{"id":12276,"date":"2010-04-26T00:00:00","date_gmt":"2010-04-25T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20100426-01n"},"modified":"2014-07-25T15:02:53","modified_gmt":"2014-07-25T13:02:53","slug":"wachsende-nachfrage-nach-europaeischen-hanffasern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wachsende-nachfrage-nach-europaeischen-hanffasern\/","title":{"rendered":"Wachsende Nachfrage nach europ\u00e4ischen Hanffasern:"},"content":{"rendered":"<p><b>Historisch gesehen war Hanf \u00fcber 2.000 Jahre lang ein bedeutsamer Rohstoff f\u00fcr die Industrie. Hanffasern wurden f\u00fcr technische Textilien wie Seile, Taue, Feuerwehrschl\u00e4uche und Schiffssegel ebenso eingesetzt wie f\u00fcr Bekleidungstextilien und Papier. In den 1990er Jahren wurde Hanf als wichtiger Rohstoff f\u00fcr bio-basierte Produkte in einer nachhaltigen Bio\u00f6konomie weltweit wiederentdeckt und erfreut sich seitdem einer wachsenden Nachfrage. Wichtigste Anbau- und Produzentenregionen sind Europa und China, wichtigste Anwendungen sind Bio-Verbundwerkstoffe (naturfaserverst\u00e4rkte Kunststoffe) sowie Bau- und D\u00e4mmstoffe. Gerade der Bereich der Biowerkstoffe zeigt gro\u00dfe, noch nicht erschlossene Marktpotenziale, sowohl zur Verst\u00e4rkung Erd\u00f6l-basierter Kunststoffe, zunehmend aber auch zur Verst\u00e4rkung bio-basierter Kunststoffe.<\/b><\/p>\n<p><b>Erfolgsstory Automobilindustrie: Aktuelle Trends und neue Anwendungen<\/b><br \/>\nIm Jahr 2005 &#8211; neuere Daten liegen nicht vor &#8211; wurden in der deutschen Automobilindustrie 30.000 t (EU: 40.000 \u2013 50.000 t) Naturfaser-Verbundwerkstoffe eingesetzt (ohne Holz) und hierzu ca. 19.000 t (EU: 30.000 t) Naturfasern ben\u00f6tigt. Zum Einsatz kamen europ\u00e4ischer Flachs (ca. 65%) und Hanf (ca. 10%), die \u00fcbrigen 25% wurden durch Importe aus Asien (Jute, Kenaf, Kokosfasern, Abaca) gedeckt. Naturfaser-Formpressen, mit einem Anteil von 95% die dominante Verarbeitungstechnologie, ist ein etabliertes und bew\u00e4hrtes Verfahren zur Produktion gro\u00dffl\u00e4chiger, leichter und hochwertiger Innenraumbauteile in Mittel- und Oberklassewagen.<\/p>\n<p>Die Vorteile (Leichtbau, Crashverhalten, Formbest\u00e4ndigkeit, Kaschierbarkeit, je nach Gesamtkonzept auch Preis) und Nachteile (begrenzte Form- und Designgebung, Stanzabf\u00e4lle, Kostennachteile bei hoher Teile-Integration im Bauteil) sind wohlbekannt. Optimierungen des Prozesses sind im Gange, um bestimmte Problemfelder wie Stanzabf\u00e4lle zu reduzieren und Abf\u00e4lle zu recyceln. Mit modernem One-Shot-Formpressen k\u00f6nnen auch direkt weiche Oberfl\u00e4chen integriert werden, was im Spritzguss bislang nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Zwischen 2005 und 2009 stagnierte der Einsatz von Naturfasern in der europ\u00e4ischen Automobilindustrie, in Deutschland ging er sogar leicht zur\u00fcck, nachdem er zwischen 2000 und 2005 j\u00e4hrlich zweistellig gewachsen war. Seit 2009 ist aber wieder eine wachsende Nachfrage zu verzeichnen: Neue Modelle fast aller Automobilkonzerne, die dieses oder n\u00e4chstes Jahr auf den Markt kommen, haben wieder deutlich mehr Innenteile mit Naturfaserverst\u00e4rkung. Dies liegt zum einen an der hohen Reife der Materialien, die sich in der Praxis seit Jahren bew\u00e4hrt haben, zum anderen aber auch an dem wachsenden Interesse der Automobilindustrie an Biowerkstoffen und Leichtbau \u2013 bei beidem k\u00f6nnen Naturfaserbauteile punkten. Zudem konnten in den letzten Jahren gerade beim Formpressen weitere Kosten- und Gewichtsreduzierungen erzielt werden.<\/p>\n<p>Zudem zeichnen sich neue Trends ab: Die Automobilhersteller wollen Biowerkstoffe nicht nur verwenden, sondern sie auch ihren Kunden zeigen. W\u00e4hrend bislang Naturfaserbauteile unter einer Kaschierung verschwanden und damit f\u00fcr den Kunden unsichtbar wurden, werden bald schon Fahrzeuge auf den Markt kommen, welche die Naturfasern unter transparenten Folien oder Lacken zur Schau stellen, bzw. ganz neue Oberf\u00e4cheneffekte generieren. Ein weiterer Trend geht dahin, auch die Kunststoffmatrix bio-basiert zu produzieren, d.h. Innenraumteile aus PLA oder Bio-PP in Kombination mit Naturfasern herzustellen. W\u00e4hrend solche 100% bio-basierten Compounds in Japan schon bald in den Autos zu finden sein werden, d\u00fcrfte dies in Europa noch etwas dauern.<\/p>\n<p>Mit wieder steigender Nachfrage, neuen Konzepten und Unterst\u00fctzung seitens der Politik f\u00fcr bio-basierte Produkte k\u00f6nnte bis 2015 in Europa ein Absatz von 40.000 bis 50.000 t Naturfasern in der europ\u00e4ischen Automobilindustrie entstehen, mindestens 10 bis 20% hiervon k\u00f6nnten mit europ\u00e4ischem Hanf gedeckt werden.<\/p>\n<p><b>D\u00e4mmstoffe und viele weitere Anwendungen<\/b><br \/>\nDie zweite Erfolgslinie sind Hanfd\u00e4mmstoffe, von denen in der EU etwa 3.000 bis 4.000 t j\u00e4hrlich produziert und am Markt platziert werden. Wichtigste Produzenten bzw. Anwender sind Deutschland, Frankreich und Gro\u00dfbritannien. Die Eigenschaften der Hanfd\u00e4mmstoffe sind sehr gut und werden von den Kunden gesch\u00e4tzt. Gr\u00f6\u00dfere Absatzm\u00e4rkte werden nur durch den relativ hohen Preis gegen\u00fcber Mineralfaser-D\u00e4mmstoffen erschwert. Hier k\u00f6nnen nur geeignete wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen helfen.<\/p>\n<p>Neben der Automobil- und Bauindustrie gibt es zahlreiche kleinvolumigere Anwendungen wie Akten- oder Instrumentenkoffer, diverse Konsumartikel (z.B. Briefwaagen, Ladeger\u00e4te, Spielwaren) oder Schleifscheibentr\u00e4ger und Urnen. Letzere sind ein Beispiel f\u00fcr ein 100% bio-basiertes Produkt: Die Urnen werden aus Hanffaser-verst\u00e4rkter PLA produziert und sind vollst\u00e4ndig biologisch abbaubar.<\/p>\n<p>Bei den genannten Beispielen spielt &#8211; neben dem schon erw\u00e4hnten Formpressen &#8211; das Spritzgie\u00dfen eine wichtige Rolle. Die zunehmend bessere Verf\u00fcgbarkeit hochwertiger Naturfaser-Spritzguss-Granulate wird hier schnell weitere Anwendungen erschlie\u00dfen.<\/p>\n<p><b>Neue Aufschlussprozesse<\/b><br \/>\nSeit einigen Jahrzehnten wird in der EU und Nordamerika intensiv an neuen Aufschlussverfahren f\u00fcr Flachs- und Hanffasern geforscht, um Naturfasern neue, hochpreisige Anwendungsfelder erschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Zwei herausragende Technologien, die kurz vor ihrer kommerzieller Umsetzung stehen und bereits heute modifizierte Hanffasern in der Gr\u00f6\u00dfenordnung von einigen hundert Tonnen pro Jahr produzieren: Zum einen der Crailar- Prozess aus Kanada, der auf den Einsatz von Hanffasern in der Textilindustrie zielt, und zum anderen der Ultraschallaufschluss der Firma Ecco-Gruppe aus Deutschland, der auf hochwertige technische Fasern ausgerichtet ist.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" alt=\"10-04-14_Naturfaserpreisgrafik-de.jpg\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20100426-01\/10-04-14_Naturfaserpreisgrafik-de.jpg\" align=\"center\" border=\"0\" \/><\/center><br style=\"clear: left;\" \/><br \/>\n<b>Verf\u00fcgbarkeit und Preisentwicklung bei Naturfasern \u2013 Chance f\u00fcr europ\u00e4ischen Hanf?<\/b><br \/>\nW\u00e4hrend sich der technische Naturfasermarkt weltweit nach oben bewegt, stellt sich die Frage nach Preisen und Versorgungssicherheit. In wichtigen asiatischen Anbaul\u00e4ndern k\u00f6nnen die Anbaufl\u00e4chen f\u00fcr Jute und Kenaf nicht erweitert werden, da eine erhebliche Fl\u00e4chenkonkurrenz mit anderen Nutzungen besteht. Besser sieht es bei Sisal aus, hier ist eine Ausweitung der Anbaufl\u00e4chen in trockene Regionen Afrikas und S\u00fcdamerikas m\u00f6glich, in denen kaum andere Kulturen angebaut werden k\u00f6nnen. Aber auch die europ\u00e4ische Produktion steht unter Druck: Die Anbaufl\u00e4chen von Flachs sinken aufgrund starker Fl\u00e4chenkonkurrenz zur gef\u00f6rderten Bioenergie sowie der Abh\u00e4ngigkeit von Exporten nach China, das weniger textile Flachslangfasern abnimmt. Beim Hanf sind dagegen Ausweitungen der Anbaufl\u00e4chen m\u00f6glich, sofern \u00e4hnliche Renditen wie im Lebens- und Futtermittelbereich bzw. bei Energiepflanzen erzielt werden k\u00f6nnen. Auch in China wachsen die Anbaufl\u00e4chen f\u00fcr Hanf, der dort vor allem Baumwolle im Bekleidungstextilbereich ersetzen soll.<\/p>\n<p>Im Dezember 2009 verh\u00e4ngte Bangladesh erstmalig einen Exportstopp f\u00fcr Jutefasern, der erst im Februar 2010 f\u00fcr bestimmte Qualit\u00e4ten wieder teilweise aufgehoben wurde. Gr\u00fcnde f\u00fcr das Embargo waren drei Jahre mit schlechten Ernten und eine steigende Nachfrage aus insbesondere Indien (Verpackungen) und China (u.a. Verbundwerkstoffe), wodurch der Juteindustrie in Bangladesh der Rohstoff auszugehen drohte. Infolge des Embargos stiegen die Jutepreise um 50 bis 100%. Zur selben Zeit stiegen auch die Sisalpreise auf Grund einer schweren D\u00fcrre in Ostafrika.<\/p>\n<p>Jute und Kenaf werden zu 80% in asiatischen Verpackungen (S\u00e4cke) verwendet, Sisal vor allem als Taue und Ernteb\u00e4nder. Naturfaser-Verbundwerkstoffe stellen demgegen\u00fcber noch kleine M\u00e4rkte dar, die relativ leicht bedient werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der allgemeine Trend zur Dynamisierung der Agrarm\u00e4rkte hin zu volatilen Preisen aufgrund schneller Reaktionen der Landwirte auf Nachfrage- und Rendite\u00e4nderungen und lokalen Fl\u00e4chenengp\u00e4ssen, verst\u00e4rkt durch Spekulanten, erreicht nun auch die Welt der Naturfasern. Lange Zeit waren die Preise, verglichen mit anderen Agrarprodukten oder Erd\u00f6l, recht stabil. Es wird aber auch zuk\u00fcnftig erwartet, dass Naturfasern f\u00fcr Non-wovens und Spritzguss preislich unter (deutlich) 1 \u20ac\/kg bleiben werden, so dass sie f\u00fcr Verbundwerkstoffe interessant bleiben.<\/p>\n<p>Die Grafik zeigt die Preisentwicklungen f\u00fcr wichtige Naturfasern und im Vergleich die Preisentwicklung bei Erd\u00f6l und Polypropylen. Eine besonders hohe Preisstabilit\u00e4t zeigen europ\u00e4ische Flachs- und Hanfkurzfasern, die nach einer langen Phase der Preiskonstanz nur moderate Preissteigerungen erfuhren und nun aktuell wieder eine hohe Preiskonstanz aufweisen. Insgesamt stiegen die Preise f\u00fcr Flachs- und Hanfkurzfasern innerhalb von sieben Jahren um weniger als 10%.<\/p>\n<p>Alles in allem: Spannende Zeiten f\u00fcr den europ\u00e4ischen Hanf, der bei geeigneten Rahmenbedingungen ein erhebliches Wachstumspotenzial besitzt.<\/p>\n<p><b>Weitere Informationen<\/b><br \/>\nWenn Sie die f\u00fchrenden europ\u00e4ischen Hanffaserproduzenten treffen m\u00f6chten, besuchen Sie bitte unsere Ausstellungsfl\u00e4chen auf:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.eiha.org\/conf7\/\">7th International Conference of the European Industrial Hemp Association (EIHA)<\/a><br \/>\nWesseling bei K\u00f6ln, 26. bis 27. Mai 2010<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.e-mobil-kongress.de\/\">Zweiter Deutscher Elektro-Mobil Kongress<\/a><br \/>\nBonn, 17. bis 18. Juni 2010<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Pressemitteilung als PDF:\u00a0<a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/10-04-19_pressetext_hanf_eiha.pdf\">10-04-19_pressetext_hanf_eiha<\/a><\/p>\n<p><b>Kontakt<\/b><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.eiha.org\/\">European Industrial Hemp Association (EIHA)<\/a><br \/>\nc\/o <a href=\"http:\/\/www.nova-institut.de\/\">nova-Institut GmbH<\/a><br \/>\nChemiepark Knapsack<br \/>\nIndustriestra\u00dfe<br \/>\n50354 H\u00fcrth<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Historisch gesehen war Hanf u&#776;ber 2.000 Jahre lang ein bedeutsamer Rohstoff fu&#776;r die Industrie. 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