{"id":12593,"date":"2011-03-14T00:00:00","date_gmt":"2011-03-13T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20110320-01n"},"modified":"2011-03-14T00:00:00","modified_gmt":"2011-03-13T22:00:00","slug":"foerderbeispiel-kosmetik-aus-orangenschalen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/foerderbeispiel-kosmetik-aus-orangenschalen\/","title":{"rendered":"F\u00f6rderbeispiel: Kosmetik aus Orangenschalen"},"content":{"rendered":"<p><b>Jahr f\u00fcr Jahr produziert Brasilien 1,25 Millionen Liter Orangensaftkonzentrat. Dabei f\u00e4llt als bisher kaum verwendetes Nebenprodukt der Naturstoff Limonen an. Wissenschaftler des Zwingenberger Biotech-Unternehmens Brain wollen nun gemeinsam mit Forschern von der Dechema auf der Basis von Limonen ein nat\u00fcrliches Konservierungsmittel herstellen \u2013 und zwar mithilfe von Bakterien. Unterst\u00fctzt wird das Projekt vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF).<\/b><\/p>\n<p>Ein Blick ins Supermarktregal zeigt Handcreme &#8220;mit wertvollem Sanddorn\u00f6l&#8221; oder Zahnpasta mit Ausz\u00fcgen aus &#8220;der Wurzel der in den peruanischen Anden wachsenden Rathaniapflanze&#8221;.  Produkte wie diese sind in den letzten Jahren immer mehr gefragt. So hat das Marktforschungsinstitut Information Resources Inc. ermittelt, dass der Anteil von Naturkosmetika am Gesamtmarkt zwischen 2008 und 2010 von 3,8% auf 5,4% gestiegen ist. Zuletzt wuchs der Umsatz j\u00e4hrlich um 15% \u2013 und das, obwohl die Ertr\u00e4ge mit konventionellen Kosmetika geschrumpft sind.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund \u00fcberrascht es nicht, dass Kosmetikhersteller immer mehr auf der Suche nach Inhaltsstoffen sind, die einen nat\u00fcrlichen Ursprung haben. Dies gilt auch f\u00fcr Konservierungsmittel, die in den Cremes f\u00fcr eine l\u00e4ngere Haltbarkeit sorgen. Die meisten werden bislang jedoch chemisch hergestellt und manche \u2013 wie zum Beispiel das Benzylbenzoat \u2013 gelten unter Experten als Allergieausl\u00f6ser.<\/p>\n<p><b>Tausende Tonnen Limonen bisher ungenutzt<\/b><br \/>Um derartige Stoffe durch nat\u00fcrliche Produkte zu ersetzen, suchen Forscher schon seit langem nach geeigneten Verfahren. Bereits vor Jahren haben Forscher um Jens Schrader vom Karl-Winnacker-Institut der Dechema gemeinsam mit dem Unternehmen Dr. Rieks GmbH ein Verfahren entwickelt, das einen Naturstoff aus Orangenschalen als Basis nutzt. <\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20110320-01\/prozess.jpg\" align=\"right\" style=\"margin-left:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Schema\"\/>In der Citrus-verarbeitenden Industrie fallen j\u00e4hrlich ca. 50.000-75.000 Tonnen des Stoffs Limonen als Nebenprodukt an. Dabei handelt es sich nicht etwa um die gelbschaligen Zitrusfr\u00fcchte, sondern um einen Naturstoff aus der Gruppe der Terpene. Bisher lie\u00df er sich kaum weiterverwenden. In einem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gef\u00f6rderten Projekt konnten die Wissenschaftler vom Prinzip her zeigen, dass sich aus Limonen mithilfe des Bakteriums <i>Pseudomonas putida<\/i> das Konservierungsmittel Perillas\u00e4ure auf ganz nat\u00fcrliche Weise herstellen l\u00e4sst. Inzwischen sind die entsprechenden Patente des Verfahrens an das Zwingenberger Biotech-Unternehmen Brain AG \u00fcbergegangen, das auf die Entwicklung biotechnologischer Verfahren f\u00fcr die Industrie spezialisiert ist und dessen Gr\u00fcnder Holger Zinke als Pionier der wei\u00dfen Biotechnologie gilt (<a href=\"http:\/\/www.biotechnologie.de\/BIO\/Navigation\/DE\/Aktuelles\/menschen,did=84002.html\" >mehr&#8230;<\/a>).<\/p>\n<p>Nun wollen die Brain-Forscher gemeinsam mit Schrader den Prozess f\u00fcr die industrielle Produktion auf der Basis von Limonen weiter optimieren. Dabei werden sie vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung im Rahmen der F\u00f6rderinitiative &#8220;Genomforschung an Mikroorganismen \u2013 GenoMik&#8221; bis 2012 unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Die Biotechnologen aus Zwingenberg wollen mit ihrem seit 2007 laufenden Programm &#8220;Industrielle Produktionsprozesse f\u00fcr neuartige Enzyme und bioaktive Substanzen aus nat\u00fcrlichen Quellen: MikroPro&#8221; dazu beitragen, dass biotechnologische Forschung aus dem Labor in die industrielle Anwendung kommt. Insgesamt investiert Brain \u00fcber einen Zeitraum von f\u00fcnf Jahren rund 5,8 Millionen Euro in das Entwicklungsprogramm. Darin enthalten sind 2,8 Millionen Euro F\u00f6rdermittel vom BMBF, sie kommen allein der vorwettbewerblichen Grundlagenforschung zugute. Neben anderen Arbeiten profitiert nun auch das Perills\u00e4ure-Projekt von der F\u00f6rderung.<\/p>\n<p>Denn bis es hier wirklich zur industriellen Anwendung kommt, liegt noch einige Forschungsarbeit vor den Wissenschaftlern. Das Problem: Das Bakterium Pseudomonas putida vertr\u00e4gt zwar den Ausgangsstoff Limonen recht gut, das Endprodukt Perillas\u00e4ure st\u00f6rt jedoch in der hohen Konzentration im Bioreaktor das weitere Wachstum der Bakterien. In der freien Natur wirkt die in Pflanzen vorkommende Perillas\u00e4ure stark antimikrobiell, d.h. die meisten Mikroben vertragen die Perillas\u00e4ure noch deutlich weniger als Pseudomonas.<\/p>\n<p>Auf dieser Basis einen biotechnologischen Prozess f\u00fcr die Industrie zu entwickeln, ist nun keine leichte Aufgabe. Inzwischen ist es den Wissenschaftlern aber schon gelungen, die Prozessf\u00fchrung so zu gestalten, dass sich <i>Pseudomonas putida<\/i> bei der Perillas\u00e4ure-Herstellung nicht selbst umbringt. So werden die Bakterien dauerhaft mit ausreichend  Limonen versorgt, w\u00e4hrend die entstehende Perillas\u00e4ure fortlaufend aus dem Bioreaktor entfernt wird. Im kleinen Ma\u00dfstab gelingt dieses Prozedere bereits ganz gut \u2013 nun gilt es hier auch gr\u00f6\u00dfere Mengen herzustellen.<\/p>\n<p>Bis der Stoff aber wirklich Einzug h\u00e4lt in die Tiegelchen der Kosmetikindustrie, m\u00fcssen noch einige Verbesserungen her. &#8220;Wir wollen den Produktionsprozess soweit optimieren, dass die Perillas\u00e4ure als Inhaltsstoff f\u00fcr die Kosmetikindustrie zugelassen wird&#8221;, betont Stefan Pelzer, der das Projekt bei Brain betreut. F\u00fcr die Zukunft gibt es daher eine klare Arbeitsteilung: Die Forscher um Schrader sollen sich um die weitere technische Optimierung und das &#8220;Upscaling&#8221; k\u00fcmmern \u2013 also den Schritt von der Produktion in kleinen Laborapparaten bis zur Herstellung gro\u00dfer Mengen in Industrieanlagen. <\/p>\n<p>Die Wissenschaftler bei Brain wiederum haben all jene Faktoren im Blick, die mit der Zulassung der nat\u00fcrlichen Perillas\u00e4ure zu tun haben. So gilt es zum Beispiel sicherzustellen, dass die Bakterien das nat\u00fcrliche Konservierungsmittel immer in gleichbleibender Qualit\u00e4t und mit m\u00f6glichst wenigen Nebenprodukten produzieren. Dieser Prozess wird jedoch seine Zeit brauchen: Bis 2012 k\u00f6nnte es noch dauern, sch\u00e4tzt Pelzer. Wenn es jedoch geschafft ist, dann steht der Perillas\u00e4ure aus Bakterien noch eine gro\u00dfe Zukunft in der Kosmetikindustrie bevor, davon sind die Forscher \u00fcberzeugt. &#8220;Eines Tages k\u00f6nnte man den Stoff beispielsweise auch in Antischuppenshampoos finden&#8221;, so Pelzer. Dort k\u00f6nnte die Perillas\u00e4ure dann jenen Mikroben den Garaus machen, die f\u00fcr die Bildung der Schuppen mitverantwortlich sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Jahr f&uuml;r Jahr produziert Brasilien 1,25 Millionen Liter Orangensaftkonzentrat. Dabei f&auml;llt als bisher kaum verwendetes Nebenprodukt der Naturstoff Limonen an. 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