{"id":12841,"date":"2012-02-24T00:00:00","date_gmt":"2012-02-23T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20120224-01n"},"modified":"2012-02-24T00:00:00","modified_gmt":"2012-02-23T22:00:00","slug":"klimaschuetzer-aus-dem-rauchgasschlot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/klimaschuetzer-aus-dem-rauchgasschlot\/","title":{"rendered":"Klimasch\u00fctzer aus dem Rauchgasschlot"},"content":{"rendered":"<p><b>Die schmauchenden Schlote von Kohlekraftwerken stehen symbolisch f\u00fcr den von Menschenhand ausgel\u00f6sten Klimawandel. Doch ausgerechnet an diesen Orten schlummert wom\u00f6glich eine elegante L\u00f6sung, mit der sich der \u00fcberm\u00e4\u00dfige CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df eind\u00e4mmen l\u00e4sst. Denn in den Schornsteinen leben spezialisierte Mikroorganismen, die in der Lage sind, das Klimagas Kohlendioxid aus dem Rauch zu filtern und es in wertvolle Rohstoffe umzuwandeln. Der Energieriese RWE und das Biotech-Unternehmen Brain AG suchen gemeinsam in Kraftwerkschloten nach solchen mikrobiellen CO<sub>2<\/sub>-Verwertern. Mit Erfolg &#8211; knapp 30 kultivierbare Mikrobenarten, viele bisher v\u00f6llig unbekannt, sind den Forschern schon ins Netz gegangen.<\/b><\/p>\n<p>Das Kooperationsprojekt von RWE und Brain ging vor zwei Jahren los <a href=\"http:\/\/www.biotechnologie.de\/BIO\/Navigation\/DE\/aktuelles,did=110540.html\" >(mehr&#8230;)<\/a>. Gemeinsam sind die Partner dorthin gegangen, wohin es normalerweise keinen Menschen zieht: in den sechs Meter hohen Kraftwerksschornstein. Inmitten der wabernden Braunkohleabgase fanden sie v\u00f6llig neue, noch nie beschriebene Mikroben. Diese Spezialisten sind in der Lage, von Kohlendioxid zu leben und dieses zu verwerten \u2013 in v\u00f6lliger Dunkelheit, bei Temperaturen um 60\u00b0C. F\u00fcr Bakterien ist das eine erstaunliche Leistung. Aus Kohlendioxid wieder Kohlenstoff zu machen, ist chemisch gesehen heikel. Im Prinzip ist das nichts weniger als die Umkehr des Verbrennungsprozesses im Kraftwerkskessel. Im Labor w\u00fcrde dieser Prozess die gleiche Energie verbrauchen, die bei der Verbrennung der Kohle im Kraftwerk frei wird. Doch Mikroorganismen haben eigene Wege gefunden. &#8220;Evolution\u00e4r betrachtet hatten sie mehr als zwei Milliarden Jahre Zeit, um zu lernen, mit CO<sub>2<\/sub> als Kohlenstoffquelle auszukommen. Statt Licht reicht ihnen Wasserstoff oder Schwefel als Energietr\u00e4ger&#8221;, sagt J\u00fcrgen Eck, Wissenschaftsvorstand der Brain AG.  <\/p>\n<p>Mehr als 3.000 Kandidaten haben die Forscher in freier Wildbahn gefunden und ausf\u00fchrlich getestet. 29 von ihnen lassen sich nicht nur im Labor kultivieren, sondern bringen auch noch die gew\u00fcnschten Spezialeigenschaften mit. &#8220;Wissenschaftlich gesehen ist das ein Riesending&#8221;, schw\u00e4rmt Eck. Kann es also morgen schon losgehen? &#8220;Leider nicht&#8221;, sagt Markus Doll, f\u00fcr neue Technologien bei RWE Power zust\u00e4ndig. &#8220;Derzeit fahren wir nur kleine Versuche im Rauchgaskanal. Bis zur Pilotanlage ist es noch ein gutes St\u00fcck&#8221;. 2016 soll es soweit sein, die Technologie im Jahr 2020 einsatzbereit sein.<\/p>\n<p><b>Algenprojekt ausgelaufen<\/b><\/p>\n<p>Dass das kein Selbstg\u00e4nger ist, beweist das Schicksal von RWEs Algenfarm, die \u00fcber Jahre hinweg getestet wurde. Durch kilometerlange Schl\u00e4uche blubberte das kohlendioxidhaltige Rauchgas. Ende des vergangenen Jahres war damit Schluss. &#8220;Unser Algenversuchsprojekt ist planm\u00e4\u00dfig Ende 2011 ausgelaufen. Wir haben erfolgreich nachgewiesen, dass es m\u00f6glich ist, damit CO<sub>2<\/sub> zu fixieren&#8221;. Den n\u00e4chsten Schritt, eine gro\u00dftechnische Anlage zu bauen, das wollte RWE nicht wagen. Der Grund: der hohe Platzbedarf der Fermenteranlage. &#8220;F\u00fcr eine Million Tonnen CO<sub>2<\/sub> ben\u00f6tigt man eine Fl\u00e4che von 100 Quadratkilometern&#8221;, sagt der RWE-Mann. F\u00fcr stark besiedelte Regionen wie das Rheinland kann diese Technologie daher keine L\u00f6sung sein. Auch ein anderes Projekt musste der Energieriese abschreiben, obwohl es nach dessen Ansicht technisch beherrschbar gewesen w\u00e4re: die unterirdische Lagerung des Kohlendioxids.<\/p>\n<p>&#8220;Die CO<sub>2<\/sub>-Speicherung im Rahmen der Carbon Capture and Storage \u2013 die sogenannte CCS-Technologie \u2013 kommt in Deutschland aufgrund mangelnder Akzeptanz und fehlender Gesetzgebung nicht voran&#8221;, so Doll. Die CO<sub>2<\/sub>-W\u00e4sche betreibt RWE trotzdem weiter. Der Konzern ist auf der Suche nach Alternativen, denn der Kauf von Kohlendioxidemissionszertifikaten ist teuer. So wird auch die Lieferung des Gases an L\u00f6schmittelhersteller erwogen, die es in Form von Trockeneis weiterverwenden sowie die Wasseraufbereitung oder die chemische Weiterverwertung als Polyurethan oder Synthesegas. F\u00fcr RWE beginnt das Puzzle. &#8220;Keine Technologie ist allein in der Lage, die anfallende Kohlendioxidmenge zu bew\u00e4ltigen. Wir m\u00fcssen Teill\u00f6sungen zu einem Gesamten zusammenf\u00fcgen&#8221;, erkl\u00e4rt Doll.<\/p>\n<p><b>Biotechnologie ein Teil im Puzzle<\/b><\/p>\n<p>Die Biotechnologie werde dabei eine ma\u00dfgebliche Rolle spielen, \u00fcber einen niedrigen zweistelligen Prozentsatz aber nicht hinauskommen. &#8220;Wir k\u00f6nnen das Klima nicht allein retten&#8221;, bremst Eck allzu hohe Erwartungen. Denn die Verwendung von Mikoorganismen hat ihre Grenzen. &#8220;Die derzeitige Limitierung der Produktionsrate ist die Aufnahme des Kohlendioxids durch die Bakterien. Hier besteht gro\u00dfer Optimierungsbedarf&#8221;, erkl\u00e4rt Eck.<\/p>\n<p>Die CO<sub>2<\/sub>-Aufnahme liege heute im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Brain arbeitet daran, die Organismen gentechnisch zu optimieren, um ihre Aufnahmef\u00e4higkeit zu erh\u00f6hen. Zufrieden ist der Wissenschaftler damit, wie die Bakterien schon heute das Kohlendioxid weiterverwerten und die einzelnen Kohlenstoffatome zu gr\u00f6\u00dferen Molek\u00fclen verkn\u00fcpfen. Bis zur Produktion von Succinat \u2013 einem Molek\u00fcl mit vier Kohlenstoffatomen \u2013 ist es nicht mehr weit. &#8220;Damit sind wir schon recht nah am Polybutylen-Succinat, aus dem Bioplastik hergestellt werden kann&#8221;, sagt Eck. RWE hat bereits damit begonnen, M\u00e4rkte zu erforschen: &#8220;Wir analysieren, welche Produktmengen wir in den einzelnen M\u00e4rkten unterbringen k\u00f6nnen. Denn letztlich zielen wir auf eine gro\u00dfindustrielle Produktion und nicht auf Nischen&#8221;, so Doll. F\u00fcr das gesamte mikrobiologische Projekt hat der Energieriese bereits zwei Millionen Euro investiert. Es sollen noch mehr werden. RWE und Brain wollen die Partnerschaft ausweiten.<\/p>\n<p><b>Breite Allianz anvisiert<\/b><\/p>\n<p>&#8220;Wir hoffen darauf, das Projekt auf eine neue, breitere Basis stellen zu k\u00f6nnen. Zusammen mit 21 weiteren Partnern haben wir einen gro\u00dfen F\u00f6rderantrag beim Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung im Rahmen einer Ausschreibung der Innovationsinitiative industrielle Biotechnologie gestellt&#8221;, erkl\u00e4rt Doll. RWE habe sich hier als Koordinator beworben, Brain sei als Know-how-Tr\u00e4ger mit an Bord. Die Partner tr\u00e4umen davon, das Kohlenstoffrecycling auf andere Industriebereiche ausdehnen zu k\u00f6nnen. Auch in der Chemie- und Stahlbranche fallen erhebliche Mengen Kohlenstoff an, die derzeit entweder in die Luft als Gas oder in Form von Abw\u00e4ssern fl\u00fcssig abgegeben werden. Auch die organischen Abf\u00e4lle der Lebensmittelindustrie stehen im Fokus der Partner. F\u00fcr einen 120 Jahre alten Energieversorger mit 70.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von mehr als 50 Millarden Euro gibt sich das Unternehmen erstaunlich flexibel. &#8220;Wir werden bestimmt kein Lieferant von Bioplastik werden, k\u00f6nnten uns aber Partnerschaften vorstellen. Wir hoffen, mit unseren Aktivit\u00e4ten einen Prozess anzusto\u00dfen, damit \u00fcberhaupt neue M\u00e4rkte entstehen&#8221;, so Doll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Die schmauchenden Schlote von Kohlekraftwerken stehen symbolisch f&uuml;r den von Menschenhand ausgel&ouml;sten Klimawandel. 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