{"id":125791,"date":"2023-04-26T07:14:00","date_gmt":"2023-04-26T05:14:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=125791"},"modified":"2023-04-24T09:26:42","modified_gmt":"2023-04-24T07:26:42","slug":"gasverteilnetze-eine-geordnete-stilllegung-schutzt-gaskundinnen-und-netzbetreiber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/gasverteilnetze-eine-geordnete-stilllegung-schutzt-gaskundinnen-und-netzbetreiber\/","title":{"rendered":"Gasverteilnetze: Eine geordnete Stilllegung sch\u00fctzt Gaskund:innen und Netzbetreiber"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p><strong>Eine Neugestaltung des Ordnungsrahmens, der aktuell auf eine dauerhafte Nutzung der Erdgasinfrastruktur zielt, kann Investitionsfallen f\u00fcr die Netzbetreiber und massive Kostensteigerungen f\u00fcr Gaskund:innen verhindern.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Ziel der Klimaneutralit\u00e4t 2045 besteht f\u00fcr \u00fcber 90 Prozent der bestehenden Gasverteilnetze absehbar keine Verwendung mehr. Ohne eine geordnete Stilllegung beziehungsweise eine bedarfsorientierte Umr\u00fcstung der Netze auf Wasserstoff drohen bis 2044 gestrandete Verm\u00f6genswerte von bis zu zehn Milliarden Euro und eine Versechzehnfachung der Netzentgelte f\u00fcr Gaskund:innen. Das zeigt eine neue Studie von Agora Energiewende. Um dies zu vermeiden, ben\u00f6tigt es eine rasche Ausrichtung der Regelungen f\u00fcr die Planung und Finanzierung der Gasverteilnetze auf die Klimaziele.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDer Aufbau einer Infrastruktur f\u00fcr die klimaneutrale W\u00e4rmeversorgung erfordert ein schnelles Umdenken. Der Abschied vom Erdgas und der Umstieg auf gr\u00fcne Fernw\u00e4rme und W\u00e4rmepumpen stellen neue Anforderungen an das Energienetz\u201c, sagt <strong>Simon M\u00fcller<\/strong>, Direktor Deutschland von Agora Energiewende. \u201eDie geordnete und rechtzeitige Stilllegung der Gasverteilnetze ist eine zentrale Aufgabe in der W\u00e4rmewende. Dadurch k\u00f6nnen die Ausstiegskosten gesenkt und Planungssicherheit geschaffen werden, was Netzbetreibern und Netzkund:innen gleicherma\u00dfen zu Gute kommt.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Bei unver\u00e4ndertem Ordnungsrahmen drohen hohe Netzentgelte und&nbsp;<em>Stranded Assets<\/em><\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Denn die Kosten f\u00fcr den Betrieb, die Wartung und den Ausbau der Infrastruktur werden \u00fcber die Netzentgelte auf die Gaskund:innen umgelegt. Mit fortschreitender Umstellung auf eine klimafreundliche W\u00e4rmeversorgung sinkt die Zahl der Gasanschl\u00fcsse absehbar, was f\u00fcr die verbleibenden Erdgaskund:innen zu steigenden Netzentgelten f\u00fchrt. \u00dcberfl\u00fcssige Investitionen und fortlaufende Betriebskosten aufgrund eines aufgeschobenen Ausstiegs verst\u00e4rken diesen Kostenanstieg. Die Berechnungen der Agora-Studie, die das Beratungsunternehmen BET f\u00fcr den Thinktank durchgef\u00fchrt hat, zeigen, dass bei derzeitiger Planung und Regelung die Netzentgelte bis 2044 um das Neun- bis Sechzehnfache steigen. Je \u00e4lter das Netz ist, desto h\u00f6here Kostensteigerungen drohen, wenn Neuinvestitionen auf einen dauerhaften Erhalt ausgerichtet sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig ist die Abschreibungsdauer der bestehenden Netze an die Nutzungszeit gebunden, die mit dem Ziel der Klimaneutralit\u00e4t 2045 begrenzt ist. Ohne eine vorausschauende Netzplanung und schnellere Abschreibungen ergeben sich laut Agora ab 2045 gestrandete Verm\u00f6genswerte von bis zu 10 Milliarden Euro, auf denen die Netzbetreiber sitzen bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Agora Energiewende schl\u00e4gt daher eine Neuausrichtung des Ordnungsrahmens f\u00fcr Gasverteilnetze vor, die auf drei S\u00e4ulen basiert: Auf einer effizienten Infrastrukturplanung, einem tragf\u00e4higen Rahmen f\u00fcr Verteilnetzbetreiber sowie der sozialen Absicherung von Netzkund:innen. Eine effiziente Planung, die eine rechtzeitige und koordinierte Stilllegung von Netzabschnitten beinhaltet, kann die j\u00e4hrlichen Netzkosten und damit den Anstieg der Netzentgelte halbieren. Dies zeigen die f\u00fcr die Studie durchgef\u00fchrten Hochrechnungen auf Basis von repr\u00e4sentativen Beispielnetzen. Denn zum einen entfallen durch eine Umstellung auf klimafreundliche W\u00e4rme zusehends Betriebskosten f\u00fcr das Erdgasnetz. Und zum anderen kommen weniger Refinanzierungskosten auf.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u00dcbergreifende Planung zeigt Bedarfe auf und verhindert Investitionsfallen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Eine effiziente Infrastrukturplanung stellt laut dem Agora Vorschlag sicher, dass die Planungen f\u00fcr W\u00e4rme-, Strom- und Gas- beziehungsweise Wasserstoffnetze zusammengedacht werden und auch die Verf\u00fcgbarkeit von erneuerbarem Wasserstoff ber\u00fccksichtigen. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eAlle gro\u00dfen Energiesystemstudien zeigen, dass nur ein Bruchteil des heutigen Erdgasbedarfs durch erneuerbaren Wasserstoff ersetzt werden wird\u201c, sagt <strong>M\u00fcller<\/strong>. Im Schnitt gehen die Studien davon aus, dass 2045 der Wasserstoffbedarf weniger als 30 Prozent des aktuellen Erdgasbedarfs betragen wird und vor allem in Kraftwerken und Industrieanlagen anf\u00e4llt. \u201eDas hat direkte Auswirkung auf den Umfang der ben\u00f6tigten Infrastruktur. Eine kluger Ordnungsrahmen ist daher an den Klimazielen ausgerichtet, verhindert kostspielige Fehlinvestitionen und erm\u00f6glicht fr\u00fchzeitige Stilllegungen von Erdgasnetzen.\u201c Dazu geh\u00f6re auch, die bedarfsorientierte Umr\u00fcstung von Teilen des Netzes auf Wasserstoff zu erleichtern.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein tragf\u00e4higer Rahmen f\u00fcr Netzbetreiber<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Der Gesamtwert des Erdgasnetzes liegt heute bei maximal 60 Milliarden Euro, was etwa 20 Prozent des gesch\u00e4tzten Neuwerts entspricht. \u201eDer Gro\u00dfteil der Netz-Investitionen ist trotz der langen Abschreibungsdauer von rund 45 Jahren bereits refinanziert, so dass der Restwert im Verh\u00e4ltnis zum Neuwert \u00fcberschaubar ist\u201c, sagt M\u00fcller. Allerdings wurde 2021 noch die Rekordsumme von 1,1 Milliarden Euro f\u00fcr den Bau von neuen Erdgasnetzen ausgegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine verbindliche Planung k\u00f6nnte solche Fehlentwicklungen aufhalten und aufzeigen, welche Infrastrukturinvestitionen tats\u00e4chlich notwendig sind. Um wirtschaftliche Nachteile auszugleichen, schl\u00e4gt Agora vor, den Betreibern die vollst\u00e4ndige Abschreibung der Netzinvestitionen bis 2045 zu erm\u00f6glichen und Stilllegungen von k\u00fcnftig nicht mehr ben\u00f6tigten Netzteilen anzureizen. Auch sollten kostenintensive Verpflichtungen zum Netzr\u00fcckbau anhand klarer Kriterien auf ein Minimum begrenzt werden und stattdessen einfache Stilllegungen der Netze zur Regel werden. Im Gegenzug sollten die aus der Stilllegung resultierenden Kosteneinsparungen der Netzbetreiber schneller an die Kund:innen weitergegeben werden. Zudem sollte eine Verpflichtung bestehen, den Netzbetrieb so lange wir n\u00f6tig aufrechtzuerhalten \u2013 was die aktuelle Vergaberegelung f\u00fcr Konzessionen nicht sicherstellt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Netzkosten fair umlegen und fr\u00fchzeitigen Wechsel erm\u00f6glichen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Bei einem geordneten Ausstieg aus den Erdgasverteilnetzen lassen sich die Netzkosten 2040 \u2013 durch sinkende Wartungs- und Betriebskosten \u2013 gegen\u00fcber einem unver\u00e4nderten Ordnungsrahmen zwar halbieren. Dennoch steigen die Netzentgelte f\u00fcr die verbleibenden Kund:innen aufgrund der sinkenden Zahl an Gasanschl\u00fcssen. \u201eIm derzeitigen Ordnungsrahmen w\u00fcrde im Extremfall der letzte Kunde, der noch ans Netz angeschlossen ist, die gesamten Netzkosten tragen\u201c, sagt M\u00fcller. Der Agora Vorschlag sieht deshalb eine soziale Absicherung vor. &#8220;In Erg\u00e4nzung zu einem effizienten Ordnungsrahmen, kann ein staatliches Zuschusssystem den \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Anstieg der Netzentgelte gezielt abfedern&#8221;, sagt der Agora Experte. Grunds\u00e4tzlich sollte sichergestellt werden, dass der Umstieg auf zukunftsfeste W\u00e4rmel\u00f6sungen bezahlbar und zugleich z\u00fcgig umsetzbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Studie \u201eEin neuer Ordnungsrahmen f\u00fcr Erdgasverteilnetze\u201c hat Agora Energiewende in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen BET und der Rechtsanwaltskanzlei Rosin B\u00fcdenbender erstellt. Die 113-seitige Publikation beschreibt die Problemfelder des aktuellen Ordnungsrahmens f\u00fcr Erdgasverteilnetze und enth\u00e4lt einen dreis\u00e4uligen Vorschlag, wie eine kosteneffiziente Ausrichtung auf die Klimaziele gelingen kann. Die Berechnungen zur Entwicklung der Netzkosten, die das Beratungsunternehmen BET f\u00fcr Agora Energiewende durchgef\u00fchrt hat, basieren auf Hochrechnungen anhand von repr\u00e4sentativen Beispielnetzen: Der Studie liegen vier typische Netze zugrunde, welche die Infrastruktur von st\u00e4dtischen und l\u00e4ndlichen Gebieten mit oder ohne Gro\u00dfabnehmer aus der Industrie abbilden. Zudem ist in den Kostenberechnungen das Verh\u00e4ltnis von j\u00fcngerer \u2013 \u00fcberwiegend in den neuen Bundesl\u00e4ndern \u2013 zu \u00e4lterer Infrastruktur ber\u00fccksichtigt. Die Studie steht unten zum kostenlosen Download zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Neugestaltung des Ordnungsrahmens, der aktuell auf eine dauerhafte Nutzung der Erdgasinfrastruktur zielt, kann Investitionsfallen f\u00fcr die Netzbetreiber und massive Kostensteigerungen f\u00fcr Gaskund:innen verhindern. Mit dem Ziel der Klimaneutralit\u00e4t 2045 besteht f\u00fcr \u00fcber 90 Prozent der bestehenden Gasverteilnetze absehbar keine Verwendung mehr. Ohne eine geordnete Stilllegung beziehungsweise eine bedarfsorientierte Umr\u00fcstung der Netze auf Wasserstoff drohen [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","nova_meta_subtitle":"Der Umstieg auf klimaneutrale Energien macht einen Gro\u00dfteil des Gasverteilnetzes \u00fcberfl\u00fcssig","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[19706,22067,16612],"supplier":[14169],"class_list":["post-125791","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","tag-erdgas","tag-gasverteilnetze","tag-klimaneutralitaet","supplier-agora-energiewende"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/125791","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=125791"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/125791\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=125791"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=125791"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=125791"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=125791"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}