{"id":12256,"date":"2010-05-06T00:00:00","date_gmt":"2010-05-05T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20100506-02n"},"modified":"2014-07-25T14:59:59","modified_gmt":"2014-07-25T12:59:59","slug":"nova-studie-neubewertung-der-stofflichen-nutzung-nachwachsender-rohstoffe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-studie-neubewertung-der-stofflichen-nutzung-nachwachsender-rohstoffe\/","title":{"rendered":"nova-Studie: Neubewertung der stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe"},"content":{"rendered":"<p><b>Neue Studie des nova-Instituts zeigt mehr Ressourceneffizienz, Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Besch\u00e4ftigung durch eine st\u00e4rkere stoffliche Nutzung von Agrarrohstoffen und Holz. Neuausrichtung der F\u00f6rderpolitik gefordert.<\/b><\/p>\n<p>Erstmalig hat das nova-Institut aus H\u00fcrth (Rheinland) in einer Studie die gesamte stoffliche Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen \u2013 einheimische Agrarrohstoffe und Holz sowie Importe \u2013 in Deutschland systematisch erfasst und in ihren Besonderheiten analysiert, um darauf aufbauend geeignete F\u00f6rderinstrumente zur Erschlie\u00dfung des Potenzials der stofflichen Nutzung zu entwickeln.<\/p>\n<p>Nimmt man Kriterien wie Ressourceneffizienz, Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Besch\u00e4ftigung ernst, so m\u00fcssen die f\u00f6rderpolitischen Rahmenbedingungen zwischen energetischer und stofflicher Nutzung neu austariert und die Bevorzugung der energetischen Nutzung \u00fcberwunden werden.<\/p>\n<p><b>Ziel der Studie<\/b><br \/>\nThematik und Gesamtziel der Studie war die umfassende Untersuchung und Analyse der Besonderheiten der stofflichen Nutzung sowie die Entwicklung von Instrumenten zur F\u00f6rderung der stofflichen Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen. Zun\u00e4chst wurden hierzu Volumen und Struktur, Substitutionspotenziale sowie Konkurrenzsituationen der stofflichen Nutzung detailliert untersucht.<\/p>\n<p>Das Ergebnis ist eine erstmalige, umfassende Darstellung der gesamten Stoffstr\u00f6me der stofflichen Nutzung in Deutschland (Eigenproduktion und Importe) in Form von Flussdiagrammen. F\u00fcr andere EU-L\u00e4nder fehlen vergleichbare Daten, ebenso f\u00fcr die Europ\u00e4ische Union insgesamt. Die Datenlage ist erheblich schlechter als im Bioenergiebereich.<\/p>\n<p><b>Definition \u2013 Stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe<\/b><br \/>\nNachwachsende Rohstoffe sind die Gesamtheit pflanzlicher, tierischer und mikrobieller Biomasse, die \u2013 auch \u00fcber Nahrungsketten \u2013 auf der photosynthetischen Prim\u00e4rproduktion basiert und vom Menschen zweckgebunden au\u00dferhalb des Nahrungs- und Futtermittelbereiches stofflich oder energetisch verwendet wird. Bei der stofflichen Nutzung dient die Biomasse als Rohstoff f\u00fcr die (industrielle) Produktion von G\u00fctern jeglicher Art.<\/p>\n<p><b>Deutschland 2007: 90,6 Mio. t nachwachsende Rohstoffe<\/b><br \/>\nInsgesamt kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass in Deutschland im Jahr 2007 die Gesamtmenge der zur stofflichen Nutzung verwendeten nachwachsenden Rohstoffe in der verarbeitenden Industrie 3,6 Mio. t (Agrarrohstoffe ohne Stroh) plus 44,3 Mio. t Holz, also insgesamt etwa 47,9 Mio. t betr\u00e4gt. Hinzu kommen noch bis zu 6 Mio. t Getreidestroh, die vor allem im landwirtschaftlichen Bereich genutzt werden. Demgegen\u00fcber gehen 10,1 Mio. t Agrarrohstoffe und 32,6 Mio. t Holz, also insgesamt etwa 42,7 Mio. t in die energetische Nutzung.<\/p>\n<p>Insgesamt wurden im Jahr 2007 in Deutschland demnach 90,6 Mio. t nachwachsende Rohstoffe industriell genutzt (Agrarrohstoffe und Holz, ohne Stroh), davon 53% stofflich und 47% energetisch. Betrachtet man nur den Agrarbereich, so sind es 26% f\u00fcr die stoffliche und 74% f\u00fcr die energetische Nutzung. Der Anteil der energetischen Nutzung hat sich dabei in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gesteigert.<\/p>\n<p>Wichtigste industrielle Abnehmer von Agrarrohstoffen sind die chemische Industrie (diverse Chemikalien(bausteine), Bauchemie, Pharma, bio-basierte Kunststoffe) (47%), die Oleochemie (Tenside, Farben und Lacke, Schmierstoffe, Polymere etc.) (28%), die Papier- und Zellstoffindustrie (Papierst\u00e4rke) (18%), die Textilindustrie (Textilien, Non-wovens\/Verbund- und D\u00e4mmstoffe) (4%) und die Pharma- und Kosmetikindustrie (2%). Holz wird f\u00fcr die S\u00e4ge- und Holzwerkstoffindustrie eingesetzt (Bau, M\u00f6bel, Verpackungen) sowie f\u00fcr die Zellstoff- und Papierindustrie. Kleinere Mengen werden zu Cellulosederivaten und -regeneraten f\u00fcr eine Vielzahl von Anwendungen (Textilien, Verdickungsmittel, Kleister, Zigarettenfilter und Polymere) weiterverarbeitet.<\/p>\n<p>Von den 3,6 Mio. t industriell genutzten Agrarrohstoffen werden 2,3 Mio. t (64%) importiert und 1,3 Mio. t (36%) in Deutschland auf einer Fl\u00e4che von insgesamt 280.000 ha gewonnen. Dabei spielen vor allem die Einfuhrmengen im Bereich der Pflanzen\u00f6le (Palm-, Kokos-, Soja\u00f6l) und die Importe von Naturkautschuk, Chemiecellulose, Naturfasern (vor allem Baumwolle), Maisst\u00e4rke sowie Arzneipflanzen eine bedeutende Rolle, w\u00e4hrend im Bereich der Proteine sowie beim Zucker bis 2008 kaum oder gar keine Importe stattfanden.<\/p>\n<p>Im Holzbereich liegt die Importquote auf allen Verarbeitungsebenen bei etwa 10%. Fasst man die Gesamtmenge Agrar und Forst zusammen, ergibt sich durch die unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gro\u00dfe Holzmenge eine Gesamtimportquote von nur 14% aller nachwachsenden Rohstoffe f\u00fcr die stoffliche Nutzung \u2013 die Inlandsdeckung betr\u00e4gt also 86%.<\/p>\n<p><b>Ungleiche Politik: Hoch gef\u00f6rderte Bioenergie \u2013 Stiefkind &#8220;Stoffliche Nutzung&#8221;<\/b><br \/>\nDer Anbau und die Nutzung nachwachsender Rohstoffe wurden in den 1980er Jahren wiederentdeckt, um die \u00dcbersch\u00fcsse der Lebensmittelproduktion in neue Anwendungen zu bringen, die Abw\u00e4rtsspirale der Agrarpreise zu stoppen und Besch\u00e4ftigungsalternativen f\u00fcr die Landwirtschaft zu finden. Die dann folgende starke und auch erfolgreiche F\u00f6rderung der energetischen Nutzung passte perfekt zu den Anforderungen von Politik und \u00d6ffentlichkeit: Wenige und einfache politische Instrumente konnten hier im breiten &#8220;Regulierungskonsens&#8221; eingesetzt werden und hohe Effekte (&#8220;Massestr\u00f6me&#8221;) generieren; mit wenigen Stellschrauben konnte viel erreicht werden. In stark regulierten M\u00e4rkten wie den Energiem\u00e4rkten waren und sind politische Steuerungen und Eingriffe einfacher m\u00f6glich, akzeptierter und wirkungsvoller als im stofflichen Bereich mit seinen kaum regulierten M\u00e4rkten und hohem globalem Wettbewerbsdruck. So war es naheliegend, dass die stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe erst aus dem Blickfeld und dann ins Hintertreffen geriet.<\/p>\n<p>Um die Jahrtausendwende bis heute wurde mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), Energiesteuergesetz, Biokraftstoffquotengesetz, Markteinf\u00fchrungsprogramm f\u00fcr Pelletheizungen, reduzierter Umsatzsteuer f\u00fcr Brennholz und vielen weiteren Ma\u00dfnahmen ein umfassendes F\u00f6rderinstrumentarium f\u00fcr die energetische Nutzung geschaffen, das zu einem Siegeszug der Bioenergie in Deutschland f\u00fchrte. W\u00e4hrend sich die Anbaufl\u00e4chen f\u00fcr Energiepflanzen innerhalb von zehn Jahren um den Faktor zehn auf ca. 1,8 Mio. Hektar vergr\u00f6\u00dferten, stagnierte im selben Zeitraum die stoffliche Nutzung, die sich auf kein entsprechendes F\u00f6rderpendant st\u00fctzen zu konnte, bei etwa 300.000 Hektar.<\/p>\n<p>Die \u00f6konomischen Analysen zeigen, dass die F\u00f6rderma\u00dfnahmen in der energetischen Nutzung in vielen F\u00e4llen 50% bis 80% der Umsatzerl\u00f6se ausmachen. Die F\u00f6rderungen entlang der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette liegen umgerechnet auf die Anbaufl\u00e4che zwischen 300 und 3.600 \u20ac\/ha, wobei Biodiesel und Pflanzen\u00f6lkraftstoffe (inzwischen) am unteren Ende liegen und kleine Biogasanlagen, Bioethanol und BtL am oberen Ende.<\/p>\n<p>F\u00fcr die stoffliche Nutzung wurde bislang kein entsprechendes Instrumentarium gefunden. In den letzten Jahren wurden hier nur einzelne wenige Produktlinien mit zeitlich begrenzten F\u00f6rderma\u00dfnahmen unterst\u00fctzt \u2013 und dies zudem meist in erheblich geringerem finanziellen Umfang.<\/p>\n<p><b>Marktverzerrungen und Rohstoff-Fehlallokationen<\/b><br \/>\nDie Zeiten, in denen Agrarwirtschaft und Politik auf der Suche nach sinnvollen Verwertungen von Agrar\u00fcbersch\u00fcssen waren, sind f\u00fcr die meisten Agrarrohstoffe Vergangenheit. Auf den Agrarm\u00e4rkten herrscht eher Mangel, Bioenergie ist regional und global zu einem wichtigen Nachfrager geworden, der die Agrarm\u00e4rkte und -preise beeinflusst und nicht mehr nur stabilisiert.<\/p>\n<p>Die hohen Renditen, die bei der energetischen Nutzung infolge der starken F\u00f6rderung m\u00f6glich sind, f\u00fchren zu einem Anstieg der Rohstoff- und Pachtpreise und verdr\u00e4ngen zunehmend andere Nutzungsoptionen, die nur geringere Deckungsbetr\u00e4ge erwirtschaften k\u00f6nnen. Hierdurch kommt es im Agrar- und Forstbereich zu erheblichen Marktverzerrungen und Verschiebungen von Landnutzungen, Kulturen und Rohstoffstr\u00f6men, ohne \u00dcberpr\u00fcfung, ob damit nicht die gew\u00fcnschten Effekte der Bioenergie-F\u00f6rderung konterkariert werden. Kritiker sprechen unter Gesichtspunkten wie Klimaschutz und Ressourceneffizienz von einer Ressourcen-Fehlallokation, wenn z.B. stark gef\u00f6rderte Biogasanlagen regional andere Nutzungen verdr\u00e4ngen oder Holz in der Holzwerkstoff- und Papierindustrie knapp und teuer wird, weil sich die energetische Nutzung dank F\u00f6rderung besser rechnet.<\/p>\n<p><b>Potenziale f\u00fcr die stoffliche Nutzung<\/b><br \/>\nNach den Analysen des nova-Instituts steht f\u00fcr die energetische und stoffliche Nutzung in Deutschland eine maximale Fl\u00e4che von etwa 2 bis 3 Mio. Hektar zur Verf\u00fcgung, die nicht f\u00fcr Lebens- und Futtermittel ben\u00f6tigt wird und auch in Zeiten hoher Weltagrarpreise (Anbau von Exportweizen) zur Verf\u00fcgung steht.<\/p>\n<p>Unter g\u00fcnstigen Rahmenbedingungen (ad\u00e4quate F\u00f6rderung, hoher \u00d6lpreis) k\u00f6nnte die stoffliche Nutzung bis zum Jahr 2020 in Deutschland eine Fl\u00e4che von \u00fcber 1,8 Mio. ha belegen, was in derselben Gr\u00f6\u00dfenordnung wie die aktuelle energetische Nutzung l\u00e4ge. Die wichtigsten Rohstoffe sind Raps (905.000 ha), Weizen (670.000 ha) und Zuckerr\u00fcbe (175.000 ha), deren wichtigste Einsatzgebiete die chemische Industrie allgemein und im Speziellen der Bereich Biowerkstoffe sowie die Oleochemie (Tenside, Schmiermittel) sind. Daneben k\u00f6nnen Nischenkulturen wie Hanf, Miscanthus, Kurzumtriebsplantagen und Arzneipflanzen zusammen eine Fl\u00e4che von bis zu 90.000 ha erreichen. Sie werden vor allem als Biowerkstoffe (Holzwerkstoffe, naturfaserverst\u00e4rkte Kunststoffe, D\u00e4mmstoffe, Textilien) sowie im Pharmabereich eingesetzt.<\/p>\n<p>\u00dcber geeignete politische Rahmenbedingungen kann die F\u00f6rderung der energetischen und stofflichen Nutzung so austariert werden, dass die Fl\u00e4che von 2 bis 3 Mio. Hektar besonders effizient und nachhaltig genutzt wird.<\/p>\n<p><b>Bedeutung und Besonderheiten der stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe<\/b><\/p>\n<p><b>Versorgungssicherheit \u2013 Mit nachwachsenden Rohstoffen die Versorgung sichern!<\/b><br \/>\nW\u00e4hrend es im Energiebereich mit Erneuerbaren Energien wie Sonnen- und Windenergie, Wasserkraft und Geothermie viele Alternativen gibt, wird die Situation bei der Rohstoffversorgung der Industrie prek\u00e4rer. Sonne, Wind und auch Kernenergie liefern Energie, aber keine Materie und keine Rohstoffe f\u00fcr die (werk)stoffliche Nutzung. Zur Sicherung der Rohstoffbasis der deutschen Industrie sind ein umfassendes Ressourcenmanagement und eine Rohstoffdiversifizierung unter Einbeziehung von Agrarrohstoffen unverzichtbar. Dabei ist der Einsatz von Agrarrohstoffen in der Industrie so unverzichtbar wie im Lebens- und Futtermittelbereich. Die stoffliche Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen ist eine Schl\u00fcsseltechnologie zur sicheren Versorgung der Industrie mit Rohstoffen. Sie stellt die einzige erneuerbare Kohlenstoffquelle dar und ihre Bedeutung wird kontinuierlich zunehmen.<\/p>\n<p><b>Makro\u00f6konomische Effekte \u2013 Vorteile bei Besch\u00e4ftigung und Wertsch\u00f6pfung<\/b><br \/>\nDie Auswertung neuerer Studien zu den makro\u00f6konomischen Effekten nachwachsender Rohstoffe sowie eigene Erhebungen haben gezeigt, dass das Potenzial der stofflichen Nutzung f\u00fcr Besch\u00e4ftigung und Wertsch\u00f6pfung signifikant h\u00f6her liegt als bei der energetischen Nutzung und zwar um etwa den Faktor 5 bis 10 (bei den direkten Bruttoarbeitspl\u00e4tzen), bzw. 4 bis 9 (bei der Wertsch\u00f6pfung) &#8211; jeweils bezogen auf den selben Stoffstrom (Masse) bzw. die selbe Anbaufl\u00e4che. Der Grund hierf\u00fcr liegt bei den deutlich komplexeren und l\u00e4ngeren Wertsch\u00f6pfungsketten der stofflichen Nutzung.<\/p>\n<p><b>\u00d6kobilanzen zeigen gute Ergebnisse \u2013 Speicherung von CO<sub>2<\/sub><\/b><br \/>\nF\u00fcr die vorliegende Studie hat das nova-Institut 160 \u00d6kobilanzen zu stofflichen Produktlinien ausgewertet. Die meisten \u00d6kobilanzen zeigen f\u00fcr stoffliche Produktlinien deutliche Vorteile gegen\u00fcber konventionellen Produkten auf Erd\u00f6lbasis. Die Treibhausgas-Einsparungen liegen mindestens auf dem Niveau von Biokraftstoffen der ersten Generation, h\u00e4ufig sogar deutlich h\u00f6her (jeweils bezogen auf dieselbe Anbaufl\u00e4che). Die stofflichen Linien mit den h\u00f6chsten Treibhausgas-Einsparungen liegen dabei sogar deutlich \u00fcber den Bilanzen der zweiten Generation von Biokraftstoffen. Im Durchschnitt \u00fcber alle stofflichen Produktlinien kann eine Einsparung von etwa 5 bis 10 t CO<sub>2<\/sub>-\u00c4q.\/(ha*a) angesetzt werden. Ber\u00fccksichtigt man als Nachnutzung der Produkte eine Kaskadennutzung (Recycling und am Ende energetische Nutzung), kann sich die Einsparung noch erheblich vergr\u00f6\u00dfern. Hierzu liegen jedoch nur wenige belastbare Daten vor.<\/p>\n<p>Die Speicherung von CO<sub>2<\/sub>2 \u00fcber die Lebenszeit der Produkte, die zwischen Wochen und mehreren Jahrzehnten liegen kann, ist ein Spezifikum der stofflichen Nutzung. Durch eine verst\u00e4rkte stoffliche Nutzung k\u00f6nnten so erhebliche Mengen an CO<sub>2<\/sub> gebunden und die Atmosph\u00e4re so, gerade in der f\u00fcr das Weltklima kritischen Zeitspanne der n\u00e4chsten 20 Jahre, unmittelbar entlastet werden.<\/p>\n<p><b>Empfehlungen an die F\u00f6rderpolitik<\/b><br \/>\nDie Studie schl\u00e4gt zwei \u00fcbergreifende F\u00f6rderinstrumente vor, um die aktuellen Marktverzerrungen und Rohstoff-Fehlallokationen durch die einseitige F\u00f6rderung der energetischen Nutzung zu \u00fcberwinden und gleichzeitig dem Ressourcen- und Klimaschutz Rechnung zu tragen: Eine &#8220;Basisf\u00f6rderung \u00fcber Produktionskostenerstattung auf Basis vermiedener CO<sub>2<\/sub>-\u00c4quiv.-Emissionen pro Hektar&#8221; sowie den &#8220;Ausbau von Lenkungssteuern auf fossile Kohlenstofftr\u00e4ger&#8221;. Die Basisf\u00f6rderung bezieht sich dabei nur auf den Agrarbereich, der Forstbereich ben\u00f6tigt im Konsens mit Branchenvertretern keine entsprechende Basisf\u00f6rderung, sondern vor allem ein Ende der Bevorzugung der energetischen Nutzung von Holz in m\u00f6glichst allen Regularien sowie eine St\u00e4rkung der Kaskadennutzung.<\/p>\n<p>Unternehmen, die nachwachsende Rohstoffe in ihrer Produktion einsetzen, sollen eine Produktionskostenerstattung erhalten, die sich an den &#8220;vermiedenen CO<sub>2<\/sub>-\u00c4quiv.-Emissionen pro Hektar&#8221; orientiert. Durch den Ausbau von Lenkungssteuern sollen fossile Kohlenstofftr\u00e4ger auch in der stofflichen Nutzung (z.B. in der chemischen Industrie) teurer werden, wodurch der Einsatz nachwachsender Rohstoffe an Attraktivit\u00e4t gewinnt.<\/p>\n<p>Beide Instrumente f\u00fchren die F\u00f6rderung auf eine nachvollziehbare Basis zur\u00fcck, f\u00fchren zu einem einheitlichen und kalkulierbaren Markteingriff, der unter dem Blickwinkel des Ressourcen- und Klimaschutzes Marktverzerrungen \u00fcberwindet, und lassen ansonsten die Kr\u00e4fte des freien Marktes walten, ohne bestimmte Nutzungen oder Technologien zu bevorzugen.<\/p>\n<p><b>Ausblick<\/b><br \/>\nDie Studie hat gezeigt, dass die stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe unter den Kriterien Ressourceneffizienz, Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Besch\u00e4ftigung einen gr\u00f6\u00dferen Anteil an der Acker- und Forstfl\u00e4che einnehmen sollte und das entsprechende Nachfragepotenzial besitzt. Mit dem erarbeiteten F\u00f6rderinstrumentarium und einem konkreten Ma\u00dfnahmenkatalog wurden Wege aufgezeichnet, wie dieses Ziel erreicht werden kann.<\/p>\n<p>Bei der zuk\u00fcnftigen Ausgestaltung von F\u00f6rderinstrumenten sollte es um die Reduzierung bestehender Marktverzerrungen, welche Folge einer sektoralen F\u00f6rderpolitik der letzten 20 Jahre sind, und einen k\u00fcnftig fairen Wettbewerb zwischen den unterschiedlichen Nutzungen von Biomasse gehen &#8211; auf Basis nachvollziehbarer Kriterien wie Klima- und Ressourcenschutz, Versorgungssicherheit und Besch\u00e4ftigung. Um eine optimale Ressourcenallokation und eine m\u00f6glichst effiziente Nutzung der Fl\u00e4che zu erreichen, kann sich die F\u00f6rderung an den vermiedenen CO<sub>2<\/sub>-\u00c4quiv.-Emissionen pro Hektar orientieren. Unter solch neuen und f\u00fcr alle Nutzungen gleichen Rahmenbedingungen werden sich am Markt die Prozessketten, Produktlinien und Technologien durchsetzen, die in idealer Weise \u00f6kologische und \u00f6konomische Nachhaltigkeit verbinden, die besonders effizient durch die Substitution fossiler Rohstoffe Kohlendioxid einsparen und gleichzeitig \u00f6konomisch konkurrenzf\u00e4hig sind.<\/p>\n<p>In der Praxis wird dies bedeuten, dass die bislang vernachl\u00e4ssigte stoffliche Nutzung erheblich st\u00e4rker gef\u00f6rdert werden wird, bis die stoffliche und energetische Nutzung das gleiche F\u00f6rderniveau erreicht haben. Eine solche Angleichung der F\u00f6rderh\u00f6hen auf Basis einer fl\u00e4chenbezogenen CO-<sub>2<\/sub>-\u00c4quiv.-Minderung muss \u00fcber einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren gestaltet werden, um den Marktteilnehmern ausreichend Spielraum f\u00fcr notwendige Anpassungen an die neuen, dann aber klar kalkulierbaren politischen Leitplanken zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Nimmt man Ressourceneffizienz ernst, kommt man nicht umhin, nachwachsende Rohstoffe erst stofflich (evtl. ein zweites Mal stofflich) und dann erst energetisch, also in einer Kaskade, zu nutzen. Daran f\u00fchrt kein Weg vorbei. Die energetische Nutzung von Agrar- und Forstrohstoffen aus der Kaskade sowie Neben- und Reststoffstr\u00f6men sollte zuk\u00fcnftig st\u00e4rker gef\u00f6rdert werden als die thermische Nutzung frischer Biomasse.<\/p>\n<p>Es ist eine Herausforderung an die Politik, die zuk\u00fcnftige F\u00f6rderung der energetischen und stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe neu auszutarieren, ebenso wie die Nutzung von Biomasse aus Kaskaden und Nebenstr\u00f6men gegen\u00fcber frischer Biomasse.<\/p>\n<p><b>Titel der Studie<\/b><br \/>\nEntwicklung von F\u00f6rderinstrumenten f\u00fcr die stoffliche Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen in Deutschland &#8211; Volumen, Struktur, Substitutionspotenziale, Konkurrenzsituation und Besonderheiten der stofflichen Nutzung sowie Entwicklung von F\u00f6rderinstrumenten.<\/p>\n<p><b>Hauptautoren<\/b><br \/>\nDipl.-Phys. Michael Carus, Dipl.-Biol. Achim Raschka, Dr. Stephan Piotrowski (alle nova-Institut)<\/p>\n<p>Die Studie wurde durchgef\u00fchrt von der nova-Institut GmbH, H\u00fcrth im Rheinland, unter Einbeziehung einer Vielzahl externer Experten. Zeitraum der Untersuchung war April 2008 bis M\u00e4rz 2010 (F\u00f6rderzeitraum bis August 2009). Die Studie wurde finanziell unterst\u00fctzt durch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) aus Mitteln des Bundesministeriums f\u00fcr Ern\u00e4hrung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), FKZ 22003908. Hierf\u00fcr m\u00f6chten wir uns ausdr\u00fccklich bedanken.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Studie geben die Einsch\u00e4tzung der Autoren wieder und widerspiegeln nur teilweise die des Bundesministeriums f\u00fcr Ern\u00e4hrung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) und seines Projekttr\u00e4gers, der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR).<\/p>\n<p>Die \u00dcbersetzung ins Englische wurde vom National Non-Food Crops Centre (NNFCC), UK, finanziell unterst\u00fctzt und von Donal Murphy-Bokern durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p><b>Weitere Informationen<\/b><br \/>\nDie Studie <b>&#8220;Entwicklung von F\u00f6rderinstrumenten f\u00fcr die stoffliche Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen in Deutschland&#8221;<\/b> kann ab sofort kostenfrei als Kurzfassung (Update Oktober 2010) und Langfassung (November 2010) heruntergeladen werden: <a href=\"http:\/\/\/www.nova-institut.de\/nr\/\">http:\/\/www.nova-institut.de\/nr\/<\/a><\/p>\n<p>Unter <a href=\"http:\/\/www.nova-institut.de\/nr\/index.php?tpl=graflist&amp;lng=de\">http:\/\/www.nova-institut.de\/nr\/index.php?tpl=graflist&amp;lng=de<\/a><br \/>\nfinden Sie zudem alle Grafiken und Tabellen aus der Kurzfassung in guter Qualit\u00e4t zum Download. Sie k\u00f6nnen diese gerne f\u00fcr Ihre Pr\u00e4sentationen oder Studien verwenden.<\/p>\n<p>Diese Pressemitteilung als PDF:\u00a0<a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/neubewertung_der_stofflichen_nutzung_nachwachsender_rohstoffe.pdf\">neubewertung_der_stofflichen_nutzung_nachwachsender_rohstoffe<\/a><\/p>\n<p><b>Kontakt<\/b><br \/>\nDipl.-Phys. Michael Carus (Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer)<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.nova-institut.de\/\">nova-Institut f\u00fcr politische und \u00f6kologische Innovation GmbH<\/a><br \/>\nChemiepark Knapsack<br \/>\nIndustriestra\u00dfe<br \/>\nD-50354 H\u00fcrth<br \/>\nTel.: 02233-48 14 40<br \/>\nE-mail: <a href=\"mailto:michael.carus@nova-institut.de\">michael.carus@nova-institut.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Neue Studie des nova-Instituts zeigt mehr Ressourceneffizienz, Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bescha&#776;ftigung durch eine sta&#776;rkere stoffliche Nutzung von Agrarrohstoffen und Holz. 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