{"id":12545,"date":"2011-05-01T00:00:00","date_gmt":"2011-04-30T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20110501-01n"},"modified":"2011-05-01T00:00:00","modified_gmt":"2011-04-30T22:00:00","slug":"bio-kunststoffe-im-ueberblick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bio-kunststoffe-im-ueberblick\/","title":{"rendered":"Bio-Kunststoffe im \u00dcberblick"},"content":{"rendered":"<p><b>Die Welt ist abh\u00e4ngig vom Kunststoff &#8211; mit fatalen Folgen: Plastikm\u00fcll verschmutzt die Meere, der hohe \u00d6lpreis verteuert die Herstellung. Forscher fahnden deshalb nach Alternativen auf Pflanzenbasis. Die ersten Ergebnisse fallen ern\u00fcchternd aus.<\/b><\/p>\n<p>Plastikzeitalter. So werden in ferner Zukunft Historiker vielleicht unsere Gegenwart nennen. Denn Plastik ist in der Welt von heute allgegenw\u00e4rtig. Mehr als 230 Millionen Tonnen Kunststoff werden nach Angaben von Branchenverb\u00e4nden weltweit pro Jahr produziert &#8211; Tendenz steigend.<\/p>\n<p>Mit gravierenden Folgen: Plastikabfall f\u00fcllt die M\u00fclldeponien. In kleinste Teilchen zerrieben und zerfasert verschmutzt Plastik auch die Meere &#8211; ein \u00f6kologischer Alptraum. Daraus freigesetzte Giftstoffe sch\u00e4digen Meeresorganismen; Seev\u00f6gel verenden, weil sie kleinste Teilchen verschlucken.<br \/>Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wissen um das Problem. Doch so schnell wird man die Welt nicht vom Plastikrausch entw\u00f6hnen k\u00f6nnen. Immerhin: Recycling hilft wenigstens, die neu produzierten Mengen zu drosseln. Doch auf absehbare Zeit wird das die Probleme nicht l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Forscher fahnden deshalb nach alternativen Kunststoffen. Zwei Ziele sind ma\u00dfgeblich, gesucht wird<\/p>\n<ul>\n<li>Plastik, das nicht auf Roh\u00f6l basiert, sondern auf nachwachsenden Rohstoffen oder Abf\u00e4llen<\/li>\n<li>Plastik, das biologisch abbaubar ist<\/li>\n<\/ul>\n<p>Forscher gehen bei der Suche ungew\u00f6hnliche Wege und nutzen exotische Ressourcen, H\u00fchnerfedern zum Beispiel. Auf einer Chemikertagung in den USA \u00fcberraschten Wissenschaftlergruppen auch mit Bioplastik auf Basis von Tiermehl. Beides sind Nebenprodukte der Fleischproduktion. 1,35 Milliarden Kilogramm Federn und vier Milliarden Kilogramm Tiermehl fallen j\u00e4hrlich allein in den USA an und werden gr\u00f6\u00dftenteils direkt entsorgt.<\/p>\n<p>Tierabfall als Basis f\u00fcr Kunststoff &#8211; das l\u00f6st zumindest ein Problem: \u00d6l als wichtigster Inhalt der Plastikproduktion verliert an Bedeutung. Das w\u00e4re ein entscheidender Faktor, zumal der \u00d6lpreis stetig steigt und die Herstellung immer teurer wird. Ob Konsumenten Plastik aus Tiermehl als \u00f6kologischen Gewinn sehen, ist allerdings fraglich.<\/p>\n<p>Gr\u00f6\u00dfere Bedeutung haben Pflanzen als alternativer Rohstoff: Zuckerrohr, Mais und Holz beispielsweise. Einige Produkte sind in Europa bereit auf dem Markt, aber Biokunststoffe sind bislang Nischenprodukte. Der Marktanteil liegt laut dem Branchenverband &#8220;European Bioplastics&#8221; unter einem Prozent.<\/p>\n<p><b>Plastik-Mehrweg contra Bio-Einweg<\/b><br \/>Hinzu kommt: Nur weil Bioplastik auf nachwachsenden Rohstoffen basiert, ist es nicht automatisch umweltfreundlicher &#8211; auch der Biosprit E10 wird energie- und umweltpolitisch in Frage gestellt. Forscher der University of Pittsburgh haben sieben auf \u00d6l basierende Kunststoffe, vier Sorten Bioplastik und einen Hybridkunststoff miteinander verglichen. Die US-Wissenschaftler berechneten, welche Umweltbelastungen die Produktion der Kunststoffe mit sich brachte. Die Biokunststoffe schnitten dabei schlechter ab &#8211; wegen des Einsatzes von D\u00fcngemitteln und Pestiziden beim Anbau, der Gr\u00f6\u00dfe der ben\u00f6tigten landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen sowie der giftigen Substanzen, die bei der Produktion verwendet wurden, wie die Forscher im Fachmagazin &#8220;Environmental Science &#038; Technology&#8221; berichten.<\/p>\n<p>Auch ermittelten die Forscher, wie gut die Kunststoffe abschnitten, wenn sie die Ma\u00dfst\u00e4be des &#8220;Green Design&#8221; anlegten. Sie pr\u00fcften also, wie hoch der Anteil an nachwachsenden Rohstoffen in den Materialien war, ob lokal vorhandene Ressourcen genutzt wurden, welcher Anteil recycelt wurde und \u00e4hnliches. Hier lagen die Biokunststoffe immerhin deutlich vorn. Insgesamt war das Ergebnis also durchwachsen.<\/p>\n<p>Auch in Deutschland gibt es kritische Stimmen zu Biokunststoffen. In drei Stadien der Fu\u00dfballbundesliga &#8211; K\u00f6ln, Frankfurt und Hoffenheim &#8211; werden Getr\u00e4nke in Einwegbechern aus Polymilchs\u00e4ure (PLA) ausgeschenkt, die auf Maisst\u00e4rke basiert. In vielen anderen Stadien existieren dagegen Mehrwegsysteme. Die Bioplastikbecher werden als biologisch abbaubar, problemlos zu kompostieren und CO<sub>2<\/sub>-neutral angepriesen &#8211; also als rundum umweltfreundlich.<\/p>\n<p>Das sei eine Luftnummer, beklagt die Deutsche Umwelthilfe (DUH). PLA l\u00e4sst sich nur industriell bei sehr hohen Temperaturen kompostieren, erkl\u00e4rt Thomas Fischer von der DUH. Dabei entstehen Wasser und Kohlendioxid. &#8220;Es ist sinnvoller, das PLA zu verbrennen und die dabei entstehende W\u00e4rmeenergie zu nutzen&#8221;, sagt der Experte. Was auch passiert. In Fu\u00dfballstadien ausgegebene Bioplastikbecher werden nicht gesondert gesammelt, sondern mit dem Restm\u00fcll verbrannt.<\/p>\n<p>Viele Kommunen w\u00fcrden die Entsorgung von PLA in der Biotonne sogar verbieten, erkl\u00e4rt die DUH. Der Hinweis auf die Kompostierbarkeit gaukele dem Verbraucher etwas vor. Der Verband betont dagegen den Nutzen von Mehrwegverpackungen. So werde beispielsweise ein Mehrwegbecher im Bremer Weserstadion durchschnittlich 217 Mal f\u00fcr den Getr\u00e4nkeausschank verwendet.<\/p>\n<p><b>\u00d6kobilanz: Bisher ein Patt<\/b><br \/>Aus Polymilchs\u00e4ure besteht auch ein Joghurtbecher den Danone k\u00fcrzlich pr\u00e4sentiert hat &#8211; zusammen mit der Umweltschutzorganisation WWF. Ziel sei es, fossile Ressourcen zu schonen und den Aussto\u00df an Treibhausgasen zu reduzieren, erkl\u00e4rte der WWF. Die Organisation pr\u00e4sentiert in ihrer Pressemitteilung zwei positive Zahlen, die das Heidelberger Institut f\u00fcr Energie- und Umweltforschung ermittelt hat: F\u00fcr den neuen Becher w\u00fcrden 43 Prozent weniger fossile Rohstoffe ben\u00f6tigt. Seine Klimabilanz sei um 25 Prozent besser als die einer herk\u00f6mmlichen Verpackung aus Polystyrol auf Erd\u00f6lbasis.<\/p>\n<p>In anderen Kategorien schneidet PLA jedoch schlechter ab, weil durch den Maisanbau Gew\u00e4sser \u00fcberd\u00fcngt werden und B\u00f6den versauern. &#8220;Polystyrol ist ein Kunststoff mit einer vergleichsweise schlechten \u00d6kobilanz&#8221;, sagt DUH-Mann Thomas Fischer. Daher sei der Vergleich zwischen den zwei Kunststoffen wie der zwischen einem Lastwagen mit einem Panzer &#8211; wobei das Ziel ein Kleinwagen sein m\u00fcsste.<\/p>\n<p>&#8220;Bei der Gesamtschau \u00fcber alle Parameter besteht bei der \u00d6kobilanz derzeit ein Patt&#8221;, gibt Bernhard Bauske vom WWF zu. &#8220;Aber es besteht Potential, sie zu verbessern.&#8221; Langfristig sei der Umstieg auf Biokunststoffe aus Sicht des WWF die nachhaltigere L\u00f6sung. Allerdings m\u00fcsste man genau im Blick halten, welche Vorteile f\u00fcr die Umwelt gewonnen werden und wie man Nachteile verringern kann.<br \/>Konkret wird f\u00fcr die PLA-Produktion zurzeit nur Mais genutzt, mittelfristig sollen jedoch Pflanzenreste verarbeitet werden, sagt Bauske. Und: Wenn genug PLA auf dem Markt sei, k\u00f6nne es aussortiert und chemisch recycelt werden. Dabei wird der Kunststoff in seine Bestandteile aufgespalten, die dann wieder zu neuen Verpackungen verarbeitet werden k\u00f6nnen. Die Schwelle, ab der ein solches Recycling eingerichtet werden kann, ist durch den neuen Danone-Becher allerdings nicht erreicht. Daf\u00fcr m\u00fcsste etwa sechsmal so viel PLA im Umlauf sein wie jetzt, rechnet der WWF vor. Sobald ein solches Recyclingsystem steht, w\u00fcrde der Rohstoffbedarf sinken &#8211; man ben\u00f6tigt ja weniger neue Polymilchs\u00e4ure.<\/p>\n<p>Bis solche Systeme etabliert sind, ist Bioplastik allerdings l\u00e4ngst nicht so gr\u00fcn, wie es auf den ersten Blick erscheint.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Die Welt ist abh&auml;ngig vom Kunststoff &#8211; mit fatalen Folgen: Plastikm&uuml;ll verschmutzt die Meere, der hohe &Ouml;lpreis verteuert die Herstellung. Forscher fahnden deshalb nach Alternativen<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[2518,2464,435,450,2135,330],"class_list":["post-12545","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-danone-gmbh","supplier-deutsche-umwelthilfe-ev-duh","supplier-european-bioplastics-ev","supplier-ifeu-institut-fuer-energie-und-umweltforschung-heidelberg-gmbh","supplier-university-of-pittsburgh","supplier-world-wide-fund-for-nature-wwf"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12545","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12545"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12545\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12545"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12545"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12545"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=12545"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}