{"id":12659,"date":"2011-07-20T00:00:00","date_gmt":"2011-07-19T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20110720-01n"},"modified":"2011-07-20T00:00:00","modified_gmt":"2011-07-19T22:00:00","slug":"milch-macht-mode-biofasern-aus-casein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/milch-macht-mode-biofasern-aus-casein\/","title":{"rendered":"Milch macht Mode: Biofasern aus Casein"},"content":{"rendered":"<p><b><\/p>\n<div style=\"float:right;margin-left:10px;\">\n<table border=\"0\">\n<tr>\n<td><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20110720-01\/milch-macht-mode-domaske,property=bild,bereich=bio,sprache=de,width=286,height=208.jpg\" align=\"left\" BORDER=\"0\" ALT=\"Anke Domaske hat ein Verfahren entwickelt, mit dem sie <br \/>aus dem Milchprotein Casein Bio-Fasern f\u00fcr Kleidung gewinnt.<br \/>(Quelle: QMilch)&#8221;><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"font-size:10px;\" align=\"left\">Anke Domaske hat ein Verfahren entwickelt, mit dem sie <br \/>aus dem Milchprotein Casein Bio-Fasern f\u00fcr Kleidung gewinnt.<br \/>(Quelle: QMilch)<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Mit QMilch hat die 28-j\u00e4hrige Anke Domaske aus Hannover eine Naturfaser aus dem Milch-Protein Casein entwickelt. Die studierte Biologin und Modedesignerin nutzt daf\u00fcr Molkerei-Abfallprodukte, die sie ohne jeglichen Einsatz von Chemikalien verspinnt und als Ausgangsmaterial f\u00fcr ihre eigene Modekollektion nutzt. Gut f\u00fcr die Haut, hoher Tragekomfort und ressourcenschonend sind die Attribute ihres innovativen Stoffs. Daf\u00fcr wurde Domaske w\u00e4hrend der Fashion Week im Juli in Berlin vom Gesamtverband Textil und Mode zur Siegerin 2011 in der Kategorie Technische Textilien gek\u00fcrt.<\/b><\/p>\n<p>Kohlenhydrate, Eiwei\u00dfe, Vitamine und Spurenelemente: All das ist drin in einem Glas Milch. Auch f\u00fcr Anke Domaske ist Milch ein wichtiger Rohstoff. Sie setzt alles daran, die n\u00e4hrstoffreiche Fl\u00fcssigkeit in die Kleiderschr\u00e4nke zu bringen. Die Biologin aus Hannover hat in rund zweij\u00e4hriger Forschungsarbeit ein Verfahren entwickelt, um aus Milch Textilien herzustellen. F\u00fcr ihr Vorhaben hatte sie sich Unterst\u00fctzung von Wissenschaftlern der Fachhochschule Hannover und dem Bremer Faserinstitut FIBRE geholt. Inzwischen steht ihre erste Kollektion.<\/p>\n<p>Domaske geht es bei der Milch vor allem um eines: das Eiwei\u00df Casein. Etwa 80 Prozent der Gesamtproteinmenge in der Milch besteht aus diesem Protein. Gerinnt die Milch, setzt es sich von der Molke ab und l\u00e4sst sich ganz einfach absch\u00f6pfen. Die z\u00e4he Masse kann dann beispielsweise zu K\u00e4se oder Quark weiterverarbeitet werden.<\/p>\n<p>Auch Domaske nutzt diesen Proteinanteil in der Milch. Schon lange ist bekannt, dass sich Casein zu Fasern verweben l\u00e4sst. &#8220;Bislang war daf\u00fcr allerdings sehr viel Chemie notwendig&#8221;, so Domaske. Zus\u00e4tzlich verschlangen die bisherigen Verfahren auch enorme Ressourcen: F\u00fcr die Produktion von einem Kilogramm Milchfaser waren etwa 20.000 Liter Wasser notwendig. &#8220;Das Neuartige an unserem Verfahren ist, dass wir bei einer industriellen Faserproduktion ohne chemische Zusatzstoffe auskommen&#8221;, erkl\u00e4rt die Modedesignerin. Zugesetzt wird nur Bienenwachs und Zink. Nach einem patentierten Verfahren wird das Gemisch von einer Spezialmaschine zur Bio-Faser versponnen. Die Herstellung passiert nach dem Global Organic Textile (GOT)-Standard: Dabei werden im Gegensatz zum herk\u00f6mmlichen Nassspinnverfahren Ressourcen an Energie, Wasser, Zeit und Personal eingespart.<\/p>\n<p><b>Antibakterielle Fasern mit Wellness-Effekt<\/b><br \/>Offenbar m\u00fcssen auch keine Abstriche beim Tragekomfort gemacht werden. Domaske zufolge zeichnet sich die neuartige Faser durch einen seidigen Griff aus. Gegen\u00fcber Baumwolle und Seide sei sie auch extrem farb- und formbest\u00e4ndig, leicht zu trocknen und rei\u00dffest. Ein weiterer Aspekt: Auf nat\u00fcrliche Weise soll die Milchfaser das Wachstum von Bakterien verhindern. Das besondere Feuchtigkeitsmanagement des Bio-Garns soll das m\u00f6glich machen. &#8220;Ziel und Ausgangspunkt war es, das Leiden von Allergikern zu mindern, die verzweifelt nach Kleidung aus nicht belasteten Fasern suchen&#8221;, sagt Domaske. Die von ihr gegr\u00fcndete QMilch GmbH setzt dabei auch auf Wellness: Die Aminos\u00e4uren der Milch sollen einen Film auf der Haut hinterlassen, der vor sch\u00e4dlichen Toxinen aus der Umwelt sch\u00fctzt.<\/p>\n<p>Besonders wichtig ist der jungen Biologin und Modedesignerin, dass f\u00fcr die Herstellung der Faser keine Lebensmittel verwendet werden. Der Faser-Ausgangsstoff Casein f\u00e4llt als Nebenprodukt der Milchindustrie in ausreichender Menge an. Nur Milch, die nicht der Milchverordnung und den strengen Hygienevorschriften f\u00fcr &#8220;Trink&#8221;-Milch entspricht, wird von ihr zu Stoff verarbeitet. Dazu z\u00e4hlt Kolostralmilch von K\u00fchen, die gerade gekalbt haben, das Zentrifugat aus der K\u00e4seherstellung oder auch nicht nach dem Gesetz w\u00e4rmebehandelte Milch.<\/p>\n<p><b>Casein Textilien f\u00fcr Mode und Medizin<\/b><br \/>Schon als Kind hat Domaske gerne geschneidert. Nach dem Abitur ging sie nach Japan, um dort ihre selbst designten T-Shirts zu verkaufen. Zur\u00fcck in Hannover gr\u00fcndete sie mit 19 Jahren ihr Modelabel &#8220;Mademoiselle Chi Chi&#8221; und begann ihr Studium an der G\u00f6ttinger Georg-August Universit\u00e4t. Einige Jahre pendelte sie so zwischen Fashion-Trends und Biologie. Das Diplom hat sie in der Tasche, und ihre eleganten Designs werden derweil von Stars wie Mischa Barton oder Ashlee Simpson zur Schau getragen. Bei der Gr\u00fcndung von QMilch kam ihr das Studium zu Gute, denn oft ging es um technische Belange: &#8220;Ich merke schon, wie ich in Gespr\u00e4chen mit Professoren und Institutsleitern getestet werde und bin froh mein Biologiestudium im Hintergrund zu haben&#8221;, sagte Domaske gegen\u00fcber Welt online. <\/p>\n<p>Die Milch-Mode wird derzeit von ersten Kunden getestet. Domaske kann sich aber auch Anwendungen jenseits der Bekleidungsindustrie vorstellen: Aufgrund der antibakteriellen Eigenschaften der Faser sind laut QMilch auch Eins\u00e4tze in Medizin, Biologie, Kosmetik sowie in der Membrantechnik denkbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Mit QMilch hat die 28-j&auml;hrige Anke Domaske aus Hannover eine Naturfaser aus dem Milch-Protein Casein entwickelt. 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