{"id":12587,"date":"2011-03-18T00:00:00","date_gmt":"2011-03-17T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20110331-01n"},"modified":"2011-03-18T00:00:00","modified_gmt":"2011-03-17T22:00:00","slug":"schweiz-neue-druckwasserleitung-zwischen-kraftwerken-soll-aus-holz-bestehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/schweiz-neue-druckwasserleitung-zwischen-kraftwerken-soll-aus-holz-bestehen\/","title":{"rendered":"Schweiz: Neue Druckwasserleitung zwischen Kraftwerken soll aus Holz bestehen"},"content":{"rendered":"<p><b>Wasserkraft: Voraussichtlich im Fr\u00fchjahr werden die Bauarbeiten f\u00fcr zwei neue Wasserkraftwerke bei Gr\u00fcsch\/Seewis im schweizer Kanton Graub\u00fcnden abgeschlossen sein. Die Repower AG investiert dort rund 58 Mio. CHF (ca. 45 Mio. \u20ac) in die Kraftwerke Taschinas 1 und Taschinas 2. Das Besondere bei diesen Anlagen ist eine h\u00f6lzerne Druckleitung, die beide Turbinenstationen miteinander verbindet.<\/b><\/p>\n<p>Zwei Wasserkraftwerke (Taschinas 1 und Taschinas 2) sind in der Schweiz an einem Gebirgsbach bei Gr\u00fcsch\/Sewis geplant. Die installierte Maschinenleistung bei Taschinas 1 betr\u00e4gt rund 11 MW, was eine j\u00e4hrliche Stromproduktion von rund 41 GWh erwarten l\u00e4sst. Bei Taschinas 2 wird eine Turbine mit einer Leistung von 1,5 MW j\u00e4hrlich rund 4,5 GWh produzieren. Das ist eigentlich nichts Besonderes, schon gar nicht in den Bergen. Doch es ist die Druckwasserleitung zwischen beiden Kraftwerken, die eine besondere Aufmerksamkeit verdient. Diese wird n\u00e4mlich aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz hergestellt, um das Unterwasser von Taschinas 1 \u00fcber eine Entfernung von 1550 m zu Taschinas 2 zu transportieren.<\/p>\n<p>Holzdruckleitungen sind heute immer noch \u00e4u\u00dferst selten. Allerdings hat Repower bereits im Jahr 2003 in Campogologno eine solche Holzdruckleitung erstellt. Eine \u00fcber 80 Jahre alte Holzleitung existiert dar\u00fcber hinaus auch in Davos.<\/p>\n<p>Der Bau von Holzleitungen ist eigentlich ein altes, bew\u00e4hrtes Handwerk, das ein besonders langlebiges Produkt hervorbringt. So war z.B. auch die Leitung des Thermalwassers von der Quelle von Bad Pf\u00e4fers bis nach Bad Ragaz mit einer L\u00e4nge von 4,5 km und einem Innendurchmesser von 18 cm vom Jahr 1840 bis in die 1960-er-Jahre in Betrieb.<\/p>\n<p>Es ist also eine erstaunlich hohe Lebensdauer, bei der kaum Unterhaltskosten anfallen. Deshalb hat man sich auch bei der Druckleitung des Wasserkraftwerkes Taschinas 2 auf dieses nat\u00fcrliche Material geeinigt. Projektleiter Marcus Alig: &#8220;In der Leitung Taschinas 2 herrscht ein Druck von rund 5 bar, was in etwa dem Druck einer Trinkwasserleitung entspricht. Dies erlaubt, anders als bei Hochdruckanlagen von \u00fcber 10 bar, den Einsatz von Holz als Werkstoff auch ins Auge zu fassen.&#8221;<\/p>\n<p>Nicht nur der Einsatz von Holz ist generell einzigartig, sondern auch der Preis. &#8220;In unserem Fall war das Angebot mit der Holzdruckleitung klar das wirtschaftlichste&#8221;, so Marcus Alig. Der Einsatz von Holz d\u00fcrfte also k\u00fcnftig auch zu einer Preisanpassung im Leitungsbau bei den traditionellen Werkstoffen wie Glasfaser, Guss oder Stahl f\u00fchren. Klar ist, Holz ist ein \u00f6kologisches Produkt und in Bezug auf den CO2-Absto\u00df den anderen \u00fcblichen Werkstoffen deutlich \u00fcberlegen. Auch die hydraulischen Eigenschaften der Holzleitung sind sehr gut. Dank des Biofilms, der in der Holzleitung entsteht, sind die Reibungsbeiwerte ideal. Wichtig ist, dass die Leitung immer gef\u00fcllt, also immer feucht bleibt. Auch Reparaturen an der Holzleitung sind relativ einfach m\u00f6glich, indem man einzelne Bretter einfach auswechselt.<\/p>\n<p>Die Holzdruckleitung von Taschinas hat eine L\u00e4nge von 1550 m und einen Innendurchmesser von 1,60 m. Anders als bei Druckleitungen aus anderen Technologien wird das Holzrohr nicht als Rohr geliefert, sondern gelangt als Bausatz auf die Baustelle. Konkret werden gehobelte Holzbretter aus feinfasrigem Kiefernholz mit einer L\u00e4nge von rund 4,30 m, einer Breite von 150 mm und einer St\u00e4rke von 64 mm zusammen mit den notwendigen Stahlringen einzeln auf die Baustelle geliefert. Diese werden dann vor Ort direkt im Graben zusammengebaut.<\/p>\n<p>Voraussetzung f\u00fcr einen ordnungsgem\u00e4\u00dfen Zusammenbau ist eine sehr sorgf\u00e4ltige und exakte Arbeitsweise. Auch das Spannen der Stahlringe braucht Erfahrung. Die Holzbretter werden mit einer speziellen Lehre zusammengesetzt. Die Stahlringe nehmen den Innendruck und die St\u00e4rke der Holzbretter nimmt den Erddruck auf. Ende August letzten Jahres wurde mit dem Leitungsbau begonnen. Zun\u00e4chst arbeitete sich eine sechsk\u00f6pfige Leitungsbaugruppe mit einer Tagesleistung von rund 15 m voran. Mit der Holzleitung werden Kurven ohne Formst\u00fccke mit Radien bis zu 40 m gebaut. Zu Beginn des Winters kam eine zweite Leitungsbaugruppe zum Einsatz. So konnten dann pro Tag bis zu 35 m Leitung gebaut werden. Die Aushubarbeiten f\u00fcr den Graben, der Leitungsbau sowie das Verf\u00fcllen des Grabens laufen dabei Hand in Hand.<\/p>\n<p>Weil Holzdruckleitungen trotz der geschilderten Vorteile heute immer noch \u00e4u\u00dferst selten sind, stellt sich die Frage, ob die handwerklichen F\u00e4higkeiten \u00fcberhaupt noch vorhanden sind, um solche Leitungen bauen zu k\u00f6nnen. Auf diese Frage antwortete Roger Vetsch von der ausf\u00fchrenden Bauunternehmung Vetsch aus Klosters in der Schweiz mit einem klaren &#8220;Ja&#8221;. Geleitet wurden die Bauarbeiten von einem Spezialisten aus Schweden. Er hei\u00dft Zerny Karlson und ist Zimmermann, der inzwischen sehr viel Erfahrung im Holzleitungsbau sammeln konnte.<\/p>\n<p>Die Form der einzelnen Rohrteile wurde mittels einer Rohrstatik auf der Basis der Finite-Elemente-Methode erstellt. Auch die Brettst\u00e4rke und die Dimension der Stahlringe wurde so festgelegt. Auf diese Weise konnten sogar Kurven mit Radien von 40 m hergestellt werden. Das ist bei einem Rohrdurchmesser von 1,60 m Spitzenleistung. Nicht ohne Stolz fasst Zerny Karlson seine Erfahrungen beim Bau der Leitung in Gr\u00fcsch so zusammen: &#8220;Alles habe ich beim Bau dieser Leitung erlebt: viele enge Kurven, zahlreiche Gef\u00e4llswechsel, Stra\u00dfenquerungen, Gleisquerungen, tiefe Gr\u00e4ben und beengte Platzverh\u00e4ltnisse. Und alles hat funktioniert trotz der eisigen Temperaturen von minus 20 \u00b0C und reichlich Schneefall. Ich bin einfach nur gl\u00fccklich!&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Wasserkraft: Voraussichtlich im Fr&uuml;hjahr werden die Bauarbeiten f&uuml;r zwei neue Wasserkraftwerke bei Gr&uuml;sch\/Seewis im schweizer Kanton Graub&uuml;nden abgeschlossen sein. 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