{"id":12488,"date":"2010-12-17T00:00:00","date_gmt":"2010-12-16T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20101217-01n"},"modified":"2010-12-17T00:00:00","modified_gmt":"2010-12-16T22:00:00","slug":"wie-die-bundesforschungsministerin-biotechnologie-und-landwirtschaft-zur-biooekonomie-vereinen-will","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wie-die-bundesforschungsministerin-biotechnologie-und-landwirtschaft-zur-biooekonomie-vereinen-will\/","title":{"rendered":"Wie die Bundesforschungsministerin Biotechnologie und Landwirtschaft zur Bio\u00f6konomie vereinen will"},"content":{"rendered":"<p><b><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20101217-01\/Portraet.jpg\" align=\"right\" style=\"margin-left:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Portr\u00e4t\"\/>WirtschaftsWoche: Frau Schavan, im Rahmen Ihrer High-Tech-Strategie wollen Sie die Agrar- und Biotechnik-Forschung vereinen. Das Ergebnis hei\u00dft Bio\u00f6konomie. Der Hoffnungstr\u00e4ger Biotechnologie findet sich in den Pl\u00e4nen kaum noch wieder. Warum?<\/b><\/p>\n<p>Schavan: Die Biotechnologie ist eine tragende S\u00e4ule der Bio\u00f6konomie, sie wird nat\u00fcrlich weiterhin gef\u00f6rdert. Aber nicht um ihrer selbst willen. Wir m\u00fcssen uns in Zukunft an den gro\u00dfen Aufgaben orientieren: Die Energieversorgung muss auf nachwachsende Quellen umgestellt werden, weltweit wollen mehr Menschen denn je ern\u00e4hrt werden, und zugleich m\u00fcssen wir sparsamer mit Ressourcen umgehen. Das kann nur gelingen, wenn wir verschiedene Disziplinen verbinden.<\/p>\n<p><b>Fr\u00fcher wurden Technologien wie Nano oder IT gef\u00f6rdert. Ist das vorbei?<\/b> <\/p>\n<p>Gezielte Technologief\u00f6rderung ist die Basis f\u00fcr die L\u00f6sung der gro\u00dfen Sachfragen. Zugleich gewinnt aber der interdisziplin\u00e4re Forschungsdialog an Bedeutung, der auf Themen wie Weltern\u00e4hrung oder Klimaschutz ausgerichtet ist.<\/p>\n<p><b>Arbeiten Forscher bei solchen Themen nicht l\u00e4ngst fach\u00fcbergreifend zusammen?<\/b><\/p>\n<p>Ja, das tun sie. Aber gerade bei der Bio\u00f6konomie k\u00f6nnte es mehr Kooperation geben: Landwirte, Chemiker und Bioverfahrenstechniker arbeiten noch zu selten zusammen. Das wollen wir \u00e4ndern. Zum Beispiel am Chemiestandort Leuna. Dort entwickeln 20 Partner aus Instituten und Unternehmen eine Bioraffinerie, die mit Holz statt mit Erd\u00f6l arbeitet. Sie soll 2011 in Betrieb gehen. Hier wird nicht nur aus Holz-Zellulose Treibstoff gemacht, hier wird auch erforscht, wie sich alle anderen Holzbestandteile nutzen lassen, etwa als Rohstoff f\u00fcr Kunststoffe oder Kleber. Das ist die gr\u00fcne Chemiefabrik der Zukunft.<\/p>\n<p><b>Im internationalen Sprachgebrauch steht Bio\u00f6konomie f\u00fcr Biomedizin. In Ihrer Definition taucht Gesundheit nicht auf.<\/b><\/p>\n<p>Die Biomedizin ist gut aufgehoben im Rahmenprogramm Gesundheitsforschung, das gerade verabschiedet wurde. Da passt die Biomedizin am besten hin.<\/p>\n<p><b>Und wo ist die wei\u00dfe Biotechnologie abgeblieben, die Produktionsprozesse umweltschonender macht und so faszinierende Dinge wie Waschmittelenzyme entwickelt hat, die bei 30 Grad Celsius so sauber waschen wie bei 100 Grad? Darin ist Deutschland schlie\u00dflich f\u00fchrend.<\/b><\/p>\n<p>In Projekten wie Leuna steckt doch viel wei\u00dfe Biotechnik. Im \u00dcbrigen f\u00f6rdern wir diesen Bereich als Erstes. Im Januar startet die Ausschreibung, es stehen 100 Millionen Euro F\u00f6rdermittel bereit. Denn ohne die Hilfe der Enzyme, die Biotechnologen f\u00fcr die industrielle Nutzung von Agrarrohstoffen entwickelt haben, lie\u00dfe sich aus Holz kein chemischer Rohstoff machen.<\/p>\n<p><b>Sie haben die Bio\u00f6konomie-F\u00f6rderung mit der Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner gestemmt. Viele Biotechnologen klagen nun aber, dass die Agrarforschung zu prominent auftaucht. Hat Deutschland in Sachen Landwirtschaft \u00fcberhaupt noch etwas zu bieten?<\/b><\/p>\n<p>Inzwischen wieder. Wir haben vor drei Jahren mit dem Bauernverband und den Fakult\u00e4ten dar\u00fcber geredet, wie sich die Agrarforschung entwickelt hat. Mit der Erkenntnis, dass dringend Kr\u00e4fte geb\u00fcndelt werden m\u00fcssen. Dann sind erste Projekte ausgeschrieben worden. Und seit 2009 f\u00f6rdert das Forschungsministerium den Aufbau von international wettbewerbsf\u00e4higen, exzellenten Kompetenznetzen in der Agrarforschung mit rund 40 Millionen Euro.<\/p>\n<p><b>Und das Ergebnis?<\/b><\/p>\n<p>Eine Neuordnung braucht nat\u00fcrlich Zeit. International stecken wir bereits in interessanten Projekten, etwa zur Landnutzung im westlichen und s\u00fcdlichen Afrika. Hier geht es um Wassermanagement und \u00dcberschwemmungsschutz sowie die Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel.<\/p>\n<p>Ist das unsere St\u00e4rke?<\/p>\n<p>In Deutschland werden 82 Prozent der Fl\u00e4chen land- oder forstwirtschaftlich genutzt. Jeder zehnte Arbeitsplatz steht mit der Land- und Ern\u00e4hrungswirtschaft in Verbindung. Damit sind wir vorbereitet auf neue Themen, die uns besch\u00e4ftigen \u2013 vom Klimawandel bis zur Weltern\u00e4hrung.<\/p>\n<p><b>Welche Rolle spielt die gr\u00fcne Gentechnik?<\/b><\/p>\n<p>Deutschland hat sehr gute Forschergruppen und tolle Institute. Zugleich f\u00fchlen sich manche Forscher l\u00e4ngst als Verfolgte einer \u00d6ffentlichkeit, die nach wie vor mit der gr\u00fcnen Gentechnik nur Gefahr verbindet. Das macht es nicht leicht, ihnen zu sagen: Bitte bleibt hier.<\/p>\n<p><b>Sie haben als katholische Theologin eine positive Einstellung dazu?<\/b><\/p>\n<p>Eine durch und durch positive. Das ist eine Technologie, von der ich \u00fcberzeugt bin, dass sie einen Beitrag zum Problem Weltern\u00e4hrung leistet. Sie kann Pflanzen widerstandsf\u00e4hig machen gegen Wassermangel und Hitze. Die Probleme der Zukunft lassen sich ohne die gr\u00fcne Gentechnik nicht bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p><b>Ihre Amtskollegin Aigner sieht das anders. Wie werden Sie sich bei der gemeinsamen Bio\u00f6konomie-F\u00f6rderung einigen?<\/b><\/p>\n<p>Da geht es um Nuancen. Wir sind beide grunds\u00e4tzlich der Meinung, dass diese Forschung gef\u00f6rdert werden muss. Ich f\u00e4nde es verantwortungslos, diese Zukunftstechnologie an Deutschland vorbeiziehen zu lassen. Ich setze alles daran, um bei Forschungsthemen insgesamt f\u00fcr Akzeptanz in der Bev\u00f6lkerung zu werben.<\/p>\n<p><b>Wie soll das konkret aussehen?<\/b><\/p>\n<p>Ich werde k\u00fcnftig zu B\u00fcrgerdialogen einladen \u2013 auch zu Themen wie der High-Tech-Medizin. Dazu werde ich repr\u00e4sentative Gruppen zum Gespr\u00e4ch bitten und die Gespr\u00e4che ins Internet stellen. Wissenschaft zu erkl\u00e4ren reicht nicht. Wir m\u00fcssen viel \u00f6fter direkt mit den Leuten reden. Und unsere Forscher sind tolle Kommunikatoren, wenn man ihnen zuh\u00f6rt.<\/p>\n<p><b>Wird die Politik gerade generell sensibler f\u00fcr die Vermittlung zum B\u00fcrger?<\/b><\/p>\n<p>An vielen Stellen in Deutschland geht es zurzeit um Ver\u00e4nderungen, um gro\u00dfe Projekte, die auch unter \u00f6kologischen Gesichtspunkten wichtig sind. Das k\u00f6nnen wir gut vermitteln. Aber f\u00fcr Politik und Wissenschaft ist es deshalb umso wichtiger, mehr mit den B\u00fcrgern zu kommunizieren.<\/p>\n<p><b>Auch die Bio\u00f6konomie steht in der Kritik, denn Biomasse- und Lebensmittelhersteller machen sich die Anbaufl\u00e4chen streitig.<\/b><\/p>\n<p>Die Weltbev\u00f6lkerung wird von heute sechs auf neun Milliarden Menschen im Jahr 2050 anwachsen. Im gleichen Zeitraum wird es deutlich weniger Anbaufl\u00e4chen geben. Schon daraus ergibt sich, dass diese wertvollen B\u00f6den nicht immer mehr zur Energiegewinnung genutzt werden d\u00fcrfen. Es braucht einen ganzheitlichen Forschungsansatz, der sich bei der Herstellung von Biomasse auf nicht essbare Pflanzen und Stoffe konzentriert. Alles andere ist nicht \u00fcberzeugend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>WirtschaftsWoche: Frau Schavan, im Rahmen Ihrer High-Tech-Strategie wollen Sie die Agrar- und Biotechnik-Forschung vereinen. Das Ergebnis hei&szlig;t Bio&ouml;konomie. 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