{"id":12567,"date":"2011-04-04T00:00:00","date_gmt":"2011-04-03T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20110407-01n"},"modified":"2011-04-04T00:00:00","modified_gmt":"2011-04-03T22:00:00","slug":"maisbecher-von-danone-oekologisch-sinnvoll","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/maisbecher-von-danone-oekologisch-sinnvoll\/","title":{"rendered":"Maisbecher von Danone &#8211; \u00f6kologisch sinnvoll?"},"content":{"rendered":"<p><b>Danone bringt ein Joghurt im Maisbecher auf den Markt und will damit eine Pionierrolle \u00fcbernehmen. Doch ist eine Verpackung aus pflanzlichen Rohstoffen auch sinnvoll?<\/b><\/p>\n<p>Es gibt Leute, die trinken Milch noch, wenn sie schon sauer ist. Nahrungsmittel fortschmeissen kommt f\u00fcr sie nicht infrage. Und nun sollen sie genau das tun, wenn sie ein Activia-Joghurt von Danone (DAN 46.74 0.52%) essen. Ab Mitte April pr\u00e4sentiert der franz\u00f6sische Milchverarbeitungsriese diesen im Maisbecher. Nat\u00fcrlich kann man nicht in den leeren Beh\u00e4lter beissen wie in ein Softeis-Cornet. PLA heisst der Agrokunststoff aus Mais, ausgeschrieben Polylactid oder Polymilchs\u00e4ure. Wenn in einem chemischen Vorgang Maisst\u00e4rke in Zucker verwandelt wird und dieser dann zu Milchs\u00e4ure fermentiert, entsteht ein Polymer, wie PET eines ist. Nur, PET wird aus Erd\u00f6l hergestellt, und Danone will k\u00fcnftig auf nachwachsende Rohstoffe setzen.<\/p>\n<p>Bis Ende 2011 sollen 80 Prozent der Danone-Milchfrischprodukte in nachwachsenden Rohstoffen verpackt sein. Man wolle eine Pionierrolle einnehmen, schreibt die Firma. 1998 startete Danone in Deutschland schon einmal einen Versuch, eine nachhaltige Verpackung auf den Markt zu bringen. Die Kunden aber goutierten den Joghurt im &#8220;Kompostbecher&#8221; nicht. Also kehrte der Milchverarbeiter zur\u00fcck zum Erd\u00f6l. Nun aber soll die Zeit reif sein f\u00fcr ein weiteres \u00f6kologisches Wagnis. <\/p>\n<p>Die Eidgen\u00f6ssische Materialpr\u00fcfungs- und Forschungsanstalt (Empa) hat f\u00fcr den TA eine \u00d6kobilanz von Plastik- und Maisbecher gerechnet. Das Resultat ist ern\u00fcchternd: Ein konventioneller Joghurtbecher aus Polyethylen schneidet immer noch besser ab als ein Becher aus PLA. Auch innerhalb der Branche ist man skeptisch: Beim Schweizer Konkurrenten Emmi beh\u00e4lt man die Entwicklung von alternativen Verpackungen zwar im Auge. Selber lassen die Luzerner Verpackungsprofis die Finger vom Mais. Emmi schreibt, man folge einem Grundsatz: Aus Rohstoffen, die auch als Lebensmittel verwendet werden, sollen keine Verpackungen entstehen.<\/p>\n<p><b>Mais und die &#8220;Tortilla-Krise&#8221;<\/b><br \/>Lebensmittel zweckentfremden ist nichts Neues. Vor allem Mais, der zu 70 Prozent aus St\u00e4rke besteht, eignet sich besonders dazu. Es gibt Abdeckplachen f\u00fcr Gem\u00fcsefelder aus PLA, der sich \u2013 im Gegensatz zu Plastik aus Erd\u00f6l \u2013 nach einer gewissen Zeit wieder in seine Bestandteile zersetzt. Werkstofftechnologen tr\u00e4umen davon, k\u00fcnftig sogar Stossstangen f\u00fcr Autos aus Mais zu fertigen. Vorerst aber werden immer mehr Tanks mit Mais gef\u00fcllt, also mit Agroethanol oder Agrodiesel. In den USA, einem der gr\u00f6ssten Maisproduzenten weltweit, wird bereits ein Drittel der Ernte f\u00fcr Treibstoff verwendet. 2007 ist deswegen der Preis in kurzer Zeit dermassen in die H\u00f6he geschnellt, dass die Mexikaner auf der Strasse protestierten. Ihr Grundnahrungsmittel war pl\u00f6tzlich doppelt so teuer. Als \u00abTortilla-Krise\u00bb gingen die Demonstrationen in die Geschichte ein. Inzwischen ist der Maispreis wieder auf dem Niveau von 2007, und vereinzelte Stimmen warnen schon vor einem neuen Tortilla-Aufstand.<\/p>\n<p>Die Frage ist daher auch eine ethische: Darf man aus Mais Verpackungen herstellen, w\u00e4hrend Kinder in Mexiko hungern? &#8220;Man darf&#8221;, sagt Heinz Schmid, Gesch\u00e4ftsleiter vom Z\u00fcrcher Nonprofitverein Climatop. Er zeichnet Produkte mit einem Label aus, die zur Verminderung von Treibhausgasen beitragen, und hat f\u00fcr Danone eine \u00d6kobilanz zum Maisbecher von einem Heidelberger Forschungsinstitut gepr\u00fcft. Schmid kommt zum Schluss, dass dessen Herstellung gegen\u00fcber einem normalen Plastikbecher 43 Prozent weniger fossile Ressourcen verbraucht und 25 Prozent weniger Treibhausgase produziert. Das best\u00e4tigt zwar auch die Empa. Dass ihre \u00d6ko-Bilanz dennoch schlechter ausf\u00e4llt, geht darauf zur\u00fcck, dass auch die umweltbelastende Produktion von Mais miteingerechnet wird.<\/p>\n<p><b>5 Gramm f\u00fcr einen Becher<\/b><br \/>Verpackungen fressen den Menschen nicht den Mais weg. Mit 1 Prozent der Weltmaisernte k\u00f6nnte man alle Plastikverpackungen f\u00fcr Lebensmittel ersetzen, sch\u00e4tzt Schmid. Immerhin summieren sich diese hierzulande sch\u00e4tzungsweise auf rund 30 Kilogramm pro Person und Jahr. F\u00fcr einen Joghurtbecher braucht es ungef\u00e4hr 5 Gramm Mais. Mit 1 Kilo Mais k\u00f6nnen also etwa 200 Becher gefertigt werden. Kein Vergleich zu Agroethanol. &#8220;Wenn etwas den Menschen den Mais streitig machen k\u00f6nnte, dann Biosprit&#8221;, sagt Schmid. F\u00fcr einen einzigen Liter m\u00fcssen zuerst 2,5 Kilogramm Mais angepflanzt, geerntet und fermentiert werden. Ein Auto f\u00e4hrt damit gerade einmal 14 Kilometer weit.<\/p>\n<p>Noch muss auch ein Mais-Joghurtbecher im Kehricht entsorgt werden. Danone zeichnet aber schon eine bessere Welt am Horizont. Eine Welt, in der Joghurtbecher entweder professionell bei 60 Grad kompostiert oder wieder zu PLA-Granulat verarbeitet werden. Aus Joghurtbecher w\u00fcrden dann wieder neue Joghurtbecher entstehen. Ein Kreislauf, der nie endet. Auch dann nicht, wenn die letzte \u00d6lquelle versiegt sein wird. Ob die Konsumenten tats\u00e4chlich die ausgel\u00f6ffelten Joghurtbecher sammeln und zur\u00fcckbringen werden, ist eine andere Frage. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Danone bringt ein Joghurt im Maisbecher auf den Markt und will damit eine Pionierrolle &uuml;bernehmen. 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