{"id":12908,"date":"2012-05-15T00:00:00","date_gmt":"2012-05-14T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20120515-02n"},"modified":"2012-05-15T00:00:00","modified_gmt":"2012-05-14T22:00:00","slug":"biotech-kosmetik-salonfaehig-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biotech-kosmetik-salonfaehig-machen\/","title":{"rendered":"Biotech-Kosmetik salonf\u00e4hig machen"},"content":{"rendered":"<p><b>Mit dem Slogan &#8220;Inspiriert von der Genforschung&#8221; wirbt ein bekannter Kosmetikkonzern f\u00fcr die eigenen Produkte. Viele Forscher bel\u00e4cheln den wachsweichen Slogan als puren Marketinggag. Mit der Brain AG macht sich jetzt ein Biotechnologie-Unternehmen auf, Wissenschaft in die teuren Flakons zu bringen. Den Schritt in das Neuland hat die Firma gut vorbereitet. Unbemerkt von der \u00d6ffentlichkeit hat sich das Biotechnologie-Unternehmen im hessischen Zwingenberg ein Portfolio an Kosmetik-Unternehmen zugelegt. Nach dem Kauf der Mehrheit an der Monteil Cosmetics International GmbH ist die Wertsch\u00f6pfungskette nun vollst\u00e4ndig. &#8220;Wir haben nun Zugriff auf den gesamten Prozess \u2013 vom ersten Experiment im Labor bis hin zum Markenprodukt im Regal&#8221;, sagt Vorstandschef Holger Zinke.<\/b><\/p>\n<p>J\u00fcngster Coup ist die bar bezahlte Beteiligung an Monteil, die das Unternehmen Ende Februar dieses Jahres verk\u00fcndete. &#8220;Monteil ist ein Rohdiamant&#8221;, schw\u00e4rmt Zinke. Zusammen mit dem Verk\u00e4ufer, der Wilde-Gruppe in Oestrich-Winkel, bildet Brain nun ein Joint-Venture mit klar verteilten Rollen. &#8220;Unser Partner bringt die wissenschaftliche Kompetenz mit, wir haben das Marketing Know-how&#8221;, analysiert Michael Kalow, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Wilde. Die Zeiten der &#8220;Chi-chi-Kosmetik&#8221; seien vor\u00fcber. Die Industrie habe sich in den vergangenen Jahrzehnten mit echten Neuigkeiten schwergetan, so Kalow weiter.<\/p>\n<p><b>Kosmetikprodukte auf dem neuesten Stand<\/b><br \/>Noch heute enthielten Cremes als aktive Komponenten etwa Fols\u00e4ure oder den Cofaktor Q10. &#8220;Die wurden aber bereits in den 30er beziehungsweise den 50er Jahren sozusagen erfunden. Der heutige Stand der Wissenschaft schl\u00e4gt sich in Kosmetik-Produkten nicht nieder&#8221;, so Zinke. Die Chance f\u00fcr Brain. &#8220;Unser Partner hat den molekularen Prozess der Hautalterung verstanden&#8221;, sagt Kalow. So enthalten die Cremes peptidische Wirkstoffe, produziert in den Brain-eigenen Anlagen, die vor zwei Jahren aufgebaut wurden. In den Cremes findet sich unter anderem ein TRPV1-Inhibitor made in Zwingenberg. Er blockiert den Hitze-Capsaicin-Rezeptor, der unter anderem f\u00fcr Hautr\u00f6tungen verantwortlich ist. So sollen Hautirritationen unterdr\u00fcckt werden. Das hat Brain bei einem Dienstleister klinisch pr\u00fcfen lassen. Das wissenschaftliche Ph\u00e4nomen ist seit einiger Zeit bekannt. <\/p>\n<p>Die wahre Kunst steckt in der Formulierung der Creme. Biomolek\u00fcle sind sehr empfindlich. W\u00e4rme oder sch\u00e4dliche Umweltbedingungen wie etwa ein sich \u00e4ndernder pH-Wert k\u00f6nnen sie nutzlos machen. &#8220;Es ist nicht trivial, Enzyme in einer Creme stabil zu halten&#8221;, best\u00e4tigt Zinke. Die Proteine m\u00fcssten \u00fcber Jahre in der Formulierung unver\u00e4ndert bleiben und &#8220;beim Auftragen auf die Haut nat\u00fcrlich auch wieder freigesetzt werden&#8221;, so der CEO. Hier habe Brain nun &#8220;einige Hundert Wissenschaftlerjahre Vorsprung&#8221; gegen\u00fcber der Konkurrenz. Die Hessen haben in den vergangenen Jahren immer wieder neue Kosmetik-Formulierungen ausprobiert. 150 Gesch\u00e4ftspartner, Freunde des Unternehmens und Investoren dienten als &#8220;Versuchspersonen&#8221;. Das Echo, so ist zu h\u00f6ren, sei positiv gewesen. Brain war zu weiteren Schritten ermutigt.Germaine Monteil ist die Namensgeberin und Erfinderin der Marke Monteil.Lightbox-LinkGermaine Monteil ist die Namensgeberin und Erfinderin der Marke Monteil.Quelle: Brain AG<\/p>\n<p><b>Vom Aufbau einer Marke<\/b><br \/>Viel mehr als die Wissenschaft z\u00e4hlt in der Kosmetikbranche aber der sch\u00f6ne Schein, also eine strahlende Marke. Deren Aufbau dauert Jahre und kostet Millionen an Werbegeldern. Brain griff zu einem Trick und entschloss sich zum Einstieg bei Monteil. Zinke hat Hochachtung vor der Marke und ihrer Gr\u00fcnderin. 1898 in Paris geboren, emigrierte sie als Zwanzigj\u00e4hrige in die USA und machte dort Karriere als Modedesignerin  \u2013 Coco Chanel l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen. Die Franz\u00f6sin gr\u00fcndete 1936 mit ihrem Mann, einem Chemiker, die Kosmetikfirma Germaine Monteil Cosmetiques Corp. in New York. Bis in die 70er Jahre hinein war die Marke eine der gro\u00dfen in den USA mit einem Umsatz von 100 Millionen US-Dollar. <\/p>\n<p>&#8220;In heutige Kaufkraft umgerechnet, entspricht das heute etwa einer halben Milliarde Euro&#8221;, rechnet der CEO vor. Das Unternehmen Monteil wurde schlie\u00dflich vom Coty-Konzern \u00fcbernommen, der 1963 in den Pfizer-Konzern integriert wurde. Das heute weltgr\u00f6\u00dfte Pharmaunternehmen trat seinerzeit noch als Mischkonzern auf. Die Amerikaner setzten jedoch vor allem auf die Marke Lancaster. Das damals ebenb\u00fcrtige Label Monteil geriet ins Hintertreffen. 1992 kaufte schlie\u00dflich die deutsche Milliard\u00e4rsfamilie Benckiser die Coty-Sparte einschlie\u00dflich Monteil. Die Monteil Cosmetics International GmbH wurde 2006 an Wilde weitergereicht. Heute sitzt &#8220;Monteil Paris&#8221; in der Rheingaustra\u00dfe 19a in Oestrich-Winkel. Zudem existiert eine Tochtergesellschaft in der franz\u00f6sischen Hauptstadt.<\/p>\n<p>Brain hofft darauf, dass sich der sch\u00f6ne Schein und die wissenschaftliche Expertise verbinden lassen. Aber Gentechnik auf der Haut? Fl\u00fcchten da nicht die Kunden? &#8220;Nein!&#8221;, widerspricht Wilde-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Kalow. Die Vokabel Biotechnologie sei heute in den K\u00f6pfen der Verbraucher verankert. \u00c4hnlich wie in der Medizin werde der Begriff aber mit Technologie und Nutzen assoziiert und nicht mit Gefahr wie in der Nahrungsmittelindustrie. <\/p>\n<p>Das best\u00e4tigt auch Martin Ruppmann, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Kosmetikverbandes VKE: &#8220;Fundiert dargestellte Qualit\u00e4ts- und Nutzenversprechen sind ein starkes Verkaufsargument f\u00fcr Kosmetika.&#8221; Das Image von Produkten definiere sich durch deren Qualit\u00e4t und die Strahlkraft ihrer Marke. &#8220;Monteil ist eine hervorragende, edle Marke im High-end-Bereich&#8221;, so der Verbandsgesch\u00e4ftsf\u00fchrer. Die neuen Vermarktungsanstrengungen hat er bereits bemerkt. &#8220;Die geben richtig Gas!&#8221; Es wird spannend sein zu beobachten, wie sich die wissenschaftlich getriebene Brain im Sch\u00f6nheitsmarkt schlagen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Mit dem Slogan &#8220;Inspiriert von der Genforschung&#8221; wirbt ein bekannter Kosmetikkonzern f&uuml;r die eigenen Produkte. Viele Forscher bel&auml;cheln den wachsweichen Slogan als puren Marketinggag. Mit<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[736,3468,3211,3210],"class_list":["post-12908","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-brain-ag-biotechnology-research-and-information-network-ag","supplier-kosmetikverband-ev-vke","supplier-monteil-cosmetics-international-gmbh","supplier-wilde-cosmetics-gmbh"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12908","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12908"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12908\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12908"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12908"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12908"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=12908"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}