{"id":12794,"date":"2011-10-20T00:00:00","date_gmt":"2011-10-19T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20111020-07n"},"modified":"2011-10-20T00:00:00","modified_gmt":"2011-10-19T22:00:00","slug":"studie-weisse-biotechnologie-ausbaufaehig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/studie-weisse-biotechnologie-ausbaufaehig\/","title":{"rendered":"Studie: Wei\u00dfe Biotechnologie ausbauf\u00e4hig"},"content":{"rendered":"<p><b>Im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMELV) wurde die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit der deutschen Fermentationsindustrie untersucht. Die Verarbeitung von Kohlenhydraten zu Treibstoffen oder chemischen Ausgangsstoffen mit Hilfe von Bakterien ist hierzulande im globalen Vergleich eher unbedeutend, schreiben die Autoren. Mehr als 75% der Produktion decken die USA und Brasilien ab. Es gebe jedoch Ausbaupotenzial, etwa bei Bioethanol und der Produktion von organischen S\u00e4uren und anderen Produkten f\u00fcr die Chemie- und Futtermittelindustrie. Durch die steigenden Rohstoffpreise sei Deutschland auf diesen Gebieten durchaus konkurrenzf\u00e4hig.<\/b><\/p>\n<p>Die industrielle oder &#8220;wei\u00dfe&#8221; Biotechnologie macht im Gegensatz zu ihren Geschwistern, der &#8220;roten&#8221; und der &#8220;gr\u00fcnen&#8221; Biotechnologie, recht wenig Schlagzeilen. Doch wirtschaftlich gesehen wird sie immer wichtiger. Auch in Deutschland hat die Biologisierung der Wirtschaft schon l\u00e4ngst begonnen, wie nicht zuletzt ein Blick in die j\u00e4hrliche Branchenstatistik von biotechnologie.de zeigt (<a href=\"http:\/\/www.biotechnologie.de\/BIO\/Navigation\/DE\/Hintergrund\/studien-statistiken,did=123044.html\" >mehr&#8230;<\/a>). Ein gro\u00dfer Bereich ist die Fermentationsindustrie, die die mikrobielle Umwandlung von Kohlenhydraten in eine gro\u00dfe Bandbreite an Stoffen wie zum Beispiel Ethanol oder Zitronens\u00e4ure erm\u00f6glicht. Im Gegensatz zu chemischen Verfahren ist die Nutzung von Mikroorganismen als Produktionsfabriken oftmals effizienter und ressourcenschonender.<\/p>\n<p>Den Laborma\u00dfstab hat der Sektor dabei l\u00e4ngst hinter sich gelassen. 160 Millionen Tonnen Kohlenhydrate werden weltweit jedes Jahr von Mikroorganismen umgesetzt. Deutschland bekommt davon allerdings nur einen geringen Teil ab, wie eine Studie im Auftrag der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) ergab. Hierzulande verstoffwechseln die winzigen Produktionshelfer demnach rund 1,5 Millionen Tonnen an Kohlenhydraten im Jahr. Davon entfallen eine Million Tonnen auf die Bioethanolherstellung und 0,3 Millionen Tonnen auf die Hefeproduktion. Das macht Deutschland innerhalb der EU zum Klassenprimus, innerhalb Europas werden rund 5,5 Millionen Tonnen Kohlenhydrate im Jahr verstoffwechselt. Absolute Spitzenreiter im globalen Ma\u00dfstab sind aber die USA und Brasilien. Die beiden L\u00e4nder sind aktuell f\u00fcr mehr als 75% des globalen Konsums von Kohlenhydraten durch Fermentation verantwortlich, wie die Studienautoren feststellen. Der gr\u00f6\u00dfte Teil wird zu Bioethanol umgewandelt. Ein weiterer Schwerpunkt ist Asien, wo 20 Millionen Tonnen im Jahr zur Umsetzung verbraucht werden. Verarbeitet werden vor allem Zuckerrohr und Zuckerr\u00fcbe, Mais, Weizen und Maniok.<\/p>\n<p><b>Weltweiter Preisanstieg macht Deutschland konkurrenzf\u00e4hig<\/b><br \/>Ziel der Studie war es, &#8220;die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Bundesrepublik Deutschland als Standort f\u00fcr die Fermentationsindustrie im internationalen Vergleich&#8221; auszuloten. Das BMELV wies dazu die Fachagentur f\u00fcr Nachwachsende Rohstoffe an, die die wiederum das Beratungsunternehmen EcoSys GmbH mit der Ausf\u00fchrung beauftragte. Insgesamt unterscheiden die Autoren von EcoSys zehn Produktgruppen, die zusammen das breite Spektrum der Fermentation abdecken: Hefen, Antibiotika, organische S\u00e4uren, Aminos\u00e4uren, Enzyme, Vitamine und Carotinoide, Polysacharide und Zuckeralkohole, Bioethanol, biobasierte Polymere sowie pharmazeutische Rohstoffe. Auch wenn Deutschland von den Mengen her international nur ein geringes Gewicht ausweist, gibt sich die Studie f\u00fcr die Zukunft zuversichtlich.<\/p>\n<p>Da die Preise f\u00fcr Zucker, Mais und andere biologische Ressourcen in den vergangenen Jahren immer weiter angestiegen sind, lohnt sich der Anbau in Deutschland immer mehr, so ein Fazit der Autoren. Ihre Argumentation: Da die Rohstoffe einen beachtlichen Teil der Kosten bei der Fermentation ausmachen, wird die deutsche Industrie durch den Preisanstieg wieder wettbewerbsf\u00e4hig. &#8220;In der Konsequenz k\u00f6nnen dann bis zu f\u00fcnf Millionen Tonnen Zucker pro Jahr in der EU und mehr als zwei Millionen Tonnen in Deutschland zus\u00e4tzlich zu weltmarktf\u00e4higen Preisen produziert und z.B. f\u00fcr industrielle Zwecke angeboten werden&#8221;, hei\u00dft es in dem 125-seitigen Papier. Bei der Verwendung von Weizen sind nach Einsch\u00e4tzung der Autoren in der EU und Deutschland inzwischen sogar vergleichbare Herstellungskosten wie in den USA m\u00f6glich.<\/p>\n<p><b>L-Lysin und Zitronens\u00e4ure<\/b><br \/>Asien im Allgemeinen und China im Besonderen werden in der wei\u00dfen Biotechnologie zudem nicht zwangsl\u00e4ufig eine beherrschende Rolle einnehmen, wie das in anderen Industriebereichen der Fall ist, schreiben die Experten. Aufgrund der Versorgungssicherheit und der Infrastruktur sei vielmehr die EU und hier besonders Deutschland sowie Brasilien und die USA f\u00fcr den weiteren Ausbau der wei\u00dfen Biotechnologie pr\u00e4destiniert. F\u00fcr Deutschland empfehlen die Studienautoren den weiteren Ausbau der Bioethanolherstellung, insbesondere jedoch den Wiederaufbau von Produktionsst\u00e4tten von Aminos\u00e4ure L-Lysin sowie von Zitronens\u00e4ure.<\/p>\n<p>Deutsche Unternehmen produzieren bisher vor allem im Ausland. Erst im September hatte der deutsche Spezialchemie-Konzern Evonik Industries angek\u00fcndigt, seine Produktionskapazit\u00e4ten f\u00fcr L-Lysin im US-amerikanischen Bundesstaat Nebraska zu verdoppeln (<a href=\"http:\/\/www.biotechnologie.de\/BIO\/Navigation\/DE\/aktuelles,did=130196.html\" >mehr&#8230;<\/a>). Aber auch pharmazeutische Produkte wie Penicillin k\u00f6nnten in Deutschland mit Gewinn hergestellt werden, schreiben die Verfasser.<\/p>\n<p>F\u00fcr derlei Kurskorrekturen sei jedoch politische Unterst\u00fctzung notwendig. Ein &#8220;Grundsatzprogramm&#8221; sei angebracht, &#8220;das die Relevanz der Fermentationsindustrie f\u00fcr Deutschland feststellt.&#8221; Zudem m\u00fcssten gezielt Cluster eingerichtet werden, in denen die einzelnen Prozessschritte konzentriert und damit eine biotechnologische Verwertungskette f\u00fcr Kohlenhydrate etabliert w\u00fcrden. Langfristig gro\u00dfes Potenzial sieht die Studie zudem bei der Verwertung von Lignocellulose. Diese h\u00f6lzernen Bestandteile der Zellulose sind bisher nur schwer aufzubrechen. Pflanzenreste oder Stroh lassen sich daher bislang nur begrenzt nutzen. Allerdings w\u00fcrde eine gr\u00f6\u00dfere Verwertungsquote die sich abzeichnende Knappheit bei Zucker- und St\u00e4rkeressourcen abmildern und damit unter anderem die Diskussion um &#8216;Tank oder Teller&#8217; beenden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMELV) wurde die internationale Wettbewerbsf&auml;higkeit der deutschen Fermentationsindustrie untersucht. 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