{"id":12822,"date":"2012-03-09T00:00:00","date_gmt":"2012-03-08T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20120309-01n"},"modified":"2012-03-09T00:00:00","modified_gmt":"2012-03-08T22:00:00","slug":"biokraftstoffhersteller-in-der-offensive","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biokraftstoffhersteller-in-der-offensive\/","title":{"rendered":"Biokraftstoffhersteller in der Offensive"},"content":{"rendered":"<p><b>Der Konzern UPM hat mit dem Bau einer Gro\u00dfanlage begonnen, die Reststoffe aus seiner Papier- und Zellstoffproduktion verwertet. Neste Oil nahm k\u00fcrzlich eine Raffinerie in Rotterdam in Betrieb, die Pflanzen\u00f6le hydriert.<\/b><\/p>\n<p>Auf Biokraftstoffe der zweiten Generation richten Dutzende Unternehmen weltweit ihr Augenmerk \u2013 so auch auf dem Branchentreff &#8220;World Biofuels Markets&#8221;. Vom 13. bis zum 15. M\u00e4rz kommen in Rotterdam Vertreter von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammen.<\/p>\n<p>Laut dem Fachportal Biofuels Digest wollen gut 40 Unternehmen Lignocellulose aus H\u00f6lzern, Stroh und anderer Biomasse enzymatisch aufbrechen. Weitere 40 favorisieren Vergasungstechnologien, um ganze Pflanzen f\u00fcr die Kraftstoffherstellung nutzbar zu machen.<\/p>\n<p>Der finnische Papier- und Zellstoffkonzern UPM, Helsinki, st\u00f6\u00dft nun die T\u00fcr zu einem dritten Weg auf. In Lappeenranta baut er ein Werk, das ab 2014 j\u00e4hrlich 100 000 t Biokraftstoff der zweiten Generation produzieren soll und investiert 150 Mio. \u20ac.<\/p>\n<p>Eingangsstoff ist Tall\u00f6l. Dieses wird aus Schwarzlauge gewonnen, die bei der Papier- und Zellstoffherstellung anf\u00e4llt. Es besteht vor allem aus Fett- und Harzs\u00e4uren. In einem mehrstufigen Prozess separieren die Finnen das Tall\u00f6l aus der Schwarzlauge und reinigen es per Dekantierung. Anschlie\u00dfend entschwefeln sie es in der Hydrierung unter Zusatz von Wasserstoff und Katalysatoren, befreien es von Stick- und Sauerstoff und cracken es in k\u00fcrzere Kohlenwasserstoffketten. Wasserstoff, der nicht umgesetzt wird, bereitet UPM auf, um ihn dem Prozess zur\u00fcckzuf\u00fchren. Zuletzt werden die Kohlenwasserstoffe per Destillation in Diesel und Ottokraftstoff fraktioniert.<\/p>\n<p>Laut UPM sind diese Kraftstoffe fossilem Diesel und Benzin qualitativ mindestens ebenb\u00fcrtig. Sie seien voll mit der bestehenden Tankinfrastruktur und Fahrzeugflotte kompatibel. Der unter der Marke &#8220;BioVerno&#8221; vertriebene Holzkraftstoff senke die CO2-Emissionen gegen\u00fcber erd\u00f6lbasierten Kraftstoffen um 80 %. Damit w\u00e4ren die Finnen im EU-Biokraftstoffregime auf der sicheren Seite. Bis 2018 m\u00fcssen Biokraftstoffe den CO2-Aussto\u00df \u00fcber die gesamte Kette von der Aussaat bis zum Auspuff um mindestens 60 % gegen\u00fcber herk\u00f6mmlichen Kraftstoffen senken, um auf die von Br\u00fcssel vorgeschriebenen Quoten angerechnet zu werden. Noch liegt dieser Wert bei 35 % und steigt 2017 auf 50 %.<\/p>\n<p>UPM wird in Lappeenranta Schwarzlauge aus eigenen Papier- und Zellstofffabriken verarbeiten \u2013 und rechnet damit, dass das Werk von Anfang an profitabel sein wird. Der Konzern hat keinerlei \u00f6ffentliche Investitionszusch\u00fcsse beantragt. Hintergrund: Finnland verfolgt eine sehr ambitionierte Biokraftstoffpolitik. W\u00e4hrend 2020 EU-weit jeder zehnte l Kraftstoff pflanzlichen Ursprungs sein soll, soll es in Finnland jeder f\u00fcnfte l sein. Die UPM-Bioraffinerie wird 25 % des daraus resultierenden Bedarfs erzeugen.<\/p>\n<p>Laut Konzernchef Jussi Pesonen m\u00fcssen daf\u00fcr keine B\u00e4ume extra gef\u00e4llt werden. Das Tall\u00f6l aus der Produktion sei ausreichend \u2013 wobei Pesonen Wert auf die Feststellung legt, dass UPM ausschlie\u00dflich Holz aus zertifizierter Forstwirtschaft verwendet. Nach Lappeenranta plane man eine weitere Raffinerie in Finnland oder im franz\u00f6sischen Stra\u00dfburg. Sie soll eine andere Technologie nutzen und Energieholz verarbeiten. Ob und wann das Projekt startet, h\u00e4nge von der Bewilligung beantragter EU-Gelder und der Entwicklung der Holzpreise ab.<\/p>\n<p>Anders als UPM setzt die finnische Neste Oil, Keilaranta, auf pflanzen\u00f6lbasierte Kraftstoffe, die sie aber nicht verestert, sondern hydriert \u2013 also unter Druck und Zusatz von Katalysatoren mit Wasserstoff anreichert. Im Dezember weihten die Finnen eine Gro\u00dfanlage in Rotterdam ein \u2013 die die j\u00e4hrliche Kapazit\u00e4t des Konzerns auf 2 Mio. t steigert. Der als &#8220;NexBTL&#8221; vertriebene Kraftstoff hat sich in PKW- und Nfz-Flottenversuchen ebenso bew\u00e4hrt wie im Linienflugeinsatz. Laut Studien senkt er die CO2-Emissionen gegen\u00fcber fossilen Kraftstoffen um 50 %. Au\u00dferdem bilden sich bei seiner Verbrennung weniger Luftschadstoffe. Moderne Dieselmotoren vertragen ihn laut Anbieter pur oder in Blends.<\/p>\n<p>Die 670-Mio.-\u20ac-Raffinerie im Rotterdamer Hafen ist vom ISCC (International Sustainability and Carbon Certification) zertifiziert und wird j\u00e4hrlich 800 000 t Biokraftstoff produzieren. Sie verarbeitet verschiedene Pflanzen\u00f6le, darunter Palm\u00f6l aus ISCC-zertifizierten Plantagen, sowie pflanzliche Alt\u00f6le und -fette. Im n\u00e4chsten Schritt soll sie auch \u00d6le aus Mikroalgen verarbeiten.<\/p>\n<p>In kleinerem Ma\u00dfstab wagt sich Neste Oil auch an die Produktion von Kraftstoffen auf Basis von Stroh und anderen Pflanzenresten heran. F\u00fcr 8 Mio. \u20ac baut der Konzern derzeit eine Pilotanlage im finnischen Povoo, in der Mikroben \u00d6l aus Biomasse erzeugen sollen. Daf\u00fcr brechen sie deren Lignocellulose in Zucker auf und verstoffwechseln ihn zu \u00d6len, die zu Kraftstoff hydriert werden. Im Labor funktioniert das bereits. Die Anlage ist der erste Schritt, das Verfahren zu industrialisieren.<\/p>\n<p>Die Probleme beim Hochskalieren dokumentieren jedoch prominente Beispiele der Biokraftstoffbranche. So bem\u00fcht sich das kanadische Shell-Joint- Venture Iogen seit zehn Jahren, den in einer Pilotanlage realisierten enzymatischen Aufschluss von Lignocellulose auf Industriema\u00dfstab zu \u00fcbertragen. Auch andere bekannte Firmen wie Codexis, Ceres oder Virent kommen deutlich langsamer voran als urspr\u00fcnglich erhofft. Einerseits sind die Enzyme laut einer aktuellen Studie kalifornischer Forscher zu teuer, andererseits l\u00e4sst ihre Produktivit\u00e4t noch zu w\u00fcnschen \u00fcbrig.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Biotechnologen noch vorw\u00e4rts schleichen, ist dem deutschen Pionier Choren, Freiberg, letzten Herbst die Puste ausgegangen \u2013 trotz der Gesellschafter Daimler und Volkswagen und trotz weit \u00fcber 30 Mio. \u20ac \u00f6ffentlichen F\u00f6rdergeldern. Das Unternehmen steckt aktuell im Insolvenzverfahren. Sein Herzst\u00fcck, das Carbo-V-Verfahren zur Holzvergasung f\u00fcr die anschlie\u00dfende Verfl\u00fcssigung per Fischer-Tropsch-Synthese, sicherte sich Anfang Februar die Linde Engineering Dresden GmbH. Deren Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer J\u00f6rg Linsenmaier k\u00fcndigte an, die Technik weiterzuf\u00fchren: &#8220;Wir planen, die Carbo-V-Technologie k\u00fcnftig als Lizenzgeber und als Anlagenbauer f\u00fcr kommerzielle Projekte anzubieten.&#8221; <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Der Konzern UPM hat mit dem Bau einer Gro&szlig;anlage begonnen, die Reststoffe aus seiner Papier- und Zellstoffproduktion verwertet. Neste Oil nahm k&uuml;rzlich eine Raffinerie in<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[391,92,2390,152,3195,550,11726,1944,203],"class_list":["post-12822","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-ceres-inc","supplier-choren-industries-gmbh","supplier-codexis-inc","supplier-daimler-ag","supplier-linde-engineering-dresden-gmbh","supplier-neste-oil","supplier-upm-corporation","supplier-virent-energy-systems-inc","supplier-volkswagen-ag"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12822","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12822"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12822\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12822"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12822"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12822"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=12822"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}