{"id":12714,"date":"2012-01-03T00:00:00","date_gmt":"2012-01-02T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20120103-02n"},"modified":"2012-01-03T00:00:00","modified_gmt":"2012-01-02T22:00:00","slug":"keine-spinnerei-nerven-aus-seidenfasern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/keine-spinnerei-nerven-aus-seidenfasern\/","title":{"rendered":"Keine Spinnerei: Nerven aus Seidenfasern"},"content":{"rendered":"<p><b>Viele Menschen be\u00e4ugen Spinnen mit einem gewissen Abscheu oder Ekel. Ihnen gelten die Achtbeiner als h\u00e4sslich und mit dem Makel der Giftigkeit behaftet. Dieses Bild k\u00f6nnte sich in Zukunft wandeln. Mit Hochdruck arbeiten Forscher daran, Spinnenseide f\u00fcr die Medizin nutzbar zu machen: feinste Seidenstr\u00e4nge dienen regenerierenden Nervenfasern als Richtungsweiser.<\/b><\/p>\n<p>Nerven wie Drahtseile \u2013 die gibt es leider nur im Sprichwort. Tats\u00e4chlich sind die Nervenzellen ziemlich empfindlich. Gerade bei Unf\u00e4llen wird das zum Problem, denn zur Selbsterneuerung sind die Nerven nicht f\u00e4hig. Wenn etwa durch einen Unfall der Sehnerv durchtrennt wird, erblinden die Betroffenen unabwendbar. &#8220;Um einen Nerv des Zentralen Nervensystems zum regenerativen Wachstum zu bewegen, brauchen wir Biomaterialien, die f\u00fcr den verletzten Nerv eine Art Ger\u00fcst bilden, an dem er entlang wachsen kann,&#8221; sagt Thomas Claudepierre, Wissenschaftler an der Klinik und Poliklinik f\u00fcr Augenheilkunde am Universit\u00e4tsklinikum Leipzig. Gemeinsam mit Forschern aus den USA und Frankreich entwickelt er nun ein Material, dass den verletzten Nerven als eine Art Leitplanke dienen k\u00f6nnte: nur wenige Millionstel Millimeter d\u00fcnn gesponnene Seidenf\u00e4den. Die ersten Versuche mit dem neuen Material verliefen vielversprechend, berichten die Forscher nun im Fachmagazin &#8216;Advanced Functional Materials&#8217; (<a href=\"http:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1002\/adfm.201100755\/abstract\" >2011, Onlinever\u00f6ffentlichung<\/a>).<\/p>\n<p><b>Wachstumsfaktoren verst\u00e4rken positiven Effekt<\/b><br \/>F\u00fcr ihre Versuche nutzten die Forscher Zellkulturen von Netzhautnervenzellen der Ratte, die sie \u2013 um die Zerst\u00f6rung des Nervs zu simulieren \u2013 in ein sch\u00e4digendes Medium setzten. Wie sich zeigte, konnten die Zellen trotz der widrigen Bedingungen an parallel angeordneten F\u00e4den aus dem Spinnenseidenprotein Fibroin entlang wachsen. Beluden die Forscher die Seidenf\u00e4den bei der Herstellung mit bestimmten Wachstumsfaktoren, so wurde der Effekt sogar noch st\u00e4rker. &#8220;Wachstumsfaktoren, die in die Fasern eingeschlossen sind, k\u00f6nnen ihre Funktion \u00fcber einen langen Zeitraum beibehalten&#8221;, erl\u00e4utert Claudepierre. Die Ausl\u00e4ufer von diesen Nervenzellen wuchsen mehr als doppelt so lang.<\/p>\n<p>Zum elektrischen Spinnen von Seidenf\u00e4den wird eine Fl\u00fcssigkeit mit dem Seidenprotein Fibroin in eine Spritze geladen und durch das Anlegen einer starken Spannung elektrostatisch aufgeladen. Anschlie\u00dfend wird die Fl\u00fcssigkeit als feiner Strahl zu einer negativ geladenen, rotierenden Kollektorspule geleitet. Um den Seidenfaden in paralleler Anordnung &#8220;einzufangen&#8221;, befestigten die Wissenschaftler auf der Spule kleine Deckgl\u00e4schen.<\/p>\n<p><b>&#8220;Ziel ist die Entwicklung eines 3D-Ger\u00fcsts&#8221;<\/b><br \/>Als n\u00e4chsten Schritt wollen die Leipziger Wissenschaftler untersuchen, inwieweit auch die Gliazellen, die das St\u00fctzgewebe der Nervenzellen bilden, mithilfe der Seidenfasern ihre Orientierung wiedererlangen k\u00f6nnen. &#8220;Unser Ziel ist die Entwicklung eines 3D-Ger\u00fcsts, das an der Stelle einer Nervensch\u00e4digung implantiert wird und die Zellen dabei unterst\u00fctzt, ihre Nervenforts\u00e4tze zu regenerieren&#8221;, sagt Claudepierre.<\/p>\n<p>Bereits seit einiger Zeit interessieren sich Mediziner f\u00fcr Spinnenseide. Nicht nur als Wegweiser f\u00fcr Nervenzellen k\u00f6nnte sich der Naturstoff eignen. Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover wollen mit ihrer Hilfe eine k\u00fcnstliche Haut z\u00fcchten, um so chronische Wunden oder Verbrennungen zu heilen (<a href=\"http:\/\/www.biotechnologie.de\/BIO\/Navigation\/DE\/aktuelles,did=129672.html\" >mehr\u2026<\/a>). Daf\u00fcr werden Hautzellen auf ein Gewebe aus nat\u00fcrlicher Spinnenseide aufgetragen und wachsen dort zu zwei \u00fcbereinanderliegenden gewebe\u00e4hnlichen Hautschichten heran: Keratinozyten bildeten eine Epidermis, die \u00e4u\u00dferste Hautschicht, Fibroblasten die darunterliegende Dermis. <\/p>\n<p>Die Martinsrieder Amsilk GmbH will Implantate mit einer d\u00fcnnen Schicht aus biotechnologisch hergestellter Spinnenseide \u00fcberziehen, um so eine bessere Biovertr\u00e4glichkeit zu erreichen (<a href=\"http:\/\/www.biotechnologie.de\/BIO\/Navigation\/DE\/aktuelles,did=122080.html\" >mehr\u2026<\/a>). Auch an der Herstellung von chirurgischem Nahtmaterial aus Spinnenseide wird gearbeitet (<a href=\"http:\/\/www.biotechnologie.de\/BIO\/Navigation\/DE\/aktuelles,did=94504.html\" >mehr\u2026<\/a>). Bis die ersten Produkte tats\u00e4chlich im Klinikalltag eingesetzt werden, d\u00fcrfte jedoch noch einige Zeit vergehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Viele Menschen be&auml;ugen Spinnen mit einem gewissen Abscheu oder Ekel. Ihnen gelten die Achtbeiner als h&auml;sslich und mit dem Makel der Giftigkeit behaftet. Dieses Bild<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[934,3076,3077],"class_list":["post-12714","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-amsilk-gmbh","supplier-medizinische-hochschule-hannover","supplier-universitaetsklinikum-leipzig"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12714","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12714"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12714\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12714"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12714"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12714"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=12714"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}