{"id":12061,"date":"2009-12-23T00:00:00","date_gmt":"2009-12-22T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20091223-01n"},"modified":"2009-12-23T00:00:00","modified_gmt":"2009-12-22T22:00:00","slug":"bio-boeing-mit-algen-im-tank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bio-boeing-mit-algen-im-tank\/","title":{"rendered":"Bio-Boeing mit Algen im Tank"},"content":{"rendered":"<p><b>Die Flugzeugindustrie will gr\u00fcn werden und arbeitet an neuartigen Triebwerken und Treibstoffen: Flugzeuge sollen k\u00fcnftig von Algen oder dem Saft der Jatrophanuss betrieben werden. Wirklich skurril wird&#8217;s im Jahr 2093.<\/b><\/p>\n<p>F\u00fcr die Passagiere war es ein Flug wie jeder andere. Und doch war die Reise von London nach Katar an diesem Oktobertag 2009 etwas Besonderes. Der Airbus A340-800 der Qatar Airways flog n\u00e4mlich mit &#8220;Erdgas&#8221;. Genau genommen hatte er eine Mischung aus herk\u00f6mmlichem Kerosin und einem aus Erdgas gewonnenen synthetischen Treibstoff (GTL) in den Tanks. Der erste regul\u00e4re Linienflug mit einem Biotreibstoff, der vom \u00d6lmulti Shell und dem Deutschen Zentrum f\u00fcr Luft- und Raumfahrt entwickelt wurde, bedeutet einen wichtigen Schritt in die Zukunft des Fliegens. Die soll &#8220;gr\u00fcn&#8221; sein.<\/p>\n<p>Mehr fliegen \u2013 das bedeutete bisher landl\u00e4ufig mehr Emissionen. Ab 2012 wird aber auch die Luftfahrt, die zwar f\u00fcr nur zwei Prozent der weltweiten CO<sub>2<\/sub>-Emissionen verantwortlich ist, aber \u00fcberproportional oft als &#8220;Dreckschleuder am Himmel&#8221; verteufelt wird, in den Emissionshandel einbezogen. Das hei\u00dft, dass der CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df ab dann bare M\u00fcnze kostet, weil Zertifikate zugekauft werden m\u00fcssen. Die EU hat schon 4.000 Fluggesellschaften und Flugzeughersteller benannt, die in den Emissionshandel einbezogen werden. Die Liste reicht von Alitalia bis United \u2013 auch die AUA ist dabei.<\/p>\n<p>Da die Airlines auch in guten Zeiten nicht einfach Geld in die Luft jagen wollen und Umweltschutz \u00e0 la longue billiger kommt, hat sich die IATA ehrgeizige Klimaziele gesetzt: Bis 2020 soll j\u00e4hrlich 1,5 Prozent Kerosin eingespart werden. Ab 2020 soll die Luftfahrt die Umwelt nicht st\u00e4rker belasten, das hei\u00dft, das Wachstum soll ohne zus\u00e4tzliche CO<sub>2<\/sub>-Belastung erfolgen. Bis 2050 soll der Kohlendioxidaussto\u00df um 50 Prozent unter das Niveau von 2005 gedr\u00fcckt werden \u2013 ein in den Augen vieler Experten mehr als ambiti\u00f6ses Ziel.<\/p>\n<p>Der Weg dorthin f\u00fchrt \u00fcber eine Mehrfachstrategie, die auf dem Einsatz effizienterer Triebwerke, von Biotreibstoff, der Verwendung neuer Hightechmaterialien wie Karbon, die die Flugzeuge leichter machen, und der besseren Nutzung des Luftraums beruht.<\/p>\n<p>Triebwerke: Die revolution\u00e4ren Konzepte, an denen die drei gro\u00dfen Triebwerkanbieter Rolls-Royce, General Electric sowie Pratt &#038; Whitney arbeiten, laufen unter einem Motto: zur\u00fcck zum Propeller. Das Konzept von RR und GE hei\u00dft &#8220;Open Rotor&#8221;. Dieser Propellerantrieb soll bis zu 30 Prozent weniger Kerosin verbrauchen. Sein Nachteil: niedrigere Geschwindigkeit und viel L\u00e4rm. Weiter sind Pratt &#038; Whitney mit dem &#8220;Geared Turbofan&#8221; (GTF). Auch dieser Antrieb, der bereits an Bombardier f\u00fcr Regionaljets verkauft wurde, verspricht Spritersparnis.<\/p>\n<p>Triebwerkhersteller k\u00e4mpfen aber nicht nur mit T\u00fccken der Technologie, sie k\u00e4mpfen auch gegen die Zeit. F\u00fcnf bis sechs Jahre dauert die Entwicklung eines neuen Triebwerks, dann dauert es noch einmal Jahre, bis der Motor auch tats\u00e4chlich mit einem Airbus oder einer Boeing abhebt. Erst ab 1000 bis 1200 verkauften Triebwerken lohnen sich die Entwicklungskosten. Der Luftfahrtabenteurer Bertrand Piccard geht \u00fcbrigens v\u00f6llig andere Wege: Er hat ein Solarflugzeug entwickelt, mit dem er 2011 \u00fcber den Atlantik fliegen will.<\/p>\n<p>Biotreibstoff: Nicht nur Qatar Airways, auch andere Fluglinien haben schon Tests mit alternativen Treibstoffen absolviert, wobei aus Sicherheitsgr\u00fcnden nur Mischzus\u00e4tze bis maximal 50 Prozent verwendet wurden, und nur bei einem von zwei Triebwerken. Da solche Energiequellen den Nahrungs- und Futtermittelanbau nicht kannibalisieren d\u00fcrfen, hat etwa Biosprit aus Raps oder Palm\u00f6l wenig Chancen.<\/p>\n<p>Der ungenie\u00dfbaren Jatrophanuss und vor allem Meeresalgen werden hingegen gro\u00dfe Chancen einger\u00e4umt. Lufthansa-Chefpilot J\u00fcrgen Raps glaubt am ehesten an Algen im Tank. Einen anderen Weg geht Boeing mit Brennstoffzellen. Diese wandeln Wasserstoff ohne Abgase in Strom um, der einen Elektromotor antreibt. Ob das f\u00fcr gro\u00dfe Flugzeuge reicht, bezweifelt aber sogar der Flugzeughersteller. Eher geht es um &#8220;sekund\u00e4re&#8221; Stromerzeugung, etwa f\u00fcr die Bordelektrik.<\/p>\n<p>Infrastruktur: Die Harmonisierung des Luftraums (Single European Sky) ist in Europa ein Dauerbrenner. Mit Reduktion der Luftraum\u00fcberwachungsstellen und Vereinheitlichung der EDV-Systeme sowie \u00d6ffnung von bisher dem Milit\u00e4r vorbehaltenen Luftr\u00e4umen sollen Umwege und Warteschleifen reduziert werden, die derzeit durch die geringen Kapazit\u00e4ten bei den Luftstra\u00dfen entstehen. Ein Beispiel: Die Lufthansa verbrennt mehr als 100.000 Tonnen Kerosin pro Jahr in Warteschleifen.<\/p>\n<p>Schon in den vergangenen Jahren waren Flugzeughersteller und Airlines nicht unt\u00e4tig: Trotz Leistungssteigerung ging der Kerosinverbrauch seit 1960 um rund 50 Prozent zur\u00fcck. Das &#8220;Vier-Liter-Flugzeug&#8221; (pro Passagier und 100 Kilometer) ist schon bei vielen Fluglinien Realit\u00e4t. Das reicht aber Experten zufolge nicht, um die ehrgeizigen Klimaziele zu erreichen. Revolution\u00e4re Ideen m\u00fcssen also her. Geforscht wird rund um den Globus, auch an der Technischen Universit\u00e4t Wien: Am Institut f\u00fcr Mechanik und Mechatronik wurde das Konzept eines &#8220;Nur-Fl\u00fcglers&#8221; entwickelt, bei dem der Rumpf und die Tragfl\u00e4chen eins sind. Das Flugger\u00e4t soll nur halb so viel Treibstoff verbrauchen wie herk\u00f6mmliche Maschinen.<\/p>\n<p>Einen Einblick, wie Flugzeuge in 80 Jahren aussehen k\u00f6nnten, hat Finnair gewagt. Anl\u00e4sslich ihres 85. Geburtstages hat sie sich keine Jubelbrosch\u00fcre verfassen lassen, sondern Techniker, Zukunftsforscher, Umweltwissenschaftler und Flugzeugbauer eingeladen, sich Gedanken \u00fcber das Fliegen im Jahr 2093 zu machen (www.finnair.com). Nicht alle Visionen scheinen realisierbar \u2013 aber einige Ideen sind zumindest diskussionsw\u00fcrdig. M\u00f6glicherweise heben wir in einigen Jahrzehnten tats\u00e4chlich mit einer riesigen fliegenden Untertasse in den Urlaub ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Die Flugzeugindustrie will gr&uuml;n werden und arbeitet an neuartigen Triebwerken und Treibstoffen: Flugzeuge sollen k&uuml;nftig von Algen oder dem Saft der Jatrophanuss betrieben werden. 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