{"id":12909,"date":"2012-05-14T00:00:00","date_gmt":"2012-05-13T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20120514-03n"},"modified":"2012-05-14T00:00:00","modified_gmt":"2012-05-13T22:00:00","slug":"biogas-und-nachhaltigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biogas-und-nachhaltigkeit\/","title":{"rendered":"Biogas und Nachhaltigkeit"},"content":{"rendered":"<p><b> Gef\u00f6rdert durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz hat die Nutzung von Biogas in Deutschland stark zugenommen. Damit die steigende Biogasproduktion aber auch \u00f6kologisch sinnvoll ist und nicht mit den Nachhaltigkeitszielen des Naturschutzes in Konflikt ger\u00e4t, m\u00fcssen die Rahmenbedingungen sorgf\u00e4ltig gew\u00e4hlt werden. Unter der Koordination des ifeu-Instituts in Heidelberg wurden die \u00f6kologischen Auswirkungen der Erzeugung und Nutzung von Biogas vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen und rechtlichen Situation in Deutschland analysiert und Handlungsempfehlungen an die Politik geliefert.<\/b><\/p>\n<p>In der am 1. Januar 2012 in Kraft getretenen neuen Fassung des Gesetzes f\u00fcr den Vorrang Erneuerbarer Energien (kurz: Erneuerbare-Energien-Gesetz &#8211; EEG) wird als Gesetzesziel angegeben, den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung auf mindestens 35 Prozent und am gesamten Energieverbrauch in Deutschland auf mindestens 18 Prozent sp\u00e4testens bis zum Jahr 2020 zu erh\u00f6hen. In den darauf folgenden Jahrzehnten soll der Anteil der erneuerbaren Energien an den in das Elektrizit\u00e4tsversorgungssystem eingespeisten Strommengen stufenweise auf 80 Prozent sp\u00e4testens bis zum Jahr 2050 angehoben werden. <\/p>\n<p>Vornehmlicher Zweck des EEG, das in erster Fassung im Jahr 2000 von der rot-gr\u00fcnen Bundesregierung eingef\u00fchrt worden war, ist es, eine nachhaltige Entwicklung der Energieversorgung in Einklang mit den Interessen des Klima- und Umweltschutzes zu bringen und fossile Energieressourcen zu schonen. Nach Meinung vieler Fachleute im In- und Ausland hat dieses Gesetz mehr als alle anderen Ma\u00dfnahmen dazu gef\u00fchrt, dass &#8220;Deutschland das einzige Land der Welt ist, dem es in relativ kurzer Zeit gelungen ist, den Anteil an erneuerbaren Energien substanziell zu erh\u00f6hen&#8221;, so Dr. Claudia Kemfert, Professorin f\u00fcr Energie\u00f6konomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance.<\/p>\n<p><b>Expansion von Biogasanlagen und Maisfeldern<\/b><br \/>Die Zahl der Biogasanlagen in Deutschland hat sich in den letzten Jahren geradezu explosionsartig vermehrt; sie d\u00fcrfte heute bei etwa 7.100 liegen. Allein 2009 und 2010 wurden etwa 1.900 neue Anlagen in Betrieb genommen. Die installierte elektrische Leistung aller Biogasanlagen zusammen liegt bei \u00fcber 2.700 MW, was der Leistung von zwei gro\u00dfen Kernkraftwerken entspricht (Angaben des Fachverbandes Biogas e.V.). <\/p>\n<p>Durchschnittlich haben deutsche Biogasanlagen nur eine Leistung von rund 380 kW, und der Trend geht wegen der Verg\u00fctungsstruktur des EEG gegenw\u00e4rtig zum Bau von kleinen oder allenfalls mittelgro\u00dfen Biogasanlagen. Dabei gibt es starke regionale Unterschiede: W\u00e4hrend im nordwestlichen Niedersachsen und in Ostdeutschland gro\u00dfe Anlagen dominieren, sind sie in Baden-W\u00fcrttemberg in der Regel klein, aber sehr zahlreich. Bei einer Fahrt von Ulm nach Ravensburg in Oberschwaben beispielsweise, sieht man oft mehrere Bauernh\u00f6fe zur gleichen Zeit, neben denen unverkennbar Biogasanlagen errichtet worden sind. <\/p>\n<p>Was bei einer solchen Fahrt besonders ins Auge springt, sind die Maisfelder. Sie machen in Deutschland mittlerweile \u00fcber ein F\u00fcnftel und stellenweise noch wesentlich mehr der gesamten Ackerfl\u00e4che aus. Das allermeiste davon ist nicht etwa K\u00f6rnermais f\u00fcr Nahrungs- und Futtermittel wie in fr\u00fcheren Zeiten, sondern Silomais f\u00fcr die Biogasanlagen. In einem Jahr (2010) stieg sein Anbauumfang in Oberschwaben um 15 Prozent. <\/p>\n<p>Der Grund f\u00fcr die Ausweitung liegt darin, dass Silomais (sogenannter &#8220;Energiemais&#8221;) den h\u00f6chsten Fl\u00e4chenertrag f\u00fcr die Biogaserzeugung aus nachwachsenden Rohstoffen (&#8220;NawaRo&#8221; im Fachjargon) liefert. Aus einer Tonne Frischmasse an Maissilage lassen sich etwa 200 m<sup>3<\/sup> Biogas, entsprechend etwa 105 m<sup>3<\/sup> Methan gewinnen; das ist das Sechs- bis Siebenfache der Methanmenge, die sich aus G\u00fclle von Rindern oder Schweinen erzeugen l\u00e4sst. Zur Expansion der Silomais-Produktion f\u00fcr die ausschlie\u00dfliche Verwendung in Biogasanlagen hat neben der vergleichsweise h\u00f6heren Energiedichte vor allem der &#8220;Technologiebonus f\u00fcr Trockenfermentation&#8221; beigetragen, ein in der alten Fassung des EEG festgeschriebener Verg\u00fctungsanreiz, mit dem die Regierung die Energieerzeugung durch NawaRo f\u00f6rdern wollte.<\/p>\n<p>Die mit dem massiven Maisanbau verbundenen Probleme und Gefahren sind schon oft angesprochen worden. Ausf\u00fchrlich wurden sie 2008 in einem vom Bundesministerium f\u00fcr Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) in Auftrag gegebenen Verbundprojekt \u00fcber &#8220;Optimierungen f\u00fcr den nachhaltigen Ausbau der Biogaserzeugung und -nutzung in Deutschland&#8221; abgehandelt. Die Studie war unter Leitung des  ifeu &#8211; Institut f\u00fcr Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH &#8211; von einem &#8220;Projektteam Biogas&#8221; erarbeitet worden, an dem unter anderem auch das \u00d6ko-Institut in Freiburg, Darmstadt und Berlin sowie das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ) (DBFZ; fr\u00fcher: Institut f\u00fcr Energetik und Umwelt) in Leipzig beteiligt waren.<\/p>\n<p>Dem Ziel einer Schonung fossiler Brennstoffe mag man durch eine Energieerzeugung auf NawaRo-Basis n\u00e4herkommen. Der im EEG geforderte Einklang mit den Interessen des Klimaschutzes &#8211; also eine Verringerung des Aussto\u00dfes von Klimagasen wie CO<sub>2<\/sub>und Methan &#8211; h\u00e4ngt jedoch von den Rahmenbedingungen ab, vor allem der Intensit\u00e4t der D\u00fcngung in den Maisfeldern. Denn D\u00fcngemittel werden mit hohem Energieaufwand hergestellt und verschlechtern die CO<sub>2<\/sub>-Bilanz der Energiepflanzen. In diese Bilanz gehen auch der Einsatz der Erntemaschinen und Transportmittel und die Menge des unbeabsichtigten Entweichens von Methan aus den Anlagen in die Atmosph\u00e4re ein. Dieser sogenannte Methanschlupf kann, besonders bei kleinen Anlagen, \u00fcber zehn Prozent des erzeugten Methans betragen, wie die ifeu-Studie herausgearbeitet hatte. <\/p>\n<p>Dadurch w\u00fcrde der Klimaschutz konterkariert, da Methan ein weitaus st\u00e4rkeres Klimagas ist als CO<sub>2<\/sub>. Bei den Energieverlusten durch Transport schneiden Biogasanlagen allerdings recht gut ab: Der gr\u00f6\u00dfte Teil des in Deutschland produzierten Biogases wird in Blockheizkraftwerken (BHKW) direkt am Entstehungsort verstromt. Solche BHKW bestehen in der Regel aus einem Verbrennungsmotor (meist werden spezielle Otto-Motoren verwendet, die Biogas ab einer Methankonzentration von 45 Prozent direkt verbrennen k\u00f6nnen), der einen Generator zur Stromerzeugung antreibt.<\/p>\n<p><b>Biodiversit\u00e4tsw\u00fcsten<\/b><br \/>Schlimm steht es bei Mais als prim\u00e4rer Energiequelle um den Einklang mit den Interessen des Umwelt- und Naturschutzes. Dass die industriell betriebene moderne Landwirtschaft und die Vielfalt in der Natur (die Biodiversit\u00e4t, deren Erhaltung ja ebenfalls als politisches Ziel angegeben wird) im Konflikt miteinander stehen, wird nur noch von wenigen Interessenvertretern bestritten. Maismonokulturen aber sind regelrechte Biodiversit\u00e4tsw\u00fcsten. Das l\u00e4sst sich auch mit den Erhebungen der Tier- und Pflanzenarten in Deutschland belegen (Die Roten Listen; Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart). <\/p>\n<p>Dazu erkl\u00e4rte der bekannte Biologe Professor Dr. Josef H. Reichholf (in: &#8220;Ende der Artenvielfalt?&#8221;, Fischer 2008, p. 145): &#8220;Der weitaus gr\u00f6\u00dfte Teil der Artenr\u00fcckg\u00e4nge und -verluste der letzten Jahrzehnte ist in Mitteleuropa auf den Doppeleffekt der Landwirtschaft zur\u00fcckzuf\u00fchren: die Strukturverarmung und die \u00dcberd\u00fcngung.&#8221; Zur Illustration dieser These: Von den 254 regelm\u00e4\u00dfig in Deutschland br\u00fctenden Vogelarten kommt gut die H\u00e4lfte auch im Stadtgebiet von Stuttgart vor. In dem fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig sieben Mal gr\u00f6\u00dferen, stark agrarisch gepr\u00e4gten Landkreis Biberach, der f\u00fcr baden-w\u00fcrttembergische Verh\u00e4ltnisse recht d\u00fcnn besiedelt ist (134 Einwohner pro km<sup>2<\/sup>, im Vergleich zu 2.800 Einwohnern pro km<sup>2<\/sup> in Stuttgart), hat man 2009 dagegen nur 73 Brutvogelarten registriert.<\/p>\n<p>Als die Politik in den 1990er-Jahren anfing, den Bau von Biogasanlagen in der Landwirtschaft aktiv zu f\u00f6rdern, erwartete man von der Ma\u00dfnahme auch eine umweltgerechte Verwertung der Riesenmengen an G\u00fclle und Mist, die in den Massentierhaltungsbetrieben anfallen. Wegen der h\u00f6heren Wirtschaftlichkeit von Energiepflanzen wie Silomais erf\u00fcllte sich diese Erwartung nicht. In der ifeu-Studie wurde deshalb die Empfehlung ausgesprochen, anstelle des erw\u00e4hnten &#8220;Technologiebonus f\u00fcr Trockenfermentation&#8221; einen &#8220;G\u00fcllebonus&#8221; einzuf\u00fchren. Die Neufassung des EEG von 2009 hat diese Empfehlung zusammen mit anderen Verbesserungen, die zum Beispiel eine Verringerung der Methan-Emission in die Atmosph\u00e4re zum Ziel haben, aufgegriffen. <\/p>\n<p>Der G\u00fcllebonus, der erst ab einem G\u00fclleanteil von 30 Prozent vergeben wird (dann allerdings f\u00fcr die gesamte erzeugte Strommenge), wird inzwischen von vielen Betrieben in Anspruch genommen, und der G\u00fclleeinsatz ist seitdem deutlich angestiegen. Allerdings handelt es sich mehrheitlich um Mitnahmeeffekte. Wie das DBFZ in seinem Erfahrungsbericht vom Juni 2011 feststellte, zeichnet sich die Tendenz ab, dass die Betreiber der Biogasanlagen gerade 30 Prozent oder etwas mehr an G\u00fclle und tierischen Exkremente einsetzen, da bei Anteilen von \u00fcber 30 Prozent die Stromgestehungskosten ansteigen, die Verg\u00fctung pro Kilowattstunde aber konstant bleibt. <\/p>\n<p><b>Bonusverg\u00fctungen f\u00fcr Umwelt- und Klimaschutz?<\/b><br \/>Mit diesen und weiteren Finanzierungsschemata und Subventionen &#8211; neben der Grundverg\u00fctung f\u00fcr die Stromerzeugung zum Beispiel dem NawaRo-Bonus, einem Bonus f\u00fcr Kraft-W\u00e4rme-Kopplung in den Anlagen und Pr\u00e4mien f\u00fcr die Integration des Stroms in das Versorgungsnetz \u2013 versucht die Politik die schwierige Balance zwischen der Entwicklung einer nachhaltigen Energieversorgung, einem wirkungsvollen Umwelt- und Naturschutz und den Interessen der Landwirte und Agrarbetriebe herzustellen. Die Bonusverg\u00fctungen werden auch von \u00fcber 90 Prozent der Betreiber von Biogasanlagen in Anspruch genommen. Ob man damit auch den anderen Zielsetzungen n\u00e4herkommt, muss immer wieder durch kritische Analysen und Bestandsaufnahmen hinterfragt werden, wie sie das ifeu-Institut, das DBFZ und das \u00d6ko-Institut durchf\u00fchren. <\/p>\n<p>In Modellen wird untersucht, wie sich der Stoffwechsel der B\u00f6den, die Kohlenstoffkreisl\u00e4ufe und das Wassermanagement durch den Anbau von Energiepflanzen f\u00fcr Biogasanalagen ver\u00e4ndern und wie sich das auf die Klimagasbilanz auswirkt. Es zeigt sich, dass vor allem mehrj\u00e4hrige Pflanzen wie Holzgew\u00e4chse und Mischkulturen verschiedener Pflanzen, die ohne D\u00fcngung auskommen, von Vorteil sind. Auch dem Klimawandel muss Rechnung getragen werden, denn in weiten Teilen Deutschlands d\u00fcrfte es in den n\u00e4chsten Jahrzehnten wesentlich trockener werden, wie der &#8220;Regionale Klimaatlas f\u00fcr Deutschland&#8221; zeigt. <\/p>\n<p>Vor allem ist es f\u00fcr eine nachhaltige, dem Umwelt- und Klimaschutz Rechnung tragende Biogaserzeugung notwendig, dass pflanzliche Reststoffe \u2013 Gr\u00fcnschnitt und Abfall aus Land- und Forstwirtschaft &#8211; genutzt werden k\u00f6nnen. Am Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Umweltforschung wird daran gearbeitet, die bakteriellen Prozesse in Biogasanlagen so zu verbessern, dass ein weites Spektrum an pflanzlichen Reststoffen genutzt werden kann. Nicht nur Hightech-Anlagen wie das neue &#8220;Bioliq&#8221; am Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie, sondern auch kleine Biogasanlagen m\u00fcssen vor Ort die Reststoffe zur Erzeugung von Strom und W\u00e4rme verwenden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b> Gef&ouml;rdert durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz hat die Nutzung von Biogas in Deutschland stark zugenommen. 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