{"id":12652,"date":"2011-07-26T00:00:00","date_gmt":"2011-07-25T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20110726-01n"},"modified":"2011-07-26T00:00:00","modified_gmt":"2011-07-25T22:00:00","slug":"polyethylen-aus-zuckerrohr-dow-setzt-auf-brasiliens-rohstoff-no-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/polyethylen-aus-zuckerrohr-dow-setzt-auf-brasiliens-rohstoff-no-1\/","title":{"rendered":"Polyethylen aus Zuckerrohr &#8211; Dow setzt auf Brasiliens Rohstoff No 1"},"content":{"rendered":"<p><b>Dow Chemical baut derzeit eine gro\u00dfe Pilotanlage, in der gezeigt werden soll, das Polyethylen aus nat\u00fcrlicher Herstellung der Petrochemie Konkurrenz machen kann. Die Herstellung von Kunststoff aus Zuckerrohr kann genauso g\u00fcnstig wie traditionelle Produktionsverfahren aus der Petrochemie sein \u2013 zumindest, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Zu diesem Schluss kommen Forscher und Manager des US-Chemieriesen Dow Chemical. Die Firma plant deshalb nun den Bau einer umfangreichen Pilotanlage in Brasilien. Es soll das bisher gr\u00f6\u00dfte Werk weltweit sein, in dem Polymere aus rein pflanzlichen Rohstoffen hergestellt werden.<\/b><\/p>\n<p>Das Projekt startet mit der Konstruktion einer eigenen Ethanol-Produktion, die auf 240 Millionen Liter pro Jahr ausgelegt ist. Das Werk wird in Kooperation mit dem japanischen Multi Mitsui entstehen und soll noch in diesem Jahr seine Arbeit aufnehmen. Ab Anfang n\u00e4chsten Jahres sollen dann die Ingenieurspl\u00e4ne f\u00fcr eine Kunststoffproduktionsanlage fertig sein, mit der aus Ethanol Hunderttausende Tonnen Polyethylen hergestellt werden k\u00f6nnen, dem weltweit am h\u00e4ufigsten verwendete Kunststoff.<\/p>\n<p>20 Jahre nach der Propagierung einer &#8220;gr\u00fcnen Chemie&#8221; spart die chemische Industrie Energie, setzt auf nachwachsende Rohstoffe und propagiert die nachhaltige Produktion, berichtet Technology Review auch in seiner aktuellen Print-Ausgabe 07\/2011.<\/p>\n<p>Die \u00dcberzeugung, dass chemische Produkte nicht lebensfeindlich sein m\u00fcssen, trieb den amerikanischen Chemiker Paul Anastas 1991 dazu, eine gr\u00fcne Chemie zu fordern. Bis heute gelten seine zw\u00f6lf Leitprinzipien als Fundament einer nachhaltigen chemischen Produktion: Abfall vermeiden statt entsorgen, Ressourcen wie Erd\u00f6l und Wasser schonen, erneuerbare Rohstoffe bevorzugen, gef\u00e4hrliche Chemikalien ersetzen und Anlagen sicher betreiben \u2013 so einige seiner eing\u00e4ngigsten Regeln. US-Pr\u00e4sident Barack Obama w\u00fcrdigte Anastas\u2019 Pionierrolle, indem er ihn 2009 zum Forschungsleiter der amerikanischen Umweltbeh\u00f6rde, der Environmental Protection Agency, ernannte.<\/p>\n<p>Seitdem hat sich nicht nur in den USA die Zahl der Chemieungl\u00fccke stark verringert. Auch der Regen in Deutschland ist weniger sauer, weil giftige Schwefeldioxide weitgehend aus den Abgasen gefiltert werden. Und das Wasser aus Rhein, Oder und Donau flie\u00dft sauberer als vor 20 Jahren. Im vergangenen Jahr heimste BASF zusammen mit dem amerikanischen Konzern Dow Chemical den renommiertesten Preis f\u00fcr gr\u00fcne Chemie ein: den Presidential Green Chemistry Award der amerikanischen Umweltschutzbeh\u00f6rde, der im Namen des US-Pr\u00e4sidenten vergeben wird. Beide Unternehmen haben gemeinsam ein \u00f6kologisches Verfahren zur Erzeugung der Massenchemikalie Propylenoxid entwickelt. Aus dem chemischen Grundbaustein entstehen so vielf\u00e4ltige Produkte wie D\u00e4mmstoffe, Basismaterialien f\u00fcr K\u00fchlger\u00e4te, Autos, M\u00f6bel oder Arzneien und Chemikalien zur Flugzeugenteisung.<\/p>\n<p>Die Produktion solcher &#8220;Biochemikalien&#8221; nimmt zwar in den letzten Jahren rasant zu, entspricht aber bislang nur knapp acht Prozent des Gesamtmarktes f\u00fcr Chemieprodukte. Vor allem Nischenstoffe und Spezialchemie werden so bislang hergestellt. Dow glaubt aber, dass Kunststoff aus Rohstoffen &#8220;vom Feld&#8221; auch in gro\u00dfen Mengen wettbewerbsf\u00e4hig sein kann.<\/p>\n<p>Derzeit setzt die Polyethylen-Massenproduktion noch fast vollst\u00e4ndig auf Erd\u00f6l als Rohstoff, rund 80 Millionen Tonnen werden so weltweit im Jahr hergestellt. Doch steigende \u00d6lpreise haben die Kosten der notwendigen Rohstoffe erh\u00f6ht. Dass die brasilianische Regierung die Produktion von Ethanol aus Zuckerrohr traditionell f\u00f6rdert, ist ein weiterer Wettbewerbsvorteil: In dem Land kann Ethanol mittlerweile sogar mit Benzin konkurrieren. Dow-Gesch\u00e4ftsentwicklungsdirektor Luis Cirihal, der gleichzeitig f\u00fcr Produkte aus erneuerbaren Rohstoffen zust\u00e4ndig ist, r\u00e4umt allerdings ein, dass diese Marktbesonderheiten nicht in jedem Land der Welt vorzufinden sind.<\/p>\n<p>Die Technik zur Umwandlung von Ethanol in Ethylen, dem Vorprodukt von Polyethylen, ist nicht neu. &#8220;Der daf\u00fcr notwendige Dehydrierungsprozess ist bereits seit den 20er Jahren bekannt. Das Neue ist, dass wir ihn hochskalieren&#8221;, sagt Cirihal. Das brasilianische Werk wird eine Produktionskapazit\u00e4t haben, die der regul\u00e4rer Polyethylenfabriken entspricht. Der genaue Wert stehe noch nicht fest, entspreche aber in etwa dem, was Dow bereits kommuniziert habe, sagt Cirihal: Damals ging es um 350.000 Tonnen. Damit w\u00fcrde die Produktionskapazit\u00e4t eines bestehenden Werkes in Brasilien, das Braskem betreibt, um 150.000 Tonnen \u00fcberschritten.<\/p>\n<p>Die neue Polyethylenfabrik ist nicht Dows erster Versuch, deutlich in Biokunststoffe zu investieren. Vor einem Jahrzehnt begann der Konzern, zusammen mit dem Landwirtschaftsriesen Cargill Polymere aus Mais herzustellen. 2005 wurde das Projekt allerdings eingestellt, weil es sich gezeigt hatte, dass es nicht gen\u00fcgend Kunden gab. Der Biokunststoff war ein g\u00e4nzlich neues Material und lie\u00df sich deshalb nur schwer vermarkten. Deshalb, so Cirihal, setze Dow nun darauf, regul\u00e4res Polyethylen herzustellen. &#8220;Das ist nicht anders als das aus Erd\u00f6l.&#8221;<\/p>\n<p>Dow will die Kosten dr\u00fccken, indem alle Produktionsschritte in einer Hand bleiben \u2013 von der Bewirtschaftung der Zuckerrohrfelder bis zur Endproduktion der Polymere. Das erlaubt es beispielsweise, dass die Energie f\u00fcr die Fabrik aus Biomasse stammt, die bei der Zuckerproduktion aus dem Zuckerrohr \u00fcbrigbleibt. Dow ist sich jetzt schon sicher, dass der Preis ausreichend niedrig sein wird. Der Konzern rechnet aber auch damit, dass er einen Aufschlag verlangen kann. &#8220;Schlie\u00dflich gibt es eine gro\u00dfe Nachfrage nach Materialien, die CO<sub>2<\/sub>-neutral und nachhaltig produziert werden k\u00f6nnen&#8221;, meint Gesch\u00e4ftsentwickler Cirihal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Dow Chemical baut derzeit eine gro&szlig;e Pilotanlage, in der gezeigt werden soll, das Polyethylen aus nat&uuml;rlicher Herstellung der Petrochemie Konkurrenz machen kann. 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