{"id":12165,"date":"2010-03-01T00:00:00","date_gmt":"2010-02-28T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20100301-01n"},"modified":"2013-12-24T08:58:21","modified_gmt":"2013-12-24T06:58:21","slug":"naturvertraeglicher-anbau-von-energiepflanzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/naturvertraeglicher-anbau-von-energiepflanzen\/","title":{"rendered":"Naturvertr\u00e4glicher Anbau von Energiepflanzen"},"content":{"rendered":"<p><b>Am Dienstag, den 09.02.2010, hat das Bundesamt f\u00fcr Naturschutz (BfN) sein neues Positionspapier &#8220;Bioenergie und Naturschutz \u2013 Synergien fordern, Risiken vermeiden&#8221; vorgestellt. Das 30-seitige Dokument fasst die Forderungen des BfN nach einer naturvertr\u00e4glichen Bioenergienutzung zusammen. Der Fachverband Biogas e.V. unterst\u00fctzt viele Punkte in diesem Papier, so z.B. die Aussage, dass &#8220;beim Ausbau der Bioenergienutzung stets die unterschiedlichen stand\u00f6rtlichen und landschaftlichen Ausgangsbedingungen des jeweiligen Raumes bzw. der Landschaft ber\u00fccksichtigt werden sollten&#8221;. Auch nach Auffassung des Fachverbandes Biogas sollte &#8220;das Spektrum der energetisch nutzbaren Biomasse m\u00f6glichst breit gestaltet werden&#8221;.<\/b><\/p>\n<p>&#8220;Die Biogasnutzung macht nat\u00fcrlich nur Sinn, wenn der Energiepflanzenanbau umweltvertr\u00e4glich erfolgt&#8221;, betont der Pr\u00e4sident des Fachverbandes Biogas e.V., Josef Pellmeyer, selbst Landwirt und Biogasanlagen-Betreiber. Beim Umbruch von Dauergr\u00fcnland beispielsweise w\u00fcrde so viel Treibhausgas freigesetzt, dass die Klimabilanz beim sp\u00e4teren Anbau von Energiemais kaum positiv ausfalle. Eine derartige Nutzungsoption sei daher kritisch zu bewerten. In einigen Bundesl\u00e4ndern ist in den letzten Jahren vermehrt Gr\u00fcnland umgebrochen worden. Gerade in Regionen mit einer hohen Viehdichte, wie in Teilen von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein sind neben Biogasanlagen auch viele neue Schweine- und Milchviehst\u00e4lle beantragt und gebaut worden. Der Gr\u00fcnlandumbruch kann daher nicht allein der Biogasnutzung angelastet werden. Dass hier die bestehende Auflage von Cross-Compliance (CC) und damit das landwirtschaftliche Fachrecht greift, zeigt die Tatsache, dass in Schleswig-Holstein im Fr\u00fchjahr 2008 die Dauergr\u00fcnlanderhaltungsverordnung erlassen worden ist und somit seit beinahe zwei Jahren ein Gr\u00fcnlandumbruchverbot besteht. Seit 22.10.2009 gilt dies auch f\u00fcr Niedersachsen.<\/p>\n<p>Der im BfN-Papier teilweise dargestellte Zusammenhang, dass die Intensivierung in der Landwirtschaft \u00fcberwiegend der Bioenergienutzung mit ihrem verst\u00e4rktem Maisanbau zuzuschreiben ist, wird der Realit\u00e4t jedoch nicht gerecht. F\u00fcr die Biogaserzeugung werden in Deutschland derzeit ca. 0,5 Millionen Hektar Acker- und Gr\u00fcnlandfl\u00e4chen genutzt. In 2009 wurde Mais f\u00fcr Biogasanlagen auf rund 380.000 Hektar angebaut. Zwar ist die Fl\u00e4che f\u00fcr Energiemais damit im Vergleich zu 2008 gestiegen, insgesamt aber hat sich die Maisanbaufl\u00e4che in Deutschland in 2009 gegen\u00fcber 2008 sogar verringert (von 2,083 auf 2,081 Mio. ha.). Dar\u00fcber hinaus stellt die Ausweitung der Energiemaisanbaufl\u00e4chen noch kein Kriterium f\u00fcr die Intensit\u00e4t des Ackerbaus dar. Im Gegenteil: da, wo im Vorhinein klar ist, dass der Mais in der Biogasanlage genutzt wird, werden durch den Einsatz der G\u00e4rprodukte und die h\u00f6here Wildkrauttoleranz weniger synthetische D\u00fcnge- und Pflanzenschutzmittel eingesetzt als in andern Maiskulturen.<\/p>\n<p>Der regionale Anstieg an Maisfl\u00e4chen ruft derzeit Kritik hervor, vor allem von Seiten der Naturschutzverb\u00e4nde. Der Mais hat sein schlechtes Image heute jedoch zu Unrecht. Der moderne Maisanbau hat mit \u00fcberd\u00fcngten Fl\u00e4chen aus den 70er Jahren nichts mehr zu tun. Mais ist eine sehr ressourceneffiziente Pflanze, die aus der gleichen Menge D\u00fcnger beispielsweise doppelt so viel Biomasse aufbauen kann, wie ertragreiche Grasarten. Allerdings sieht auch der Fachverband Biogas wie das BfN noch viel Forschungs- und Entwicklungsbedarf, um langfristig Alternativen zum Mais zu schaffen und die Fruchtfolgen damit weiter zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Kurzfristig l\u00e4sst sich durch Mischkulturen (z.B. Mais mit Sonnenblumen), durch Randstreifenbegr\u00fcnungen oder so genannte &#8220;Lerchenfenster&#8221; sowie Untersaaten das Landschaftsbild und die Biodiversit\u00e4t beim Maisanbau verbessern. Entsprechende Programme werden vom Fachverband Biogas bef\u00fcrwortet und von vielen Landwirten bereits umgesetzt. Wie das BfN richtig feststellt, bestehen gerade beim Energiepflanzenanbau noch gro\u00dfe Chancen, mehr Artenvielfalt auf den Feldern zu etablieren, sowohl was die Kulturpflanzen &#8211; als auch die Tierarten angeht, die in der Kulturlandschaft leben. Die Entwicklung neuer Energiefruchtfolgen mit neuen bzw. alten reaktivierten Pflanzenarten steht zwar nicht mehr am Anfang, aber es wird noch dauern, bis praxisrelevante Ergebnisse vorliegen. Allerdings sollte sich sowohl die Bev\u00f6lkerung als auch die Politik dar\u00fcber im Klaren sein, dass Naturschutz etwas kostet. Eine Extensivierung der Landwirtschaft bedeutet f\u00fcr den Landwirt Einnahmeausf\u00e4lle, die kompensiert werden m\u00fcssen. Dies gilt gleicherma\u00dfen f\u00fcr die Nahrungsmittel- wie f\u00fcr die Energiepflanzenerzeugung.<\/p>\n<p>&#8220;Grunds\u00e4tzlich fordert der Fachverband Biogas eine Gleichbehandlung der Biogas-Bauern mit den Nahrungsmittel-Erzeugern&#8221;, unterstreicht Pellmeyer. Es k\u00f6nne nicht sein, dass es zwei unterschiedliche Standards zur Erzeugung von Pflanzen in der Landwirtschaft gebe. Oftmals sei bei der Aussaat der Feldfr\u00fcchte noch gar nicht festgelegt, in welchen Verwertungsweg die Biomasse geht. Die Landwirte entscheiden kurzfristig nach Marktlage und erzielbaren Preisen, ob z.B. die &#8220;Biomasse&#8221; Getreide im Nahrungs-, Futtermittel- oder Bioenergiebereich verwertet wird. Und auch die Nachhaltigkeitsverordnungen beziehen sich in der Regel nur auf die Erzeugung von Energiepflanzen.<\/p>\n<p>Der Forderung des BfN, die &#8220;landwirtschaftliche Beratung zum Thema Erweiterung von Fruchtfolgen zu st\u00e4rken&#8221; kann sich der Fachverband Biogas nur anschlie\u00dfen. &#8220;Nur gemeinsam mit unseren 3.700 Mitgliedern kann eine naturvertr\u00e4gliche Bioenergienutzung umgesetzt werden \u2013 und damit das Ziel, mit Biogas den Klimaschutz und die regionale Wertsch\u00f6pfung voranzutreiben, realisiert werden&#8221;, so Pellmeyer.<\/p>\n<p><b>Weitere Informationen<\/b><br \/>\nPositionspapier des BfN: <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20100301-01\/bfn_position_bioenergie_naturschutz.pdf\">Bioenergie und Naturschutz \u2013 Synergien fordern, Risiken vermeiden<\/a> (PDF-Datei)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Am Dienstag, den 09.02.2010, hat das Bundesamt fu&#776;r Naturschutz (BfN) sein neues Positionspapier &#8220;Bioenergie und Naturschutz &ndash; Synergien fordern, Risiken vermeiden&#8221; vorgestellt. 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