{"id":12039,"date":"2010-01-15T00:00:00","date_gmt":"2010-01-14T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20100115-02n"},"modified":"2010-01-15T00:00:00","modified_gmt":"2010-01-14T22:00:00","slug":"turbo-zuechtung-schafft-super-kartoffel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/turbo-zuechtung-schafft-super-kartoffel\/","title":{"rendered":"Turbo-Z\u00fcchtung schafft Super-Kartoffel"},"content":{"rendered":"<p><b>Die Schale ist hellbraun, das Fleisch saftig und gelb \u2013 rein \u00e4u\u00dferlich sieht die neue Kartoffel aus wie jede andere. Doch in ihrem Inneren ist sie anders: Ihre Zellen produzieren reines Amylopektin, eine St\u00e4rke, die in der Papier-, Textil- und Nahrungsindustrie ben\u00f6tigt wird. Die neue Kartoffel, die jetzt zum ersten Mal geerntet und verarbeitet wird, haben Fraunhofer-Forscher mit Hilfe eines neuen, besonders schnellen Z\u00fcchtungsverfahrens entwickelt.<\/b><\/p>\n<p>Der Herbst 2009 war f\u00fcr das Unternehmen Emsland Group ein besonderer Herbst: Zum ersten Mal in der Geschichte des gr\u00f6\u00dften deutschen Kartoffelst\u00e4rke-Herstellers wurden Tilling-Kartoffeln verarbeitet, die ausschlie\u00dflich die St\u00e4rke Amylopektin enthalten. Aus dieser lassen sich nicht nur Speisest\u00e4rken zum Binden von Suppen und Desserts gewinnen, sondern auch Kleister und gl\u00e4ttende Beschichtungen f\u00fcr die Papier- und Garnherstellung. &#8220;Die Kartoffel ist das erste durch Tilling gewonnene Produkt in Deutschland, das Marktreife erlangt hat&#8221;, erl\u00e4utert Prof. Dirk Pr\u00fcfer vom Fraunhofer-Institut f\u00fcr Molekulare und Angewandte \u00d6kologie IME.<\/p>\n<div style=\"float:right;margin-left:10px;\">\n<table border=\"0\">\n<tr>\n<td><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20100115-02\/pi84_kartoffel-m_tcm7-37783.jpg\" align=\"left\" BORDER=\"0\" ALT=\"&copy; Fraunhofer\"\/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"font-size:10px;\" align=\"left\">&copy; Fraunhofer<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Tilling \u2013 die Abk\u00fcrzung steht f\u00fcr &#8220;Targeting Induced Local Lesions In Genoms&#8221; \u2013 ist ein Z\u00fcchtungsverfahren, mit dem die Forscher der Evolution auf die Spr\u00fcnge helfen. In der Natur geht die Evolution langsam: Durch Mutation und Selektion ver\u00e4ndern sich Tier- und Pflanzenarten. Im Laufe der Generationen entwickeln sich diejenigen weiter, die sich auf Grund ihrer genetischen Ausstattung am besten an die gerade herrschenden Umweltbedingungen anpassen konnten. Andere Arten sterben aus. Der Mensch nutzt den Evolutionsprozess seit Jahrtausenden f\u00fcr seine Zwecke, indem er besonders ertragreiche Sorten weitervermehrt. Moderne Z\u00fcchtungsverfahren funktionieren im Prinzip genauso, allerdings wird die nat\u00fcrliche Mutationsrate beschleunigt: &#8220;Mit Hilfe von Chemikalien l\u00e4sst sich schnell eine gro\u00dfe Anzahl von Mutanten gewinnen&#8221;, sagt Jost Muth vom IME, der an der Entwicklung der neuen St\u00e4rke-Kartoffel beteiligt war. &#8220;Wir arbeiten hier mit nat\u00fcrlichen Prinzipien: In der Natur l\u00f6st das Sonnenlicht Ver\u00e4nderungen im Erbgut aus. Mit Chemie erreichen wir dasselbe, nur schneller.&#8221;<\/p>\n<p>Bisher war Mutationsz\u00fcchtung ein m\u00fchsamer Prozess: &#8220;Die Z\u00fcchter mussten das mutierte Saatgut auf dem Feld ausbringen. Erst Monate sp\u00e4ter, am Ende der Vegetationsperiode, konnten sie sehen, ob eine der genetischen Ver\u00e4nderungen den gew\u00fcnschten Erfolg hatte. Die meisten der erzeugten Mutationen konnten dabei gar nicht entdeckt werden, weil das Merkmal oft nicht dominant ist&#8221;, so Pr\u00fcfer. Seinem Team ist es gelungen, die Umsetzung zu beschleunigen. Im Labor am IME werden die mutierten Samen zum Keimen gebracht. Sobald die ersten Bl\u00e4tter erscheinen, ist Erntezeit: Die Forscher nehmen eine Blattprobe, brechen die Zellstrukturen auf, isolieren das Genom und analysieren es. Innerhalb weniger Wochen l\u00e4sst sich auf diese Weise herausfinden, ob eine Mutation die gew\u00fcnschten Eigenschaften hat.<\/p>\n<p>In einem durch die Fachagentur &#8220;Nachwachsende Rohstoffe&#8221; gef\u00f6rderten Projekt haben die Forscher am IME in Zusammenarbeit mit den Firmen Bioplant und Emslandst\u00e4rke den Super-Kartoffelkeim aufgesp\u00fcrt: 2.748 Keimlinge mussten untersucht werden, bis derjenige identifiziert war, der ausschlie\u00dflich die St\u00e4rkekomponente Amylopektin produziert. Aus diesem Keim gewannen die Experten die erste Generation von Super-Kartoffeln. In ihrem Erbgut sind nur die Gene aktiv, die die Bildung von Amylopektin ausl\u00f6sen, w\u00e4hrend die Amylose-Gene ausgeschaltet sind. &#8220;Bisher enthielten Kartoffeln immer beide St\u00e4rkearten. Die Industrie musste das Amylopektin von der Amylose abtrennen \u2013 ein energie- und kostenintensives Verfahren&#8221;, erkl\u00e4rt Pr\u00fcfer. Da Tilling-Kartoffeln nur Amylopektin enthalten, entf\u00e4llt dieser Prozessschritt. Allein in Deutschland ben\u00f6tigt die Papier- und Klebstoffindustrie j\u00e4hrlich 500.000 Tonnen hochreines Amylopektin. Dazu kommen der Bedarf der Lebensmittelbranche und der Textilindustrie \u2013 letztere nutzt die St\u00e4rke, um Garne vor dem Weben zu gl\u00e4tten.<\/p>\n<p>100 Tonnen der neuen Super-Kartoffeln wurden in diesem Herbst geerntet. &#8220;Sie lassen sich wie gewohnt in den Fertigungslinien verarbeiten&#8221;, berichtet Muth. &#8220;Besondere Ma\u00dfnahmen sind nicht notwendig, weil die Tilling-Kartoffeln ganz normale Z\u00fcchtungen sind, die kein gentechnisch ver\u00e4ndertes Material enthalten.&#8221; Das Beispiel zeigt, dass sich mit klassischer oder moderner Turbo-Z\u00fcchtung viel erreichen l\u00e4sst. Die Voraussetzung f\u00fcr jede Art der Z\u00fcchtung ist jedoch, dass das Gen, das zur Auspr\u00e4gung der gew\u00fcnschten Eigenschaft f\u00fchrt, in der Pflanze vorhanden und bekannt ist \u2013 wie das Gen f\u00fcr die Produktion von Amylose in Kartoffeln. &#8220;Wenn wir fremde Gene in die Pflanze einschleusen wollen, um beispielsweise Tabakpflanzen dazu zu bekommen, pharmakologische Wirkstoffe zu produzieren, ist es unumg\u00e4nglich und sinnvoll gentechnische Verfahren zu benutzen&#8221;, res\u00fcmiert Pr\u00fcfer: &#8220;Grunds\u00e4tzlich gilt beim Umgang mit Genen: Soviel Ver\u00e4nderung wie n\u00f6tig aber so wenig wie m\u00f6glich.&#8221;<\/p>\n<p><b>Kontakt<\/b><br \/>Prof. Dr. Dirk Pr\u00fcfer<br \/><a href=\"http:\/\/www.ime.fraunhofer.de\/\" >Fraunhofer Institut f\u00fcr Molekularbiologie und Angewandte Oekologie<\/a><br \/>Tel.: 0251-832 23 02 <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Die Schale ist hellbraun, das Fleisch saftig und gelb &ndash; rein &auml;u&szlig;erlich sieht die neue Kartoffel aus wie jede andere. Doch in ihrem Inneren ist<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[1698,713,19232,983],"class_list":["post-12039","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-bioplant","supplier-emsland-staerke-gmbh","supplier-fachagentur-nachwachsende-rohstoffe-e-v-fnr","supplier-fraunhofer-institut-fuer-molekularbiologie-und-angewandte-kologie-ime"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12039","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12039"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12039\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12039"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12039"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12039"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=12039"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}