{"id":12148,"date":"2010-03-12T00:00:00","date_gmt":"2010-03-11T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20100312-03n"},"modified":"2010-03-12T00:00:00","modified_gmt":"2010-03-11T22:00:00","slug":"der-weg-vom-biogas-zum-bio-erdgas-fuer-den-privatkunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/der-weg-vom-biogas-zum-bio-erdgas-fuer-den-privatkunden\/","title":{"rendered":"Der Weg vom Biogas zum Bio-Erdgas f\u00fcr den Privatkunden"},"content":{"rendered":"<p><b>Biomasse: Biogas wird immer noch in erster Linie zur Stromerzeugung genutzt. Jetzt gibt es erstmals die M\u00f6glichkeit f\u00fcr Privatkunden, ihre Gasversorgung auf 100% bio umzustellen. Die Branche boomt weiter.<\/b><\/p>\n<p>Ab April will die D\u00fcsseldorfer Naturstromhandel GmbH als erster bundesweiter Anbieter \u00fcberhaupt ein Produkt in die Gasnetze einspeisen, das zu 100% aus Biogas besteht. Etwa 600 Kunden haben sich bereits angemeldet. &#8220;Bis zum Jahresende soll sich die Zahl verzehnfachen&#8221;, hofft Naturstrom-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Oliver Hummel. Bisher vertreibt das Unternehmen vor allem \u00d6kostrom an rund 60.000 Kunden.<\/p>\n<p>Die Entwicklung beim Biogas d\u00fcrfte etwas langsamer vonstattengehen. &#8220;W\u00e4hrend unser \u00d6kostrom in 90% aller F\u00e4lle mit den herk\u00f6mmlichen Anbietern mithalten kann, wird Biogas anfangs noch merklich teurer als das herk\u00f6mmliche Erdgas sein&#8221;, sagt Hummel. Der Arbeitspreis liegt mit 12,95 Cent\/kWh doppelt so hoch wie beim herk\u00f6mmlichen Gas. Aus diesem Grund bietet Naturstrom seinen Kunden neben dem reinen Biogasprodukt auch g\u00fcnstigere Mixvertr\u00e4ge an, die einen Biogasanteil von 10% oder 20% garantieren.<\/p>\n<p>Dass die Einf\u00fchrung eines derartigen Biogasproduktes erst jetzt in Angriff genommen wird, hat verschiedene Ursachen. Einerseits schreitet die Liberalisierung des Gasmarktes immer noch sehr z\u00e4h voran, andererseits waren die technischen und preislichen Voraussetzungen bislang noch nicht gegeben.<\/p>\n<p>Bundesweit gibt es derzeit etwa 35 Biogasanlagen, die direkt in die Gasnetze einspeisen und deren Produkt als Biogas beim Endverbraucher ankommt. &#8220;Nur vier dieser Anlagen entsprechen unseren Anforderungen&#8221;, sagt Hummel. Zum Anforderungsprofil geh\u00f6rt unter anderem: keine Massentierhaltung und keine gentechnisch ver\u00e4nderten Pflanzen als Biomasse. Um dies zu garantieren, werden 0,25 Cent\/kWh in die F\u00f6rderung neuer Anlagen gesteckt.<\/p>\n<p>Diese Prinzipien unterscheiden Naturstrom am Markt vom Konkurrenten Lichtblick. Dieses Unternehmen bietet seit Herbst 2007 einen Gasmix an, der zu 5% aus Biogas besteht. Die Vertragspartner von Lichtblick beziehen ihre G\u00fclle von Gro\u00dfmastbetrieben.<\/p>\n<p>Der Herstellungsprozess von Bio-Erdgas wird davon allerdings nicht beeinflusst: Das biologische Produkt wird durch die Verg\u00e4rung von Rest- und Abfallstoffen der Land- und Forstwirtschaft (G\u00fclle, Restholz) und nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. In einem Fermenter, einer Art Bioreaktor, werden die Stoffe unter eng spezifizierten Milieubedingungen vergoren. Dabei entsteht ein Gas, das in der Regel etwa 60% bis 65% Methan enth\u00e4lt.<\/p>\n<p>Das Methan wird aufgefangen und im Biogasmotor zum harmloseren Kohlendioxid verbrannt. Bei der energetischen Verwertung wird in etwa so viel CO<sub>2<\/sub> frei, wie zuvor beim Wachstum der Pflanzen aus der Luft gebunden wurde. Die CO<sub>2<\/sub>-Bilanz ist also neutral. Um das Biogas ins Netz einspeisen zu k\u00f6nnen, wird es veredelt, bis es die Eigenschaft von Erdgas hat, was einem Methangehalt von 96% entspricht.<\/p>\n<p>Ein Prozess, an dem sich mittlerweile auch die Energieversorger beteiligen. &#8220;Das Interesse der Stadtwerke und Kommunen steigt&#8221;, sagt Andrea Horbelt vom Fachverband Biogas. Auf der diesj\u00e4hrigen Jahrestagung des Fachverbandes Anfang Februar fand zum zweiten Mal die Parallelveranstaltung &#8220;Biogas f\u00fcr Kommunen&#8221; statt. 40 Biogasanlagen seien bundesweit derzeit im Bau oder in der Planung, und sollen bis zum Jahr 2011 ans Netz gehen, so Horbelt.<\/p>\n<p>Die Stadtwerke Aachen waren vor drei Jahren der erste Energieversorger, der Biogas in das nordrhein-westf\u00e4lische Gasnetz eingespeist hat. Jedoch wurde das Biogas damals nur in die angeschlossenen Blockheizkraftwerke geleitet, um daraus Strom zu erzeugen. Erst im September 2009 wurde Biogas \u00fcber eine Anlage in Kerpen direkt in das Netz von Thyssengas eingespeist. 40 Mio. kWh Bio-Erdgas k\u00f6nnen j\u00e4hrlich produziert werden, was dem Gasverbrauch von rund 2.000 Haushalten entspricht.<\/p>\n<p>Doch noch ist diese Art der Biogasnutzung die absolute Ausnahme: Zum \u00fcberwiegenden Teil wird Biogas weiter zur Verstromung benutzt, was unter anderem daran liegt, dass die Betreiber finanziell davon profitieren. Das im Jahr 2009 novellierte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantiert eine Grundverg\u00fctung f\u00fcr Strom aus Biomasse von 7,79 Cent\/kWh bis 11,67 Cent\/kWh &#8211; je nach Gr\u00f6\u00dfe der Anlage.<\/p>\n<p>Derzeit produzieren die bundesweit knapp 4.400 Biogasanlagen etwa 1.500 MW Strom. Mehr als 3 Mio. Haushalte k\u00f6nnen so mit Strom aus Biogas versorgt werden. Bundesregierung und EU haben sich zum Ziel gesetzt, dass bis zum Jahr 2020 etwa 10% des heimischen Erdgasverbrauchs aus Biogas stammen soll. Der darin enthaltene Anteil privater Biogaskunden wird dann wohl immer noch im einstelligen Prozentbereich liegen. &#8220;Die Energiewende im Gro\u00dfen werden die Endverbraucher damit nicht einleiten, ein wichtiger Beitrag w\u00e4re es aber trotzdem&#8221;, sagt Torben Becker vom Umweltverband BUND.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Biomasse: Biogas wird immer noch in erster Linie zur Stromerzeugung genutzt. 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