{"id":12762,"date":"2011-11-23T00:00:00","date_gmt":"2011-11-22T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20111123-07n"},"modified":"2011-11-23T00:00:00","modified_gmt":"2011-11-22T22:00:00","slug":"bioplastik-aus-der-nische-in-den-massenmarkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bioplastik-aus-der-nische-in-den-massenmarkt\/","title":{"rendered":"Bioplastik: Aus der Nische in den Massenmarkt"},"content":{"rendered":"<p><b>Aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellter Kunststoff schickt sich an, seine Nische zu verlassen. Vor allem Premiumhersteller verpacken ihre Produkte inzwischen mit Bioplastik, bei dem nicht mehr Erd\u00f6l, sondern Mais oder Zuckerrohr als Ausgangsstoff dient. Bei einer Fachkonferenz in Berlin sprachen mehr als 450 internationale Experten \u00fcber Themen wie Nachhaltigkeit und Wiederverwendbarkeit der gr\u00fcnen Kunststoffprodukte.<\/b><\/p>\n<p>Aus dem Alltag ist Plastik kaum wegzudenken: Das geht schon morgens beim Griff zur Zahnb\u00fcrste los. Im Auto zur Arbeit fahren? Ohne Kunststoff undenkbar. Die vielen kleinen und gro\u00dfen Helferlein am Arbeitsplatz \u2013 vom Kugelschreiber bis zum Computer \u2013 enthalten zumeist auch Plastik. Und der gem\u00fctliche Fernsehabend mit einer T\u00fcte Chips fiele ohne Kunststoffe wohl auch flach.<\/p>\n<p><b>Firmen r\u00fcsten sich f\u00fcr Zeit nach dem \u00d6l<\/b><br \/>Kaum verwunderlich, dass der Bedarf an dem Werkstoff riesig ist \u2013 allein in Europa verbraucht jeder Einzelne im Jahr deutlich mehr als 100 Kilogramm. Die Weltjahresproduktion 2010 lag bei unvorstellbaren 265 Millionen Tonnen Plastik, sch\u00e4tzt der europ\u00e4ische Branchenverband PlasticsEurope. Das Problem: Als Ausgangsstoff f\u00fcr die Produktion dient in der Regel Erd\u00f6l. Dessen Vorr\u00e4te sind jedoch begrenzt. Hinzukommt insbesondere auch in Deutschland ein immer weiter erstarkendes Umweltbewusstsein und damit einhergehend die wiederholte politische Forderung nach einem nachhaltigen Wirtschaften. Um sich f\u00fcr die Zeit nach dem \u00d6l zu r\u00fcsten, sind also Ideen gefragt. Dabei ruhen gro\u00dfe Hoffnungen auf biologischen Ressourcen und der Biotechnologie (<a href=\"http:\/\/www.biotechnologie.de\/BIO\/Navigation\/DE\/aktuelles,did=121322.html\" >mehr\u2026<\/a>).  <\/p>\n<p>Erst im November vergangenen Jahres verk\u00fcndete die Bundesregierung die &#8220;Nationale Forschungsstrategie Bio\u00d6konomie 2030&#8221; (<a href=\"http:\/\/www.biotechnologie.de\/BIO\/Navigation\/DE\/aktuelles,did=118380.html\" >mehr\u2026<\/a>). Damit ist Deutschland weltweit Vorreiter. In den kommenden sechs Jahren sollen mit 2,4 Milliarden Euro entscheidende Weichen gestellt werden, um die Bundesrepublik zu einer nachhaltigen, bio-basierten Wirtschaft zu entwickeln. Bei Kunststoffen scheint die Strategie klar: Statt weiterhin auf Erd\u00f6l zu setzen, suchen sich die Firmen nachwachsende Rohstoffquellen: Polyethylen aus Zuckerrohr, Polymilchs\u00e4ure aus Mais sind nur zwei der Beispiele, die am 22. und 23. November auf der &#8220;6. European Bioplastics Conference&#8221; vorgestellt wurden. Mehr als 450 Experten aus aller Welt diskutierten in Berlin unter anderem \u00fcber die Nachhaltigkeit und die Verwertung der gr\u00fcnen Kunststoffe. &#8220;Die Umwelt ist ein gro\u00dfes Thema \u2013 und es wird nicht mehr von der Agenda verschwinden&#8221;, sagte Andy Sweetman, der Vorsitzende von European Bioplastics, auf der Konferenz. Er sollte recht behalten, zogen sich Schlagworte wie Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und \u00d6kobilanz wie ein roter Faden durch die Veranstaltung.<\/p>\n<p><b>Neue Kunststoffe nicht ganz unumstritten<\/b><br \/>In den vergangenen Jahren hat der Einsatz von Bioplastik best\u00e4ndig zugenommen: Von 180.000 Tonnen im Jahr 2008 auf 724.000 Tonnen im Jahr 2010. In den kommenden Jahren d\u00fcrfte die Millionen-Tonnen-Grenze fallen, sch\u00e4tzt der Branchenverband European Bioplastics. Im Jahr 2015 sollen weltweit 1,7 Millionen Tonnen Bioplastik produziert werden. Gerade in den vergangenen Monaten hat sich das ge\u00e4ndert. Mit Danone wirbt seit April 2011 ein gro\u00dfer Nahrungsmittelskonzern fu&#776;r seine in Bioplastik verpackten Produkte \u2013 mit dem Segen der Naturschu&#776;tzer vom WWF. Der neue Becher fu&#776;r Joghurt der Marke Activia besteht aus Polymilchs\u00e4ure (PLA), einem Polymer, dessen Grundbaustein aus Mais gewonnen wird. &#8220;Ein Material, das vor allem aus Sonnenlicht, CO<sub>2<\/sub> und Wasser hergestellt wird, ist wegweisend&#8221;, rechtfertigte Eberhard Brandes, Vorstand des WWF Deutschland, das Plazet seiner Organisation.<\/p>\n<p>G\u00e4nzlich unumstritten sind die neuen Verpackungen indes nicht. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte heftig kritisiert, dass der Konzern seine neue Verpackung als &#8220;umweltfreundlicher&#8221; bewarb \u2013 obwohl ein Vergleich der \u00d6kobilanzen von neuer und herk\u00f6mmlicher Verpackung ein insgesamt nur ausgewogenes Verh\u00e4ltnis zeige. Im August 2011 ging die Sache vor Gericht, am 15. November einigten sich die Parteien doch noch g\u00fctlich: Danone wird den Werbeaufdruck auf den Bechern \u00e4ndern, alte Packungen d\u00fcrfen bis zum Jahresende verkauft werden. &#8220;In erster Linie war das ein Kommunikationsproblem&#8221;, sagte nun Martin Lichtl. Der Gr\u00fcnder der Werbeagentur .lichtl Ethics &#038; Brands beriet Danone bei der Vorbereitung des Markenauftritts. An den grunds\u00e4tzlichen Fakten \u00e4ndere sich nichts, so Lichtl: Werde das gesamte &#8220;Leben&#8221; eines Bechers, vom \u00d6l- bzw. Maisfeld bis zur M\u00fclldeponie oder Recyclinganlage bilanziert, so spare der Biobecher 25 Prozent des Klimagases CO<sub>2<\/sub> und verbrauche 43 Prozent weniger fossile Resourcen. <\/p>\n<p>Bernhard Bauske vom World Wide Fund for Nature (WWF), dessen Organisation Danone bei der Entwicklung des neuen Bechers beraten hatte, kann die DUH-Kritik so nicht nachvollziehen: &#8220;Die DUH konzentriert sich allein auf die \u00d6kobilanz&#8221; Das sei jedoch nicht ausreichend, so der Leiter Strategische Unternehmenskooperationen beim WWF. Vielmehr m\u00fcsste auch ber\u00fccksichtigt werden, welche Potentiale der PLA-Becher in Zukunft noch bieten k\u00f6nnte. Bei gen\u00fcgender Verbreitung des neuen Materials lie\u00dfe sich ein geschlossener Stoffkreislauf einrichten, bei dem PLA-Becher vollst\u00e4ndig stofflich wiederverwendet werden k\u00f6nnen. &#8220;Damit sich ein solcher Kreislauf lohnt, brauchen wir 18.000 Tonnen PLA-M\u00fcll im Jahr&#8221;, so der Deutschland-Chef von Danone, Andreas Ostermayr, im September in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit (<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/unternehmen\/2011-09\/interview-ostermayr-danone\" >mehr\u2026<\/a>). Momentan seien es pro Jahr ungef\u00e4hr 4.000 Tonnen \u2013 noch zu wenig also. Erst wenn andere Lebensmittelfirmen auch auf die neue Verpackung umschwenken, w\u00fcrde das PLA nicht mehr wie bisher gemeinsam mit den anderen Plastikarten verbrannt. <\/p>\n<p>Die Bioplastik-Branche selbst scheint indes davon \u00fcberzeugt zu sein, in Danone einen m\u00e4chtigen Verb\u00fcndeten gefunden zu haben. Auf der Konferenz wurde der deutsche Zweig des internationalen Konzerns, die Danone GmbH, mit dem Bioplastics Award ausgezeichnet. Die Jury begr\u00fcndete ihre Entscheidung damit, dass das Unternehmen &#8220;ma\u00dfgeblich dazu beigetragen hat, Biokunststoffe weg von der Nische hin zur Massenproduktanwendung zu etablieren.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellter Kunststoff schickt sich an, seine Nische zu verlassen. 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