{"id":12511,"date":"2011-05-25T00:00:00","date_gmt":"2011-05-24T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20110525-04n"},"modified":"2011-05-25T00:00:00","modified_gmt":"2011-05-24T22:00:00","slug":"gruene-gentechnik-plaedoyer-der-paepstlichen-akademie-soll-oeffentlichen-dialog-bereichern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/gruene-gentechnik-plaedoyer-der-paepstlichen-akademie-soll-oeffentlichen-dialog-bereichern\/","title":{"rendered":"Gr\u00fcne Gentechnik: Pl\u00e4doyer der P\u00e4pstlichen Akademie soll \u00f6ffentlichen Dialog bereichern"},"content":{"rendered":"<p><b>Kaum eine biotechnologische Anwendung ist in Deutschland so umstritten wie die Gr\u00fcne Gentechnik. Zu den Skeptikern von gentechnisch ver\u00e4nderten (gv-) Nutzpflanzen z\u00e4hlen neben den Umweltverb\u00e4nden auch die christlichen Kirchen. Ein bemerkenswertes Signal drang indes im Mai 2009 aus den Mauern des Vatikans in Rom. Die P\u00e4pstliche Akademie der Wissenschaften hatte dort nach einer einw\u00f6chigen Konferenz ein Papier erarbeitet, demzufolge die Nutzung der Gr\u00fcnen Gentechnik ethisch geboten sei, um die Ern\u00e4hrungssicherheit einer rasant wachsenden Weltbev\u00f6lkerung zu gew\u00e4hrleisten. Die 40 Experten hatten das Papier einm\u00fctig unterzeichnet.<\/b><\/p>\n<p>Federf\u00fchrend verantwortlich zeichnet sich der Pflanzenbiotech-Pionier Ingo Potrykus. Die \u00f6ffentliche Resonanz auf die Stellungnahme aus Rom sei jedoch bislang eher d\u00fcrftig ausgefallen, beklagte Potrykus am 25. Mai  in Berlin. Hier wurde erstmals die deutsche Zusammenfassung der Ergebnisse vorgestellt, mit der nun auch der \u00f6ffentliche Diskurs bereichert werden soll.<\/p>\n<p>Die P\u00e4pstliche Akademie der Wissenschaften hat im Vatikan Tradition. Bereits seit 400 Jahren existiert die Institution mit 80 renommierten Mitgliedern, die Versammlungen organisiert, um den wissenschaftlichen Fortschritt zu f\u00f6rdern und zur L\u00f6sung wichtiger Probleme beizutragen. Seit 2011 ist Nobelpreistr\u00e4ger Werner Arber Pr\u00e4sident der Akademie. Zur Gr\u00fcnen Gentechnik gab es bereits zwei Stellungnahmen von eigens einberufenen Expertengremien. Nachdem im Jahr 2000 eine erstes solches Statement erarbeitet wurde, trafen sich im Mai 2009 erneut 40 Forscher in den R\u00e4umen der Casa Pio IV in Rom, um \u00fcber den aktuellen Stand beim Einsatz von gv-Pflanzen in der Landwirtschaft zu diskutieren und Bilanz zu ziehen.<\/p>\n<p>Federf\u00fchrend an der Studienwoche im Vatikan beteiligt war Ingo Potrykus, emeritierter Professor aus Z\u00fcrich. Der Pflanzenbiotechnologie-Pionier ist einer der V\u00e4ter des humanit\u00e4ren Projekts &#8220;Goldener Reis&#8221;. Es gilt bis heute als Musterbeispiel f\u00fcr den h\u00fcrdenreichen Weg einer gv-Pflanze aus dem Labor hin zu einem tragf\u00e4higen Produkt. Potrykus stellte nun in Berlin die deutsche Zusammenfassung der Stellungnahme der P\u00e4pstlichen Akademie vor. Herausgegeben und pr\u00e4sentiert wird das Werk in Deutschland vom &#8220;Forum Gr\u00fcne Vernunft&#8221;, einem Verein aus Privatpersonen, der sich zum Ziel gesetzt hat, die oft emotional oder bisweilen ideologisch aufgeladene Debatte um die Gr\u00fcne Gentechnik in Deutschland zu versachlichen.<\/p>\n<p><b>Moralische Verpflichtung<\/b><br \/>In dem Ergebnisband der Konferenz kommen die 40 internationalen Experten aus den verschiedensten Disziplinen einm\u00fctig zu dem Schluss: &#8220;Es ist eine moralische Verpflichtung, die Vorteile der Gr\u00fcnen Gentechnik armen und benachteiligten Bev\u00f6lkerungsschichten uneingeschr\u00e4nkt verf\u00fcgbar zu machen&#8221;. Ingo Potrykus betonte, die Ern\u00e4hrungssicherung sei eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte. Es sei unverantwortlich, auf eine der wichtigsten Technologien zur L\u00f6sung des Problems zu verzichten. &#8220;Alle wissenschaftlich gesicherten Fakten bezeugen, dass die Gr\u00fcne Gentechnik einen unvergleichbar hohen Sicherheitsnachweis hat und dass kein einziger, wissenschaftlich gesicherter Nachweis \u00fcber einen Schaden irgendeines \u00d6kosystems oder eines Konsumenten existiert&#8221;, sagte Potrykus in Berlin. &#8220;Die gr\u00fcne Gentechnologie ist an sich auch nicht teuer. Teuer sind die regulatorischen Verfahren f\u00fcr die Zulassung der Produkte&#8221;, monierte der Pflanzenforscher. Dies habe letztlich dazu gef\u00fchrt, das die f\u00fcnf gro\u00dfen Agrarkonzerne ein de-facto Monopol aufgebaut h\u00e4tten, wie es von Kritikern immer wieder angeprangert werde. Der Forscher forderte neue regulatorische Modelle und neue Formen der \u00f6ffentlichen F\u00f6rderung, damit Innovationen in der Pflanzenbiotechnologie auch tats\u00e4chlich den Markt erreichen.<\/p>\n<p><b>Kritische Stimmen<\/b><br \/>Potrykus nutzte seine Pr\u00e4sentation auch f\u00fcr eine Breitseite an Journalisten und Umweltorganisationen. Die \u00f6ffentliche Meinung und die Akzeptanz der Gr\u00fcnen Gentechnik werde durch die Medien gepr\u00e4gt, und diese wiederum w\u00fcrden lieber auf Informationsmaterial von finanz- und meinungsstarken Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) zur\u00fcckgreifen, statt auf die Einsch\u00e4tzung von Wissenschaftlern. Eine Ansicht, mit der sich Potrykus umgehend auch Kritik von einigen der anwesenden Journalisten einhandelte.<\/p>\n<p>Die Ver\u00f6ffentlichung der Stellungnahme der P\u00e4pstlichen Akademie der Wissenschaften in 16 Sprachen habe bisher nur verhaltende Resonanz ausgel\u00f6st und sei von den Gentechnik-Skeptikern weitgehend ignoriert worden, so Potrykus. Diese hatten sich seinerzeit vor allem dar\u00fcber beklagt, das akademische Gremium im Vatikan sei zu einseitig besetzt gewesen. Die deutsche Brosch\u00fcre mit den Ergebnissen des Treffens sollen nun eine weitere Grundlage schaffen, um eine \u00f6ffentliche Diskussion \u00fcber Nutzen und Risiken der Gr\u00fcnen Gentechnik weiter voranzubringen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Kaum eine biotechnologische Anwendung ist in Deutschland so umstritten wie die Gr&uuml;ne Gentechnik. 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