{"id":12592,"date":"2011-03-15T00:00:00","date_gmt":"2011-03-14T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20110315-02n"},"modified":"2011-03-15T00:00:00","modified_gmt":"2011-03-14T22:00:00","slug":"einwegbecher-aus-bioplastik-umweltbetrug-in-fussballstadien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/einwegbecher-aus-bioplastik-umweltbetrug-in-fussballstadien\/","title":{"rendered":"Einwegbecher aus Bioplastik: Umweltbetrug in Fu\u00dfballstadien"},"content":{"rendered":"<p><b>Biokunststoffbecher aus Bundesligastadien landen in der Verbrennung statt in der Kompostierung &#8211; Deutsche Umwelthilfe prangert \u00d6ko-Schwindel an und mahnt die Biokunststoffindustrie wegen irref\u00fchrender Werbeclaims ab &#8211; Plastikbecher aus Maisst\u00e4rke sind nicht klimaneutral und belasten die Umwelt st\u00e4rker als Mehrwegbecher.<\/b><\/p>\n<p>Ex und Hopp bleibt \u00f6kologischer Unsinn, gerade wenn dadurch Mehrwegbecher verdr\u00e4ngt und die stattdessen eingesetzten, so genannten Biokunststoffbecher tats\u00e4chlich auf dem M\u00fcll landen. Diese Bilanz zieht die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) aus eigenen Recherchen und neuen Forschungsergebnissen rund um den Einsatz von Einwegbechern aus Bioplastik in drei Stadien der Fu\u00dfballbundesliga. Die in den Arenen der Fu\u00dfball-Bundesligisten K\u00f6ln, Frankfurt und Hoffenheim eingesetzten Getr\u00e4nke-Einwegbecher aus dem aus Maisst\u00e4rke hergestellten Kunststoff Polylactid (PLA) seien nicht wie von den Vertreibern behauptet umweltfreundlich &#8211; im Gegenteil.<\/p>\n<p>&#8220;Wer den Werbebotschaften der Hersteller von Bioplastikbechern glaubt, sitzt einem ausgemachten Umweltschwindel auf&#8221;, sagt DUH-Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer J\u00fcrgen Resch. &#8220;Der Einsatz von Einwegbechern aus Bioplastik in Bundesligastadien ist ein Musterbeispiel daf\u00fcr, wie die Kunststoffindustrie das Umweltbewusstsein der Verbraucher missbraucht. Was als kompostierbar und besonders umweltfreundlich angepriesen wird, entpuppt sich bei n\u00e4herer Betrachtung als Luftnummer.&#8221;<\/p>\n<p>In Prospekten werden die Wegwerfbecher aus Biokunststoff als biologisch abbaubar, problemlos zu kompostieren und CO<sub>2<\/sub>-neutral angepriesen. Dies sei selbst theoretisch nur die halbe Wahrheit, erkl\u00e4rt die Umweltorganisation. Denn die Tatsache der biologischen Abbaubarkeit, bedeute nicht automatisch, dass der eingesetzte Biokunststoff in der Praxis auch tats\u00e4chlich gut kompostiert werden k\u00f6nne. Tats\u00e4chlich l\u00e4sst sich herk\u00f6mmliches Bioplastik unter nat\u00fcrlichen Bedingungen nicht kompostieren, hierf\u00fcr sind Spezialanlagen notwendig die in Deutschland offensichtlich fehlen. Im konkreten Fall des von der DUH untersuchten Einsatzes in Fu\u00dfballstadien werden die Bioplastikbecher nicht einmal f\u00fcr eine anschlie\u00dfende Kompostierung getrennt gesammelt, sondern nach dem Abpfiff gemeinsam mit anderen Restabf\u00e4llen in M\u00fcllverbrennungsanlagen verbrannt.<\/p>\n<p>Nach Informationen des Stadionmanagements der Frankfurter Commerzbank-Arena gibt es in ganz Deutschland keinen industriellen Anbieter f\u00fcr die Kompostierung von Bioplastikbechern. In der Praxis w\u00fcrde sich deren Kompostierung auch nicht lohnen, weil bei der Zersetzung kaum Substrate gebildet und pflanzenverf\u00fcgbare N\u00e4hrstoffe freigesetzt werden. Im Gegenteil: Die Bundesvereinigung der Humus- und Erdenwirtschaft klassifiziert biologisch abbaubare Kunststoffe als St\u00f6rstoffe im Kompost, da sie wesentlich langsamer als herk\u00f6mmlicher Bioabfall verrotten. Kommunen fordern ihre B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger deshalb auf, die Kunststoffe in die Restm\u00fclltonne und keinesfalls in die Biotonne zu geben. Die DUH hat den Verband der europ\u00e4ischen Bioplastikhersteller &#8220;European Bioplastics&#8221; inzwischen wegen irref\u00fchrender Aussagen hinsichtlich der Kompostierbarkeit von Biokunststoffen abgemahnt.<\/p>\n<p>Biologisch abbaubare PLA-Einwegbecher aus Maisst\u00e4rke stellen aus \u00f6kologischer Sicht keine tragf\u00e4hige Alternative zu Mehrwegbechern dar. Dies best\u00e4tigt auch eine internationale \u00d6kobilanzstudie des Darmst\u00e4dter \u00d6ko-Institutes, des \u00d6sterreichischen \u00d6kologie-Institutes sowie der Carbotech AG. &#8220;Bei Gro\u00dfveranstaltungen weisen Mehrwegbecher in allen in unserer Studie untersuchten Szenarien geringere Umweltbelastungen als Einweggetr\u00e4nkebecher auf. Die Umweltbelastungen der PLA-Einweggetr\u00e4nkebecher sind vergleichbar mit denen herk\u00f6mmlicher Einweggetr\u00e4nkebecher aus PET. Die Verwendung nachwachsender Rohstoffe und die biologische Abbaubarkeit reichen jedoch nicht aus, um f\u00fcr Biokunststoffe eine Umwelt\u00fcberlegenheit abzuleiten&#8221; sagte G\u00fcnter Dehoust vom \u00d6ko-Institut und Mitverfasser der \u00d6kobilanzstudie zu Getr\u00e4nkebechersystemen. Auch eine k\u00fcrzlich von der Universit\u00e4t Pittsburgh (Pennsylvania, USA) ver\u00f6ffentlichte Studie best\u00e4tigt den Befund. Demnach ist Bioplastik aus Pflanzenrohstoffen ebenso umweltsch\u00e4dlich wie herk\u00f6mmlicher Kunststoff aus Erd\u00f6l.<\/p>\n<p>Die von Herstellern und Lieferanten von Bioplastikprodukten gern aufgestellte Behauptung, Trinkbecher aus Maisst\u00e4rke seien CO<sub>2<\/sub>-neutral, ist falsch. Zwar trifft dies f\u00fcr den reinen Pflanzenrohstoff f\u00fcr die Becherproduktion zu, nicht jedoch unter Ber\u00fccksichtigung des Lebenszyklus mit Anpflanzen, D\u00fcngen und Ernte. F\u00fcr die Herstellung und den Transport der Becher muss ebenfalls Energie aufgewendet werden. Nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) in Dessau k\u00f6nnen als biologisch abbaubar eingestufte Kunststoffe zudem zu bis zu 50 Prozent aus synthetischen Zusatzstoffen bestehen. Schlie\u00dflich kann nach Aussagen von Becherlieferanten f\u00fcr die Herstellung von Bioplastikbechern der Einsatz von gentechnisch ver\u00e4nderten Pflanzensorten nicht ausgeschlossen werden. Umweltbewusste Verbraucher, die gerne zu Bioprodukten greifen, unterst\u00fctzen so m\u00f6glicherweise ungewollt den Anbau gentechnisch ver\u00e4nderter Pflanzen.<\/p>\n<p>Die beste Verpackung ist die, die gar nicht erst produziert wird. Dieser einfache Grundsatz ist das Fundament der f\u00fcnfstufigen Abfallhierarchie der europ\u00e4ischen Abfallrahmenrichtlinie: Abf\u00e4lle sollten also in erster Linie vermieden werden. Deshalb ist es nicht sinnvoll herk\u00f6mmliche Wegwerfprodukte durch solche aus Bioplastik zu ersetzen. &#8220;Der gr\u00fcne Anstrich von biologisch abbaubaren Einwegprodukten unterst\u00fctzt eine umweltsch\u00e4digende Ex- und Hopp-Mentalit\u00e4t. Dabei hat Bioplastik in der Landschaft und auf dem Kompost von umweltbewussten B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern ebenso wenig etwas zu suchen wie herk\u00f6mmlicher Plastikm\u00fcll&#8221;, erkl\u00e4rte Maria Elander, DUH-Bereichsleiterin f\u00fcr Kreislaufwirtschaft.<\/p>\n<p>Im Vergleich zu Einwegverpackungen spart die wiederholte Nutzung von Mehrwegprodukten Energie und Rohstoffe. So wird beispielsweise ein Mehrwegbecher im Bremer Weserstadion durchschnittlich 217 Mal f\u00fcr den Getr\u00e4nkeausschank wieder verwendet. Im Rahmen des &#8220;Green Goal Konzeptes&#8221; f\u00fcr mehr Umweltschutz bei Fu\u00dfballveranstaltungen wurde f\u00fcr die bevorstehende FIFA Fu\u00dfball Frauen-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland ein ressourceneffizientes und umweltfreundliches Mehrwegkonzept f\u00fcr den Getr\u00e4nkeausschank festgelegt. Dies sei der richtige Weg f\u00fcr glaubw\u00fcrdigen Umweltschutz bei Sport- und anderen Massenevents und sollte auch in den deutschen Bundesligastadien Anwendung finden, erkl\u00e4rte die DUH. Den Deutschen Fu\u00dfball-Bund und die Deutsche Fu\u00dfball Liga fordert die Umweltorganisation auf, den Einsatz von Mehrwegbechern f\u00fcr den Spielbetrieb bei L\u00e4nder- und Bundesligaspielen verbindlich festzulegen.<\/p>\n<p><b>Weitere Informationen<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Das Hintergrundpapier zum Thema steht <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20110315-02\/BioplastikHintergrundpapier150311.pdf\" >hier zum Download<\/a> bereit.<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Ansprechpartner in der DUH<\/b><\/p>\n<p>J\u00fcrgen Resch, Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer, Deutsche Umwelthilfe e.V., <br \/>Hackescher Markt 4, 10178 Berlin, Tel: 0171 3649170, Fax: 030 <br \/>2400867-19, E-Mail: <a href=\"mailto:resch@duh.de\">resch@duh.de<\/a><\/p>\n<p>G\u00fcnter Dehoust, stellv. Bereichsleiter Infrastruktur und Unternehmen <br \/>\u00d6ko-Institut e.V., Rheinstr. 95, 64295 Darmstadt, Tel: 06151 8191 11,<br \/>Fax: 06151 8191 33, E-Mail: <a href=\"mailto:g.dehoust@oeko.de\">g.dehoust@oeko.de<\/a><\/p>\n<p>Maria Elander, Leiterin Kreislaufwirtschaft, Deutsche Umwelthilfe <br \/>e.V., Hackescher Markt 4, 10178 Berlin, Tel.: 030 2400867-41, Mobil: <br \/>0160 5337376, E-Mail: <a href=\"mailto:elander@duh.de\">elander@duh.de<\/a><\/p>\n<p>Gerd Rosenkranz, Leiter Politik &#038; Presse, Deutsche Umwelthilfe e.V., <br \/>Hackescher Markt 4, 10178 Berlin, Tel.: 030 2400867-0, 0171 5660577, <br \/>E-Mail: <a href=\"mailto:rosenkranz@duh.de\">rosenkranz@duh.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Biokunststoffbecher aus Bundesligastadien landen in der Verbrennung statt in der Kompostierung &#8211; Deutsche Umwelthilfe prangert &Ouml;ko-Schwindel an und mahnt die Biokunststoffindustrie wegen irref&uuml;hrender Werbeclaims ab<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[2468,2464,2465,435,1444,2467,342,2135,2466],"class_list":["post-12592","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-carbotech-ag","supplier-deutsche-umwelthilfe-ev-duh","supplier-deutscher-fussballbund-dfb","supplier-european-bioplastics-ev","supplier-ko-institut","supplier-sterreichisches-kologie-institut","supplier-umweltbundesamt","supplier-university-of-pittsburgh","supplier-verbaende-der-humus-und-erdenwirtschaft-vhe"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12592","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12592"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12592\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12592"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12592"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12592"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=12592"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}