{"id":12308,"date":"2010-12-01T00:00:00","date_gmt":"2010-11-30T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20101201-02n"},"modified":"2010-12-01T00:00:00","modified_gmt":"2010-11-30T22:00:00","slug":"titk-entwickelt-haartrockner-aus-bio-kunststoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/titk-entwickelt-haartrockner-aus-bio-kunststoff\/","title":{"rendered":"TITK entwickelt Haartrockner aus Bio-Kunststoff"},"content":{"rendered":"<p><b><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20101201-02\/Bild.jpg\" align=\"right\" style=\"margin-left:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Bild\"\/>Katrin M\u00fcller steht vor einem Tisch in der Werkhalle im Th\u00fcringischen Institut f\u00fcr Textil- und Kunststoff-Forschung (TITK) in Rudolstadt. Was vor ihr ausgebreitet liegt, sieht auf den ersten Blick aus wie die Auslage eines Reformhauses: Sisalstr\u00e4nge, Kn\u00e4uel aus grobem Flachs und \u00d6lbaumfasern liegen im Vordergrund, dahinter ragen trockene St\u00e4ngel Faserhanf in die H\u00f6he.<\/b><\/p>\n<p>Fast etwas fehl am Platz wirken hingegen die hochgl\u00e4nzenden Plastikf\u00f6ns, die zwischen den Materialien drapiert sind. Nichts deutet darauf hin, dass diese Produkte in irgendeinem Zusammenhang stehen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>&#8220;Das ist auch so gewollt&#8221;, sagt M\u00fcller. Sie ist Diplomingenieurin und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin f\u00fcr das TITK an der Weiterentwicklung von Werkstoffen, die aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugt werden. &#8220;F\u00fcr die Verbraucher soll kein Unterschied sichtbar sein, wenn das Ger\u00e4t im Laden pr\u00e4sentiert wird&#8221;, betont sie. Das Geheimnis des F\u00f6ns stecke im Geh\u00e4use: &#8220;Was aussieht wie herk\u00f6mmliches Plastik, ist in Wahrheit ein Polymer auf Zellulosebasis&#8221;. Der fertige Werkstoff enthalte keinerlei Erd\u00f6l-Anteile. Dass der Grundwerkstoff auf Holz basiert, l\u00e4sst sich von au\u00dfen nicht einmal erahnen.<\/p>\n<p>2007 hatte das TITK den Forschungsauftrag von der Firma Efbe Elektroger\u00e4te aus Bad Blankenburg erhalten, verschiedene bereits vorhandene Werkstoffe zu pr\u00fcfen und eine M\u00f6glichkeit der Verarbeitung zu entwickeln. Nach zwei Jahren Forschung konnte das Unternehmen schlie\u00dflich mit der Produktion einer Haartrockner-Serie beginnen. Eigentlich sei das Verfahren ganz einfach, sagt M\u00fcller. Aus der Zellulose wird in einem ersten Arbeitsschritt Milchs\u00e4ure produziert, aus der dann das Polymer gewonnen wird. Das Prinzip sei zwar schon lange bekannt und \u00e4lter als die Massenproduktion von Plastik aus Erd\u00f6l. Aber erst jetzt, wo sich immer mehr Hersteller wegen der Kosten verst\u00e4rkt nach Alternativen zu fossilen Grundstoffen umsehen, werde das Verfahren wieder interessant.<\/p>\n<p>Der \u00f6kologische Nutzen sei jedoch nicht in allen F\u00e4llen gegeben: &#8220;Wenn zu viel Energie in die Erzeugung des Produkts gesteckt werden muss, ist die CO<sub>2<\/sub>-Emission nat\u00fcrlich sehr hoch. Deshalb ist das Verfahren auch in manchen Punkten umstritten&#8221;, sagt M\u00fcller. Immerhin werde aber kein Kohlendioxid frei, das \u00fcber Millionen Jahre in der Erde gebunden war, wie das bei Erd\u00f6l der Fall sei. Im Fall der Ger\u00e4te von Efbe sei der Weg vom Grundstoff bis zum fertigen Produkt zudem vergleichsweise \u00fcberschaubar.<\/p>\n<p>Offenbar ist aber das perfekte Aussehen der Ger\u00e4te ein Problem. &#8220;Seit der Markteinf\u00fchrung Anfang des Jahres ist die Nachfrage an den Ger\u00e4ten aus nachwachsenden Rohstoffen sehr verhalten&#8221;, sagt Efbe-Ingenieur Johannes Heyder. Einerseits k\u00f6nne dies daran liegen, dass diese Produkte etwas teurer seien als herk\u00f6mmliche Produkte. &#8220;Zum anderen vermuten wir aber, dass die Leute einfach misstrauisch sind, weil die F\u00f6ns eben ganz normal aussehen.&#8221;<\/p>\n<p>Viele K\u00e4ufer glaubten nicht, dass die Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen gefertigt seien, weil sie davon noch nichts geh\u00f6rt h\u00e4tten und man den St\u00fccken ihre Herkunft nicht ansieht. Aufgeben werde Efbe die Idee aber deshalb nicht, versichert Heyder. Ganz im Gegenteil &#8211; in Zukunft sollen noch weitere Produkte auf der Basis nachwachsender Rohstoffe auf den Markt kommen.<\/p>\n<p>Die Zusammenarbeit mit Elektroherstellern ist nur eines der Forschungsgebiete des TITK. &#8220;Ebenfalls ziemlich spannend ist das Gewebe, dass wir derzeit f\u00fcr die Landwirtschaft entwickeln&#8221;, sagt M\u00fcller. Das spezielle Vlies aus nat\u00fcrlichen Fasern soll die Plastikplanen ersetzen, mit denen Bauern die Erde abdecken, um die Pflanzen vor Schmutz und Unkraut zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>&#8220;Unser Ziel ist es, dass wir den Zeitpunkt der Zersetzung ganz genau steuern&#8221;, erl\u00e4utert sie. Dann k\u00f6nnte das Vlies nach der Ernte einfach untergepfl\u00fcgt werden und m\u00fcsste nicht eingeholt und extra entsorgt werden. &#8220;\u00dcbrig bleibt dann nur Wasser und die Menge CO<sub>2<\/sub>, die bei der Herstellung des Stoffs und dem Wachstum der Pflanze angefallen ist, aus der das Gewebe hergestellt wurde&#8221;, sagt M\u00fcller. Fossile Rohstoffe w\u00fcrden daf\u00fcr nicht gebraucht.<\/p>\n<p>Selbst das Trabi-Prinzip ist f\u00fcr die moderne Forschung wieder interessant: &#8220;Wir beschichten Naturfasern mit speziellen Harzen und Kunststoffen, im Prinzip eine \u00e4hnliche Produktionsweise wie beim Trabant&#8221;, sagt M\u00fcller. Anders als beim &#8220;Plastebomber&#8221; werde die Technik allerdings nicht mehr f\u00fcr die Karosserie, sondern f\u00fcr Herstellung von T\u00fcrverkleidungen genutzt. Der Vorteil des Verfahrens: Durch das geringere Gewicht l\u00e4sst sich Treibstoff sparen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Katrin M&uuml;ller steht vor einem Tisch in der Werkhalle im Th&uuml;ringischen Institut f&uuml;r Textil- und Kunststoff-Forschung (TITK) in Rudolstadt. 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