{"id":12410,"date":"2011-03-02T00:00:00","date_gmt":"2011-03-01T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20110302-05n"},"modified":"2011-03-02T00:00:00","modified_gmt":"2011-03-01T22:00:00","slug":"unternehmen-suchen-strategien-fuer-die-zeit-nach-dem-oel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/unternehmen-suchen-strategien-fuer-die-zeit-nach-dem-oel\/","title":{"rendered":"Unternehmen suchen Strategien f\u00fcr die Zeit nach dem \u00d6l"},"content":{"rendered":"<p><b>Forscher in aller Welt besch\u00e4ftigen sich mit den Einsatzm\u00f6glichkeiten von nachwachsenden Rohstoffen. Diese sollen k\u00fcnftig das knapper werdende Erd\u00f6l ersetzen und die Industrie am Laufen halten. Welche Anwendungen schon heute m\u00f6glich sind, und welche Herausforderungen es noch zu meistern gilt, dar\u00fcber tauschten sich Experten aus aller Welt in Amsterdam aus. Dort fand Ende Februar die &#8220;<a href=\"http:\/\/www.terrapinn.com\/2012\/industrial-biotech-world-europe\/\" >Industrial Biotech World Europe 2011<\/a>&#8221; statt.<\/b><\/p>\n<p>In der Wirtschaft ist Erd\u00f6l kaum zu ersetzen: Allein an den 15 deutschen Raffinieriestandorten k\u00f6nnen jedes Jahr etwa 120 Millionen Tonnen Roh\u00f6l verarbeitet werden. Die aus dem schwarzen Gold hergestellten Produkte schmieren alle Bereiche der Industrie. Egal ob Benzin f\u00fcr das Auto, Textilfaser im Pullover, Grundstoff in der Kopfschmerztablette oder Plastikbecher f\u00fcr Joghurt, viele Alltagsprodukte w\u00e4ren ohne den Ausgangsstoff Erd\u00f6l nicht herzustellen. In der Zukunft k\u00f6nnte das zum Problem werden, denn die Erd\u00f6lvorr\u00e4te der Erde sind nicht unersch\u00f6pflich. <\/p>\n<p>Hinzu kommt insbesondere auch in Deutschland ein immer weiter erstarkendes Umweltbewusstsein und damit einhergehend die wiederholte politische Forderung nach einem nachhaltigen Wirtschaften. Um sich f\u00fcr die Zeit nach dem \u00d6l zu r\u00fcsten, sind Ideen gefragt. Deshalb verk\u00fcndete die Bundesregierung erst im November vergangenen Jahres die &#8220;Nationale Forschungsstrategie Bio\u00d6konomie 2030&#8221; (<a href=\"http:\/\/www.biotechnologie.de\/BIO\/Navigation\/DE\/aktuelles,did=118380.html\" >mehr\u2026<\/a>). Damit ist Deutschland weltweit Vorreiter. In den kommenden sechs Jahren sollen mit 2,4 Milliarden Euro entscheidende Weichen gestellt werden, um die Bundesrepublik zu einer nachhaltigen, bio-basierten Wirtschaft zu entwickeln.<\/p>\n<p>Wie der Wandel von einer Erd\u00f6l-getriebenen Industrie zu einem an nat\u00fcrlichen Stoffkreisl\u00e4ufen orientierten Wirtschaftssystem gestaltet werden kann, stand in Amsterdam im Fokus des Interesses. Auf dem Kongress &#8220;Industrial Biotech World Europe 2011&#8221; trafen sich Ende Februar Politiker, Wissenschaftler und Unternehmensvertreter aus aller Welt, um sich \u00fcber die Zukunft der industriellen Biotechnologie auszutauschen. Dabei wurde deutlich, dass das Thema derzeit bei der Politik hoch im Kurs steht. Die Europ\u00e4ische Union beispielsweise sieht sich auf dem Weg zur &#8220;wissensbasierten Bio\u00f6konomie&#8221;. <\/p>\n<p>&#8220;Wir brauchen einen koh\u00e4renten und ganzheitlichen politischen Rahmen um hier erfolgreich zu sein&#8221;, sagte Maive Rute, die bei der Europ\u00e4ischen Kommission f\u00fcr Biotechnologie, Landwirtschaft und Nahrungsmittel zust\u00e4ndig ist. Die Biotechnologie gilt dabei der EU-Kommission als Schl\u00fcssel zu einer wissensbasierten Bio\u00f6konomie. Mehr als 500 Millionen Euro flossen in diesem Bereich seit 2007 in 61 verschiedene Projekte mit mehr als 730 beteiligten Akteuren. Rute betonte, dass dabei auch die Beteiligung der \u00d6ffentlichkeit wichtigen Raum ein nehme. Erst k\u00fcrzlich habe die Kommission einen neuen, \u00f6ffentlichen Konsultationsprozess zu diesem Thema gestartet, bei dem sich jeder EU-B\u00fcrger zu Wort melden k\u00f6nnte (<a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/research\/consultations\/bioeconomy\/consultation_en.htm\" >mehr\u2026<\/a>).<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr die EU-Mitgliedsstaaten ist die Bio\u00f6konomie ein wichtiges Thema, erkl\u00e4rte Roel Bol, der im niederl\u00e4ndischen Ministerium f\u00fcr Wirtschaftliche Angelegenheiten, Landwirtschaft und Innovation die Biobasierte \u00d6konomie koordiniert. &#8220;F\u00fcr unsere Wirtschaft ist die erfolgreiche Gestaltung des Wandels zur Bio\u00f6konomie eine der wichtigsten Priorit\u00e4ten.&#8221; Ein besonderer Schwerpunkt liege f\u00fcr sein Land dabei auf den hochwertigen biobasierten Produkten f\u00fcr Pharma- und Kosmetikindustrie. Trotzdem sei auch die Entwicklung von neuen Verfahren f\u00fcr die Biokraftstoff-Herstellung eine der St\u00e4rken der niederl\u00e4ndischen Wissenschaft, betonte Bol in seinem Vortrag. <\/p>\n<p>Damit folgen die EU und ihre Mitglieder einem weltweit zu beobachtenden Trend: Statt weiterhin auf das endliche \u00d6l zu setzen, wird versucht, Ersatz mit nachwachsenden Rohstoffen zu schaffen. Auch China dr\u00e4ngt in den jungen Markt. F\u00fcr Xiucai Liu, dem Chef der chinesischen Cathay Industrial Biotech-Gruppe, gibt es gute Argumente, warum Unternehmen aus aller Welt in China investieren sollten: &#8220;China braucht erneuerbare Rohstoffe f\u00fcr seine Industrien&#8221; Seine Firma verkauft unter anderem Biobutanol, ein wichtiges L\u00f6sungsmittel und Ausgangstoff f\u00fcr viele Chemieprodukte. &#8220;China wird die industrielle Biotechnologie weiter f\u00f6rdern&#8221;, betonte er in Amsterdam. <\/p>\n<p><b>Nachhaltige Produkte noch h\u00e4ufig teurer<\/b><br \/>Auf der Konferenz waren sowohl etablierte Gro\u00dfkonzerne als auch kleine, aufstrebende Start-Ups vertreten. Vor allem die jungen Unternehmen nutzten ihre Pr\u00e4sentationen, um mit neuen Ideen und innovativen Produkten zu \u00fcberzeugen. Die niederl\u00e4ndische SkyNRG etwa, die Flugbenzin aus nachwachsenden Rohstoffen herstellen kann. Firmenchef Dirk Kronemeijer ist \u00fcberzeugt: &#8220;Wenn ein Industriezweig nachwachsende Rohstoffe verdient hat, dann ist es die Luftfahrt.&#8221; Denn w\u00e4hrend bei Autos Wasserstoff- oder Elektroantriebe verbaut werden k\u00f6nnen, sind Flugzeuge auf die hohe Energiedichte in fl\u00fcssigen Treibstoffen angewiesen. <\/p>\n<p>Die ersten f\u00fcnftausend Tonnen des &#8220;gr\u00fcnen&#8221; Flugbenzins will das Unternehmen noch im Jahr 2011 produzieren. Als Ausgangsstoff wird derzeit altes Frittierfett aufbereitet, sobald jedoch die Produktion ausgeweitet wird, soll auf andere, ebenfalls nachhaltige Rohstoffe umgestellt werden. Dass das Gemisch nicht nur genau so gut funktioniert wie gew\u00f6hnlicher Treibstoff , sondern sich auch problemlos mit ihm mischen l\u00e4sst, konnten die Holl\u00e4nder bereits in der Vergangenheit zeigen. So absolvierte ein Helikopter der niederl\u00e4ndischen Luftwaffe im Sommer 2010 einen Testflug mit dem neuen Treibstoff ohne Probleme.<\/p>\n<p>Einziges Manko: Bisher kostet das gr\u00fcne Kerosin zwei- bis vier Mal mehr als das konventionelle, erd\u00f6lbasierte Pendant. Dennoch gelingt es dem holl\u00e4ndischen Unternehmen, Partner f\u00fcr sein Produkt zu begeistern: Die Fluggesellschaft KLM ist bereit, den wesentlich teureren Sprit zu kaufen. Aber auch potentielle Endkunden lassen sich von der Idee \u00fcberzeugen. Kronemeijer berichtete in Amsterdam von einer Gro\u00dfbank, die f\u00fcr das Projekt gewonnen werden konnte. Das Kalk\u00fcl der k\u00fchlen Rechner: Statt wie bisher beim Ticketkauf einen Aufschlag zu zahlen, um den CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df zu neutralisieren, k\u00f6nnte das Geld auch darauf verwendet werden, diesen Aussto\u00df gleich zu verhindern. Weil der SkyNRG-Sprit aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird, gelangt immer nur so viel CO<sub>2<\/sub> in die Atmosph\u00e4re, wie die Pflanze w\u00e4hrend des Wachstums gebunden hat. <\/p>\n<p><b>Verbraucher wollen das Beste aus zwei Welten<\/b><br \/>Trotzdem zeigten sich andere Industrievertreter in der niederl\u00e4ndischen Metropole skeptisch, ob der Endverbraucher generell einen Preisaufschlag f\u00fcr den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen akzeptieren w\u00fcrde. &#8220;Nat\u00fcrlich m\u00f6chten Verbraucher gr\u00fcne Produkte, aber sie werden daf\u00fcr weder einen h\u00f6heren Preis noch eine schlechtere Performance im Vergleich zum konventionellen Produkt akzeptieren&#8221;, glaubt Matthijs Ruitenbeek, der bei einem niederl\u00e4ndischen Tochterunternehmen des US-Chemie-Riesen Dow Chemicals arbeitet. &#8220;Kurz gesagt: Sie wollen das Beste aus zwei Welten.&#8221; <\/p>\n<p>Gerade die etablierten Gro\u00dfkonzerne haben aber noch ein anderes Problem mit den Biorohstoffen. Sie haben in der Vergangenheit Milliarden in den Aufbau von riesigen, erd\u00f6lbasierten Produktionsanlagen gesteckt, brauchen nun also vor allem kompatible nachwachsende Rohstoffe. Entsprechend ging es in Amsterdam auch um die Frage, wie sich Bioraffinerien aufbauen und betreiben lassen. Wertvolle Erfahrungsberichte konnte Klaus Neumann liefern, der beim norwegischen Konzern Borregaard besch\u00e4ftigt ist. Urspr\u00fcnglich war Borregaard ein klassisches Unternehmen der Forstindustrie, inzwischen betreiben sie auch Bioraffinerien, die aus dem Holzschnitt wichtige neue Rohstoffe herstellen.<\/p>\n<p>Der Kongress zeigte: Egal ob Flugbenzin, Bioplastik oder Rohstoffe f\u00fcr die chemische Industrie, in Europa existieren viele verschiedene Ideen, um die Abh\u00e4ngigkeit vom Roh\u00f6l zu verringern. H\u00e4ufig jedoch verhindern \u00f6konomische Erw\u00e4gungen die rasche Umsetzung. Solange ein Umschwenken auf die nachhaltigen Rohstoffe zum unkalkulierbaren finanziellen Risiko wird, verharren viele Projekte in der Startphase. Bei den Kongressteilnehmern herrschte Uneinigkeit dar\u00fcber, ob der Staat den Wandel zur Bio\u00f6konomie nicht mit Steuererleichterungen oder Subventionen beschleunigen k\u00f6nnte. Christophe Luguel, internationaler Koordinator beim fr\u00e4nz\u00f6sischen Spitzencluster &#8220;P\u00f4le Industries &#038; Agro-Ressources&#8221;, argumentiert: &#8220;Die Besteuerung ist normalerweise ein negatives Moment, auch Subventionen setzen h\u00e4ufig falsche Anreize.&#8221; <\/p>\n<p>W\u00e4hrend einer Podiumsdiskussion in Amsterdam entwickelten die Experten einen Vorschlag, wie sich dieses Dilemma l\u00f6sen lie\u00dfe. Statt dauerhaft die Anbieter (durch Subventionen) oder Nachfrager (durch Steuerverg\u00fcnstigungen) zu entlasten, k\u00f6nnte der Umstellungsprozess selbst gef\u00f6rdert werden. Hier k\u00f6nnte Deutschland als Vorbild dienen. So berichtete Ullrich Kettling von der S\u00fcd-Chemie AG: &#8221; Der Bau unserer Demonstrationsanlage wird durch das Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung unterst\u00fctzt&#8221;. Die Anlage in M\u00fcnchen-Straubing soll ab Ende 2011 aus Stroh Bioethanol herstellen \u2013 der dann als Kraftstoff dem Benzin beigemengt werden k\u00f6nnte (<a href=\"http:\/\/www.biotechnologie.de\/BIO\/Navigation\/DE\/Foerderung\/foerderbeispiele,did=113790.html\" >mehr&#8230;<\/a>).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Forscher in aller Welt besch&auml;ftigen sich mit den Einsatzm&ouml;glichkeiten von nachwachsenden Rohstoffen. 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