{"id":120083,"date":"2022-12-22T07:33:00","date_gmt":"2022-12-22T06:33:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=120083"},"modified":"2022-12-19T09:56:37","modified_gmt":"2022-12-19T08:56:37","slug":"mikroplastik-in-menschlichen-gewebeproben-internationale-studie-warnt-vor-voreiligen-schlussfolgerungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/mikroplastik-in-menschlichen-gewebeproben-internationale-studie-warnt-vor-voreiligen-schlussfolgerungen\/","title":{"rendered":"Mikroplastik in menschlichen Gewebeproben: Internationale Studie warnt vor voreiligen Schlussfolgerungen"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p><strong>Eine internationale Arbeitsgruppe des EU-Projekts \u201ePlasticsFatE\u201c hat unter Federf\u00fchrung von Prof. Dr. Christian Laforsch an der Universit\u00e4t Bayreuth die weltweite Forschungsliteratur zu diesen Fragen ausgewertet. Die in der Zeitschrift \u201eNanoImpact\u201c vorgestellten Ergebnisse zeigen: Hinsichtlich der Risiken f\u00fcr den Menschen gibt es weniger gesicherte Erkenntnisse, als es das breite Spektrum der Ver\u00f6ffentlichungen nahelegen k\u00f6nnte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das im April 2021 gestartete Projekt \u201ePlastics Fate and Effects in the human body\u201c \u2013 kurz: \u201ePlasticsFatE\u201c \u2013 ist eines der ersten europ\u00e4ischen Forschungsvorhaben, das sich systematisch mit dem Verbleib und den Wirkungen von Mikro- und Nanoplastik im menschlichen Organismus befasst. Dies sind Partikel, die wenige Millimeter bis hin zu einem Zehntausendstel Millimeter gro\u00df sein k\u00f6nnen. Insgesamt sind 27 Universit\u00e4ten, Institute und Organisationen aus zehn EU-L\u00e4ndern am Projekt beteiligt. F\u00fcr die jetzt erschienene Studie haben sich Forscher*innen aus elf Mitgliedseinrichtungen in Deutschland, Italien, den Niederlanden, Norwegen, \u00d6sterreich und Spanien zusammengeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"930\" height=\"619\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/12\/Screenshot-2022-12-15-at-11.16.37.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-120085\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/12\/Screenshot-2022-12-15-at-11.16.37.png 930w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/12\/Screenshot-2022-12-15-at-11.16.37-300x200.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/12\/Screenshot-2022-12-15-at-11.16.37-150x100.png 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/12\/Screenshot-2022-12-15-at-11.16.37-768x511.png 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/12\/Screenshot-2022-12-15-at-11.16.37-400x266.png 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 930px) 100vw, 930px\" \/><figcaption>Erstautorin Anja Ramsperger M.Sc. untersucht an einem Fluoreszenzmikroskop die zellul\u00e4re Aufnahme von Mikroplastikteilchen aus S\u00fc\u00df- oder Salzwasser <strong>\u00a9<\/strong> UBT \/ Chr. Wi\u00dfler<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eWir wollten zun\u00e4chst einmal feststellen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit beurteilt wird, dass Menschen in ihrer t\u00e4glichen Umgebung direkten Kontakt mit Mikro- und Nanoplastik haben. Darauf aufbauend, sind wir der Frage nachgegangen, auf welchen Wegen und in welchen Mengen die Partikel in den menschlichen Organismus gelangen und welche nat\u00fcrlichen Abwehrmechanismen sie dabei m\u00f6glicherweise \u00fcberwinden k\u00f6nnten. Schlie\u00dflich haben wir den aktuellen Stand der Forschung dargelegt, wie sich die Partikel im Organismus ausbreiten und somit ein potenzielles Risiko f\u00fcr die menschliche Gesundheit darstellen k\u00f6nnen. Bei der Auswertung der einschl\u00e4gigen Ver\u00f6ffentlichungen haben wir ein besonderes Augenmerk auf die wissenschaftlichen Verfahren gelegt, die zu den publizierten Ergebnissen gef\u00fchrt haben. Dabei sind wir nicht selten auf unzureichende Informationen gesto\u00dfen, beispielsweise hinsichtlich der Gewinnung und Aufreinigung von Proben, oder auch auf einen mangelnden Schutz vor Kontaminationen, welche die Untersuchungsergebnisse verf\u00e4lschen k\u00f6nnen\u201c, sagt die Erstautorin und Bayreuther Doktorandin <strong>Anja Ramsperger<\/strong> M.Sc.<\/p><p>\u201eWas den Verbleib von Mikro- und Nanoplastik im menschlichen Organismus und die daraus resultierenden potenziellen Gefahren betrifft, zeigt unsere Studie ein differenziertes Bild: Welche Schlussfolgerungen aus ver\u00f6ffentlichten Ergebnissen zur Kontamination von menschlichem Gewebe hergeleitet werden k\u00f6nnen, ist bei n\u00e4herer Betrachtung der Untersuchungsbedingungen oft weniger klar, als es auf den ersten Blick scheint. Daher stimme ich der Weltgesundheitsorganisation WHO zu, wenn sie in einem 2022 herausgegebenen Bericht feststellt, dass die derzeit verf\u00fcgbaren Daten noch unzureichend sind, wenn es darum geht, die Risiken von Mikro- und Nanoplastik f\u00fcr die menschliche Gesundheit einzusch\u00e4tzen\u201c, sagt <strong>Prof. Dr. Christian Laforsch,<\/strong> der die Studie koordiniert hat und an der Universit\u00e4t Bayreuth den DFG-Sonderforschungsbereich 1357 \u201eMikroplastik\u201c leitet.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"930\" height=\"690\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/12\/Screenshot-2022-12-15-at-11.18.49.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-120086\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/12\/Screenshot-2022-12-15-at-11.18.49.png 930w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/12\/Screenshot-2022-12-15-at-11.18.49-300x223.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/12\/Screenshot-2022-12-15-at-11.18.49-150x111.png 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/12\/Screenshot-2022-12-15-at-11.18.49-768x570.png 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/12\/Screenshot-2022-12-15-at-11.18.49-364x270.png 364w\" sizes=\"auto, (max-width: 930px) 100vw, 930px\" \/><figcaption>Anja Ramsperger M.Sc. untersucht, ob Mikroplastikpartikel biologische Barrieren im Zellkulturmodell \u00fcberwinden k\u00f6nnen. <strong>\u00a9<\/strong> UBT \/ Chr. Wi\u00dfler<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p id=\"isPasted\">Die meisten wissenschaftlichen Arbeiten zur Ausbreitung von Mikro- und Nanoplastik konzentrieren sich auf die Gr\u00f6\u00dfe und Form der Partikel. Sie lassen dabei aber andere, beispielsweise chemische Eigenschaften unber\u00fccksichtigt, die m\u00f6glicherweise ebenfalls einen Einfluss auf die Auswirkungen der Partikel haben. Viele Untersuchungen arbeiten mit industriell gefertigten Partikeln, haupts\u00e4chlich Polystyrol-Kugeln. Doch die in der Umwelt verbreiteten Partikel weisen eine un\u00fcbersehbare Vielfalt an Eigenschaften auf. Weitgehender Konsens besteht in der Forschung dar\u00fcber, dass es umso \u00f6fter zu Wechselwirkungen mit menschlichem Gewebe und einzelnen Zellen kommt, je kleiner die Partikel sind. Dabei spielen biologische Barrieren eine entscheidende Rolle: Sie hindern gr\u00f6\u00dfere Partikel daran, weiter in den Organismus vorzudringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Autor*innen der neuen Studie weisen allerdings auf eine Ungereimtheit hin. In einigen menschlichen Gewebeproben wurden Partikelgr\u00f6\u00dfen entdeckt, die diese biologischen Barrieren dem derzeitigen Kenntnisstand zufolge nicht \u00fcberwinden k\u00f6nnen. Eine plausible Erkl\u00e4rung w\u00e4ren nachtr\u00e4gliche Verunreinigungen der Proben. Tats\u00e4chlich enth\u00e4lt die ausgewertete Forschungsliteratur zahlreiche Indizien daf\u00fcr, dass Ma\u00dfnahmen zur Qualit\u00e4tssicherung und Qualit\u00e4tskontrolle von Proben unzureichend beschrieben oder durchgef\u00fchrt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Team von \u201ePlasticsFatE\u201c res\u00fcmiert in seiner Studie aber auch eine Reihe grundlegender Erkenntnisse, \u00fcber die heute kein Zweifel mehr besteht: In den meisten Regionen der Erde enth\u00e4lt die allt\u00e4gliche Lebenswelt der Menschen steigende Mengen von Mikro- und Nanoplastik. \u00dcber das Trinkwasser, die Nahrung und die eingeatmete Luft sowie \u00fcber Kosmetik-artikel k\u00f6nnen die Partikel in den Organismus gelangen. Haupts\u00e4chlich werden Mikro- und Nanopartikel vom Menschen \u00fcber die Atemwege und den Magen-Darm-Trakt aufgenommen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eSowohl auf europ\u00e4ischer Ebene als auch im k\u00fcrzlich verl\u00e4ngerten SFB 1357 \u201aMikroplastik\u2018 an der Universit\u00e4t Bayreuth werden wir die Wechselwirkungen zwischen Mikroplastik und Organismen in den kommenden Jahren intensiv untersuchen. Unser Ziel sind belastbare Gefahreneinsch\u00e4tzungen, aus denen wirksame Ma\u00dfnahmen zur Risikominderung abgeleitet werden k\u00f6nnen. Dabei m\u00fcssen wir allerdings damit rechnen, dass es langfristige Folgen der Umweltkontamination durch Kunststoffe geben kann, die heute erst ansatzweise erkennbar sind\u201c, sagt Laforsch. &nbsp;<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ver\u00f6ffentlichung<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Anja F.R.M. Ramsperger et al.: Nano- and microplastics: a comprehensive review on their exposure routes, translocation, and fate in humans. NanoImpact 29 (2023) 100441. DOI:&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.impact.2022.100441\">https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.impact.2022.100441<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine internationale Arbeitsgruppe des EU-Projekts \u201ePlasticsFatE\u201c hat unter Federf\u00fchrung von Prof. Dr. Christian Laforsch an der Universit\u00e4t Bayreuth die weltweite Forschungsliteratur zu diesen Fragen ausgewertet. Die in der Zeitschrift \u201eNanoImpact\u201c vorgestellten Ergebnisse zeigen: Hinsichtlich der Risiken f\u00fcr den Menschen gibt es weniger gesicherte Erkenntnisse, als es das breite Spektrum der Ver\u00f6ffentlichungen nahelegen k\u00f6nnte. 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