{"id":12340,"date":"2010-10-26T00:00:00","date_gmt":"2010-10-25T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20101026-01n"},"modified":"2013-12-24T08:13:26","modified_gmt":"2013-12-24T06:13:26","slug":"forschungszentrum-fuer-biooekonomie-in-nordrhein-westfalen-gegruendet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/forschungszentrum-fuer-biooekonomie-in-nordrhein-westfalen-gegruendet\/","title":{"rendered":"Forschungszentrum f\u00fcr Bio\u00f6konomie in Nordrhein-Westfalen gegr\u00fcndet"},"content":{"rendered":"<p><b>Wie lange die Erd\u00f6l-Vorr\u00e4te noch reichen, wird hei\u00df diskutiert. Unstrittig ist, dass es Klimawandel und Bev\u00f6lkerungsentwicklung k\u00fcnftig erforderlich machen, die globale Wirtschaft auf neue, n\u00e4mlich biologische F\u00fc\u00dfe zu stellen. Das Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) stellt dazu im November einen Fahrplan f\u00fcr eine deutsche Bio\u00f6konomie vor. Auch die Forschung reagiert. In einer bisher einmaligen Zusammenarbeit haben das Forschungszentrum J\u00fclich, die Universit\u00e4ten Bonn und D\u00fcsseldorf sowie die RWTH Aachen ein Zentrum f\u00fcr Bio\u00f6konomie gegr\u00fcndet. 50 Institute werden im &#8220;Bioeconomy Science Centre (BioSC)&#8221; interdisziplin\u00e4r zusammenarbeiten, um bei Forschungsprojekten k\u00fcnftig unter einem Dach aufzutreten. Die Kompetenzen der einzelnen Standorte sollen sich erg\u00e4nzen und technologische Ressourcen gemeinsam genutzt werden.<\/b><\/p>\n<p>Es ist eine Premiere: Mit dem BioSC entsteht in Nordrhein-Westfalen ein Forschungszentrum, in dem rund 50 Einzelinstitute k\u00fcnftig unter einem Namen an der Bio\u00f6konomie der Zukunft arbeiten. &#8220;Wir sind die ersten in Europa, die sich dezidiert auf die Bio\u00f6konomie ausrichten&#8221;, sagt Annette Stettien, Sprecherin des Forschungszentrums J\u00fclich, das als einer der vier Partner an dem BioSC beteiligt ist. Mit der erh\u00f6hten Konzentration an Kompetenz und technologischen Ressourcen k\u00f6nne man bei zuk\u00fcnftigen deutschen und europ\u00e4ischen Forschungsprojekten mit gr\u00f6\u00dferem Gewicht auftreten, so Stettien.<\/p>\n<p>Aus Sicht der beteiligten Institute lohnt sich bei einem so diversen und umfassenden Feld wie der Bio\u00f6konomie, die von der Bereitstellung der pflanzlichen Ressourcen \u00fcber deren enzymatischen Aufschluss bis hin zur biotechnologischen Feinkalibrierung der entstehenden Produkte schnell die bestehenden Disziplinen sprengt, ein breiter Ansatz besonders. &#8220;Wir werden zum Beispiel untersuchen, wie sich Wertsch\u00f6pfungsketten effizient miteinander verkn\u00fcpfen lassen, um nachhaltig Nahrungs- und Futtermittel, Roh- und Wertstoffe oder Bioenergie zu erzeugen,&#8221; sagt Ulrich Schurr, als Professor am Forschungszentrum J\u00fclich Experte f\u00fcr den Stoffwechsel in Pflanzen und einer der vier Gr\u00fcndungsdirektoren des BioSC. Jeder der vier Partner bringt seine besonderen St\u00e4rken in das neue Zentrum mit ein: Das Forschungszentrum J\u00fclich in der Pflanzenforschung und Biotechnologie, die genetische Sequenzierung in D\u00fcsseldorf, die Landwirtschaft in Bonn und die Verfahrenstechnik an der Rheinisch-Westf\u00e4lischen Technischen Hochschule in Aachen. Insgesamt sind 50 Institute beteiligt.<\/p>\n<p><b>50 Institute arbeiten zusammen<\/b><br \/>\nDas wichtigste Element des BioSC ist die Arbeit in und zwischen den beteiligten wissenschaftlichen Arbeitsgruppen der einzelnen Institute. Die jeweiligen Expertisen werden auf der Basis einer gemeinsamen Strategie disziplin\u00fcbergreifend zusammengef\u00fchrt. So sollen zum Beispiel nicht nur neue Methoden, Prozesse und Produkte f\u00fcr eine biobasierte Wirtschaft entwickelt werden, auch die Akzeptanz bio\u00f6konomischer Vorhaben in der Gesellschaft soll gesteigert werden. Erg\u00e4nzt wird das Konzept durch eine gemeinsame Graduiertenausbildung zur Bio\u00f6konomie, die Ingenieure mit Wirtschafts- und Naturwissenschaftlern zusammenf\u00fchren soll.<\/p>\n<p>Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler sollen dadurch zum Beispiel das n\u00f6tige Hintergrundwissen in der Biologie erhalten und Biologen Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Verfahren bei der Verarbeitung von Biomasse entwickeln k\u00f6nnen. Das Konzept baut auf den bestehenden Graduiertenschulen der Partner, die eine thematische Schnittmenge mit der Bio\u00f6konomie haben.<\/p>\n<p>Getragen wird das Zentrum von den beteiligten vier Partnerinstitutionen. Die Arbeitsgruppen verbleiben an ihren jeweiligen Standorten. Gemeinsame Projekte werden von einem Direktorengremium beschlossen, in denen jeweils ein Vertreter aus J\u00fclich, D\u00fcsseldorf, Aachen und Bonn vertreten ist. Das Direktorium, das sich zu regelm\u00e4\u00dfigen Sitzungen trifft, stimmt sich nicht nur bei der Ausrichtung des Zentrums, sondern auch bei anstehenden Berufungen ab. Die Mitarbeiter werden weiterhin von den Partnerinstitutionen bezahlt, allerdings werden die Ertr\u00e4ge aus zuk\u00fcnftigen F\u00f6rderprojekten dann innerhalb der BioSC- Arbeitsgruppen aufgeteilt. Schon bald sollen die ersten Projekte eingeworben werden. &#8220;Wir blicken mit Spannung auf die Vorstellung des Rahmenprogramms Bio\u00f6konomie der Bundesregierung&#8221;, sagt Sprecherin Stettien. Vor kurzem hatte der von der Bundesregierung eingesetzte Bio\u00f6konomierat <a href=\"http:\/\/www.biotechnologie.de\/BIO\/Navigation\/DE\/root,did=116728.html\">ein erstes Gutachten vorgelegt (mehr&#8230;)<\/a>.<\/p>\n<p><i>Die wissenschaftliche Arbeit ist im BioSC in vier Kernforschungsfelder unterteilt:<\/i><\/p>\n<ul>\n<li>Im Schwerpunkt &#8220;Nachhaltige Pflanzliche Bioproduktion und Ressourcenschutz&#8221; werden agrarwissenschaftliche, biologische und \u00f6kologische Teildisziplinen geb\u00fcndelt, um die nachhaltige Pflanzenproduktion zu steigern.<\/li>\n<li>Im Schwerpunkt &#8220;Mikrobielle und molekulare Stoffumwandlung&#8221; geht es zum Beispiel um den Einsatz von Mikroorganismen und Enzymen zur Herstellung von Grund- und Fein-Chemikalien. Langfristig im Blick ist auch die Entwicklung der Synthetischen Biologie, die das Design von neuen Stoffwechselwegen und damit den biologischen Zugang zu neuen Produkten f\u00fcr die Bio\u00f6konomie erm\u00f6glichen soll.<\/li>\n<li>Der Forschungsschwerpunkt &#8220;Verfahrenstechnik nachwachsender Rohstoffe&#8221; bildet den ingenieurwissenschaftlichen Kern des Bioeconomy Science Centers. Ziel, ist hier, die Apparate und Prozessmethoden f\u00fcr eine biobasierte stoffliche Wertsch\u00f6pfungskette der n\u00e4chsten Generation zu entwickeln. Die Bandbreite reicht vom Aufschluss der biologischen Ressourcen bis hin zu<br \/>\nden Eigenschaften von Endprodukten wie neuartigen Treibstoffen oder Biokunststoffen.<\/li>\n<li>Im Schwerpunkt &#8220;\u00d6konomie und gesellschaftliche Implikationen der Bio\u00f6konomie&#8221; geht es zum Beispiel um den Einfluss globaler und regionaler Entwicklungen auf die sozio\u00f6konomischen Rahmenbedingungen der Bio\u00f6konomie. Fragen der Nachhaltigkeit sollen hier genauso beantwortet werden wie die Meinung von Verbrauchern und deren Bed\u00fcrfnisse.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Innerhalb der Forschungsschwerpunkte sollen bisher getrennte Disziplinen zusammengef\u00fchrt werden. Die einzelnen Kompetenzen seien ja schon vorhanden, sagt Ulrich Schurr. Im neuen Zentrum allerdings werden sie erstmals geb\u00fcndelt. &#8220;Wenn ein Aachener Ingenieur etwa ein neues Verfahren zur Verarbeitung von pflanzlicher Biomasse plant, k\u00f6nnen die Bonner Partner diese Biomasse nachhaltig anbauen, D\u00fcsseldorf und J\u00fclich die Pflanzeneigenschaften optimieren und \u00d6konomen untersuchen, unter welchen Kriterien das Verfahren wirtschaftlich ist und welche gesellschaftlichen Aspekte ber\u00fccksichtigt werden sollten.&#8221;<\/p>\n<p><b>Internationale Zusammenarbeit strategisch ausbauen<\/b><br \/>\nDie einzelnen Forschungsschwerpunkte werden untereinander wiederum durch sogenannte Querschnittsfelder verkn\u00fcpft. Das ist zum einen die Erstellung mathematischer Modelle von biologischen Systemen (Systems Engineering), die Bioinformatik, die vor der<br \/>\nHerausforderung der Verarbeitung immer gr\u00f6\u00dferer Datenstr\u00f6me steht, sowie die Strukturbiologie, die Informationen \u00fcber den Aufbau und damit auch Werkzeuge zur Optimierung biologischer Molek\u00fcle liefern soll. Auch in technologischer Hinsicht soll es zu Synergien kommen. Von den Partnern gemeinsam genutzt werden k\u00f6nnen in Zukunft die bestehenden Einrichtungen zur genetischen Analyse, in der Quantifizierung und Selektion pflanzlicher Eigenschaften (Ph\u00e4notypisierung), der Bioanalytik, der Boden- und<br \/>\nGrundwassercharakterisierung, dem Feldversuchswesen, der Verfahrenstechnik nachwachsender Rohstoffe und im Supercomputing.<\/p>\n<p>Fest eingeplant ist die Zusammenarbeit mit Partnern aus der Wirtschaft. &#8220;Bereits jetzt zeigen zahlreiche mittelst\u00e4ndische und global agierende Unternehmen Interesse&#8221;, sagt Stettien. Hier spiele die enge Vernetzung eine besonders vorteilhafte Rolle. &#8220;Unternehmen, die bereits mit einem Partner kooperieren, suchen innerhalb des BioSC nach weiteren m\u00f6glichen Kontakten.&#8221; Und weil die Entwicklung einer Bio\u00f6konomie eine weltweite Herausforderung ist, die nur in internationaler Zusammenarbeit bew\u00e4ltigt werden kann, wird das BioSC Kooperationen mit akademischen und industriellen Partnern in Industrie- und Schwellenl\u00e4ndern strategisch ausbauen.<\/p>\n<p><b>Weitere Informationen<\/b><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20101026-01\/InnovationBiooekonomie-Gutachten-2010.pdf\">60-seitiges Gutachten des Bio\u00f6konomierates<\/a> (PDF-Download)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20101026-01\/Berichte04-Biotechnologie.pdf\">Das Positionspapier der AG Biotechnologie des B\u00d6R<\/a> (PDF-Download)<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.biooekonomierat.de\/\">Mehr Informationen zum Bio\u00f6konomierat<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Wie lange die Erdo&#776;l-Vorra&#776;te noch reichen, wird hei&szlig; diskutiert. 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