{"id":12700,"date":"2011-06-07T00:00:00","date_gmt":"2011-06-06T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20110607-04n"},"modified":"2011-06-07T00:00:00","modified_gmt":"2011-06-06T22:00:00","slug":"zukunft-aus-strohhalmen-europaeische-biomasse-konferenz-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/zukunft-aus-strohhalmen-europaeische-biomasse-konferenz-in-berlin\/","title":{"rendered":"Zukunft aus Strohhalmen: Europ\u00e4ische Biomasse-Konferenz in Berlin"},"content":{"rendered":"<p><b>Seitdem feststeht, dass das letzte deutsche Atomkraftwerk 2022 abgeschaltet wird, hat das R\u00e4tselraten \u00fcber den besten Energiemix der Zukunft neuen Schwung bekommen. Sicher ist nur eines: Energie aus erneuerbaren Quellen wird immer wichtiger. Neben Sonne und Wind ger\u00e4t auch die Biomasse in den Blickpunkt. Auf der Europ\u00e4ischen Biomasse-Konferenz, zu der sich rund 1.500 Experten vom 6. bis zum 10. Juni in Berlin treffen, geht es um die wachsende Bedeutung der nachwachsenden Rohstoffe. Und darum, wie die anvisierten Steigerungsraten erreicht werden sollen, auch und gerade mit biotechnologischen Methoden.<\/b><\/p>\n<p>Deutschland stellt seine Energieversorgung um. Am 6. Juni verabschiedete die Bundesregierung die Novelle des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) (<a href=\"http:\/\/www.bmu.de\/energiewende\/doc\/47467.php\" >zum Text hier klicken<\/a>). Mit einer Reihe von Ma\u00dfnahmen wollen Union und FDP die Stellung der Bioenergie in den Nutzungsbereichen W\u00e4rme und Strom weiter ausbauen. &#8220;Dabei kommen vor allem die St\u00e4rken der nachwachsenden Rohstoffe zum Tragen&#8221;, sagte Ilse Aigner anl\u00e4sslich des Beschlusses, &#8220;wie zum Beispiel die Speicherf\u00e4higkeit und die dezentrale Erzeugung und Energieversorgung im l\u00e4ndlichen Raum unter anderem mittels Reststoffen.&#8221;<\/p>\n<p>Wie gro\u00df der Beitrag der Bioenergie am Energiemix einmal tats\u00e4chlich sein k\u00f6nnte, dar\u00fcber gehen die Meinungen noch weit auseinander. Au\u00dferordentlich zuversichtlich zeigte sich Wolfgang Palz, der Vorsitzende des Weltrats f\u00fcr Erneuerbare Energien. &#8220;Nach Expertenmeinung k\u00f6nnte Deutschland l\u00e4ngerfristig bis zu einem Drittel seines Energiebedarfs aus Bioenergie decken&#8221;, sagte er auf der Europ\u00e4ischen Konferenz f\u00fcr Biomasse in Berlin. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Derzeit steuert Strom aus Biomasse gerade einmal f\u00fcnf Prozent zur deutschen Stromversorgung bei. <\/p>\n<p>Der Sachverst\u00e4ndigenrat f\u00fcr Umweltfragen um den Vorsitzenden Martin Faulstich hingegen rechnet in seinem Stromversorgungsgutachten (<a href=\"http:\/\/www.umweltrat.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/02_Sondergutachten\/2011_Sondergutachten_100Prozent_Erneuerbare.pdf?__blob=publicationFile\" >hier pdf<\/a>), dass er Anfang des Jahres an Umweltminister Norbert R\u00f6ttgen \u00fcberreichte, &#8220;vor allem wegen m\u00f6glicher Landnutzungskonflikte und relativ hoher Kosten&#8221; mit einem Anteil von &#8220;nicht \u00fcber etwa 7%&#8221;. Biomasse werde eine kleine, aber qualitativ hochwertige Rolle spielen, sagte Faulstich in Berlin. So k\u00f6nne sie als &#8220;Backup-Energie&#8221; f\u00fcr die Grundversorgung dienen, wenn Sonne und Wind gerade schw\u00e4chelten.<\/p>\n<p>Wie hoch der tats\u00e4chliche Anteil letztlich auch sein mag, einig sind sich die Fachleute, dass die Technologie der Rohstoffumwandlung entscheidend sein wird. &#8220;Wie wir mit Hilfe von Enzymen biologisches Material in Energie umwandeln k\u00f6nnen, diese \u00dcberlegungen haben in unserer Branche eine hohe Priorit\u00e4t&#8221;, sagt Palz. Die erfolgreiche Umstellung wird viel biotechnologisches Know-How erfordern, ist sich auch die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina sicher. In der Ad-hoc-Stellungnahme zur Energieforschung (<a href=\"http:\/\/www.leopoldina.org\/fileadmin\/user_upload\/Politik\/Empfehlungen\/Nationale_Empfehlungen\/Ad-hoc-Stellungnahme_Energie_Juni_2011.pdf\" >hier pdf<\/a>), die am 7. Juni an Forschungsministerin Annette Schavan \u00fcbergeben wurde, fordern die Wissenschaftler, dass &#8220;die Eignung verschiedener Arten der Biomasse f\u00fcr die energetische Nutzung neu \u00fcberpr\u00fcft und die Forschung unter Ber\u00fccksichtigung von Skaleneffekten und unter systemischen Gesichtspunkten vorangetrieben&#8221; werden sollte. Vor allem die Produktion von Chemikalien und Energietr\u00e4gern in Bioraffinerien soll &#8220;systematisch weiter erforscht werden&#8221;. <\/p>\n<p>Von den insgesamt 810 Vortr\u00e4gen der Berliner Konferenz stand die Bioraffinerie als Tausendsassa der Biomasseverwertung in vielen Sessions im Mittelpunkt. So ging es in einer gro\u00dfen Sitzung gleich am ersten Tag um so unterschiedliche Dinge wie die Ausgangsstoffe, die aus dem \u00e4thiopischen Senf <i>Brassica carinata<\/i> entstehen k\u00f6nnten und die Diskussion \u00fcber die einheitliche Klassifizierung f\u00fcr Bioraffinierien in Europa. Die Bioraffinerie der Zukunft wird neben Basischemikalien, Biopolymeren oder medizinischen Wirkstoffen aber vor allem auch Biokraftstoffe produzieren. Hier drehte sich die Diskussion in Berlin unter anderem um Fortschritte beim Einsatz bisher noch nicht zu verarbeitender Ausgangsstoffe wie Lignocellulose, verschiedenen Grasarten oder der Luzerne.<\/p>\n<p>Als Bioraffinierien im Kleinstma\u00dfstab k\u00f6nnte man Algen ansehen. Aus Licht und Kohlendioxid k\u00f6nnten sie je nach genetischer Ausstattung Biotreibstoffe oder Zwischenprodukte f\u00fcr die chemische Industrie produzieren. Aufgrund ihrer hohen Bedeutung in der Forschung war den Algen deshalb auch ein eigener Workshop gewidmet, in der Wissenschaftler aus ganz Europa \u00fcber ihre Fortschritte berichten. <\/p>\n<p>Auf technologischem Gebiet ist Deutschland in der energetischen Nutzung von Biomasse derzeit weltweit f\u00fchrend. Zuk\u00fcnftig werden Biogasanlagen und Holzpellet-Verfeuerung alleine aber nicht mehr ausreichen, sagte Harry Lehmann vom Umweltbundesamt. &#8220;Im Jahr 2050 wird der Gro\u00dfteil der Biomasse aus Reststoffen und Abfall stammen. Was wir brauchen, ist eine Kaskade von Umwandlungsvorg\u00e4ngen, bei der nichts verloren geht.&#8221; Um das zu erreichen, muss weiter geforscht werden, da ist sich nicht nur Faulstich sicher. &#8220;Die Biotechnologie ist in diesen geschlossenen Verwertungskreisl\u00e4ufen ein entscheidender Faktor.&#8221; Wie sich die Biomassevewertung in Deutschland aber tats\u00e4chlich entwickeln wird, &#8220;das h\u00e4ngt auch von der Politik ab.&#8221;<\/p>\n<p><b>Pressemitteilung <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20110607-04\/Zukunft.pdf\" >hier zum Download<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Seitdem feststeht, dass das letzte deutsche Atomkraftwerk 2022 abgeschaltet wird, hat das R&auml;tselraten &uuml;ber den besten Energiemix der Zukunft neuen Schwung bekommen. 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