.&#8221; <\/p>\n<p>B\u00f6rsennotierte Gesellschaften konnten auf einem schwachen Kapitalmarkt lediglich 43 Millionen Euro an zus\u00e4tzlichem Kapital aufnehmen \u2013 im Vorjahr waren es noch 160 Millionen Euro gewesen. B\u00f6rseng\u00e4nge deutscher Biotechnologieunternehmen blieben im f\u00fcnften Jahr in Folge aus. Europaweit f\u00e4llt der R\u00fcckgang beim Zufluss von Kapital weniger stark aus als in Deutschland: Nachdem im Jahr 2010 noch 2.852 Millionen Euro in die Branche investiert wurden, erhielten die Unternehmen 2011 nur noch 2.050 Millionen Euro \u2013 ein R\u00fcckgang um 28 Prozent. <\/p>\n<p>Im gesamteurop\u00e4ischen Durchschnitt erwies sich die Risikofinanzierung als einigerma\u00dfen stabil (minus 8 Prozent). In den einzelnen L\u00e4ndern ist sie jedoch von starken Schwankungen gepr\u00e4gt. Demgegen\u00fcber waren bei B\u00f6rseng\u00e4ngen und Sekund\u00e4rfinanzierungen b\u00f6rsennotierter Unternehmen deutliche R\u00fcckg\u00e4nge zu verzeichnen (minus 40 Prozent). In den Vereinigten Staaten mit ihrer sehr viel reiferen Branche war im vergangenen Jahr eine gegenl\u00e4ufige Entwicklung festzustellen: Der Kapitalzufluss stieg im Jahresvergleich von 21,5 auf 29,8 Milliarden Euro. Diese Entwicklung ist vor allem der besseren Finanzierung b\u00f6rsennotierter Gesellschaften durch erfolgreiche Kapitalerh\u00f6hungen und insbesondere durch zunehmenden Fremdkapitalzugang zu verdanken.<\/p>\n<p><b>Stabile Entwicklung trotz mangelndem Risikokapital<\/b><\/p>\n<p>&#8220;Die deutsche Biotech-Branche leidet zwar nach wie vor unter erheblichen Finanzierungsproblemen&#8221;, konstatiert Bialojan. Allerdings gelinge es den Unternehmen zunehmend, trotz eines schwachen Kapitalzuflusses operativ gute Ergebnisse vorzuweisen: &#8220;Die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen zeigen eine gesunde und stabile Entwicklung der Branche&#8221;. Die Unternehmen h\u00e4tten auf das Scheitern des VC-Finanzierungsmodells, das sich seit einigen Jahren anbahne, bereits reagiert: &#8220;Viele Unternehmen haben ihre Gesch\u00e4ftsmodelle umgestellt, um ihre Abh\u00e4ngigkeit vom schwindenden Risikokapital zu reduzieren. In vielen F\u00e4llen gehen sie weg von der forschungs- und kostenintensiven Wirkstoffentwicklung und konzentrieren sich st\u00e4rker auf innovative Technologieplattformen, Entwicklungen im Diagnostikbereich sowie Dienstleistungen.&#8221; Andererseits habe vielfach auch die Steigerung der Kapitaleffizienz durch systematische Analyse der Kostenstrukturen sowie der Investitionsstrategien signifikant zu einem niedrigeren Kapitalbedarf beigetragen, so Bialojan.<\/p>\n<p>Auf der Kapitalgeberseite wird der R\u00fcckgang der klassischen VC-Investoren zum Teil aufgefangen durch neue Investorengruppen, die ihre Aktivit\u00e4ten nicht oder nur sporadisch \u2013 meist als Teile eines Konsortiums \u2013 ver\u00f6ffentlichen. Diese \u201aDunkelziffer\u2018 aufgrund einer stark verminderten Transparenz<br \/>bei den Finanzierungsaktivit\u00e4ten d\u00fcrfte einen nicht unerheblichen Anteil des \u201afehlenden\u2018 Finanzierungsvolumens ausmachen. Zu diesen alternativen Investoren z\u00e4hlen u. a. Family Offices, Privatinvestoren und entsprechende Fonds, aber auch F\u00f6rdergeldgeber (EU, Bund, L\u00e4nder) und Stiftungen.<\/p>\n<p>Bialojan sieht private Investoren, vor allem Family Offices, eindeutig auf dem Vormarsch: &#8220;Ihre Bedeutung f\u00fcr die Branche steigt. Private Investoren werden aufgrund ihres signifikanten Kapitaleinsatzes in Zukunft sicherlich einige Erfolgsgeschichten erm\u00f6glichen, die die Branche insgesamt wieder in ein positiveres Licht r\u00fccken k\u00f6nnten.&#8221; &#8220;Dennoch&#8221;, gibt Bialojan zu bedenken, &#8220;d\u00fcrfen wir nicht dar\u00fcber hinwegsehen, dass ein nicht mehr funktionsf\u00e4higes VC-Modell, das dauerhafte Ausbleiben von IPOs und das schwache Kapitalmarktinteresse am Biotech-Sektor auf lange Sicht dazu f\u00fchren werden, dass sich die Branche von den lukrativsten Wertsch\u00f6pfungsmodellen der Medikamenten-Entwicklung verabschieden wird&#8221;. Hier sei auch der Staat klar gefordert, die Rahmenbedin-gungen so zu gestalten, dass Investitionen in risikoreiche Innovationen eher belohnt werden, anstatt entsprechende Investoren durch immer weitere Restriktionen (z.B. Basel III, Solvency II) zu bestrafen.<\/p>\n<p><b>Geringe Fortschritte bei der Produktentwicklung<\/b><\/p>\n<p>Insgesamt ist die Zahl der Wirkstoffe in der Medikamenten-Entwicklung bei den deutschen Biotech-Unternehmen minimal von 304 auf 301 gesunken. In der aus Wertsch\u00f6pfungssicht wichtigen klinischen Pr\u00fcfung \u2013 also in den Phasen I bis III \u2013 befinden sich derzeit mit 142 Wirkstoffen geringf\u00fcgig weniger Projekte als im Vorjahr (143). Im europ\u00e4ischen Vergleich hat der Biotech-Sektor in Deutschland damit die am zweitst\u00e4rksten gef\u00fcllte Entwick-lungspipeline \u2013 hinter der britischen Branche mit 218 Wirkstoffen. Zum ersten Mal seit 2009 wurde im vergangenen Jahr einem deutschen Biotech-Unternehmen wieder eine Marktzulassung erteilt: Im Dezember 2011 lie\u00df die Europ\u00e4ische Kommission das Medikament Ameluz der Leverkusener Biofrontera AG zur Vermarktung zu. Das Therapeutikum ist ein verschreibungspflichtiges Medikament zur Hautkrebs-Behandlung.<\/p>\n<p>Insgesamt ist im Bereich der Medikamenten-Entwicklung eine weitaus gr\u00f6\u00dfere Dynamik festzustellen, als auf den ersten Blick sichtbar wird: Die zahlreichen Neuaufnahmen bzw. erfolgreichen Phasen\u00fcberg\u00e4nge (24) belegen die Innovationskraft der Unternehmen. Insgesamt 27 Projektverluste erfolgten durch Abbr\u00fcche mangels Wirkung oder durch \u00dcbernahmen der entsprechenden Unternehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Im Jahr 2011 konnte das so genannte Kernsegment, also Biotech-Unternehmen, die ihren Stammsitz in Deutschland haben, den Umsatz um 10 Prozent auf 1,09 Milliarden Euro<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[3303,3455],"class_list":["post-12927","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-ernst-young","supplier-tetec-ag"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12927","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12927"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12927\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12927"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12927"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12927"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=12927"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}