{"id":12072,"date":"2009-12-16T00:00:00","date_gmt":"2009-12-15T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20091216-07n"},"modified":"2009-12-16T00:00:00","modified_gmt":"2009-12-15T22:00:00","slug":"agrar-landwirtschaft-europas-pflanzenwelt-verarmt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/agrar-landwirtschaft-europas-pflanzenwelt-verarmt\/","title":{"rendered":"Agrar-Landwirtschaft: Europas Pflanzenwelt verarmt"},"content":{"rendered":"<p><b>Mit steigenden Artenzahlen durch das Einwandern neuer Pflanzenarten werden die Pflanzengemeinschaften (Floren) vieler Europ\u00e4ischer Regionen einander immer \u00e4hnlicher. Immer h\u00e4ufiger kommen die gleichen Arten vor, wohingegen seltene Arten aussterben. Doch nicht nur die Artengemeinschaften werden sich immer \u00e4hnlicher, sondern auch die Verwandtschaftsverh\u00e4ltnisse zwischen den Regionen. Diese Prozesse f\u00fchren zu einem Verlust der Einzigartigkeit Europ\u00e4ischer Floren, schreiben Wissenschaftler des DAISIE-Forschungsprojektes in der aktuellen Online-Ausgabe des Fachblatts Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (PNAS).<\/b><\/p>\n<p>F\u00fcr Ihre Untersuchung werteten die Wissenschaftler Daten der in Europa heimischen Flora (Flora Europaea), ausgestorbener Arten (nationale Rote Listen) und eingewanderter Pflanzen aus (DAISIE-Datenbank). So sind seit 1500 zu den ca. 11.000 heimischen europ\u00e4ischen Pflanzenarten etwa 1.600 neue, nicht-europ\u00e4ische Arten dazugekommen. Dabei betrachteten die Forscher auch solche europ\u00e4ischen Pflanzen (immerhin ca. 1.700) die in einer Region Europas einheimisch und in einer anderen als eingeschleppt gelten. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit den ausgestorbenen Arten. W\u00e4hrend in ganz Europa nur 2 Pflanzenarten als &#8220;wirklich&#8221; ausgestorben gelten, sind ca. 500 Arten regional verschwunden Ein solches Beispiel ist z.B. der Ackermeier (Asperula arvensis), ein Ackerunkraut, das vor allem durch die Intensivierung der Landwirtschaft stark verdr\u00e4ngt wird. So gilt die Art z.B. in Deutschland und \u00d6sterreich als ausgestorben bzw. verschollen, wohingegen sie z.B. noch in Italien und Spanien vorkommt.<\/p>\n<p>Wie die Forscher zeigen konnten, steigt zwar die Artenvielfalt in allen Regionen Europas aufgrund der hohen Zahlen eingeschleppter Arten an, doch gleichzeitig werden sich die Pflanzengemeinschaften der Regionen immer \u00e4hnlicher, da sich die eingeschleppten Arten relativ gleichm\u00e4\u00dfig \u00fcber den Kontinent verteilen: es kommt zur so genannten biologischen Homogenisierung. Das Bemerkenswerte daran ist, dass nicht nur die Vielfalt zwischen den Artgemeinschaften geringer wird (taxonomische Homogenisierung), sondern auch die Vielfalt der Verwandtschaftsverh\u00e4ltnisse sinkt. In der phylogenetischen Vielfalt spiegelt sich einerseits die evolution\u00e4re Geschichte einer Gemeinschaft und somit auch die Mannigfaltigkeit an genetischem Material wieder, andererseits kann sie auch Ausdruck ihrer funktionellen Vielfalt sein kann. Einen phylogenetisch vielf\u00e4ltigen Baum kann man sich als (Stamm)Baum mit weit ausladender Krone, also vielen starken \u00c4sten (entfernt verwandte Arten) mit vielen Zweigen (viele Arten) vorstellen. Eine hohe phylogenetische und taxonomische Vielfalt (viele verschieden aussehende B\u00e4ume) stellen vielerlei Informationen und F\u00e4higkeiten dar, die es den Artengemeinschaften erm\u00f6glichen, auf Umweltver\u00e4nderungen, wie sie der derzeitige globale Wandel (z. B. Klima- oder Landnutzungswandel) mit sich bringt zu reagieren. Findet man nun viele sehr \u00e4hnlich aussehende B\u00e4ume, so nimmt man an, dass die Flexibilit\u00e4t der Gemeinschaften nicht mehr so hoch ist auf diese Ver\u00e4nderungen positiv zu reagieren, \u00e4hnlich einer Monokultur aus den gleichen Pflanzen, die durch einen einzigen Sch\u00e4dling vernichtet werden kann. Vereinfacht gesagt hat der Stammbaum der in Europa vorkommenden Arten zwar mehr Zweige, diese gehen aber von nur noch wenigen gro\u00dfen \u00c4sten ab.<\/p>\n<p>Die biologische Verarmung durch Artensterben und -einschleppungen ist eine Folge des globalen Wandels der mit einer zunehmenden Belastung der Umwelt einhergeht (z.B. Intensivierung der Landwirtschaft, den Verlust von Lebensraumvielfalt, Urbanisierung, zunehmender globaler Verkehr und \u00fcberm\u00e4\u00dfiger N\u00e4hrstoffeintrag in die \u00d6kosysteme).<\/p>\n<p>&#8220;Unsere Studien haben gezeigt, dass trotz zunehmender Artenzahlen durch mehr neue als verschwundene Pflanzen in den Europ\u00e4ischen Regionen, diese ihre phylogenetische und taxonomische Einzigartigkeit immer mehr verlieren&#8221;, so Dr. Marten Winter vom Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Umweltforschung (UFZ). &#8220;Man sollte bei allen Diskussionen um die &#8216;biologische Vielfalt&#8217; neben den reinen Artenzahlen auch die anderen Erscheinungsformen biologischer Vielfalt, wie z. B. die der Verwandtschaftsbeziehungen, mitber\u00fccksichtigen. Diese k\u00f6nnen zus\u00e4tzlich wichtige Informationen \u00fcber den Zustand und m\u00f6gliche Risiken der \u00d6kosysteme liefern&#8221;, so der Forscher weiter.<\/p>\n<p>Im Rahmen des EU-Projektes DAISIE (Delivering Alien Invasive Species Inventories for Europe) wurden in den vergangenen Jahren zum ersten Mal f\u00fcr die L\u00e4nder Europas alle bekannten Invasionsarten erfasst. Dabei wurden Informationen zu \u00d6kologie und Verbreitung von gebietsfremden Pflanzen und Tieren gesammelt und \u00fcber eine Internet-Datenbank allen Interessierten zug\u00e4nglich gemacht. Am Projekt waren Forschungseinrichtungen und Organisationen aus 15 Nationen beteiligt.<\/p>\n<div style=\"float:left;margin-right:10px;\">\n<table border=\"0\">\n<tr>\n<td><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20091216-07\/1260354263_800.jpg\" align=\"left\" BORDER=\"0\" ALT=\"(&copy; UFZ)\"\/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"font-size:10px\" align=\"left\">(&copy; UFZ)<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis), eine Nordamerikanische Auenpflanze, <br \/>wurde in Europa als Ziepflanze eingef\u00fchrt. Sie verbreitet sich erfolgreich auf Brachfl\u00e4chen.<\/p>\n<p><b>Weitere Informationen<\/b><br \/><a href=\"http:\/\/www.europe-aliens.org\/\" >DAISIE-Datenbank<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Mit steigenden Artenzahlen durch das Einwandern neuer Pflanzenarten werden die Pflanzengemeinschaften (Floren) vieler Europ&auml;ischer Regionen einander immer &auml;hnlicher. 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