{"id":122271,"date":"2023-02-09T07:26:00","date_gmt":"2023-02-09T06:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=122271"},"modified":"2023-02-07T11:51:20","modified_gmt":"2023-02-07T10:51:20","slug":"baustoff-ohne-sauberen-ersatz-zement-die-schmutzigste-industrie-der-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/baustoff-ohne-sauberen-ersatz-zement-die-schmutzigste-industrie-der-welt\/","title":{"rendered":"Baustoff ohne sauberen Ersatz: Zement &#8211; die schmutzigste Industrie der Welt"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<p>Auf welche Baustelle man auch schaut, ohne Zement geht nichts. Das wussten schon die alten R\u00f6mer. Bereits vor vielen Hundert Jahren haben sie aus Kalkstein Zementklinker hergestellt, diesen mit Wasser und Kies zu Beton vermischt und aus dem formbaren &#8220;Fertigstein&#8221; Br\u00fccken, H\u00e4user, das Pantheon oder auch das Kolosseum gebaut. Allerdings ist das vielseitigste Material der Welt auch das schmutzigste: Die Zementindustrie pustet \u00e4hnlich viel Kohenlendioxid wie Indien in die Atmosph\u00e4re. Und anders als viele andere Branchen l\u00e4sst sich daran wenig \u00e4ndern. Denn f\u00fcr den Herstellungsprozess ist bisher keine Alternative in Sicht, wie Peter Schniering im Interview erkl\u00e4rt. Gleichzeitig wird die Nachfrage auch in den kommenden Jahrzehnten vor allem in Entwicklungsl\u00e4ndern enorm hoch bleiben. Und Recycling? Ist so gut wie unm\u00f6glich. &#8220;Ich halte die Zementindustrie f\u00fcr das komplexeste Problemfeld der Klimakrise&#8221;, fasst der Gr\u00fcnder der Future Cleantech Architects (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/fcarchitects.org\/\" target=\"_blank\">FCA<\/a>) die frustrierende Lage im&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/audio\/Podcast\/Klima-Labor\/\" target=\"_blank\">&#8220;Klima-Labor&#8221;<\/a>&nbsp;von ntv zusammen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/02\/219332085.jpg\" alt=\"Ohne Zement und Beton geht auf den Baustellen dieser Welt nichts.\n\" class=\"wp-image-122324\" width=\"698\" height=\"393\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/02\/219332085.jpg 750w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/02\/219332085-300x169.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/02\/219332085-150x84.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/02\/219332085-400x225.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 698px) 100vw, 698px\" \/><figcaption>Ohne Zement und Beton geht auf den Baustellen dieser Welt nichts.<br>(Foto: picture alliance \/ Jochen Tack)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>ntv.de: Wenn die Zementindustrie ein Land w\u00e4re, h\u00e4tte sie nach China und den USA den dritth\u00f6chsten CO2-Aussto\u00df. Was macht Zement so schmutzig?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Peter Schniering: Das hat mit einer Reihe von Faktoren zu tun. Die Nachfrage nach Zement f\u00fcr die moderne Infrastruktur von St\u00e4dten ist enorm hoch. Au\u00dferdem hat der Zementprozess,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Beton-und-Zement-befeuern-den-Klimawandel-article22883724.html\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">die Kalzinierung<\/a>, sehr starke Prozessemissionen. Die stammen aber &#8211; anders als in vielen anderen Bereichen &#8211; nicht vom Befeuern durch den Treibstoff. Deswegen l\u00e4sst sich daran wenig \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kalzinierung?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/02\/Universitat-Bonn-Panel-Durchbruchstechnologie-scaled.jpg\" alt=\"Peter Schniering (r.) ist Gr\u00fcnder und CEO der Future Cleantech Architects. Er arbeitet vor allem an der Beschleunigung von Cleantech-Innovationen wie Wasserstoff und Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS).)\" class=\"wp-image-122273\" width=\"385\" height=\"257\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/02\/Universitat-Bonn-Panel-Durchbruchstechnologie-scaled.jpg 2560w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/02\/Universitat-Bonn-Panel-Durchbruchstechnologie-300x200.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/02\/Universitat-Bonn-Panel-Durchbruchstechnologie-1024x684.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/02\/Universitat-Bonn-Panel-Durchbruchstechnologie-150x100.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/02\/Universitat-Bonn-Panel-Durchbruchstechnologie-768x513.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/02\/Universitat-Bonn-Panel-Durchbruchstechnologie-1536x1026.jpg 1536w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/02\/Universitat-Bonn-Panel-Durchbruchstechnologie-2048x1368.jpg 2048w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/02\/Universitat-Bonn-Panel-Durchbruchstechnologie-400x267.jpg 400w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/02\/Universitat-Bonn-Panel-Durchbruchstechnologie-1320x882.jpg 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 385px) 100vw, 385px\" \/><figcaption>Peter Schniering (r.) ist Gr\u00fcnder und CEO der Future Cleantech Architects. Er arbeitet vor allem an der Beschleunigung von Cleantech-Innovationen wie Wasserstoff und Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS). (Foto: FCA)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Ja. Die Grundlage f\u00fcr Zement ist Kalkstein. Der ist weltweit im \u00dcberfluss verf\u00fcgbar und wird&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wissen\/Altroemischer-Beton-Selbstheilungskraefte-ermoeglichen-1900-Jahre-altes-Pantheon-article23830763.html\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">seit Jahrtausenden f\u00fcr viele Bauten genutzt<\/a>. Schon die R\u00f6mer haben daraus bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen Zementklinker hergestellt. Das heutige Hauptprodukt, der Portlandzement, wird dagegen bei sehr hohen Temperaturen von 1200 bis 1500 Grad, teilweise sogar 1800 Grad gefertigt. Dieser Zementklinker ist die Grundlage von Beton, um den es als Endprodukt geht. Bei der Kalzinierung wird aber das im Kalkstein gebundene CO2 gel\u00f6st und in die Atmosph\u00e4re entlassen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Man hat also eine doppelte Belastung? Der Kalkstein verursacht CO2-Emissionen, wenn er aufgel\u00f6st wird. Dazu kommen Emissionen, die beim Feuerprozess und den hohen Temperaturen entstehen?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Richtig. Der Anteil des CO2, das aus dem Kalkstein gel\u00f6st wird, liegt bei gut 60 Prozent. Aus dem Treibstoff, der f\u00fcr die Befeuerung verwendet wird, kommen 30 Prozent hinzu. Die \u00fcbrigen 10 Prozent ergeben sich aus dem Mahlprozess und dem Transport. F\u00fcr die Emissionen der Kalzinierung gibt es leider keine wirkliche Alternative. Auch die hohen Temperaturen sind ein Problem, weil man den Prozess mit niedrigen Temperaturen oder erneuerbaren Energien nicht so leicht antreiben kann.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Aber Sie haben doch gesagt, dass die R\u00f6mer niedrigere Temperaturen verwendet haben.<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Wie genau man bei diesen hohen Temperaturen gelandet ist, kann ein Zementhistoriker besser erkl\u00e4ren. Aber im Endeffekt sind es \u00f6konomische Gr\u00fcnde, in der Branche herrscht enormer Kostendruck. Der dominante Portlandzement ist aus diesem Grund \u00fcber viele Jahrzehnte verfeinert und optimiert worden. F\u00fcr die optimale Reinheit des Materials ist der Hochtemperaturprozess der beste und effizienteste Prozess. In der Antike wurde der Zementklinker bei Temperaturen um 200 Grad erstellt. Damit war der r\u00f6mische Beton nicht so rein. In einer neuen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wissen\/Altroemischer-Beton-Selbstheilungskraefte-ermoeglichen-1900-Jahre-altes-Pantheon-article23830763.html\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">Studie<\/a>&nbsp;hat man aber festgestellt, dass das f\u00fcr das Altern des Materials und die langfristige Best\u00e4ndigkeit sogar Vorteile hatte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zement, der bei niedrigeren Temperaturen hergestellt wird, h\u00e4lt also l\u00e4nger?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist vereinfacht dargestellt, aber ja.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Warum wird der dann heute nicht mehr genutzt?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"266\" height=\"547\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/02\/Bildschirmfoto-2023-02-06-um-14.34.05.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-122274\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/02\/Bildschirmfoto-2023-02-06-um-14.34.05.png 266w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/02\/Bildschirmfoto-2023-02-06-um-14.34.05-146x300.png 146w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/02\/Bildschirmfoto-2023-02-06-um-14.34.05-73x150.png 73w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/02\/Bildschirmfoto-2023-02-06-um-14.34.05-131x270.png 131w\" sizes=\"auto, (max-width: 266px) 100vw, 266px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Wenn man die Klimabelastung au\u00dfen vor l\u00e4sst, haben Zement und Beton eine Reihe von gro\u00dfen Vorteilen. Nur Wasser wird weltweit h\u00e4ufiger als Material verwendet, weil Beton g\u00fcnstig und komplett flexibel formbar ist. Im Englischen spricht man auch von &#8220;Instant Stone&#8221;, also Fertigstein: Man r\u00fchrt den Beton an, bringt ihn in Position und er wird fest. Au\u00dferdem h\u00e4lt er enormen Druck aus. Ich bin kein Experte f\u00fcr antiken Beton, aber der ist deutlich weniger belastbar, verl\u00e4sslich und passt vermutlich nicht zu modernen Bauvorschriften. Den m\u00f6chte man nicht f\u00fcr Kanalisationen oder Fundamente verwenden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie entwickelt sich denn die Nachfrage? Verbrauchen wir mehr Zement oder weniger?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Das ist kontinuierlich mehr geworden. Wenn man den k\u00fcnftigen Verbrauch projiziert, gibt es unterschiedliche Prognosen: Die Internationale Energieagentur (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.iea.org\/reports\/cement\" target=\"_blank\">IEA<\/a>) geht davon aus, dass die weltweite Nachfrage bis 2050 um 12 bis 20 Prozent steigen wird. Der weltweite Zement- und Betonverband&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/gccassociation.org\/\" target=\"_blank\">GCCA<\/a>&nbsp;ist pessimistischer und erwartet eine Steigerung von bis zu 40 Prozent. Eine Studie in&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/nmat4930\" target=\"_blank\"><em>nature materials<\/em><\/a>&nbsp;erwartet sogar eine Steigerung von bis zu 50 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber dabei geht es um die Bauleistung. Staaten, St\u00e4dte oder Investoren projizieren nicht den Zementverbrauch, sondern Geb\u00e4ude, Kanalisationen und Br\u00fccken. Vielleicht kann man das auch anders liefern.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Woher kommt diese gro\u00dfe Nachfrage?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Ein gro\u00dfer Teil stammt aus der sich entwickelnden Welt. Aus Regionen und Schwellenl\u00e4ndern, die sich urbanisieren wollen &#8211; sei es in Afrika, in Lateinamerika oder S\u00fcdostasien. Beton spielt f\u00fcr den Wunsch, mit Infrastruktur die Lebensqualit\u00e4t zu erh\u00f6hen, eine wahnsinnig gro\u00dfe Rolle.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Gibt es Alternativen, um eine \u00e4hnliche Bauleistung zu erm\u00f6glichen?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Wenn man diesen L\u00e4ndern nicht sagen will, dass sie Beton nicht mehr verwenden d\u00fcrfen, gibt es vier M\u00f6glichkeiten, die aber alle nur zum Teil helfen: Man kann die Nachfrage reduzieren, indem man alternative Baumaterialien nutzt. Ein zweiter Punkt ist&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wissen\/Forscher-sehen-dringenden-Nachholbedarf-bei-CO-Entnahme-article23853539.html\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">CCS<\/a>, also Carbon Capture und Storage: Das CO2 wird in der Zementproduktion abgeschnitten und irgendwo abgespeichert. Dann haben wir die hohe Prozesstemperatur, wir nennen das &#8220;Die Flamme&#8221;: Ist eine elektrische Feuerung mit erneuerbaren Energien m\u00f6glich? Geht es doch mit niedrigeren Temperaturen? Aber diese Forschung steckt noch in den Kinderschuhen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die vierte, aber keineswegs unwichtigste M\u00f6glichkeit, sind alternative Werkstoffe: K\u00f6nnen wir Zement und Beton auch ohne Kalkstein herstellen? Zu diesem Feld geh\u00f6rt auch die Idee, Beton zu recyceln.https:\/\/embed.plus.rtl.de\/e\/mbklw6alzq0a6?t=d<a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/ntvintern\/Datenschutzerklaerung-article15745191.html\">*Datenschutz<\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>W\u00e4re das denn keine M\u00f6glichkeit? Wenn man durch eine Gro\u00dfstadt l\u00e4uft, sieht man relativ viel Bauschutt, der wiederverwendet werden k\u00f6nnte.<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Am besten w\u00e4re es, wenn man Geb\u00e4ude gar nicht abrei\u00dft, sondern den alten Bestand erh\u00e4lt, renoviert oder modernisiert. Denn es ist quasi unm\u00f6glich, Bestandsbeton in seine Grundelemente zu zerlegen und den Zement wiederzuverwenden. Die finale Betonmasse enth\u00e4lt ja auch Wasser, Kies und viele andere Dinge. Das macht es so schwierig: Sie bekommen anders als bei Glas keinen reinen Rohstoff zur\u00fcck. Und selbst, wenn Sie es schaffen, w\u00fcrde auch der Recyclingprozess sehr viel Energie verbrauchen. Das Dekabornisierungspotenzial ist gering.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Und wo landen diese Materialien dann? Einfach auf der M\u00fcllhalde? In China mussten gerade erst mehrere <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/videos\/panorama\/15-unvollendete-Hochhaeuser-zeitgleich-gesprengt-article22775783.html\" target=\"_blank\">Rohbauten abgerissen<\/a>&nbsp;werden.<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Das h\u00e4ngt stark mit der Regulierung im jeweiligen Land zusammen und nat\u00fcrlich von der Bauweise ab. Eine Br\u00fccke, die mit Stahl verst\u00e4rkt wurde, ist eine komplett andere Herausforderung als ein Einfamilienhaus.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Aber das ist doch v\u00f6lliger Wahnsinn: Wir stellen einfach immer weiter einen Stoff her, von dem wir nicht wissen, wie wir ihn wiederverwenden, entsorgen oder ersetzen k\u00f6nnen?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte nicht desillusionierend wirken, aber das ist die Herausforderung. F\u00fcr neuere Geb\u00e4ude k\u00f6nnte man Fertigteile benutzen. Diese vorgegossenen Betonelemente k\u00f6nnen Sie hinterher wieder auseinanderbauen und wie Lego-Bausteine woanders verwenden. Aber das ist bei individualisierten Bauwerken wie Br\u00fccken schwierig, denn die m\u00fcssen oft sogar an die Topografie angepasst werden. Wollen Sie Beton wiederverwenden, m\u00fcssen sie ihn kaputt machen, zerschlagen, abrei\u00dfen. Sie erhalten Gesteinsbrocken, aber keinen Zement.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Man k\u00f6nnte also nur einzelne Teile wiederverwenden, das ist alles?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Nein, wir haben weitere Hebel. Ein ganz wesentlicher ist CCS. In diesem Bereich m\u00fcssen wir auch unabh\u00e4ngig von der Zementindustrie unbedingt unsere Hausaufgaben machen. Ein weiterer wichtiger Hebel sind Bauvorschriften. Nat\u00fcrlich soll eine Br\u00fccke felsenfest sein, aber meistens werden Zement und Beton im \u00dcberfluss verwendet, um auf der sicheren Seite zu sein. Werden auch die Brandschutzstandards gelockert, kann man in Zukunft mehr Holz als Baustoff verwenden. Gleichzeitig muss man Geb\u00e4ude anders denken und m\u00f6glichst viele modular bauen, sodass man sie wieder zur\u00fcckbauen kann.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Welche dieser Stellschrauben hat denn das gr\u00f6\u00dfte Potenzial?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Das ist schwer zu sagen, weil wir uns noch in der technologischen Grundlagenforschung befinden. Aber wenn wir bis 2050 blicken, k\u00f6nnen wir darauf hoffen, dass noch etwas in der Innovationspipeline steckt, was wir bisher nicht auf dem Schirm haben: ein alternativer Werkstoff anstelle von Zement.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das klingt nicht sonderlich beruhigend.<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Wir als Organisation konzentrieren uns auf Industriesegmente, die man am schwierigsten dekarbonisieren kann. Das sind Branchen mit hohen Emissionen und einem niedrigen Technologie-Reifegrad. Das ist meine pers\u00f6nliche Einsch\u00e4tzung, aber ich halte die Zementindustrie f\u00fcr das komplexeste Problemfeld der Klimakrise.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Aber selbst, wenn man einen alternativen Werkstoff finden w\u00fcrde, h\u00e4tte man das Problem doch vor allem in Deutschland und Europa gel\u00f6st, aber weder Preis noch Nachfrage in Entwicklungsl\u00e4ndern gesenkt.<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Ja. Gerade dieser Portlandzement ist zu einem weltweiten Grundstoff geworden, weil er sehr, sehr g\u00fcnstig ist. Es passiert derzeit sehr viel, wir sind Teil von Forschungskonsortien der Zementhersteller. Aber selbst in L\u00e4ndern wie Deutschland, wo es finanzielle Unterst\u00fctzung gibt, erfordert die Dekarbonisierung einen riesigen Kulturwandel. Wenn Sie mit Zementherstellern in L\u00e4ndern sprechen, die sich noch entwickeln und wo ein enormer Preisdruck herrscht, sagen die Ihnen: Wir k\u00f6nnen es uns gar nicht leisten, unsere Zementwerke umzustellen. Und den Konsumenten ist letztlich egal, ob der Beton klimaneutral oder klimaschonend hergestellt wurde.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin trotzdem optimistisch. Nat\u00fcrlich kann man sich nicht darauf verlassen, einen alternativen Baustoff zu finden. Aber vor zehn Jahren h\u00e4tte auch niemand erwartet, dass Lithium-Ionen-Batterien so wenig kosten oder, dass wir je nach Region und Technologie Solarstrom f\u00fcr 1 Cent pro Kilowattstunde herstellen. Da h\u00e4tten mich alle f\u00fcr verr\u00fcckt erkl\u00e4rt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf welche Baustelle man auch schaut, ohne Zement geht nichts. Das wussten schon die alten R\u00f6mer. 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