{"id":124912,"date":"2023-04-06T07:32:00","date_gmt":"2023-04-06T05:32:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=124912"},"modified":"2023-04-03T13:24:51","modified_gmt":"2023-04-03T11:24:51","slug":"auf-der-suche-nach-dem-heiligen-gral-100-emissionsfreie-biobasierte-klebstoffe-fur-tragende-holzwerkstoffe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/auf-der-suche-nach-dem-heiligen-gral-100-emissionsfreie-biobasierte-klebstoffe-fur-tragende-holzwerkstoffe\/","title":{"rendered":"Auf der Suche nach dem heiligen Gral: 100% emissionsfreie, biobasierte Klebstoffe f\u00fcr tragende Holzwerkstoffe"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/news.fnr.de\/fileadmin\/news\/fnr\/2023\/PM_2023-20_Dachtragwerk_Halle_Jena_klein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/03\/PM_2023-20_Dachtragwerk_Halle_Jena_klein.jpg\" alt=\"Aus Klimaschutzgr\u00fcnden zunehmend gefragt: Holz als CO2-speichernder Baustoff. Bei gro\u00dfen Spannweiten \u2013 hier das Dachtragwerk einer 2022 gebauten Produktions- und Lagerhalle in Jena aus Brettschichtholz \u2013 sind Klebstoffe zur F\u00fcgung der Holzwerkstoffe oft unverzichtbar. F\u00fcr einen rundum nachhaltigen Holzbau bedarf es biobasierter, emissionsfreier Klebstoffe.\" class=\"wp-image-124928\" width=\"394\" height=\"263\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/03\/PM_2023-20_Dachtragwerk_Halle_Jena_klein.jpg 600w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/03\/PM_2023-20_Dachtragwerk_Halle_Jena_klein-300x200.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/03\/PM_2023-20_Dachtragwerk_Halle_Jena_klein-150x100.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/03\/PM_2023-20_Dachtragwerk_Halle_Jena_klein-400x267.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 394px) 100vw, 394px\" \/><\/a><figcaption>Aus Klimaschutzgr\u00fcnden zunehmend gefragt: Holz als CO2-speichernder Baustoff. Bei gro\u00dfen Spannweiten \u2013 hier das Dachtragwerk einer 2022 gebauten Produktions- und Lagerhalle in Jena aus Brettschichtholz \u2013 sind Klebstoffe zur F\u00fcgung der Holzwerkstoffe oft unverzichtbar. F\u00fcr einen rundum nachhaltigen Holzbau bedarf es biobasierter, emissionsfreier Klebstoffe. <br>Foto: FNR\/petereichler.com<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong>\u201e100% emissionsfreie und biobasierte Klebstoffe f\u00fcr tragende Holzwerkstoffe gibt es bislang nicht. W\u00e4ren diese dann auch noch kosteng\u00fcnstig verf\u00fcgbar, h\u00e4tten wir so etwas wie den heiligen Gral der Holzwerk- und -klebstoffindustrie gefunden\u201c, sagt Professorin Marie-Pierre Laborie von der Universit\u00e4t Freiburg, Koordinatorin des Forschungsverbundes TANIPU.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong> Genau nach diesem heiligen Gral fahndet das TANIPU-Team. Die Forschenden setzen dabei auf Klebstoffe auf Basis von Tanninen \u2013 pflanzlichen Gerbstoffen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Vorhaben TANIPU wird vom Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft (BMEL) im Rahmen des F\u00f6rderaufrufs \u201eAnwendungsorientierte Forschung zu biobasierten Klebstoffen\u201c unterst\u00fctzt und geh\u00f6rt zu insgesamt 12 Vorhaben, in denen Forschende biobasierte Klebstoffe f\u00fcr Holzwerkstoffe, Verpackungen und weitere Anwendungen entwickeln.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Suche nach emissionsfreien, gesundheitlich v\u00f6llig unbedenklichen Klebstoffen f\u00fcr Holzwerkstoffe, angetrieben durch Gesetze wie die europ\u00e4ische Chemikalien-Verordnung REACH, h\u00e4lt an. Es gilt, Substanzen wie VOC<sup>[1]<\/sup>&nbsp;(z. B. Formaldehyd) oder die in der Verarbeitung und im Brandfall kritischen, toxischen Isocyanate zu ersetzen. Gleichzeitig bef\u00f6rdert das Streben nach CO<sub>2<\/sub>-neutralen Produkten die Entwicklung biobasierter Klebstoffe. Die Idee, hierf\u00fcr Tannine, also pflanzliche Gerbstoffe zu verwenden, ist nicht neu; schon seit den 1970er Jahren existieren tanninbasierte Klebstoffe. Sie sind bislang jedoch nicht frei von VOC-Emissionen. Daf\u00fcr weisen die Klebstoffe hochinteressante technische Eigenschaften auf: Sie sind sehr wasserbest\u00e4ndig, haften auf Holz und eignen sich zur Herstellung tragender Holzverbundwerkstoffe im Innen- und Au\u00dfenbereich. Zudem besitzen sie sowohl biozide als auch feuerbest\u00e4ndige Eigenschaften. Diese bereits an anderer Stelle postulierten Eigenschaften werden im Rahmen des Projektes gepr\u00fcft.<\/p>\n\n\n\n<p>Tannin als Rohstoff ist kommerziell erh\u00e4ltlich, es wird in S\u00fcdamerika und S\u00fcdafrika industriell aus Quebracho- und Mimosab\u00e4umen extrahiert. Die Kosten liegen etwa auf dem Niveau konventioneller Klebstoff-Chemikalien wie Phenole. Weiterer Pluspunkt: Tannine lassen sich auch aus Rinden extrahieren und sind dann ein Nebenprodukt der Zellstoff- und S\u00e4geindustrie, ohne Konkurrenz zur sonstigen Holznutzung oder gar zum Lebensmittelsektor.<\/p>\n\n\n\n<p>Das TANIPU-Team verfolgt den Ansatz, Polyurethane \u00fcber die Synthese von Tanninen mit biobasierten Carbonaten und Diaminen zu gewinnen. Diese Polyurethane w\u00e4ren frei von Formaldehyd-Emissionen und von Isocyanaten, sogenannte NIPU (Non-Isocyanate Polyurethane), und zudem zu 100 Prozent biobasiert. \u00c4hnliche Arbeiten wurden bereits in fr\u00fcheren Forschungsprojekten durchgef\u00fchrt. Die systematische Untersuchung der anhand von kommerziell verf\u00fcgbarem Tannin (Silvateam S.p.a.) gewonnenen NIPU-Polyurethane und Harze steht jedoch noch aus, inklusive der Herleitung der Struktur-Eigenschafts-Beziehungen auf chemischer Ebene. Dies will das TANIPU-Team nun nachholen mit dem Ziel, mit dem grundlegenden Verst\u00e4ndnis den Syntheseweg und die Produkte zu optimieren. Im bis 2025 laufenden Projekt wollen die Forschenden nach den Grundlagenarbeiten im Labor (Universit\u00e4t Freiburg) auch ein Scale-up in den Pilotma\u00dfstab (Fraunhofer ICT) und in den Demonstrationsma\u00dfstab (Synthopol Chemie) durchf\u00fchren und die hergestellten Harzrezepturen Tests unterziehen (Jowat SE und Lignotrend). In einer begleitenden Studie werden die Marktpotenziale der Klebstoffe analysiert und eine Cradle-to-Gate-\u00d6kobilanz des Herstellungsprozesses durchgef\u00fchrt (nova-Institut).<\/p>\n\n\n\n<p>Projektinformationen zu TANIPU finden sich in der Projektdatenbank der FNR (<a href=\"https:\/\/www.fnr.de\/projektfoerderung\/projektdatenbank-der-fnr\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.fnr.de\/projektfoerderung\/projektdatenbank-der-fnr<\/a>) unter dem F\u00f6rderkennzeichen&nbsp;<strong><a href=\"https:\/\/www.fnr.de\/projektfoerderung\/projektdatenbank-der-fnr?fkzserie=2220hv067\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">2220HV067<\/a><\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Kurz\u00fcbersicht aller Vorhaben im F\u00f6rderaufruf \u201eAnwendungsorientiere Forschung zu biobasierten Klebstoffen\u201c finden Sie&nbsp;<strong><a href=\"https:\/\/www.fnr.de\/fileadmin\/news\/fnr\/2023\/PM_2023-20_Anhang.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a><\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.fnr.de\/fnr-struktur-aufgaben-lage\/fachagentur-nachwachsende-rohstoffe-fnr\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>\u00dcber die FNR<\/strong><\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kontakt<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.<br>Dietmar Peters<br>Tel.:&nbsp;+49 3843 6930-325<br>E-Mail:&nbsp;<a>d.peters@fnr.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><sup>[1]<\/sup>Die Abk\u00fcrzung VOC (englisch: volatile organic compounds) bezeichnet fl\u00fcchtige organische Verbindungen, die teilweise bereits bei Raumtemperatur in die Gasphase \u00fcbergehen, aus L\u00f6sungsmitteln, Klebstoffen, Kunststoffen und weiteren Quellen emittieren und eingeatmet werden k\u00f6nnen. VOC k\u00f6nnen gesundheitssch\u00e4dlich sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e100% emissionsfreie und biobasierte Klebstoffe f\u00fcr tragende Holzwerkstoffe gibt es bislang nicht. W\u00e4ren diese dann auch noch kosteng\u00fcnstig verf\u00fcgbar, h\u00e4tten wir so etwas wie den heiligen Gral der Holzwerk- und -klebstoffindustrie gefunden\u201c, sagt Professorin Marie-Pierre Laborie von der Universit\u00e4t Freiburg, Koordinatorin des Forschungsverbundes TANIPU. Genau nach diesem heiligen Gral fahndet das TANIPU-Team. 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