{"id":123856,"date":"2023-03-13T07:08:00","date_gmt":"2023-03-13T06:08:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=123856"},"modified":"2023-03-09T11:22:43","modified_gmt":"2023-03-09T10:22:43","slug":"eine-absolut-nachhaltige-kunststoffwirtschaft-ist-moglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/eine-absolut-nachhaltige-kunststoffwirtschaft-ist-moglich\/","title":{"rendered":"Eine absolut nachhaltige Kunststoffwirtschaft ist m\u00f6glich"},"content":{"rendered":"\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/03\/image-3-1024x512.jpeg\" alt=\"Ein recycelter Schuh aus dem \u00f6kologischen Konzept der stiefellosen Kappen - ein abstrakter Querschnitt eines Schuhs mit Flaschenverschl\u00fcssen - 3D-Rendering\" class=\"wp-image-123858\" width=\"371\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/03\/image-3-1024x512.jpeg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/03\/image-3-300x150.jpeg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/03\/image-3-150x75.jpeg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/03\/image-3-768x384.jpeg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/03\/image-3-1536x768.jpeg 1536w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/03\/image-3-400x200.jpeg 400w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/03\/image-3-1320x660.jpeg 1320w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/03\/image-3.jpeg 1564w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Mit rezykliertem PET aus Getr\u00e4nkeflaschen lassen sich Schuhe und Kleidungsst\u00fccke herstellen. <strong>\u00a9<\/strong> Adobe Stock <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Eine neue Studie zeigt auf, was es braucht, damit die Kunststoffwirtschaft vollst\u00e4ndig nachhaltig wird: eine Kombination von viel Recycling, der Nutzung von CO<sub>2<\/sub>&nbsp;aus der Luft und von Biomasse.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Plastik ist \u00fcberall. Weil Kunststoffe zahlreiche Vorz\u00fcge haben, extrem vielseitig einsetzbar und dar\u00fcber hinaus kosteng\u00fcnstig sind, kann unsere Gesellschaft nicht auf sie verzichten. Hergestellt werden Kunststoffe heute vorwiegend aus Erd\u00f6l. Kommen die Produkte an ihr Lebensende, landen sie h\u00e4ufig in einer Kehrichtverbrennungsanlage. Durch die energieintensive Herstellung von Kunststoffen und ihre Verbrennung gelangen grosse Mengen CO<sub>2<\/sub>&nbsp;in die Atmosph\u00e4re, womit Plastikprodukte wesentlich zum Klimawandel beitragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Ausweg w\u00e4re, auf nachhaltige Produktionsweisen zu setzen, etwa auf die Kreislaufwirtschaft, bei der m\u00f6glichst viel Plastik wiederverwertet wird. Hauptausgangsstoff f\u00fcr Plastikprodukte w\u00e4re dann nicht mehr Erd\u00f6l, sondern zerkleinerter Plastikabfall. Doch ist es \u00fcberhaupt m\u00f6glich, die Plastikwirtschaft auf absolute Nachhaltigkeit zu trimmen? Ja, ist es. Dies zeigt eine neue Studie unter der Leitung von Andr\u00e9 Bardow, Professor f\u00fcr Energie-\u200b und Prozesssystemtechnik an der ETH Z\u00fcrich. An der Studie mitgearbeitet hat Gonzalo Guill\u00e9n Gos\u00e1lbez, Professor f\u00fcr Chemisches System-\u200bEngineering an der ETH Z\u00fcrich, sowie Forschende der RWTH Aachen und der University of California in Santa Barbara.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Recycling-\u200bQuote massiv erh\u00f6hen<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Wissenschaftler haben die vollst\u00e4ndigen Wertsch\u00f6pfungsketten der 14 h\u00e4ufigsten Kunststoffarten, darunter Polyethylen, Polypropylen und Polyvinylchlorid, angeschaut. Diese 14 Massenkunststoffe machen 90 Prozent der weltweit hergestellten Plastikprodukte aus. Dabei haben die Forscher erstmals untersucht, ob sich die Planetaren Grenzen einhalten lassen. Die Planetaren Grenzen sind ein Mass f\u00fcr die umfassende Nachhaltigkeit von Prozessen. Sie gehen \u00fcber die Energie-\u200b und Klimaproblematik hinaus und beinhalten beispielsweise auch Auswirkungen auf Land-\u200b und Wasserressourcen, die \u00d6kosysteme und die Biodiversit\u00e4t. Kurz gesagt: Prozesse, welche die Planetaren Grenzen einhalten, k\u00f6nnen langfristig aufrechterhalten werden, ohne dabei Raubbau am Planeten Erde zu betreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ergebnis der Studie: Kunststoffkreisl\u00e4ufe innerhalb der Planetaren Grenzen w\u00e4ren m\u00f6glich. Dazu m\u00fcsste mindestens 74 Prozent des Plastiks wiederverwertet werden. Zum Vergleich: Heute wird in Europa je nach Sch\u00e4tzung nur rund 15 Prozent rezykliert, in anderen Weltregionen d\u00fcrfte die Quote weit geringer sein. Ausserdem m\u00fcssten laut der Studie die Recyclingprozesse verbessert werden. Konkret m\u00fcsste das Kunststoffrecycling so effizient werden, wie andere chemische Prozesse es heute schon sind. So lassen sich auch heute nicht alle Kunststoffe wiederverwerten. Bei den als Schaumstoffen benutzten Polyurethanen beispielsweise muss das Recycling erst noch etabliert werden \u2013 eine Frage, mit der sich ETH-\u200bProfessor Bardow ebenfalls besch\u00e4ftigt.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die restlichen maximal 26 Prozent der Kunststoffe k\u00f6nnte der f\u00fcr die Herstellung ben\u00f6tigte Kohlenstoff laut der Studie aus zwei weiteren Technologien stammen: einerseits aus der CO<sub>2<\/sub>-\u200bAbsscheidung von Verbrennungsprozessen oder aus der Atmosph\u00e4re (CCU, f\u00fcr englisch: Carbon Capture and Utilisation) und andererseits aus Biomasse. \u00abAlleine mit Recycling geht es nicht, wir brauchen alle drei Pfeiler\u00bb, sagt Bardow.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abDie Recyclingquote weltweit auf 74 Prozent zu erh\u00f6hen, ist ein sehr ambitioniertes Ziel\u00bb, gibt ETH-\u200bProfessor Bardow zu bedenken. Es bis ins Jahr 2030 zu erreichen, d\u00fcrfte daher nicht realistisch sein, bis 2050 schon eher. Eine weitere Herausforderung ist allerdings, dass derzeit Jahr f\u00fcr Jahr mehr Kunststoffprodukte hergestellt werden. Setzt sich der aktuelle Trend bis 2050 fort, reicht es nicht, die Recyclingprozesse zu verbessern. Die Planetaren Grenzen w\u00fcrden 2050 dennoch \u00fcberschritten.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Die Studienautoren schlagen daher vor, auch bei der Nachfrage anzusetzen und dem Kunststoff einen anderen Wert beizumessen. \u00abPlastik gilt als billig, was lange ein Segen war und nun zum Fluch geworden ist\u00bb, sagt Bardow. \u00abAngesichts seiner hervorragenden Eigenschaften sollten wir Kunststoff als den hochwertigen Werkstoff betrachten, der er tats\u00e4chlich ist. Somit darf er auch etwas kosten, und sein Recycling auch.\u00bb<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Produktverantwortung breiter auffassen<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Wissenschaftler weisen in der Studie darauf hin, dass Kunststoffprodukte in Zukunft besser auf die Kreislaufwirtschaft ausgerichtet werden m\u00fcssen. Dazu sollten die Hersteller vermehrt mit Wiederverwertern zusammenarbeiten. So w\u00e4re es laut den Studienautoren w\u00fcnschenswert, wenn die Kunststoffhersteller ihre Verantwortung umfassender begreifen w\u00fcrden. Heute endet die Verantwortung oft dort, wo das Produkt die Fabriktore verl\u00e4sst. Die Wissenschaftler fordern daher, dass die Produktverantwortung den ganzen Lebenszyklus und somit auch Entsorgung und Wiederverwertung umfassen w\u00fcrde, um auf diese Weise optimale nachhaltige Prozesse zu gestalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Recycling zu forcieren sei auf jeden Fall der richtige Weg, denn dieses habe keine gravierenden Nachteile und stelle damit bei der Transformation der Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit einen Sonderfall dar. In vielen anderen Bereichen kommt es zu Zielkonflikten. Als Beispiele: Die Herstellung von synthetischen Treibstoffen ist extrem energieintensiv. Die Nutzung von Biomasse konkurrenziert mit der Nahrungsmittelproduktion. Die Wiederverwertung von Kunststoff hingegen f\u00fchrt zu keinem Zielkonflikt. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Bardow: \u00abMan soll Recycling intensivieren, wo es nur geht. Als Faustregel gilt: Mehr Recycling von Kunststoff f\u00fchrt immer zu mehr Nachhaltigkeit.\u00bb<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der Anteil der ETH Z\u00fcrich an dieser Studie wurde durchgef\u00fchrt im Rahmen des Nationalen Forschungsschwerpunkts&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.nccr-catalysis.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">externe SeiteNCCR Catalysiscall_made<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Literaturhinweis<\/h3>\n\n\n\n<p>Bachmann M, Zibunas C, Hartmann J, Tulus V, Suh S, Guill\u00e9n-\u200bGos\u00e1lbez G, Bardow A: Towards circular plastics within planetary boundaries. Nature Sustainability 2023, doi:&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1038\/s41893-022-01054-9\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">externe Seite10.1038\/s41893-\u200b022-01054-9call_made<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine neue Studie zeigt auf, was es braucht, damit die Kunststoffwirtschaft vollst\u00e4ndig nachhaltig wird: eine Kombination von viel Recycling, der Nutzung von CO2&nbsp;aus der Luft und von Biomasse.&nbsp; Plastik ist \u00fcberall. Weil Kunststoffe zahlreiche Vorz\u00fcge haben, extrem vielseitig einsetzbar und dar\u00fcber hinaus kosteng\u00fcnstig sind, kann unsere Gesellschaft nicht auf sie verzichten. 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