{"id":126790,"date":"2023-05-15T07:14:00","date_gmt":"2023-05-15T05:14:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=126790"},"modified":"2023-05-11T16:40:07","modified_gmt":"2023-05-11T14:40:07","slug":"acatech-und-dechema-stellen-metaanalyse-zur-transformation-der-chemischen-industrie-vor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/acatech-und-dechema-stellen-metaanalyse-zur-transformation-der-chemischen-industrie-vor\/","title":{"rendered":"acatech und DECHEMA stellen Metaanalyse zur Transformation der chemischen Industrie vor"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p><strong>Die chemische Industrie nutzt fossile Ressourcen wie Erdgas nicht nur energetisch, sondern auch stofflich. Auf dem Weg der Defossilisierung muss die Branche nicht nur Brennstoffe ersetzen, sondern auch auf eine alternative Rohstoffbasis umsteigen. Die heute von acatech und DECHEMA ver\u00f6ffentlichte Analyse zum Wasserstoffeinsatz in der chemischen Industrie vergleicht mehrere Szenarien verschiedener Forschungseinrichtungen miteinander und zeigt: Um weniger fossile Ressourcen zu verwenden, kann die chemische Industrie Wasserstoff und seine Derivate nicht nur energetisch, sondern auch stofflich verwenden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDemnach k\u00f6nnte sich der Wasserstoffbedarf der chemischen Industrie bis zum Jahr 2050 mindestens verdoppeln. Einige Szenarien modellieren auch Erh\u00f6hung des Bedarfs um die Faktoren 5 bis 7\u201c, beschreibt Jens Artz, Projektleiter bei DECHEMA Gesellschaft f\u00fcr Chemische Technik und Biotechnologie e.V., ein Ergebnis des Vergleichs. \u201eUm solche Wasserstoffmengen anbieten zu k\u00f6nnen, wird es elementar sein, dass g\u00fcnstiger \u00d6kostrom ausreichend verf\u00fcgbar ist\u201c, prognostiziert Andrea L\u00fcbcke, Projektleiterin bei acatech, Deutsche Akademie der Technikwissenschaften. \u201eDie Defossilisierung der chemischen Industrie ist au\u00dferdem darauf angewiesen, dass ihre Standorte an Gasnetze (Wasserstoff, CO2) und das Stromnetz angeschlossen sind.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/05\/image-10.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-126797\" width=\"500\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/05\/image-10.png 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/05\/image-10-300x210.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/05\/image-10-150x105.png 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/05\/image-10-385x270.png 385w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption>Vergleich modellierter Wasserstoffbedarfe der Chemischen Industrie bis 2050 <strong>\u00a9<\/strong> acatech<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Lippenstift, Teppichboden, Waschmittel \u2013 die Endprodukte der chemischen Industrie sind so zahlreich wie vielf\u00e4ltig und aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Allen gemein ist: Bei ihrer Herstellung spielen fossile Ressourcen wie Naphtha (eine Erd\u00f6lfraktion) und Erdgas nicht nur energetisch eine wichtige Rolle, sondern sie sind auch der stoffliche Ausgangspunkt dieser Produkte. Aus Naphtha werden beispielsweise Ethylen und Propylen, wichtige Ausgangsstoffe der Kunststofferzeugung, gewonnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wasserstoffbedarfe der chemischen Industrie<\/h3>\n\n\n\n<p>Die chemische Industrie in Deutschland hatte im Jahr 2021 einen Wasserstoffbedarf von 37 Terawattstunden. Dies entspricht rund 1,1 Millionen Tonnen. Die Abkehr von fossilen Ressourcen kann dazu f\u00fchren, dass die Wasserstoffbedarfe in Zukunft steigen werden. Die in der Metaanalyse untersuchten Szenarien gehen von Wasserstoffbedarfen f\u00fcr das Jahr 2050 zwischen 80 bis 283 Terawattstunden aus. Die enorme Spannbreite ergibt sich daraus, dass die Szenarien die verschiedenen Einsatzgebiete von Wasserstoff unterschiedlich gewichten. Dennoch erwartet der Gro\u00dfteil der untersuchten Szenarien folgende Anwendungen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Der aktuelle, fossil-basierte Wasserstoffbedarf von 1,1 Millionen Tonnen muss gedeckt werden. Beispielsweise werden f\u00fcr die Erzeugung von Ammoniak in Deutschland etwa 0,4 Millionen Tonnen Wasserstoff, v.a. auf Erdgasbasis, ben\u00f6tigt. Diese Bedarfe werden auch zuk\u00fcnftig bestehen und ben\u00f6tigen CO<sub>2<\/sub>-neutralen Wasserstoff.<\/li><li>Um fossile Rohstoffe, die stofflich genutzt werden, zu ersetzen, bieten sich die Fischer-Tropsch-Synthese und der Ausbau der Methanol-to-X-Prozesse an. Diese Verfahren sind auch auf Wasserstoff angewiesen. Durch die Fischer-Tropsch-Synthese entsteht beispielsweise synthetisches Naphtha, welches fossiles Naphtha als wichtigster stofflicher Rohstoff der Chemischen Industrie ersetzen kann.<\/li><li>Die chemische Industrie hat einen hohen Bedarf an W\u00e4rme. Die Prozesse ben\u00f6tigen insbesondere Temperaturen von 300 bis 1.000 Grad Celsius. In Zukunft k\u00f6nnten Wasserstoff oder synthetisches Methan zum Einsatz kommen und Prozessw\u00e4rme erzeugen. \u201eProzessw\u00e4rme aus Wasserstoff(-derivaten) wird insbesondere dort relevant, wenn es daf\u00fcr keine elektrifizierbaren oder biomassebasierten Alternativen gibt\u201c, sagt Jens Artz, DECHEMA.<\/li><li>Um Stoffkreisl\u00e4ufe zu schlie\u00dfen, ist es notwendig, die Quote des stofflichen Recyclings von Kunststoffabf\u00e4llen zu erh\u00f6hen. Denn: Werden Kunststoffabf\u00e4lle stofflich genutzt, muss weniger neuer Kunststoff produziert werden. Das mindert den fossilen Rohstoffbedarf der Kunststoffherstellung. Heute werden noch etwa 65 Prozent der anfallenden Kunststoffabf\u00e4lle verbrannt, um sie energetisch zu nutzen. Um Kunststoffabf\u00e4lle stofflich zu nutzen und damit fossile Ressourcen zu substituieren, kann eine Aufarbeitung mit Wasserstoff n\u00f6tig werden. Dasselbe gilt f\u00fcr die Aufarbeitung biogener Reststoffe.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Umstellung auf Wasserstoff und seine Derivate f\u00fchrt zu h\u00f6herem Energiebedarf<\/h3>\n\n\n\n<p>Im Jahr 2021 hat die chemische Industrie in Deutschland rund 450 Terawattstunden Energie verbraucht. Zur Einordnung: Insgesamt macht der Energieverbrauch der chemischen Industrie derzeit mehr als 20 Prozent des energetischen Verbrauchs der gesamten deutschen Industrie aus. Die Metaanalyse macht deutlich, dass alle untersuchten Szenarien modellieren, dass die Defossilisierung der Chemischen Industrie eine Steigerung des Endenergiebedarfs zur Folge haben wird. Auch f\u00fcr die Chemische Industrie ist es daher elementar, auf erneuerbaren Strom zu g\u00fcnstigen Konditionen zugreifen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Umstellung auf regenerativ erzeugten Wasserstoff spart Treibhausgase ein<\/h3>\n\n\n\n<p>J\u00e4hrlich verantwortet die chemische Industrie bis zu 112 Millionen Tonnen CO2-\u00c4quivalente. Ber\u00fccksichtigt werden alle direkten und indirekten Emissionen, die entstehen, wenn chemische Erzeugnisse hergestellt, genutzt oder entsorgt werden. \u201eHier besteht ein gro\u00dfes Treibhausgaseinsparpotenzial, das aufgrund des Pariser Klimaschutzabkommens z\u00fcgig gehoben werden muss\u201c so Andrea L\u00fcbcke. \u201eWenn die chemische Industrie auf regenerativ erzeugten Wasserstoff umstellt, kann sie ihren Treibhausgasaussto\u00df deutlich reduzieren.\u201c Emissionen k\u00f6nnen reduziert werden, wenn Wasserstoff ohne fossile Ressourcen hergestellt wird \u2013 zum Beispiel durch Wasserelektrolyse mit regenerativ erzeugtem Strom. Eine zweite M\u00f6glichkeit ist die Umstellung der Rohstoffbasis mithilfe der Fischer-Tropsch Synthese und Methanol-to-X-Prozessen. Auch hier wird Wasserstoff ben\u00f6tigt \u2013 idealerweise Wasserstoff, der mithilfe regenerativer Energien erzeugt wurde. Zus\u00e4tzlich kann regenerativ erzeugter Wasserstoff f\u00fcr die W\u00e4rmebereitstellung genutzt werden. Auch der Einsatz von Biomasse und eine verbesserte Quote beim Recycling von Kunststoffabf\u00e4llen helfen, Treibhausgase einzusparen und fossile Rohstoffe zu ersetzen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Analyse zum Wasserstoffeinsatz in der chemischen Industrie ist Teil der Metaanalyse des Wasserstoff-Kompasses<\/h3>\n\n\n\n<p>Die heute ver\u00f6ffentlichte Analyse zum Wasserstoffeinsatz in der chemischen Industrie ist Teil einer Metaanalyse, welche acatech und DECHEMA im Rahmen des gemeinsamen Projektes Wasserstoff-Kompass durchf\u00fchren. Die Metaanalyse f\u00fchrt eine Vielzahl unterschiedlicher Studien und Szenarien zum zuk\u00fcnftigen Einsatz von Wasserstoff in den einzelnen Sektoren in eine Gesamt\u00fcbersicht zusammen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Weiterf\u00fchrende Informationen<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Analyse \u201eWasserstoff in der chemischen Industrie\u201c zum&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wasserstoff-kompass.de\/news-media\/dokumente\/chemische-industrie\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Download<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die chemische Industrie nutzt fossile Ressourcen wie Erdgas nicht nur energetisch, sondern auch stofflich. Auf dem Weg der Defossilisierung muss die Branche nicht nur Brennstoffe ersetzen, sondern auch auf eine alternative Rohstoffbasis umsteigen. 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