{"id":12733,"date":"2011-12-09T00:00:00","date_gmt":"2011-12-08T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20111209-05n"},"modified":"2013-12-24T08:01:39","modified_gmt":"2013-12-24T06:01:39","slug":"neuer-geldgeber-fuer-die-pilzgeige","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/neuer-geldgeber-fuer-die-pilzgeige\/","title":{"rendered":"Neuer Geldgeber f\u00fcr die Pilzgeige"},"content":{"rendered":"<p><b>Geigen aus pilzbehandeltem Holz brauchen den Vergleich mit einer Stradivari nicht zu scheuen, wie ein Blindtest vor Fachpublikum ergab. Allerdings gibt es die Klangwunder erst als Einzelst\u00fccke. Damit die Biotech-Geigen k\u00fcnftig in gr\u00f6\u00dferer Zahl hergestellt werden k\u00f6nnen, arbeiten die Empa-ForscherInnen derzeit daran, die Pilzbehandlung zu optimieren und zu standardisieren. In der Walter Fischli-Stiftung haben sie hierf\u00fcr einen gro\u00dfz\u00fcgigen, neuen Geldgeber gefunden.<\/b><\/p>\n<p>Welches Nachwuchstalent tr\u00e4umt nicht davon, einst auf einer Stradivari zu spielen, dem Nonplusultra der Geigenbaukunst? Doch leider sind diese Instrumente rar &#8211; und f\u00fcr die meisten unerschwinglich. &#8220;Nachbauten&#8221; von \u00e4hnlicher Klangqualit\u00e4t tun also gut. Der Empa-Forscher Francis Schwarze hat sie zusammen mit einem Schweizer Geigenbauer erschaffen: Mit Hilfe des F\u00e4ulnispilzes Physisporinus vitreus, der ganz bestimmte Strukturen im Fichtenholz abbaut, gelang es ihm, Holz mit hervorragenden Klangeigenschaften herzustellen. Selbst ihr Vorbild \u00fcberfl\u00fcgelten die &#8220;Pilzgeigen&#8221;: An einer Fachtagung 2009 traten zwei von ihnen in einem Blindtest gegen eine Stradivari an. Ihr Klang gefiel der Fachjury und dem Tagungspublikum besser als ein Instrument des italienischen Meisters aus Cremona.<\/p>\n<p>Damit aus mit Pilzen behandeltem Klangholz bald einmal Geigen in gen\u00fcgend gro\u00dfer St\u00fcckzahl gebaut werden k\u00f6nnen, will Schwarze nun ein standardisiertes Biotech-Verfahren entwickeln. Denn nur dann kann ein interessierter Industriepartner die Technologie auch &#8220;massentauglich&#8221; weiterverwerten. Um die Br\u00fccke zwischen Wissenschaft und Industrie zu schlagen, sind Technologien zu entwickeln, die den m\u00f6glichen Abnehmern und Abnehmerinnen eindeutige Vorteile bieten. In diesem Fall hei\u00dft das, die Parameter f\u00fcr die Holzbehandlung sind so weit zu normieren, dass eine bestimmte Qualit\u00e4t des Klangholzes garantiert werden kann. Kein einfaches Vorhaben bei einem von Natur aus variablen Ausgangsmaterial wie Holz.<\/p>\n<p><b>Gro\u00dfz\u00fcgige Unterst\u00fctzung durch die Walter Fischli-Stiftung<\/b><br \/>\nF\u00fcr die Fortsetzung seines Projekts &#8220;Pilzgeige&#8221; hat der Empa-Forscher in der Walter Fischli-Stiftung einen neuen Geldgeber gefunden. Walter Fischli &#8211; Mitgr\u00fcnder der Biotech-Firma Actelion und selber begeisterter Hobby-Geiger &#8211; hat beschlossen, Schwarze zu unterst\u00fctzen: &#8220;Meiner Meinung nach w\u00e4re es unverzeihlich gewesen, dieses interessante Projekt, das Wissenschaft und Geigenbau so ideal verbindet, auslaufen zu lassen.&#8221; Fischli verspricht sich davon, endlich dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, warum es Geigenbauern wie Stradivari und Guarneri um 1700 gelungen ist, derartig fantastische Instrumente herzustellen. Ihre Handwerkskunst sei sicher ein ausschlaggebender Faktor gewesen, doch offenbar spielte auch das von ihnen verwendete Holz eine gro\u00dfe Rolle. &#8220;Diese materialtechnischen Gegebenheiten mit einem wissenschaftlichen Ansatz zu ergr\u00fcnden, finde ich enorm interessant&#8221;, sagt Fischli.<\/p>\n<p><b>Interdisziplin\u00e4r ein Standard-Holzbehandlungsverfahren entwickeln<\/b><br \/>\nDas Anfang September gestartete und auf drei Jahre angelegte Folgeprojekt wird geleitet von Iris Br\u00e9maud, einer Spezialistin auf dem Gebiet der Klangholzeigenschaften. Die Franz\u00f6sin ist nicht nur daf\u00fcr verantwortlich, dass die F\u00e4ulnispilze P. vitreus und Xylaria longipes die Proben von Fichten- und Ahornholz optimal &#8220;veredeln&#8221;. Sie ist auch bereits in Kontakt mit dem renommierten Basler Instrumentenbauer Michael Baumgartner, unter dessen Leitung aus dem &#8220;Pilzholz&#8221; Geigen angefertigt werden.<\/p>\n<p>Bis er das erste Pilzgeigenholz allerdings in Empfang nehmen kann, m\u00fcssen an der Empa noch zahlreiche Tests an unbehandeltem und behandeltem Holz durchgef\u00fchrt werden. Fachleute ermitteln gegenw\u00e4rtig systematisch Schallgeschwindigkeit, Schallschw\u00e4chung und Dichte des Klangholzes, Ultraschallexperten entwickeln Methoden, um nachzuweisen, in welchen Bereichen der F\u00e4ulnispilz aktiv war und wo nicht, und Profis f\u00fcr optische Messverfahren setzen Verfahren ein, mit denen abgebildet werden kann, wie verschiedene Klangh\u00f6lzer und auch ganze Instrumente akustisch abstrahlen. Sp\u00e4ter ist es dann auch wichtig, mit Fachleuten der Psychoakustik zusammenzuarbeiten, um zu verstehen, wie Violinspieler und Zuh\u00f6rer die Musik einer Pilzgeige wahr- und aufnehmen.<\/p>\n<p><b><i>Weitere Informationen<\/i><\/b><br \/>\nProf. Dr. Francis W.M.R. Schwarze, Empa, Holz, Tel. +41 58 765 72 47, francis.schwarze@empa.ch<br \/>\nDr. Iris Br\u00e9maud, Empa, Holz, Tel. +41 58 765 44 46, iris.bremaud@empa.ch<br \/>\nDr. Walter Fischli, info@walterfischli-stiftung.ch<br \/>\nMichael A. Baumgartner, Atelier f\u00fcr Geigenbau, Tel. +41 61 261 45 38, baumgartner@magnet.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Geigen aus pilzbehandeltem Holz brauchen den Vergleich mit einer Stradivari nicht zu scheuen, wie ein Blindtest vor Fachpublikum ergab. 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