{"id":124337,"date":"2023-03-23T07:20:00","date_gmt":"2023-03-23T06:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=124337"},"modified":"2023-03-20T12:58:33","modified_gmt":"2023-03-20T11:58:33","slug":"vollwertiges-recycling-enzyme-sollen-plastikmull-verdauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/vollwertiges-recycling-enzyme-sollen-plastikmull-verdauen\/","title":{"rendered":"&#8220;Vollwertiges Recycling&#8221;: Enzyme sollen Plastikm\u00fcll verdauen"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<p>Plastik ist aus dem Alltag nicht wegzudenken, doch der M\u00fcll nimmt zu. Manche Enzyme k\u00f6nnen Kunststoff zersetzen und Recycling vereinfachen. Doch wie findet man sie? Forscher sprechen von einer Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/03\/5ecea6d838a9d7d8bf6fe1cc3611612b-scaled.jpg\" alt=\"Yannick Branson vom Institut f\u00fcr Biochemie der Universit\u00e4t Greifswald: Im Kampf gegen Plastikabfall setzen Forscher vermehrt auf Enzyme, die manche Kunststoffe quasi verdauen k\u00f6nnen.\" class=\"wp-image-124350\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/03\/5ecea6d838a9d7d8bf6fe1cc3611612b-scaled.jpg 2560w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/03\/5ecea6d838a9d7d8bf6fe1cc3611612b-300x200.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/03\/5ecea6d838a9d7d8bf6fe1cc3611612b-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/03\/5ecea6d838a9d7d8bf6fe1cc3611612b-150x100.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/03\/5ecea6d838a9d7d8bf6fe1cc3611612b-768x512.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/03\/5ecea6d838a9d7d8bf6fe1cc3611612b-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/03\/5ecea6d838a9d7d8bf6fe1cc3611612b-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/03\/5ecea6d838a9d7d8bf6fe1cc3611612b-400x267.jpg 400w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/03\/5ecea6d838a9d7d8bf6fe1cc3611612b-1320x880.jpg 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption>Yannick Branson vom Institut f\u00fcr Biochemie der Universit\u00e4t Greifswald: Im Kampf gegen Plastikabfall setzen Forscher vermehrt auf Enzyme, die manche Kunststoffe quasi verdauen k\u00f6nnen. (Foto: dpa)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Was Yannick Branson in einem Labor der Universit\u00e4t Greifswald in den H\u00e4nden h\u00e4lt, sieht erst einmal unspektakul\u00e4r aus: Schaumstofffetzen aus einem alten Kissen und ein R\u00f6hrchen mit einer dunkelbraunen Fl\u00fcssigkeit. Dahinter steht eine wichtige Frage: Was machen wir mit dem weltweit zunehmenden Plastikabfall?\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Ansatz: \u00c4hnlich wie bei der Verdauung von Lebensmitteln k\u00f6nnten Enzyme Plastik in seine Bestandteile zersetzen, sodass sich daraus neue Kunststoffe recyceln lassen. &#8220;Das ist tats\u00e4chlich im Moment ein sehr verbreitetes oder hei\u00dfes Thema&#8221;, sagt der Doktorand am Institut f\u00fcr Biochemie der Uni Greifswald. Er ist Teil eines Teams, das drei Enzyme gefunden hat, die Polyurethan in seine Bestandteile zerlegen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Unappetitlich aussehende Fl\u00fcssigkeit<\/h3>\n\n\n\n<p>Polyurethan kommt etwa in Matratzen, D\u00e4mmstoffen, aber auch Turnschuhen vor &#8211; oder eben in Kissen, wie Bransons Schaumstofffetzen. Nach einer chemischen Vorbehandlung wandelt sich das Material in die etwas unappetitlich aussehende Fl\u00fcssigkeit. Davon kann laut Branson ein Teil direkt wiederverwendet werden, und ein anderer Teil wird durch die Enzyme in seine Grundbausteine zersetzt. &#8220;Insgesamt wurden also die Weichen gestellt f\u00fcr ein vollwertiges Recycling.&#8221; Die Kunststoffe best\u00fcnden aus Molek\u00fclketten &#8211; sogenannten Polymeren. Wenn man diese in ihre Einheiten zerlege, k\u00f6nne man daraus neue Kunststoffe herstellen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><a href=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/23980499-1678705512000\/16-9\/750\/52b5e1d7ccb751893129a3d59d91e975.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/23980499-1678705512000\/16-9\/750\/52b5e1d7ccb751893129a3d59d91e975.jpg\" alt=\"Im Gentechnischen Labor am Institut f\u00fcr Analytische Chemie der Universit\u00e4t Leipzig bereiten Christian Sonnendecker und Doktorandin Patricia Falkenstein einen enzymatischen Abbauversuch von PET-Kunststoff vor.\"\/><\/a><figcaption>Im Gentechnischen Labor am Institut f\u00fcr Analytische Chemie der Universit\u00e4t Leipzig bereiten Christian Sonnendecker und Doktorandin Patricia Falkenstein einen enzymatischen Abbauversuch von PET-Kunststoff vor.(Foto: dpa)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Man sei in Greifswald sehr flei\u00dfig bei der Enzym-Suche gewesen, lobt Christian Sonnendecker vom Institut f\u00fcr Analytische Chemie der Universit\u00e4t Leipzig. &#8220;Es konnten auch beeindruckende Ergebnisse erzielt werden.&#8221; Sonnendecker selbst besch\u00e4ftigt sich mit einem Stoff, der aus dem Alltag in Form von Plastikflaschen, Folien oder anderen leichten Verpackungen bekannt ist: PET (Polyethylenterephthalat). Mit seinem Team entdeckte er ein Enzym, das PET besonders schnell zersetzen kann. F\u00fcndig wurden sie auf einem Friedhof. Dort hatten die Wissenschaftler gezielt Proben von Laubkompost genommen und fanden in einer davon den Bauplan des Enzyms PHL7, das PET im Labor in Rekordgeschwindigkeit zersetzte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Enzyme in allen Lebewesen<\/h3>\n\n\n\n<p>Enzyme seien bei allen Lebewesen &#8211; egal ob Mensch, Tier, Pflanze, Pilz oder Bakterium &#8211; f\u00fcr den Stoffwechsel zust\u00e4ndig, erkl\u00e4rt Uwe Bornscheuer, der in Greifswald die Arbeitsgruppe Biotechnologie und Enzymkatalyse leitet. Sie zerkleinerten unser Fr\u00fchst\u00fcck, indem sie etwa St\u00e4rke, Fette und Proteine abbauten. &#8220;Und wir k\u00f6nnen die eben nutzen im Bereich Biotechnologie.&#8221; Das Prinzip k\u00f6nne man auf Kunststoffe \u00fcbertragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar gibt es bereits chemische Verfahren, um den Kunststoff Polyurethan zu zersetzen. Diese ben\u00f6tigen aber hohe Temperaturen und hohen Druck und deshalb viel Energie. Die nun entdeckten Enzyme schaffen den Abbau unter sogenannten milden Bedingungen &#8211; also unter Normaldruck und bei Temperaturen bis etwa 40 Grad. &#8220;Es sind zwei wichtige Vorteile&#8221;, erkl\u00e4rt Bornscheuer. &#8220;Ich spare Energie f\u00fcr das Verfahren und gleichzeitig habe ich guten Zugang zu den Bausteinen, sodass ich ein Recycling des Kunststoffs erzielen kann.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Stecknadel im Heuhaufen gefunden<\/h3>\n\n\n\n<p>Die von seinem Greifswalder Team gefundenen Enzyme vergleicht er mit der Stecknadel im Heuhaufen. Etwa zwei Millionen Kandidaten hatten die Forscher nach eigenen Angaben durchgetestet. Nach Einsch\u00e4tzung Bornscheuers wird es jedoch noch einige Jahre dauern, bis die Ergebnisse industriell genutzt werden k\u00f6nnen. Das Team arbeitet mit einem Unternehmen zusammen. Auch Polyvinylalkohole (PVA), die etwa als Folien f\u00fcr Verpackungen genutzt werden, hat es bereits mit Enzymen zersetzt, wie eine Gruppe um Bornscheuer j\u00fcngst im Fachblatt\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1002\/ange.202216220\" target=\"_blank\">&#8220;Angewandte Chemie&#8221;<\/a>\u00a0berichtete.<\/p>\n\n\n\n<p>In Leipzig will man nach eigener Aussage die eigenen Forschungsergebnisse bald im Rahmen eines Startups nutzen. Zwar werde etwa in Frankreich schon am PET-Recycling mittels Enzymen im industriellen Ma\u00dfstab gearbeitet. Man hoffe, dass das eigene Enzym wesentlich schneller arbeite, sagt Sonnendecker. Der Forscher wei\u00df allerdings um Grenzen des Verfahrens. Nicht f\u00fcr alle g\u00e4ngigen Kunststoffe werde es eine sinnvolle enzymatische Recyclingoption geben, glaubt er. Auch der Greifswalder Biochemiker Bornscheuer geht davon aus, dass Enzyme nicht als Allheilmittel gegen die Kunststoffflut dienen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er verweist etwa auf den Plastikm\u00fcll in den Ozeanen. &#8220;Das sind die S\u00fcnden der Vergangenheit.&#8221; Und derzeit w\u00fcrden weltweit sch\u00e4tzungsweise 360 Millionen Tonnen Plastik produziert. Tendenz steigend: &#8220;Es werden jedes Jahr ungef\u00e4hr 20 Millionen Tonnen mehr.&#8221;&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Plastik ist aus dem Alltag nicht wegzudenken, doch der M\u00fcll nimmt zu. Manche Enzyme k\u00f6nnen Kunststoff zersetzen und Recycling vereinfachen. Doch wie findet man sie? Forscher sprechen von einer Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. 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