{"id":12070,"date":"2009-12-17T00:00:00","date_gmt":"2009-12-16T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20091217-02n"},"modified":"2009-12-17T00:00:00","modified_gmt":"2009-12-16T22:00:00","slug":"von-landschaftszerschneidung-betroffener-tropenwald-speichert-langfristig-weniger-biomasse-und-kohlendioxid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/von-landschaftszerschneidung-betroffener-tropenwald-speichert-langfristig-weniger-biomasse-und-kohlendioxid\/","title":{"rendered":"Von Landschaftszerschneidung betroffener Tropenwald speichert langfristig weniger Biomasse und Kohlendioxid"},"content":{"rendered":"<p><b>Die Gesamtbiomasse von kleinen, nach einer Landschaftszerschneidung entstandenen Waldst\u00fccken, kann im Vergleich zu einem zusammenh\u00e4ngenden Wald gleicher Gesamtfl\u00e4che um bis zu 40 Prozent geringer sein. Zu diesem Ergebnis kommen deutsche und brasilianische Forscher durch Modellrechnungen anhand von Daten aus dem bereits zu ca. 88 Prozent abgeholzten K\u00fcstentropenwald Mata Atl\u00e2ntica im brasilianischen Bundesstaat S\u00e3o Paulo. Die \u00fcbrig gebliebenen Waldfragmente sind kleiner und haben deshalb ein ung\u00fcnstigeres Verh\u00e4ltnis zwischen Fl\u00e4che und Rand. Ursache f\u00fcr den R\u00fcckgang an Biomasse sei die h\u00f6here Sterblichkeit von B\u00e4umen an Waldr\u00e4ndern von Waldfragmenten und damit eine Verringerung gro\u00dfer alter B\u00e4ume, die \u00fcberproportional viel Biomasse enthalten, schreiben Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums f\u00fcr Umweltforschung (UFZ) und der Universit\u00e4t S\u00e3o Paulo im Fachblatt Ecological Modelling.<\/b><\/p>\n<p>Ver\u00e4nderte Windverh\u00e4ltnisse und ein ver\u00e4ndertes Strahlungsklima f\u00fchren zu einem insgesamt ver\u00e4nderten Mikroklima an den Waldr\u00e4ndern. Dies sind Faktoren, denen besonders alte, gro\u00dfe B\u00e4ume zum Opfer fallen. Mit Hilfe der am UFZ entwickelten Waldsimulationssoftware FORMIND modellierten die Forscher unterschiedlich gro\u00dfe, nach Landschaftszerschneidung verbliebene Waldreste. Je kleiner ein St\u00fcck Wald ist, umso ung\u00fcnstiger ist das Verh\u00e4ltnis zwischen Rand und Fl\u00e4che. Dabei stellte sich heraus, dass ein naturbelassener Tropenwald ca. 250 Tonnen pro Hektar Biomasse, ein Waldfragment von 100 Hektar Gr\u00f6\u00dfe etwa 228 Tonnen Biomasse pro Hektar besa\u00df &#8211; ein ein Hektar gro\u00dfer Tropenwald dagegen nur noch 140 Tonnen Biomasse pro Hektar. Die Biomasse in den Waldresten sank in dieser Studie also auf bis zu 60 Prozent. &#8220;Diese Erkenntnis hat gro\u00dfe Bedeutung f\u00fcr die Funktion der Tropenw\u00e4lder als Biomassespeicher. Es ist wichtig, sich klar zu machen, dass man mehr als nur die Rodungsfl\u00e4chen verliert. Auch der \u00fcbrig gebliebene Wald wird dabei ausged\u00fcnnt. Es ist ein Fehler, nur in Gesamtfl\u00e4chen zu denken. Wir m\u00fcssen anfangen, auch \u00fcber die r\u00e4umliche Konfiguration der verbleibenden Waldfl\u00e4che nachzudenken&#8221;, erl\u00e4utert Dr. J\u00fcrgen Groeneveld vom UFZ die klimapolitische Bedeutung der Studie. \u00dcber den Biomasse-ertrag pro Hektar hinaus haben diese fragmentierungsbedingten r\u00e4umlichen (Rand-)Effekte auch Auswirkungen auf Klimabilanz und Biodiversit\u00e4t &#8211; also gleich auf mehrere Dimensionen von Nachhaltigkeit.<\/p>\n<p>Die Simulationsstudie integrierte qualitativ Ergebnisse anderer Wissenschaftler, die im Amazonas einzigartige Langzeit-experimente zur Landschaftszerschneidung durchf\u00fchren. Noch sind allerdings viele Frage offen: Bleiben die R\u00e4nder stabil? Kann sich der Wald regenerieren oder setzt sich der Abbau nach innen fort? Die Forscher sehen die Zahlen daher als erste vorsichtige Sch\u00e4tzung. &#8220;Wenn es sich aber best\u00e4tigt, dann ist das ganz fundamental: Waldfragmente k\u00f6nnen nicht dasselbe leisten wie zusammenh\u00e4ngende W\u00e4lder&#8221;, erg\u00e4nzt Kollege Dr. Sandro P\u00fctz. Die Forscher wollen daher in den n\u00e4chsten Jahren die Langzeiteffekte untersuchen, um herauszufinden, wie sich die Reste der Tropenw\u00e4lder langfristig entwickeln. Die Ergebnisse dieser Studie haben auch grundlegende Konsequenzen f\u00fcr den Schutz von W\u00e4ldern, zumindest hinsichtlich der Kohlenstoffbilanz: &#8220;Es ist auf alle F\u00e4lle besser im Sinne der Kohlenstoffspeicherung, 100 zusammenh\u00e4ngende Hektar zu sch\u00fctzen als einhundert mal je einen Hektar&#8221;, meint J\u00fcrgen Groeneveld.<\/p>\n<p>Die Daten f\u00fcr das Modell stammen aus dem tropischen K\u00fcstenregenwald im brasilianischen Bundesstaat S\u00e3o Paulo. Die Mata Atl\u00e2ntica wurde bereits seit der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts gro\u00dffl\u00e4chig abgeholzt, um Bauholz, Holzkohle, Weideland und Ackerfl\u00e4chen zu gewinnen. Obwohl nur noch etwa ein Achtel der urspr\u00fcnglichen Waldfl\u00e4che \u00fcbrig ist, gelten diese Reste trotzdem weiterhin als ein Hotspot der Artenvielfalt mit globaler Bedeutung, da sie eine noch nicht ganz beschriebene, aber beeindruckende Anzahl nur hier vorkommender und zudem stark bedrohter Tier- und Pflanzenarten beherbergen. Seit 2003 untersuchen deshalb brasilianische und deutsche Forscher die Langzeitauswirkungen von Landschaftszerschneidung auf die Lebensr\u00e4ume in der Mata Atl\u00e2ntica, die sich einst fl\u00e4chendeckend \u00fcber die gesamte Ostk\u00fcste Brasiliens erstreckte und heute einer der am meisten bedrohten tropischen W\u00e4lder ist.<\/p>\n<p>Die neuen Erkenntnisse der \u00f6kologischen Modellierer unter der Leitung von Andreas Huth und Klaus Henle sind auch von Bedeutung f\u00fcr die Verhandlungen auf der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen. Dort wird unter dem Titel REDD (&#8220;Reducing Emissions from Deforestation and Degradation&#8221;) ein Mechanismus diskutiert, der die W\u00e4lder in den Klimaschutz einbeziehen soll. Denn Wald bindet Kohlendioxid &#8211; seine Abholzung oder seine Degradation f\u00fchren zur zus\u00e4tzlichen Freisetzung oder zuk\u00fcnftig geringeren Fixierung von Kohlendioxid pro Fl\u00e4cheneinheit und verst\u00e4rken so den Treibhauseffekt. Rund 20 Prozent der gesamten CO<sub>2<\/sub>-Emissionen weltweit stammen aus der Vernichtung von Wald. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Die Gesamtbiomasse von kleinen, nach einer Landschaftszerschneidung entstandenen Waldst&uuml;cken, kann im Vergleich zu einem zusammenh&auml;ngenden Wald gleicher Gesamtfl&auml;che um bis zu 40 Prozent geringer sein.<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[1646,12258,1309],"class_list":["post-12070","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-ecological-modelling-fachblatt","supplier-helmholtz-zentrum-fuer-umweltforschung-ufz","supplier-university-of-so-paulo-brasilien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12070","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12070"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12070\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12070"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12070"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12070"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=12070"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}