{"id":119700,"date":"2022-12-09T07:11:00","date_gmt":"2022-12-09T06:11:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=119700"},"modified":"2022-12-06T09:30:40","modified_gmt":"2022-12-06T08:30:40","slug":"policy-paper-raffinerie-schwedt-kann-klimaneutral-und-zukunftssicher-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/policy-paper-raffinerie-schwedt-kann-klimaneutral-und-zukunftssicher-werden\/","title":{"rendered":"Policy Paper: Raffinerie Schwedt kann klimaneutral und zukunftssicher werden"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p><strong>Durch das kommende \u00d6lembargo steht der Standort aktuell vor gro\u00dfen logistischen Herausforderungen. Im Zuge der deutschen Klimaziele stellt sich zudem die Frage, ob und wie sich Raffineriestandorte wie Schwedt f\u00fcr eine klimaneutrale Zukunft in einem schrumpfenden Kraftstoffmarkt r\u00fcsten k\u00f6nnen. Wie ein zukunftssicheres Produktportfolio des Standortes aussehen k\u00f6nnte, stellen drei Fraunhofer-Institute in Kooperation mit anderen Forschungseinrichtungen aus dem vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) gef\u00f6rderten Leitprojekt TransHyDE nun vor. Im jetzt ver\u00f6ffentlichten Policy Paper betrachten sie, wie sich das heute eingesetzte Roh\u00f6l durch Alternativen ersetzen l\u00e4sst, um Kraftstoffe und Plattformchemikalien k\u00fcnftig klimaneutral in Schwedt zu erzeugen.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Till Mansmann, Innovationsbeauftragter Gr\u00fcner Wasserstoff des BMBF, erkl\u00e4rt anl\u00e4sslich der Ver\u00f6ffentlichung der Studie: \u00bbDer Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine hat unsere Abh\u00e4ngigkeit von russischen Energielieferungen deutlich gemacht. Deshalb m\u00fcssen wir unsere Energieversorgung diversifizieren und fossile Energien schnellstm\u00f6glich durch neue, zukunftssichere Energietr\u00e4ger ersetzen. Gr\u00fcner Wasserstoff ist die gro\u00dfe Chance, Energiesicherheit, Klimaneutralit\u00e4t und Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu verbinden. Das Policy Paper aus unserem Wasserstoff-Leitprojekt TransHyDE zeigt, wie ein nachhaltiges Gesch\u00e4ftsmodell f\u00fcr die Raffinerie Schwedt auf der Basis von Gr\u00fcnem Wasserstoff aussehen kann. So l\u00e4sst sich die Zukunft dieses wichtigen Industriestandorts und der damit verbundenen Arbeitspl\u00e4tze nachhaltig sichern.\u00ab<\/p><p>\u00bbDeutschland kann auch in Zukunft ein Raffineriestandort bleiben \u2014 jedoch nur klimaneutral\u00ab, unterstreichen Natalia Pieton vom Fraunhofer IEG und Marius Neuwirth vom Fraunhofer ISI, die Erstautoren der Studie. \u00bbIm Rahmen der Energiewende m\u00fcssen wir als Gesellschaft daher schon jetzt klimaneutrale Konzepte zur Sicherung von Rohstoffversorgung und Infrastrukturen erstellen und die Basis f\u00fcr neue Wertsch\u00f6pfung schaffen.\u00ab<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die Raffinerie Schwedt befasst sich aufgrund des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine und damit verbundenen versiegenden \u00d6limporten aus Russland intensiv mit der Absicherung der kurzfristigen Roh\u00f6lversorgung aus anderen L\u00e4ndern. Der Industriestandort ist speziell f\u00fcr Ostdeutschland als Kraftstofflieferant der Region ein unverzichtbarer Verbund. Mit dem Ziel der Bundesregierung, in Deutschland bis 2045 Klimaneutralit\u00e4t zu erreichen und gleichzeitig strukturschwache Regionen zu st\u00e4rken, ist es wichtig, den Raffineriestandort zu erhalten und klimaneutral auszurichten. Bislang ist jedoch unklar, ob und wie der Raffineriestandort f\u00fcr eine klimaneutrale Zukunft umstrukturiert werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dieser Frage haben sich nun die Fraunhofer-Einrichtung f\u00fcr Energieinfrastrukturen und Geothermie IEG, das Fraunhofer-Institut f\u00fcr System- und Innovationsforschung ISI und das Fraunhofer-Institut f\u00fcr Keramische Technologien und Systeme IKTS im Rahmen der BMBF-gef\u00f6rderten Technologieplattform TransHyDE auseinandergesetzt und wurden dabei unterst\u00fctzt durch die DECHEMA Gesellschaft f\u00fcr Chemische Technik und Biotechnologie e.V. sowie dem Max-Planck-Institut f\u00fcr chemische Energiekonversion. Zusammen hat der Forschungsverbund wesentliche Konzeptideen erarbeitet, um eine&nbsp;<strong>mittel- und langfristige klimaneutrale Rohstoffversorgung&nbsp;<\/strong>f\u00fcr ein m\u00f6gliches zuk\u00fcnftiges Produktportfolio am Raffineriestandort Schwedt zu sichern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Blick in die gr\u00fcne Zukunft<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Weg in ein klimaneutrales Deutschland bedarf einer gro\u00dffl\u00e4chigen Elektrifizierung, sodass einige der heutigen Raffinerieprodukte &#8211; wie Kraftstoffe im Stra\u00dfenverkehr sowie Heiz\u00f6le im Geb\u00e4udew\u00e4rmebereich &#8211; in 2045 keine relevante Anwendung finden werden. Langfristig ist f\u00fcr die Erzeugung von klimaneutralen Kraftstoffen &#8211; insbesondere Flugkerosin und Schiffsdiesel &#8211; ein Aufbau der alternativen Technologiepfade&nbsp;<strong>Fischer-Tropsch<\/strong>&nbsp;(FT) oder&nbsp;<strong>Methanol-to-Synfuels&nbsp;<\/strong>(MtSynfuels)<strong>&nbsp;<\/strong>und ggf. erg\u00e4nzend Methanol-to-Olefins<strong>&nbsp;<\/strong>(MtO)<strong>&nbsp;<\/strong>f\u00fcr die Erzeugung von Plattformchemikalien<strong>&nbsp;<\/strong>erforderlich. Ausgangsbasis dazu k\u00f6nnten klimaneutraler&nbsp;<strong>Wasserstoff und CO<sub>2<\/sub>&nbsp;als Rohstoffe sein.&nbsp;<\/strong>Aber auch der Import von<strong>&nbsp;synthetischem Roh\u00f6l (Fischer-Tropsch-Crude) oder Methanol&nbsp;<\/strong>w\u00e4re eine Option<strong>.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Analysen haben gezeigt, dass f\u00fcr die Raffinerie Schwedt verschiedene Optionen bestehen, um als wichtiger Industriestandort in Brandenburg auch k\u00fcnftig erhalten zu bleiben und dabei einen bedeutenden Beitrag zum&nbsp;<strong>Gelingen der Energiewende<\/strong>&nbsp;zu leisten. Einen wesentlichen ersten Schritt zur Emissionsminderung stellt der&nbsp;<strong>Aufbau von Elektrolysekapazit\u00e4ten<\/strong>&nbsp;dar, um zun\u00e4chst das heute eingesetzte Erdgas zur Wasserstofferzeugung als Betriebsmittel bei der Roh\u00f6lveredlung zu ersetzen. Im zweiten zeitnahen Schritt sollte ein Hochlauf der FT- oder MtSynfuels-Technologien erfolgen, um bis 2045 ein zu 100%&nbsp;<strong>klimaneutrales Produktspektrum<\/strong>&nbsp;abzudecken.&nbsp;Bei Betrachtung der regionalen Nachfrage nach synthetischen Kraftstoffen, w\u00fcrde sich die Kapazit\u00e4t der klimaneutralen Raffinerie deutlich verringern (nach den aktuellen Studien wird mit ca. 20% der aktuellen Kapazit\u00e4t gerechnet).<\/p>\n\n\n\n<p>Die&nbsp;<strong>strategisch gute<\/strong>&nbsp;<strong>Infrastrukturanbindung<\/strong>&nbsp;erlaubt eine sichere und flexible Rohstoffversorgung. Ein Ausbau der erneuerbaren Energien k\u00f6nnte in Kombination mit einer angepassten&nbsp;<strong>CO<sub>2<\/sub>-Infrastruktur zu einer langfristigen Wertsch\u00f6pfung<\/strong>&nbsp;in der Region beitragen und zukunftsf\u00e4hige Arbeitspl\u00e4tze schaffen. Damit k\u00f6nnte der Standort einen&nbsp;<strong>Modellcharakter f\u00fcr andere Strukturwandelregionen<\/strong>&nbsp;besitzen. Diese Entwicklung sollte durch einen Dialogprozess mit den regionalen Akteuren begleitet werden, damit auch weitere Nutzungsoptionen f\u00fcr gr\u00fcne Produkte ber\u00fccksichtigt und insbesondere auch neue Start-Ups und Industrieansiedlungen gef\u00f6rdert werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u00dcber TransHyDE<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Erarbeitung des Positionspapiers erfolgte durch eine ausgew\u00e4hlte Autorenschaft des Verbundprojektes Systemanalyse aus dem Wasserstoffleitprojekt TransHyDE. Im Leitprojekt TransHyDE haben sich ca. 85 Partner aus Industrie, Verb\u00e4nden, Universit\u00e4ten und Forschungseinrichtungen sowie weitere 20 assoziierte Partner zusammengeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die geeignete Transport-Infrastruktur bildet das R\u00fcckgrat einer zuk\u00fcnftigen Wasserstoffwirtschaft. Allerdings gilt es noch zu kl\u00e4ren, welche Transport-L\u00f6sungen am geeignetsten sind, um kurze, mittlere und lange Strecken zu \u00fcberwinden. Wo lassen sich bereits bestehende Gasnetze umwidmen? Welche g\u00e4nzlich neuen Transport-Technologien braucht es? Welche Hemmnisse m\u00fcssen abgebaut werden? Das Leitprojekt TransHyDE will in f\u00fcnf begleitenden Forschungs- und vier Demonstrations-Projekten Wasserstoff-Transporttechnologien voranbringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wasserstoff-Leitprojekte bilden die bisher gr\u00f6\u00dfte Forschungsinitiative des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) zum Thema Energiewende. In den industriegef\u00fchrten Leitprojekten entwickeln Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam L\u00f6sungen f\u00fcr die deutsche Wasserstoffwirtschaft: Serienfertigung von gro\u00dfskaligen Elektrolyseuren (H2Giga), Erzeugung von Gr\u00fcnem Wasserstoff auf See (H2Mare), Technologien f\u00fcr den Transport von Wasserstoff (TransHyDE).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u00dcber Fraunhofer-Institut<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Fraunhofer-Institut f\u00fcr System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven f\u00fcr wichtige Entscheidungen zur Verf\u00fcgung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplin\u00e4ren und systemischen Forschungsansatz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch das kommende \u00d6lembargo steht der Standort aktuell vor gro\u00dfen logistischen Herausforderungen. Im Zuge der deutschen Klimaziele stellt sich zudem die Frage, ob und wie sich Raffineriestandorte wie Schwedt f\u00fcr eine klimaneutrale Zukunft in einem schrumpfenden Kraftstoffmarkt r\u00fcsten k\u00f6nnen. 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