{"id":12170,"date":"2010-02-24T00:00:00","date_gmt":"2010-02-23T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20100224-08n"},"modified":"2010-02-24T00:00:00","modified_gmt":"2010-02-23T22:00:00","slug":"studie-biosprit-auf-kosten-des-amazonas-urwaldes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/studie-biosprit-auf-kosten-des-amazonas-urwaldes\/","title":{"rendered":"Studie: Biosprit auf Kosten des Amazonas-Urwaldes"},"content":{"rendered":"<p><b>Durch eine Ausdehnung des Anbaus von Zuckerrohr (Ethanol) und Sojabohnen (Biodiesel) werden einer Studie zufolge Rinderz\u00fcchter vor allem im S\u00fcdosten Brasiliens verdr\u00e4ngt. Sie w\u00fcrden dann in die N\u00e4he des Amazonas-Regenwaldes ausweichen und dort bewaldete Fl\u00e4chen f\u00fcr die Viehhaltung abholzen. Durch diese Umwidmung der Landnutzung werde die Klimabilanz des Biosprits erheblich verschlechtert. An der am Montag ver\u00f6ffentlichten Studie hatten unter anderem Forscher der Universit\u00e4t Kassel, des Max-Planck-Instituts f\u00fcr Meteorologie in Hamburg und des UN-Umweltprogramms in Nairobi mitgearbeitet. Die Studie ist in den &#8220;Proceedings of the National Academy of Sciences&#8221; (online vorab) ver\u00f6ffentlicht.<\/b><\/p>\n<p>Brasilien ist neben den USA f\u00fchrend bei der Produktion von Ethanol, wobei das s\u00fcdamerikanische Land anders als die USA seit Jahrzehnten nicht auf Mais sondern die hocheffiziente Zuckerrohr-Pflanze als Rohstoff setzt. Die Zuckerrohr-Plantagen liegen aber nicht im Amazonas-Gebiet, sondern vor allem im S\u00fcden und S\u00fcdosten und auch im Nordosten des Landes. Zuckerrohr, aus dem im \u00dcbrigen auch der landestypische &#8220;Cacha\u00e7a&#8221; (Zuckerrohrschnaps) gewonnen wird, w\u00e4chst derzeit auf etwa 8.000 Quadratkilometer Fl\u00e4che. Nach offiziellen Angaben k\u00f6nnte diese Fl\u00e4che aber mehr als verachtfacht werden. Um das Ausbau-Ziel bis 2020 zu erreichen, prognostizieren die Forscher, dass bei Zuckerrohr 57.200 Quadratkilometer und bei Soja sogar 108.100 Quadratkilometer Fl\u00e4che hinzukommen m\u00fcssten. Das w\u00e4re zusammen die rund H\u00e4lfte der Fl\u00e4che Deutschlands.<\/p>\n<p>Zu 88 Prozent w\u00fcrde diese Zusatzfl\u00e4che aus ehemaligen Viehweiden bestehen. Die Rinderz\u00fcchter w\u00fcrden verdr\u00e4ngt und m\u00fcssten nach der Simulation der Studie 121.970 Quadratmeter Waldfl\u00e4che abholzen, um neuen Weideplatz f\u00fcr ihr Vieh zu kultivieren. Der Effekt: Die Biotreibstoffe tragen indirekt zur Regenwaldabholzung bei und die gute Kohlendioxid-Bilanz von Ethanol und Biodiesel wird konterkariert. Zuckerrohr w\u00e4re dabei f\u00fcr 41 und Soja f\u00fcr 59 Prozent der &#8220;indirekten Entwaldung&#8221; verantwortlich. Die Wissenschaftler rechnen vor, dass man 250 Jahre br\u00e4uchte, bis das von der Regenwaldabholzung verursachte Kohlendioxid durch die Vorteile der Biospritnutzung wieder ausgeglichen sei. Allerdings ist es erkl\u00e4rtes Ziel der Regierung in Bras\u00edlia, die Abholzung im Amazonas bis 2020 um 80 Prozent zu reduzieren.<\/p>\n<p>Als einen L\u00f6sungsvorschlag regen die Forscher an, in Brasilien die ertragsreicheren \u00d6lpalmen anstatt Soja anzupflanzen. Damit k\u00f6nnte die f\u00fcr Biodiesel bis 2020 zus\u00e4tzlich ben\u00f6tigte Fl\u00e4che von 108.100 (Soja) auf nur 4.200 Quadratkilometer (\u00d6lpalmen) reduziert werden. Brasilien ist seit Jahrzehnten f\u00fchrend auf dem Gebiet der Biospritherstellung. \u00dcber 90 Prozent der in Brasilien verkauften Neuwagen verf\u00fcgen inzwischen \u00fcber &#8220;Total-Flex-Motoren&#8221;, die mit einer beliebigen Mischung aus herk\u00f6mmlichem Benzin und Ethanol fahren. Ethanol ist inzwischen nach \u00d6l die zweitwichtigste Energiequelle in dem s\u00fcdamerikanischen Land.<\/p>\n<p>An der Studie unter Leitung von David Lapola von der Universit\u00e4t Kassel waren auch das Potsdam-Institut f\u00fcr Klimafolgenforschung (PIK) und das Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Umweltforschung in Leipzig beteiligt.<\/p>\n<p><b>Weitere Informationen:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Abstract: <a href=\"http:\/\/www.pnas.org\/content\/early\/2010\/02\/02\/09073181076\" >Indirect land-use changes can overcome carbon savings from biofuels in Brazil<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20100224-08\/pnas.200907318SI.pdf\" >Supporting Information for Indirect land-use changes can overcome carbon savings from biofuels in Brazil<\/a> (PDF-Datei)<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Durch eine Ausdehnung des Anbaus von Zuckerrohr (Ethanol) und Sojabohnen (Biodiesel) werden einer Studie zufolge Rinderz&uuml;chter vor allem im S&uuml;dosten Brasiliens verdr&auml;ngt. 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