{"id":12550,"date":"2011-04-24T00:00:00","date_gmt":"2011-04-23T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20110424-01n"},"modified":"2011-04-24T00:00:00","modified_gmt":"2011-04-23T22:00:00","slug":"wie-wichtig-ist-recyclierbarkeit-von-getraenkeverpackungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wie-wichtig-ist-recyclierbarkeit-von-getraenkeverpackungen\/","title":{"rendered":"Wie wichtig ist Recyclierbarkeit von Getr\u00e4nkeverpackungen?"},"content":{"rendered":"<p><b>Als einzige Getr\u00e4nkeverpackung wird das Tetrapak in der Schweiz noch nicht rezykliert. Jedes Jahr landen 18.000 Tonnen davon in Kehrichtverbrennungsanlagen. Das ist zwar immerhin eine energetische Nutzung, aber trotzdem eine Verschwendung von Materialressourcen. Um die \u00d6kobilanz ihres Produkts zu verbessern, wollten die Kartonhersteller die Verpackungen rezyklieren. Doch der Einzelhandel, vertreten durch die Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz (IG DHS), hat diesen Vorschlag letzte Woche erneut abgelehnt.<\/b><\/p>\n<p>Als Begr\u00fcndung nennt die IG DHS die j\u00e4hrlichen Kosten von 15 bis 20 Millionen Franken. \u00abAngesichts der gro\u00dfen Mengen kommt die R\u00fcckschublogistik an Kapazit\u00e4tsgrenzen, und es braucht zus\u00e4tzliche Transporte\u00bb, sagt Sibyl Anwander, Leiterin der Arbeitsgruppe Abfall und Recycling der IG DHS. \u00abWir haben sehr knappe Margen. Die Zeiten, wo man das bezahlen konnte, sind vorbei\u00bb, sagt Anwander.<\/p>\n<p><b>Schwere Schlappe<\/b><br \/>Das ist eine schwere Schlappe f\u00fcr den Karton und k\u00f6nnte dazu f\u00fchren, dass die Verpackung vermehrt sowohl von Getr\u00e4nkeabf\u00fcllern als auch von Konsumenten gemieden wird. \u00abDas Problem ist, dass die Getr\u00e4nkekartonhersteller stark von anderen Verpackungsherstellern konkurrenziert werden\u00bb, sagt Michel Monteil vom Bundesamt f\u00fcr Umwelt (Bafu). Weil Kartons nicht rezykliert werden und in der Verbrennungsanlage in Rauch aufgehen, schlagen sie sich negativ in den Umweltberichten der Detailh\u00e4ndler nieder. Darum sind ihnen die Getr\u00e4nkekartons ein Dorn im Auge. \u00abH\u00e4ufig trifft man den Karton nicht mehr an, weil der Abf\u00fcller oder der Detailh\u00e4ndler sich f\u00fcr ein anderes Gebinde entschieden hat\u00bb, sagt Monteil.<\/p>\n<p>Doch wie \u00f6kologisch ist der Karton im Vergleich mit anderen Verpackungen tats\u00e4chlich? Fakt ist, dass er bei vielen negativen Umweltauswirkungen besser dasteht als Plastik oder Glas. Mit 28 Gramm pro Liter Milch oder Fruchtsaft ist er die leichteste Verpackung. So f\u00e4llt beim Transport mit dem Lastwagen wenig CO<sub>2<\/sub> an. Auch die verwendeten Materialien sind vorteilhaft. Zwar besteht ein Getr\u00e4nkekarton aus 5 Prozent Alu und 20 Prozent Plastik, aber die restlichen drei Viertel sind aus Holz. Damit ist der gr\u00f6\u00dfte Anteil also eine CO<sub>2<\/sub>-neutrale Naturfaser.<\/p>\n<p>Doch trotz diesen Vorteilen ist der grosse Holzanteil zugleich auch ein Problem. \u00abGetr\u00e4nkekartons setzen die l\u00e4ngsten und besten Fasern ein, die es gibt\u00bb, sagt Monteil. Sie sind neuwertig und kommen frisch vom Baum. Denn nur sie besitzen gen\u00fcgend Stabilit\u00e4t, um dem Druck von einem Liter Fl\u00fcssigkeit standzuhalten.<\/p>\n<p><b>Kahlschlagverfahren<\/b><br \/>Wie viel Holz wir beim Milchtrinken \u00abmit hinunterschlucken\u00bb, zeigt sich im Waldverbrauch. Er liegt pro Karton bei drei bis zw\u00f6lf Quadratdezimetern. Hochgerechnet auf den Schweizer Jahresverbrauch von 18.000 Tonnen Getr\u00e4nkekartons macht das rund 40 Quadratkilometer Wald. Ein Teil dieses Holzes stammt aus skandinavischen Urw\u00e4ldern, welche von den Holzkonzernen im Kahlschlagverfahren geerntet werden, was zulasten der Artenvielfalt geht.<\/p>\n<p>Hier triumphieren die Plastikflaschen, wie sie f\u00fcr Milch verwendet werden. Sie bestehen aus Polyethylen, dessen Herstellung keinen Wald beansprucht. Das ist ein Vorteil f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t von Schweden, aber ein Nachteil f\u00fcr das Klima. Denn Polyethylen ist ein reines Erd\u00f6lprodukt. Eine Studie der Umweltberatungsfirma Environmental Resources Management Limited aus Grossbritannien rechnet vor, dass in der Produktion einer Polyethylenflasche dreimal so viel CO<sub>2<\/sub> steckt wie in einem Tetrapak.<\/p>\n<p>Aber zum Gl\u00fcck gibt es noch die gute alte Glasflasche. Sie besteht im Wesentlichen aus Quarzsand, und der ist CO<sub>2<\/sub>-neutral, verbraucht keinen Wald und kann Dutzende Male erneut bef\u00fcllt werden. Die perfekte L\u00f6sung? Nicht ganz. Denn bis aus Sand Glas wird, verbraucht der Hochofen Unmengen von Energie. Dazu kommt, dass Glasflaschen schwer sind, was sich beim Transport in einem h\u00f6heren Treibstoffverbrauch niederschl\u00e4gt.<\/p>\n<p>Ist der Getr\u00e4nkekarton also doch die beste Wahl? Im Vergleich mit Glas-Mehrwegflaschen kam das deutsche Umweltbundesamt zu einem Unentschieden. Allerdings rezykliert man jenseits des Rheins schon lange einen Teil der Kartons. \u00abWir konnten zwischen beiden Produkten keine umfassenden \u00f6kologischen Vorteile feststellen\u00bb, sagt Stefan Schmitz, der das Dossier jahrelang betreut hat. Er f\u00fcgt jedoch hinzu: \u00abMehrweg ist in der Vielzahl der F\u00e4lle Einweg \u00f6kologisch \u00fcberlegen.\u00bb<\/p>\n<p>Die Deutsche Umwelthilfe kam nach der Durchsicht der unz\u00e4hligen Studien zu diesem Thema zum selben Resultat. Deshalb stellt sie der Mehrweg-Glasflasche die beste Umweltvertr\u00e4glichkeit aus. Etwa gleich gut schneidet die PET-Mehrwegflasche ab, die zwar weniger oft bef\u00fcllt werden kann, daf\u00fcr aber leichter ist. Auf dem n\u00e4chsten Platz folgt der Getr\u00e4nkekarton, der zu einem grossen Teil aus einem nachwachsenden Rohstoff besteht, aber eben nur einmal bef\u00fcllt werden kann und anschliessend verbrannt oder teilweise im Ausland rezykliert wird.<\/p>\n<p>Den letzten Platz bekommen alle anderen Einwegsysteme, bei denen die Verpackung meist aus einem Erd\u00f6lprodukt besteht oder einem Material, dessen Herstellung viel Energie ben\u00f6tigt. Die Einweg-Glasflasche oder die Einweg-Aluminiumdose z\u00e4hlen dazu. Doch auch sie werden nach Gebrauch in ihre Grundsubstanzen zerlegt, um anschliessend in einem neuen Produkt wieder zum Einsatz zu kommen.<\/p>\n<p>Es besteht also kein Grund, den Karton zu meiden, auch wenn er vorerst nicht wiederverwertet wird. \u00abBei 18.000 Tonnen Getr\u00e4nkekartons pro Jahr ist das \u00f6kologisch verkraftbar, insbesondere da die Kehrichtverbrennungsanlagen mit einem hohen Wirkungsgrad aus dem Energieinhalt der Abf\u00e4lle Strom und nutzbare W\u00e4rme produzieren\u00bb, sagt Monteil.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Als einzige Getr&auml;nkeverpackung wird das Tetrapak in der Schweiz noch nicht rezykliert. Jedes Jahr landen 18.000 Tonnen davon in Kehrichtverbrennungsanlagen. 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